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Die drei Typen der Heuristik nach Tversky und Kahnemann. Eine Analyse

Hausarbeit 2018 17 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Entscheidungsfindung in diversen Alltagssituationen

2 Denken und Schlussfolgern

3 Problemlösen

4 Heuristik

5 Die klassischen Heuristiken nach Tversky und Kahneman
5.1. Repräsentativitätsheuristik
5.2. Verfügbarkeitsheuristik
5.3. Ankerheuristik

6. Zusammenfassung und Diskussion

Quellenverzeichnis:

1 Entscheidungsfindung in diversen Alltagssituationen

Im Alltag müssen wir ständig verschiedenste und auch variierend in der Wichtigkeit Entscheidungen treffen – sei es beim Einkaufen von Lebensmitteln oder das Anlegen von Geld anhand Aktienkauf. Meist wird die Antwort auf viele Arten von Problemen von dem schnellen Denken – das intuitives Denken – geleitet. Das schnelle und unmittelbare Denken hierbei umfasst ‚das Urteilen aus dem Bauch heraus’.1 Im Normalfall reflektieren wir Menschen unsere Entscheidung nicht und projizieren auch nicht den individuellen Lösungsweg wieder, den man jeweils einschlug. Dabei setzen Individuen sich infolgedessen nicht mit der Frage auseinander, welche spezifischen Operatoren für das Bewältigen einer Herausforderung angewendet wurden. Während meiner Hausarbeit erörtere ich diese Frage und den Begriff der Heuristik ausführlich und umfassend.

Daraus resultierend setzen wir uns alltäglich mit einigen Fragen auseinander, die eine Wahrscheinlichkeitsaussage und oftmals auch eine kurzfristige Antworte abverlangen. Stellen Sie sich vor, Sie sehen einem Mann mittleren Alters beim Betreten in ein Zeitschriften-Geschäft zu. Dieser trägt sichtlich erkennbar einen teuren Anzug mit einem Manschettenknopf, der eine Luxusmarke abbildet, sowohl als auch eine Krawatte und einen Aktenkoffer in seiner Hand. Was denken Sie, was für eine Zeitschrift dieser Mann kauft? Zur Auswahl stehen die FAZ – eine bekannte Wirtschaftszeitschrift – oder die BILD? Man assoziiert diesen Mann automatisch mit Reichtum und stempelt ihn damit auch als erfolgreich ab. Aus diesem Grund schließt man direkt den Schluss – ohne großartig darüber nachzudenken – dass dieser Herr wohl die FAZ kaufen wird. Hier wird allerdings missachtet, dass die BILD von mehr Menschen gekauft wird als die FAZ (Basisraten Missachtung). Wir treffen den Entschluss basierend auf einem Stereotypen und den entsprechend repräsentativen Handlungsalternativen. Somit wird schleunig auf eine bekannte Heuristik zurückgegriffen. Wir greifen auf schon gemachte Erfahrungen zurück, um das zukünftige teilweise fundierter zu erklären.

In diesem Beispiel wird schnell ersichtlich, dass nicht alle Informationen vorhanden sind, um eine gerechtfertigte bzw. ausgereifte Antwort zu liefern. Um solche Angelegenheiten trotzdem beantworten zu können, benutzen wir Menschen sogenannte ‚Heuristiken’. Diese sind nützlich um Urteile schnell, sparsam und transparent zu fällen. Auch bei Entscheidungen unter Unsicherheit stellen Heuristiken nützliche Taktiken dar. Allerdings ist zu akzentuieren, dass diese Techniken nicht immer eine vertrauenswürdige Basis verkörpern. Zudem ist der Gebrauch von Heuristiken vorteilhaft, wenn die kognitiven Kapazitäten (Die Kapazität, die zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung steht, um Informationen verarbeiten zu können2 ) fehlen bzw. überlastet und auch wenn uns das Urteil nicht so wichtig ist3. Insofern erweist sich die intrinsische Motivation als dementsprechend niedrig. In dieser Hausarbeit werde ich hauptsächlich auf die Heuristiken bezüglich des Anwendungsfeldes ‚Denkpsychologie’ eingehen.

