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Untersuchung der Funktionen des Lachens in Nietzsches "Die fröhliche Wissenschaft" und "Also sprach Zarathustra"

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse der Funktionen des Lachens in „Die fröhliche Wissenschaft“
2.1 Aphorismus 1 „Die Lehrer vom Zwecke des Daseins“ – Erstes Buch
2.2 Aphorismus 200 „Lachen“ – Drittes Buch
2.3 Aphorismus 327 „Ernst nehmen“ – Drittes Buch
2.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

3. Analyse der Funktionen des Lachens in „Also sprach Zarathustra“
3.1 „Vom Lesen und Schreiben“ – Buch 1
3.2 „Vom höheren Menschen – 15.“ - Buch 4
3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

4. Vergleich der verschiedenen Funktionen des Lachens innerhalb der Texte
4.1 Lachen als Auslachen
4.2 Lachen als (Selbst-)Überwindung
4.4 Zusammenfassung der Vergleiche

5. Zusammenfassung/Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Selbstständigkeitserklärung

1. Einleitung

„Das Lachen sprach ich heilig; ihr höheren Menschen, lernt mir – lachen!“

Mit diesem Satz endet die Rede, „Vom höheren Menschen“ in „Also sprach Zarathustra“ an die höheren Menschen. Es wird sofort deutlich, dass dem Lachen bei Nietzsche eine gewichtige Rolle zugesprochen wird, wenn sogar seine höheren Menschen das Lachen lernen sollen. Doch nicht nur in Nietzsches Zarathustra hat das Lachen einen hohen Stellenwert, sondern auch in „Die fröhliche Wissenschaft“ taucht der Begriff des Lachens immer wieder auf. Hier stellen sich nun Fragen wie, welche Funktion bzw. Funktionen hat dieses Lachen, wie Nietzsche es gebraucht? Oder ob die zwei Werke, „Die fröhliche Wissenschaft“ und „Also sprach Zarathustra“, unterschiedliche Funktionen des Lachens realisieren und wenn ja, wie gravierend sind dann diese Unterschiede. Der aktuelle Forschungsstand hat hierzu bereits einige Vorarbeit geleistet, und das Lachen Nietzsches bereits in großen Teilen allgemein charakterisiert. Jedoch gibt es, laut meinen Kenntnissen, keinen direkten Vergleich der verschiedenen Funktionen des Lachens in den beiden Werken. Ich halte es allerdings für Notwendig, einen solchen Vergleich anzustreben, da man hierdurch einen tieferen Einblick in die Verwendungsweise des Begriffs „Lachen“ bei Nietzsche erhält und sehen kann, wo er eventuell Schwerpunkte in diesen beiden Texten setzt.

Daher wird sich die vorliegende Arbeit mit den zuvor aufgestellten Fragen auseinandersetzen. Dabei werden zunächst einzelne Kapitel der jeweiligen Texte analysiert hinsichtlich der Funktionen des Lachens, im Anschluss daran erfolgt immer eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Funktionen. Nach der Analyse, wird ein Vergleich der Funktionen des Lachens stattfinden, indem sich ähnelnde Funktionen gegenüber gestellt werden und geschaut wird, inwiefern sich diese Funktionen gleichen oder auch unterscheiden. Als letztes wird es ein Fazit geben, welches die Ergebnisse und Erkenntnisse der Arbeit darstellt, die bereits erwähnten Fragen aufgreift und beantwortet und ein abschließendes Wort bietet.

2. Analyse der Funktionen des Lachens in „Die fröhliche Wissenschaft“

Wie der Titel des Buches bereits sagt, handelt es zu einem gewissen Teil von Fröhlichkeit. Und was könnte näher an Fröhlichkeit sein als Lachen. Lachen, ein immer wiederkehrendes Motiv in Nietzsches „Die fröhliche Wissenschaft“, welches ganz unterschiedliche Funktionen zu haben scheint.

Das folgende Kapitel widmet sich der Untersuchung der verschiedenen Funktionen des Lachens innerhalb von „Die fröhliche Wissenschaft“. Diese Funktionen werden ausfindig gemacht, erläutert und begründet. Da das Lachen in vielen der 383 Aphorismen zur Sprache kommt, werden im Rahmen dieser Arbeit nur wenige ausgewählte Aphorismen behandelt, die meiner Meinung nach bestimmte Kernfunktionen des Lachens verdeutlichen.

2.1 Aphorismus 1 „Die Lehrer vom Zwecke des Daseins“ – Erstes Buch

Der Aphorismus „Die Lehre vom Zwecke des Daseins“ leitet das erste Buch in „Die fröhliche Wissenschaft“ ein. Im Folgenden soll dieser Aphorismus hinsichtlich des Lachens und dessen Funktion untersucht werden.

