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Die Ökonomische Theorie und die Theorie des expressiven Wählens

Wie begründen Brennan, Hamlin und Lomasky ihre Modifikation von Downs‘ Ökonomischer Theorie der Demokratie?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 20 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Rational- Choice- Ansatz der Wahltheorie

3 Anthony Downs: Die Ökonomische Theorie der Demokratie
3.1 Die Grundlage der Theorie von Anthony Downs
3.2 Der Handlungsgrund des Wählers in Downs‘ Theorie
3.3 Die Entscheidungsregel des Wählers in Downs‘ Theorie
3.4 Die Situation des Wählers in Downs‘ Theorie

4 Die Analyse der Ökonomischen Theorie der Demokratie
4.1 Die Logische Konsequenz aus Downs‘ Annahmen
4.2 Konfrontation der logischen Konsequenz mit empirischen Befunden
4.3 Die Schlussfolgerung aus der Analyse

5 Brennan & Lomasky/ Brennan & Hamlin: Die Theorie des expressiven Wählens
5.1 Die Grundannahmen in der Theorie des expressiven Wählens
5.2 Die Modifikation durch die Theorie des expressiven Wählens
5.3 Die Begründung der Modifikation

6 Schlussfolgerungen aus der Theorie des expressiven Wählens

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Immer wieder kommt unter Forschenden die Frage auf, warum Wahlberechtigte in liberalen Demokratien wie die der Bundesrepublik Deutschland oder der USA überhaupt zur Wahl gehen, wenn diese doch auch stattdessen zu Hause bleiben, ihren Lieblingsfilm sehen oder vielleicht sogar auf der Arbeit Geld verdienen könnten.

Was genau ist das Ziel von Wählenden, und was bringt es ihnen, an der Wahlurne ihre Stimme abzugeben?

Um diese Fragen zu beantworten, entwickelten sich viele Theorien zur Wahlbeteiligung, unter anderem auch die Ökonomische Theorie der Demokratie von Anthony Downs. Diese Rational- Choice- Theorie der Wahlbeteiligung wird allerdings von einer weiteren Auffassung des Wählerverhaltens herausgefordert: Die Theorie des expressiven Wählens, dessen bekannte Vertreter Geoffrey Brennan, Loren Lomasky und Alan Hamlin sind, welche den klassischen Rational- Choice- Ansatz von Downs modifiziert.

Dadurch entwickelt sich eine interessante Fragestellung: Wie genau modifizieren die Vertreter des expressiven Wählens die klassische Ökonomische Theorie der Demokratie, wie begründen sie diese, und ist diese Modifikation auch plausibel?

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich folglich in Bezug auf die Rational- Choice- Theorie von Anthony Downs und dessen Annahmen die Modifikation durch die expressive Theorie der Wahlbeteiligung herausarbeiten und veranschaulichen, inwieweit diese plausibel ist.

2 Der Rational- Choice- Ansatz der Wahltheorie

Die Rational- Choice- Theorie ist ein verbreitetes Modell zur Erklärung der Wahlbeteiligung in liberalen Demokratien. Neben der Rational- Choice- Theorie des Wahlverhaltens existieren unter anderem auch soziologische Erklärungsansätze, individualpsychologische Erklärungsansätze sowie Modelle des sozialen Milieus (Korte 2009: 1).

Die Rational- Choice- Theorie der Wahlbeteiligung umfasst die Annahmen eines methodologischen Individualismus und die Rationalität eines Akteurs.

Das bedeutet, dass alle sozialen Phänomene als Resultat von Entscheidungen menschlicher Individuen verstanden werden sollten. Aussagen über gesamtsoziale Phänomene sind somit zurückzuführen auf Verhalten von Individuen, durch einzelne Individuen ergibt sich somit ein Gesamtbild eines sozialen Phänomens (Dehling/Schubert 2011: 22ff).

Zudem bedeutet Rationalität hier, dass den individuellen Akteuren Handlungen unter einer Kosten- Nutzen- Bilanz unterstellt werden. Diese Rationalität wird als Wahlverhalten zwischen verschiedenen Handlungsoptionen gesehen, wobei sich ein Akteur überlegt und abwägt, was für ihn die beste Option bei einer Entscheidung wäre, jeder Akteur verfolgt also mit seinen Handlungen bestimmte Ziele (Dehling/Schubert 2011: 12).

Bei der Analyse von Rational- Choice- Theorien sind dabei drei Fragestellungen zu beachten: Erstens ist zu analysieren, warum Individuen überhaupt bei Wahlen teilnehmen, zweitens, nach welcher Regel sie sich entscheiden und drittens, ob diese informiert sind (Aidt 2000: 349- 350).