2 Denken und Schlussfolgern

Denken ist ein mentaler, kognitiver Prozess für die Individuen die einzelnen Komponenten Wahrnehmen, Lernen und Gedächtnis benötigen. Diese Bestandteile bilden eine elementare Grundlage und das Denken intergiert diese miteinander. Aus dem Grund stellt das Anstellen von Überlegungen an sich eine höhere kognitive Funktion dar. Dieser Prozess umfasst Vorgänge der Informationsaufnahme und auch –Verarbeitung, die Aufmerksamkeit und die Mustererkennung und bildhafte Vorstellungen uvm. Der Kenntnisstand gilt als eine Basis des Denkens an sich. Wissen illustriert aus diesem Grund eine organisierte Information, die im Gedächtnis gespeichert ist. Somit ist die jeweilige und an Personen gebundene Kenntnis in Kategorien in einem individuellen Netzwerk gespeichert und Schemata umfassen logisch zusammenhängende Merkmale bzw. Begriffe und schaffen somit den Kontext. In anderen Worten – ein Begriff wird immer in Relation zu anderen Begriffen gespeichert.4 Somit gibt es verschiedene Hierarchieebenen und hiermit sind jeweils Eigenschaften verbunden, welche die Repräsentanten einer Kategorie mehr oder weniger zutreffend beschreiben. Die Begriffe werden bildlich gesprochen mit Knoten miteinander verknüpft. Dabei werden Ursachen mit ihren Wirkungen verknüpft, Objekte mit ihren Eigenschaften oder auch Objekte mit den Kategorien, zu denen sie gehören.5 Wenn deshalb eine Vorstellung wachgerufen wird, löst dies viele andere Vorstellungen aus. Aus Konsequenz dessen lässt sich behaupten, dass unser Gehirn ist assoziativ (ursächliche Verknüpfung von Vorstellungen) kohärent (zusammenhängend) aufgebaut ist.

Schlussfolgernd kann man somit behaupten, dass der Fokus beim Denken auf der Verwendung von Wissen (deklarativ und prozedurales Wissen) liegt. Wir Menschen sind in der Lage zu denken, weil wir uns an die Situation mit unseren Handlungen stets anpassen – das beschreibt generell das Anliegen der adaptiven Verhaltensselektion, welches eine gedankliche Auseinandersetzung mit der Umwelt voraussetzt. Aus dessen Grund wägen Individuen Gegebenheiten ab. Konkludierend besitzen Menschen zwei von Grund auf verschiedene Arten des Kopf-Zerbrechens über ein Thema – das deduktive und induktive Denken. Das deduktive Denken beschreibt das logische Schlussfolgern – aus den Prämissen entsteht eine Konklusion. Induktion schildert stattdessen, dass aus empirisch-gewonnenen-Informationen eine allgemeine Gesetzmäßigkeit abgeleitet wird. Somit ist das induktive Denken mit den Heuristiken in einer bestimmten Art und Weise verbunden.

3 Problemlösen

Andauernd stehen Menschen vor Problemen, die eine Lösung bedürfen. Dabei enthalten viele Probleme Diskrepanzen – zwischen dem, was an Wissen schon zur Verfügung steht und welches Wissen man noch benötigt. Beim Lösen eines Problems verringert sich somit diese Diskrepanz durch das Finden der noch fehlenden Informationen. Infolgedessen beschreibt das Problemlösen eine Reduktion der Diskrepanz zwischen dem Ist-Zustand und dem Soll-Zustand. Ein Problem wird definiert durch einen Anfangszustand – die vollständige Information oder die unbefriedigende Zustandslage, von der sie ausgehen; zudem durch einen Zielzustand – die Informationen oder der Zustand in der Welt, den Sie zu erreichen hoffen; darüber hinaus noch eine Menge von Operatoren – die Schritte, die ein Individuum unternimmt, um sich von dem Anfangszustand auf den Zielzustand hin zu bewegen.6 Das Problemlösen stellt das Individuum vor ungeahnte Herausforderungen. Es werden nicht nur die Verarbeitungsressourcen oftmals überlastet, die beim Lösen und einer mentalen Anforderung entstehen, sondern auch eine Folge von Operatoren geplant. Somit bedient sich das Problemlösen oftmals Heuristiken.