W. Stegmaier schreibt in seinem Buch „Nietzsches Befreiung der Philosophie“ über diesen ersten Aphorismus:

Die Evolution, das ist der Ausgangpunkt der FW, hat keinen Zweck, und eine „fröhliche Wissenschaft“ befreit dazu, über die zu lachen, die angesichts der Verzweiflung, die diese „Wahrheit“ auslöst, unverdrossen weiter „Zwecke des Daseins“ lehren, sie macht jenseits von „Moralen und Religionen“, die über das Leiden am Dasein hinwegzutrösten versuchen, den Weg zu einer „letzten Befreiung und Unverantwortlichkeit“ frei.1

In diesem Ausschnitt wird deutlich, welche Funktion das Lachen in diesem Aphorismus einnimmt. Nietzsche denkt dabei das Lachen ganz eng mit seiner „fröhlichen Wissenschaft“ und von Stegmaier wird es sowohl als eine Befreiung, sowie als Auslachen charakterisiert. Im Aphorismus wird beschrieben, dass es der Menschheit an Wahrheitssinn fehlt2 und sie sich immer noch in einer „Zeit der Tragödie, die Zeit der Moralen und Religionen“3 befindet. Diese Tragödie ist weiterhin dadurch gekennzeichnet, dass sie vermeintlich vorgegebene „Zwecke des Daseins“ zu haben scheint. Aus ebenjener Tragödie will Nietzsche hin zu einer „Komödie des Daseins“4 fliehen und das mithilfe der „fröhlichen Wissenschaft“. Da das Lachen, wie bereits festgestellt, mit der „fröhlichen Wissenschaft“ eng verknüpft ist, scheint ihm in diesem Aphorismus zum Teil wohl eine überwindende Funktion inne zu liegen, denn es überwindet die Tragödie des Lebens und führt hin zu einer Komödie, einem besseren und fröhlicheren Leben. Das Lachen befreit die Menschen und schafft dadurch erst die Möglichkeit einer „fröhlichen Wissenschaft“.

Eine weitere Funktion des Lachens, die hier zu Tage tritt, ist die des Auslachens bzw. Über-Etwas-Lachens. Denn über die „Zwecke des Daseins“ kann man mittlerweile lachen, wenn man die Wahrheit akzeptiert, dass diese gar nicht in der gedachten Form existieren.5 Weiterhin wird das „Über-Etwas-Lachen“ deutlich an der Passage „Über sich selber lachen, wie man lachen müsste, um aus der ganzen Wahrheit heraus zu lachen“6. Hier wird das worüber man lacht eingegrenzt auf ein „Über-Sich-Selbst-Lachen“. Das Lachen könnte hier bedeuten, dass man erst wenn man begreift, dass man selbst Irrtümer, wie die über die „Zwecke des Daseins“ hat, begreifen kann was die ganze Wahrheit ist. Man muss sich selbst komisch finden, über sich lachen können, um eben diese Wahrheit zu begreifen. Man könnte interpretieren, dass man sich selbst auslachen muss, sich selbst seine Fehler eingestehen muss, um zur Wahrheit zu gelangen. Dieser Prozess ähnelt einer Wandlung bzw. Transformation. Man muss sich selbst erkennen, um sich ändern zu können. Das Lachen hat dabei die Funktion, zu sich selbst auf Abstand zu gehen, um sich selbst zu überwinden bzw. um über sich selbst zu lachen.

2.2 Aphorismus 200 „Lachen“ – Drittes Buch

„Lachen heisst: schadenfroh sein, aber mit gutem Gewissen.“7

Betrachtet man diesen kurzen Aphorismus wird deutlich, dass dem Lachen hier die Funktion der Schadenfreude zuteil wird. Schadenfreude kann wiederum für Spott oder auch Verachtung stehen. Anscheinend geht Nietzsche davon aus, dass „schadenfroh zu sein“ normalerweise mit einem „schlechten Gewissen“ einhergeht. Dies wird deutlich an der Konjugation „aber“, welche ausdrückt, dass mit „schadenfroh“ sonst etwas anderes verknüpft ist, als ein gutes Gewissen. Somit scheint Schadenfreude üblicherweise etwas Schlechtes zu sein. Daraus wird ersichtlich, dass erst das Lachen dazu führt, dass man guten Gewissens schadenfroh sein kann. Dem Lachen wird hier also eine positive Funktion zuteil, denn es macht aus der normalerweise schlechten Schadenfreude, eine Schadenfreude, die nicht schlecht ist. Dennoch drückt das Lachen eine Art Verachtung bzw. Schadenfreude aus.

2.3 Aphorismus 327 „Ernst nehmen“ – Drittes Buch

Das Lachen spielt im vorliegenden Aphorismus erst am Schluss eine Rolle, macht aber den ganzen Aphorismus schlüssig. Ich stelle die These auf, dass die Funktion des Lachens welche hier beschrieben wird, eine „überwindende“ ist.