3 Anthony Downs: Die Ökonomische Theorie der Demokratie

3.1 Die Grundlage der Theorie von Anthony Downs

Die Ökonomische Theorie der Demokratie („ An Economic Theory of Democracy “) von Anthony Downs aus dem Jahr 1957 zählt zu den klassischen Rational- Choice- Ansätzen der Wahltheorien.

Downs‘ Theorie basiert dabei ausdrücklich auf Joseph Schumpeters Werk „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ von 1942 (Downs 1957: 29).

In Downs‘ ökonomischer Auffassung des politischen Systems betrachtet dieser die Parteien als Anbieter und die Wähler als Konsumenten eines Marktes. In diesem „Tauschsystem“ beschreibt Downs die Demokratie als Markt für Nutzenmaximierer, wobei er diese Auffassung auch auf die Stimmenabgabe von Wählern bezieht (Lehner 1981: 21).

Im Zentrum der Downschen Theorie der Demokratiebetrachtung stehen Parteienwettbewerb, Wahlen und die Präferenzen der Wahlberechtigten(Schmidt 2008: 196). Downs bezieht sich auf eine genaue Demokratiebezeichnung: Erstens sind Wettbewerb und Wahlen konstante Elemente einer Demokratie. Zudem wird eine Partei von der Bevölkerung zur Ausübung der staatlichen Regierung gewählt, wobei diese Wahlen in periodischen Abständen getätigt werden. In einer Demokratie besteht ein allgemeines Wahlrecht, und die endgültigen Wahlergebnisse müssen akzeptiert werden (Downs 1957: 23- 24).

Zu dieser Demokratiebeschreibung fügt Downs ein klares Bild des Wählers hinzu:

Diese handeln instrumentell, denn sie sind an den Konsequenzen ihres Handelns orientiert und interessiert, was in diesem Zusammenhang bedeutet, dass der einzelne Wähler mit seiner Wahlteilnahme Einfluss auf die künftige Zusammensetzung der Regierung ausüben möchte (Klein 2002: 411).

Indes dient als Grundlage dieser Analyse das Akteursmodell des homo oeconomicus (Downs 1957: 7).

3.2 Der Handlungsgrund des Wählers in Downs‘ Theorie

Bei der Analyse von Downs‘ Annahmen über das Wählerverhalten sollte man zunächst den Handlungsgrund des Wählers betrachten.

Downs geht davon aus, dass die Wahlberechtigten in einer Demokratie nutzenmaximierende Akteure sind, welche anstreben, ihren instrumentellen Nutzen zu mehren. Dabei versuchen diese, ein Maximum an Nutzen oder ein Minimum an Kosten zu erreichen. Generell gilt es, für einen Nutzenertrag den kleinstmöglichen Aufwand an Mitteln einzusetzen (Downs 1957: 5).

Doch was bedeutet dies für die Wahlentscheidung eines Staatsbürgers?

Aus dieser Nutzenmaximierungsthese ergibt sich, dass ein Wähler bei einer Wahlentscheidung seiner bevorzugten Partei zum Wahlsieg verhelfen möchte. Dabei stellt sich natürlich die Frage, welchen Nutzen sich ein Staatsbürger beim Wählen einer bestimmten Partei verspricht. Die Vorteile, welche ein Wähler bei der Wahlentscheidung in Betracht zieht, sind Nutzeneinkommen, die aus einer staatlichen Tätigkeit entspringen. Diese Vorteile können die einzelnen Bürger ganz verschieden empfinden, denn es lässt sich kein objektiver Nutzenwert für eine Handlung bestimmen, da jeder Akteur in seinem Handeln einen unterschiedlichen subjektiven Vorteil sieht (Behnke 2016: 431).

Dieses Phänomen der Nutzenmaximierung wird in Downs‘ Theorie zusätzlich auch auf das sogenannte Eigennutzaxiom zurückgeführt, welches unterstellt, dass der Rationalität der Akteure vor allem eigennützige Interessen zugrunde liegen. Die Wahlbeteiligten verfolgen daher also die eigenen Motivationen und nicht die von anderen Akteuren (Downs 1957: 27).

3.3 Die Entscheidungsregel des Wählers in Downs‘ Theorie

Nachdem nun der Handlungsgrund erläutert wurde, bleibt die Frage offen, wie sich der Akteur für eine Partei entscheidet.

Der These des homo oeconomicus zufolge handeln individuelle Akteure stets rational, also folgenorientiert, was darauf hinausläuft, dass die Wähler ihre Entscheidungsalternativen sowie dessen Kosten und Nutzen rational abwägen, vergleichbar mit eigennutzorientierten Konsumenten auf dem wirtschaftlichen Markt (Schmidt 2008: 201).

