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Kohäsion in Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Hausarbeit 2017 20 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kohasion und Kohasionsmittel

3. Methode

4. Analyse des Kapitels „Ein Gang durch die Stadt - Die Klosterkirche“
4.1 Allgemeine Analyse
4.2 Schematische Darstellung der Wiederaufnahmerelationen
4.3 Analyse auf Kohasionsmittel

5. Diskussion der Analyse

6. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1862 erscheint Theodor Fontanes erster Band „Die Grafschaft Ruppin“ der Wande- rungen durch die Mark Brandenburg. Die Wanderungen umfassen insgesamt 5 Bande und konnen als „Reisefeuilletons“1 bezeichnet werden. Generell unternimmt Fontane in seinen Wanderungen immer einen stetigen Wechsel von Beschreibun- gen rund um das was er sieht und historischen Geschichten zu den jeweiligen Orten.

Bei der Lekture der Wanderungen fiel auf, dass Fontane viel Wert auf Kohasions- mittel zu legen scheint. Er scheint also bewusst darauf zu achten, dass die Satze seiner Texte grammatisch miteinander verknupft sind. Wie genau er das bewerk- stelligt und wie die einzelnen Satze miteinander verbunden sind, soll diese Hausar- beit zeigen. Interessant erscheint dabei, wie er mithilfe dieser bestimmten Nutzung von Kohasionsmitteln den Wechsel zwischen reinen Beschreibungen und histori­schen Geschichten zu den Orten seiner Wanderungen schafft. Die Fragen denen sich in dieser Hausarbeit gewidmet wird lauten daher:

(1) Wie ist das Kapitel hinsichtlich der Nutzung von Kohasion und ihren Mitteln aufgebaut?
(2) Schafft es Theodor Fontane durch die bewusste Nutzung von Kohasion, den Text zwischen Beschreibung und Historisierung aufzuteilen?
(3) Welche Ruckschlusse auf die Entwicklung des Themas konnen durch die Nut- zung der Kohasion gezogen werden?

Da es viel zu umfangreich ware, Fontanes gesamtes Werk der Wanderungen durch die Mark Brandenburg zu untersuchen, beschrankt sich diese Arbeit auf die detail- lierte Analyse eines Kapitels, genauer gesagt dem Kapitel „Ein Gang durch die Stadt - Die Klosterkirche“ aus dem ersten Band der Wanderungen Die Grafschaft Ruppin. Dabei wurde der Text zunachst maschinell abgetippt, um digital mit diesem arbeiten zu konnen. Bevor mit der Analyse begonnen wird, wird es einen kurzen Exkurs zu den fachlichen Begriffen Kohasion und Kohasionsmittel geben und die Methode wird noch einmal ausfuhrlich dargestellt.

Fur die textgrammatische Analyse des Textes wird zunachst eine allgemeine Ana­lyse stattfinden, welche Anzahl der Absatze, Satze und Worter betrifft. Anschlie- Bend erfolgt eine genauere Analyse des Textes auf Kohasionsmittel auf zweifache Weise. Zunachst wird bei dem Text eine schematische Darstellung von Wiederauf- nahmerelationen durchgefuhrt, so wie Brinker2 sie beschreibt. Die Wiederaufnah- merelationen die dabei untersucht werden, mussen mindestens dreimal im Text vor- kommen. Nach der schematischen Darstellung wird der Text noch einmal mit den genauen wiederkehrenden sprachliche Ausdrucke vorgestellt. Diese werden dann nach den jeweiligen Zeilen aufgelistet und es wird beschrieben welche Art von Ko­hasionsmittel der jeweilige Ausdruck entspricht. Die Analyse des Textes erfolgt dabei mithilfe von farblichen Unterlegungen der jeweiligen sprachlichen Ausdru­cke. Mithilfe dieses Analyseverfahrens soll sichergestellt werden, dass auch die Art der Kohasionsmittel und deren Vorkommen dokumentiert werden.

Mithilfe der Analysen sollen abschlieBend die Forschungsfragen diskutiert und be- antwortet werden konnen.

Der Text auf den sich bei dieser Arbeit berufen wird findet sich in einem Sammel- werk der wichtigsten Kapitel der Wanderungen durch die Mark Brandenburg3.

2. Kohasion und Kohasionsmittel

„Koharenz ist ein Begriff in der Textlinguistik, mit dem die verschiedenen Dimen- sionen des textuellen Zusammenhangs bezeichnet werden.“4 Dabei wird Koharenz in der Textlinguistik teilweise unterschiedlich aufgefasst. Brinker5 versteht Textko- harenz als Summe von expliziten und impliziten Relationen. Andere Linguisten, wie beispielsweise de Beaugrande und Dressler trennen diese beiden und unter- scheiden in Kohasion (grammatische Verbindungen) und Koharenz (inhaltliche

Verbindungen)6. Die Analyse dieser Arbeit nimmt sich die zweite Variante zum Vorbild und unterscheidet in Kohasion und Koharenz beim Text. Vom Prinzip her, kann man die explizite Wiederaufnahme mit dem Verstandnis von Kohasion gleich- setzen.