4 Heuristik

Heuristik – auch heuriskein, welches Verb ‚Finden’ oder ‚Entdecken’ bedeutet und wird heutzutage vor allem im Sinne von „leitet Entdeckung“ oder „verbessertes Problemlösen“ gebraucht.7 Rene Decartes beschrieb 1637 erstmals eine Methodologie, die sich auf das Vermögen der Intuition stützt.8 Der Begriff Heuristik bezeichnet die Fähigkeit, mit rudimentären Informationen, eingeschränktem Wissen und Zeitdruck oder mangelnde Motivation, dennoch zu einer adäquaten Entscheidung zu kommen. In der Psychologie werden einfache aber effiziente Regeln als eine Heuristik bezeichnet und sind infolgedessen mentale Daumenregeln. Als heuristisches Vorgehen bezeichnet man eine einfache Denkstrategie bzw. mentale Abkürzungen für effizientere Urteile.9 Somit dienen Heuristiken der schnellen Problemlösung – sind allerdings auch fehleranfälliger als ein Algorithmus (d.i. eine systematische, logische Regel oder Vorgehensweise).10 Diese Verzerrungen (Biases) entstehen, da sich das Individuum nur auf einen Aspekt eines komplexen, schwierigen Problems konzentriert und andere Faktoren ignoriert. Bei kognitiver Verzerrung werden bestimmte Entscheidungsfaktoren stärker gewichtet als andere.11 Im Alltag haben wir so gut wie nie die Möglichkeit alle Handlungsalternativen abzuwägen oder alle Informationen über unsere Umwelt zu sammeln, sondern Spontaneität wird abverlangt. Dabei benutzen Heuristiken im Laufe der Evolution schon bereits entwickelte Fähigkeiten – das heißt im Umkehrschluss, dass eine Heuristik einfach anzuwenden ist, weil sie auf diversen, individuellen Fähigkeit aufbauen und ebenfalls mit Umweltstrukturen arbeiten. Eine Heuristik ist sowohl im menschlichen Organismus als auch in der Umwelt verankert, da sie auch mit unserem Gehirn und unseren kognitiven Fähigkeiten verbunden sind. Zudem lässt sich dadurch ein Verhalten vorhersagen. Zurück zu dem assoziativen Gedächtnis – wird ein Begriff aus dem Erinnerungsvermögen abgerufen, werden seine Knoten und infolgedessen auch andere mit dem Begriff verbundene Knoten aktiviert.12

5 Die klassischen Heuristiken nach Tversky und Kahneman

Die renommierten Psychologen Amos Tversky und Daniel Kahneman erhielten 2002 den Nobelpreis für den Artikel „Urteile unter Untersicherheit: Heuristiken und Verzerrungen“/ „Judgement under uncertainty: Heuristics and biases“ der 1974 in der Science erschienen ist. Somit wurde die Forschung zu Heuristiken aus der Sicht der Kognitionspsychologie maßgeblich von diesen Psychologen geprägt. Dabei beleuchteten sie die Urteilsfindungen mit ihren jeweiligen Neigungen zu Biases bzw. Verzerrungen wissenschaftlich und empirisch. Hier widerlegten diese die vorherig geglaubte Theorie, dass Menschen Entscheidungen auf der Basis der Rationalität treffen. Wie ich schon angeschnitten habe, sind Heuristiken einfache und auch effiziente Faustregeln. Auf diese Regeln bzw. Prinzipien stützen sich Menschen, die komplexe Aufgaben der Abschätzung von Wahrscheinlichkeiten und der Vorhersage von Werten auf einfachere Urteilsoperationen reduzieren.13 Meist sind diese Regeln nützlich und dabei ökonomisch und für gewöhnlich effektiv, führen aber auch zu schwerwiegenden und systematischen (somit keine Zufälle14 ) Fehlern bzw. Irrtümern. In diesem Kapitel konzentriere ich mich ausschließlich auf die kognitiven Verzerrungen die auf den drei bekannten Heuristiken (Repräsentativitätsheuristik, Verfügbarkeitsheuristik und Ankerheuristik) beruhen und beziehe mich deswegen auf den Artikel der oben benannten Psychologen. Damit eine detaillierte Beschreibung der Heuristiken ermöglich wird, muss ich ebenfalls auf die Verzerrungen hierbei eingehen.

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1 Schnelles Denken, langsames Denken – Daniel Kahneman

2 http://www.wirtschaftslexikon24.com/

3 Kunda 1990; Eagly & Chaiken 1993

4 Collins & Quilian, 1969 (Theorie des semantischen Gedächtnisses)

5 Schnelles Denken, langsames Denken – Daniel Kahneman, Seite 71

6 Newell und Simon aus dem Buch ‚Psychologie’ von Zimbardo und Gerrig

7 Uni-Heidelberg, Gerd Gigerenzer und Wolfgang Gaissmaier, Zitat von: Groner, Groner & Bischof, 1983

8 de.wikipedia.org

9 Stangl, 2018

10 lexikon.stangl.eu

11 https://kreativitätstechniken.info/

12 Collins & Quilian, 1969

13 Artikel: Urteile unter Unsicherheit: Heuristiken und kognitive Verzerrungen

14 https://kreativitätstechniken.info/

Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668887947
ISBN (Buch)
9783668887954
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v457412
Note
1,4
Schlagworte
Heuristik wahrnehmung allgemeine psychologie empfindung problemlösen

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