Zunächst wird ein Vorurteil gegenüber dem Lachen aufgestellt: „wo Lachen und Fröhlichkeit ist, da taugt das Denken Nichts“8. Nietzsche schreibt: „Wohlan! Zeigen wir, dass es ein Vorurtheil ist!“9. Daran zeigt sich, dass Nietzsche die These, dass sich Lachen nicht mit Denken verträgt, ablehnt. Doch was bedeutet das nun hinsichtlich der Funktion des Lachens. Wenn das Denken doch etwas taugt, wo Lachen ist, heißt dies womöglich, dass Lachen den Ernst überwinden kann, von dem Nietzsche zuvor spricht. Er sagt: „Die liebliche Bestie Mensch verliert jedesmal, wie es scheint die gute Laune, wenn sie gut denkt; sie wird >>ernst<<!“10. Dieser Satz zeigt, dass „Ernst zu werden“ anscheinend notwendig ist, um gut zu denken. Da Nietzsche von einem Vorurteil über das Lachen ausgeht, könnte man nun weiter argumentieren, dass wenn sich Lachen tatsächlich mit nützlichen/guten Denken vereinbaren lässt, das Lachen, in der Lage ist, den Ernst der normalerweise damit einhergeht, zu überwinden und die Wissenschaften zu einer „fröhlichen Wissenschaft“ werden lässt. Anhand dessen lässt sich hier die Funktion der Überwindung feststellen, in dem Sinne, dass das Lachen den Ernst im Denken überwindet. Folglich lässt sich die oben beschriebene These bestätigen.

2.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

Aufgrund der drei Aphorismen, welche untersucht wurden, konnten drei allgemeine Funktionen des Lachens bei Nietzsche festgestellt werden. In „Die Lehrer vom Zwecke des Daseins“ konnte gezeigt werden, dass dem Lachen eine überwindende Funktion hinsichtlich der „Zwecke des Daseins“ zugesprochen werden kann. Im letzten analysierten Aphorismus 327 „Ernst nehmen“ konnte auch eine überwindende Funktion, hier die Überwindung des Ernstes, festgestellt werden.

Weiterhin scheint das Lachen in Aphorismus 1 auch als ein Über-Sich-Selbst-Lachen zu fungieren und weist damit die Funktion auf, zu sich selbst auf Distanz zu gehen und besser zu verstehen, was Wahrheit ist. Diese Funktion ist eng verknüpft mit der Überwindungsfunktion. Eine weitere Funktion die im Rahmen des Über-Sich-Selbst- Lachens auftritt, ist die des Auslachens, man lacht sich selbst aus, für das, was man dachte, was wahr ist. 11

In dem Aphorismus 200 „Lachen“ wird diese Funktion des Auslachens noch deutlicher. Hier wird das Lachen explizit als Schadenfreude bezeichnet. Jedoch erhält das Lachen hier noch die Funktion der Umwandlung, von etwas normalerweise „Nicht-Guten“ zu etwas, dass man mit guten Gewissen tun kann. Da „schadenfroh-sein“ immer auch eine gewisse Verachtung demjenigen gegenüber mit sich bringt, den man auslacht, wird dem Lachen auch eine verachtende Funktion zu Teil.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Analyse der einzelnen Aphorismen ergeben hat, dass dem Lachen eine überwindende, eine distanzierende und auslachende Funktion haben kann.

3. Analyse der Funktionen des Lachens in „Also sprach Zarathustra“

Das Lachen spielt in „Also sprach Zarathustra“ eine zentrale Rolle. Immer wieder taucht dieser Begriff auf und spätestens zum Schluss wird deutlich, dass das Lachen das ist, was Zarathustra die ganze Zeit lehren will. Richtiges Lachen ist, was den Menschen zum Übermenschen macht.

[...]


1 Stegmaier, W. (2012). Nietzsches Befreiung der Philosophie. Berlin/Boston: Walter de Gruyter GmbH & CoKG. S. 31.

2 Vgl. Nietzsche, F. (1999): Die fröhliche Wissenschaft. In G. Colli, & M. Montinari (Hrsg.). Friedrich Nietzsche: Sä mtliche Werke - Kritische Studienausgabe in 15Bänden (Bd. 3, 2.Aufl.). Berlin: Deutscher Taschenbuch Verlag de Gruyter. S. 370.

3 Ebd. S. 370.

4 Vgl. Ebd. S. 370.

5 Stegmaier, W. (2011). FW: Die fröhliche Wissenschaft. In C. Niemeyer (Hrsg.), Nietzsche-Lexikon. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. S. 120.

6 Vgl. Nietzsche, F. (1999): Die fröhliche Wissenschaft. S.370.

7 Ebd. S. 506.

8 Ebd. S. 555.

9 Ebd. S. 555.

10 Ebd. S. 555.

11 Vgl. Ebd. S.370.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668889323
ISBN (Buch)
9783668889330
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v457602
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,3
Schlagworte
untersuchung funktionen lachens nietzsches wissenschaft also zarathustra

Autor

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