Bei der Kohasion handelt es sich um die grammatischen Verbindungen innerhalb eines Textes und dessen Satze. Sie wird definiert als „die Gesamtheit der expliziten formalen Textverknupfungsmittel auf der grammatischen Oberflache eines Tex- tes“7. Die Arbeit hier beschrankt sich dabei auf die Untersuchung von Rekurrenz und nimmt dementsprechend nicht alle Kohasionsmittel die auftreten in den Blick. Es wird sich deshalb nur der Kohasion mittels Rekurrenz gewidmet, da diese expli- zit sprachliche Ausdrucke wiederaufnimmt und dies der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist. Man kann Rekurrenz dementsprechend auch als explizite Wieder­aufnahme von sprachlichen Ausdrucken auffassen. Mit der Rekurrenz ist „ein Pha- nomen der Wiederholung, des Ruckverweisens bzw. des Ersetzens“8 gemeint. Fur einen Text bedeutet das, dass Rekurrenz dann vorliegt, wenn etwas, das einmal im Text aufgetreten ist, in spateren Satzen wiederkehrt9. Fur die vorliegende Arbeit wird sich auf die Rekurrenz von sprachlichen Ausdrucken beschrankt, die mit Ko- referenz einhergehen. Koreferenz bedeutet dabei so viel, als dass sich im Text mehr als einmal im Verlauf mehrerer Satze mittels eines oder mehrerer Sprachzeichen auf ein und das Selbe Referenzobjekt bezogen wird10. Die verschiedenen Typen dieser sind gleichzeitig als Kohasionsmittel zu betrachten und werden als solche so auch im weiteren Text bezeichnet.

Die wohl bekanntesten Mittel der expliziten Wiederaufnahme sind die vollstandige Rekurrenz und die partielle Rekurrenz. Vollstandige Rekurrenz liegt dann vor, wenn die Wiederaufnahme eines bereits eingefuhrten sprachlichen Ausdrucks im weiteren Textverlauf mit genau dem gleichen Ausdruck geschieht, also eine enge Koreferenz vorliegt11. Die partielle Rekurrenz hingegen liegt dann vor, wenn die Wiederholung der sprachlichen Ausdrucke in abgewandelter morphosyntaktischer Form geschieht12. Eine weiteres Kohasionsmittel, dass sich auf Koreferenz stutzt, ist das Mittel der Substitution. Substitution liegt dann vor, wenn Worter verwendet werden, die auf dasselbe Referenzobjekt verweisen, z. B. durch Synonyme, Meta- phern oder Hyperonyme und Hyponyme.13

Als letztes wichtiges Kohasionsmittel seien die Pro-Formen genannt. Mittels Pro­nomen, Pronominaladverbien und Adverbien wird so auf ein Bezugselement des sprachlichen Kontextes verwiesen. Dabei konnen die Bezugselemente unterschied- licher GroBe sein - also Worter, Wortgruppen, Einzelsatze, aber auch Satzgruppen. Pro-Formen konnen sowohl ruckverweisend (sich auf ein Objekt beziehen, das be- reits eingefuhrt wurde) als auch vorverweisend (sich auf ein Objekt beziehen, das noch eingefuhrt wird) eingesetzt werden14.

3. Methode

Bei dieser Hausarbeit wird eine Analyse der Textgrammatik durchgefuhrt. Die Textgrammatik beschreibt und kategorisiert die Moglichkeiten der Kombination von Satzen zu einem Text15. Sie versteht sich dabei als die „mittels spezifischer Verweis- und Verknupfungsausdrucke explizit ausgedruckten Relationen zwischen Satzen“16. Die Analyse erfolgt in gekurzter Form, weil diese Arbeit lediglich die explizite Bezugnahme durch sprachliche Ausdrucke untersucht.

Fur die erste Analyse wird eine Textstrukturanalyse durch die schematische Dar- stellung von Wiederaufnahmerelationen durchgefuhrt. Dabei wird sich an die De­finition nach Brinker von 200017 gehalten. Das Prinzip der Wiederaufnahme sieht er als besonders ertragreich fur die Darstellung der grammatischen Struktur eines

Textes an18, denn besonders wichtig fur die Koharenz sind die Referenzbeziehun- gen zwischen Satzen19, die im Prinzip als Kohasion aufgefasst werden kann. Er betrachtet den Satz als die Struktureinheit des Textes. Satz wird dabei definiert als etwas, dass sich aus einem Pradikat und einer Reihe von Satzgliedpositionen (Sub- jekt, Objekt, Adverbialbestimmungen, etc.), „die jeweils in bestimmten syntak- tisch-semantischen Abhangigkeitsrelationen zum ,tragenden‘ Verb stehen“20. Ein Satz nach dieser Definition kann folglich als einfacher Satz oder auch als Nebensatz verstanden werden. Satze die mit einem Satzzeichen am Schluss versehen sind, be- zeichnet Brinker als sogenannte Segmente21.