In unserem Zusammenhang der Erklärung der Stimmenabgabe ist das Verhalten von Wählern dann rational, wenn es auf die Auswahl einer Regierung, und auf kein anderes Ziel, ausgerichtet ist. Downs geht davon aus, dass der politische Akteur als Wähler stets dazu fähig ist, eine Entscheidung zu treffen, wenn dieser vor einer Reihe von Handlungsoptionen steht, zudem ordnet er alle Entscheidungsalternativen nach einer für ihn logischen Präferenzordnung, welche als transitiv bezeichnet werden kann, und schließlich wählt der Akteur die Option, welche in seiner Ordnung den höchsten Rang einnimmt. Außerdem wird der Wähler bei gleichbleibender Auswahl an Handlungsoptionen immer wieder dieselbe Entscheidung treffen (Downs 1957: 6-7).

Indessen nimmt Downs an, dass die Wähler bei der Auswahl von Handlungsoptionen über die bevorstehende Wahl, dessen Kandidaten sowie Programmen und Konsequenzen informiert sind (Schmidt 2008: 198).

Um die Frage, wie der rationale Akteur zwischen den verschiedenen Parteien in einem Zweiparteiensystem abwägt, zu beantworten, bringt Downs zwei verschiedene Parteiendifferentiale ins Spiel:

Es wird davon ausgegangen, dass bei einer Wahl Partei A, welche zum jetzigen Zeitpunkt an der Regierung ist, gegen Partei B antritt. Zur Ermittlung der eigenen Präferenz vergleicht ein Wahlbeteiligter die Nutzeneinkommen, welche er von den Parteien erlangen würde, miteinander. Das erwartete Parteiendifferenzial spiegelt dabei die Differenz zwischen dem Nutzeneinkommen, das ein Wähler vom Wahlsieg der Partei A hätte, und dem Vorteil, den er beim Sieg von Partei B erlangen würde, wieder. Kann der Wähler von Partei A ein höheres Nutzeneinkommen als von Partei B erwarten, so wird folglich Partei A gewählt. Erwartet dieser allerdings von Partei B mehr Vorteile, stimmt er für Partei B ab. Ist das erwartete Parteiendifferenzial gleich Null, wird der Wähler sich von der Wahl enthalten (Downs 1957: 39).

Das erwartete Parteiendifferential ist also eine Subtraktion von hypothetischen Nutzeneinkommen der Parteien.

Da der Wähler aber ein rationaler Akteur ist, weiß dieser, dass er nicht nur die erwarteten Programme vergleichen kann, da keine Partei all das einhalten kann, was sie verspricht, sondern konkrete Tatbestände bei der Entscheidungsfindung miteinbeziehen sollte.

Um einen Anhaltspunkt zu bekommen, was realistische Leistungen einer Partei sein könnten, analysiert der Wähler die jetzigen Handlungen der regierenden Partei A. Nun muss der Wähler hypothetische Leistungen in Erwägung ziehen, die die Oppositionspartei B im gleichen Zeitraum, wäre diese an der Macht gewesen, vollbracht hätte. Folglich muss der Wähler ein tatsächliches, gegenwärtiges Nutzeneinkommen der Partei A mit einem hypothetischen Nutzeinkommen der Partei B im gleichen Zeitraum vergleichen. Somit wird dieses Abwägen zwischen zwei Entscheidungsalternativen gegenwärtiges Parteiendifferenzial genannt, bei der sich auf konkrete Tatsachen gestützt wird (Downs 1957: 40).

Modifizierend kommt zu dieser Entscheidungsfindung der sogenannte Trendfaktor hinzu:

Dieser Trendfaktor berücksichtigt wichtige Ereignisse innerhalb einer Wahlperiode, beispielweise eine negative Einstellung des Wählers zur jetzigen Regierung gegenüber, die sich aber mit der Zeit ins Positive entwickelte.

Eine zweite Modifizierung tritt auf, wenn das Parteiendifferenzial gleich null wäre. Infolgedessen würde ein rationaler Akteur die gegenwärtige Regierung mit ihren Vorgängern vergleichen, um Rückschlüsse über eine positive oder negative Einstellung zur jetzigen Regierung zu ziehen (Downs 1957: 41-42).

Das gegenwärtige Parteiendifferenzial ist also maßgeblich dafür verantwortlich, wie sich die Wähler einer bevorstehenden Wahl entscheiden.

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668887961
ISBN (Buch)
9783668887978
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v457422
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,8
Schlagworte
Anthony Downs Downs Brennan Lomasky Ökonomische Theorie Demokratie expressiv Wählen Wählens Hamlin der Expressionismus Brexit Wahlbeteiligung Rational Choice Rational Choice

Autor

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Titel: Die Ökonomische Theorie und die Theorie des expressiven Wählens