Fur sein Prinzip der Wiederaufnahme - und die schematische Darstellung dessen - bezieht sich Brinker nur auf die Segmente eines Textes. Dabei werden alle Seg- mente durchnummeriert und untereinandergeschrieben. Danach wird geschaut, in welchem Segment sprachliche Ausdrucke vorkommen, die wiederholt in dem Text vorkommen. Das erste Vorkommen eines jeden solcher wiederkehrenden Ausdru­cke bezeichnet Brinker als „Bezugsausdruck“, die sprachlichen Ausdrucke die zu diesem in Refenzidentitat stehen bezeichnet er als „wieder aufnehmender Aus- druck“. In das Schema werden dann je nach Vorkommen die Bezugs- und wieder- aufnehmenden-Ausdrucke den jeweiligen Segmenten zugeordnet. In dieser Arbeit erfolgt die Darstellung des Schemas mittels einer Tabelle und es werden nur Aus- drucke untersucht, die mindestens dreimal vorkommen, da es sonst den Rahmen der Arbeit sprengen wurde.

Mithilfe der schematischen Darstellung der Wiederaufnahmestruktur kann man ei- nen wesentlichen Teil der grammatischen Verknupfungsstruktur aufzeigen. Unter anderem kann man in der Haufigkeit der verschiedenen Wiederaufnahmen des Tex­tes erkennen, was die zentralen Textgegenstande bzw. Referenztrager sind.22 Wei- terhin „stellt die Analyse der Wiederaufnahmerelationen vielfach [...] eine gute Voraussetzung fur die Beschreibung der thematischen Textstruktur dar“23.

[...]


1 Jolles, C. Theodor Fontane. Tubingen: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH. 1983. S. 44.

2 Brinker, K. Textstrukturanalyse. In: Brinker, K. u.a. Text- und Gesprachslinguistik — Ein Interna­tionales Handbuch zeitgenossischer Forschung. 1. Halbband. Berlin/New York: Walter de Gruy- ter. 2000. S. 164 - 175.

3 Vgl. Fontane, T. Wanderungen durch die Mark Brandenburg. In: Erler, G. & Erler, T. Von Rheinsberg bis zum Muggelsee — Markische Wanderungen Theodor Fontanes. Berlin/Weimar: Aufbau-Verlag. 1971.

4 Schwarz-Friesel, M & Consten, M. Einfuhrung in die Textlinguistik. Darmstadt: Wissenschaftli- che Buchgesellschaft. 2014. S.74.

5 Brinker, K., Colfen, H. & Pappert, S. Linguistische Textanalyse — Eine Einfuhrung in Grundbe- griffe undMethoden. 8. Aufl. Berlin: Erich Schmidt Verlag. 2014. S. 29.

6 Vgl. Consten, M. & Schwarz-Friesel, M. Einfuhrung in die Textlinguistik. Darmstadt: Wissen- schaftliche Buchgesellschaft. 2014. S. 74.

7 Ebd. S. 76

8 Linke, A. & Nussbaumer, M. Rekurrenz. In: Brinker, K. u.a. Text- und Gesprachslinguistik - Ein internationales Handbuch zeitgenossischer Forschung. 1. Halbband. Berlin/New York: Walter de Gruyter. 2000. S. 305

9 Vgl. Ebd. S. 305-306.

10 Vgl. Greule, A., Reimann, S. Basiswissen Textgrammatik. Tubingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG. 2015. S. 13

11 Vgl. Linke, A. & Nussbaumer, M. Rekurrenz. In: Brinker, K. u.a. Text- und Gesprachslinguistik — Ein internationales Handbuch zeitgenossischer Forschung. 1. Halbband. Berlin/New York: Wal­ter de Gruyter. 2000. S. 308.

12 Vgl. Ebd.

13 Vgl. Ebd.

14 Vgl. Ebd. S. 309 - 310.

15 Vgl. Greule, A., Reimann, S. Basiswissen Textgrammatik. Tubingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG. 2015. S.3.

16 Consten, M. & Schwarz-Friesel, M. Einfuhrung in die Textlinguistik. Darmstadt: Wissenschaftli- che Buchgesellschaft. 2014. S. 75

17 Brinker, K. Textstrukturanalyse. In: Brinker, K. u.a. Text- und Gesprachslinguistik — Ein inter­nationales Handbuch zeitgenossischer Forschung. 1. Halbband. Berlin/New York: Walter de Gru­yter. 2000. S. 165.

18 Vgl. ebd.

19 Vgl. ebd.

20 Ebd.

21 Vgl. ebd.

22 Vgl. Ebd. S. 168.

23 Ebd.

Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668874480
ISBN (Buch)
9783668874497
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v457604
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Schlagworte
kohäsion fontanes wanderungen mark brandenburg

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