Lade Inhalt...

Der Coaching-Prozess. Ablauf einer Sitzung und Ergebnisbewertung für eine Klientin

Hausarbeit 2017 24 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Charakteristik Klientin
1.2. Beschreibung Anliegen

2. Coaching Prozess
2.1. Erste Sitzung
2.2 Zweite Sitzung
2.3. Dritte Sitzung
2.4. Vierte Sitzung

3. Darstellung einer Coaching Sitzung
3.1. Dritte Sitzung am 04.10.2017

4. Ergebnisbewertung und Schlussfolgerung
4.1. Ergebnisse, Lösungen und Verhaltensänderungen
4.2. Schlussfolgerungen

5. Literaturverzeichnis

6.Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Charakteristik Klientin

K. ist 26 Jahre alt und Arzthelferin in einer Arztpraxis. Dort ist sie seit 6 Jahren angestellt und fühlt sich dort auch sehr wohl. Sie arbeitet 40 Stunden pro Woche und muss keine Wochenenddienste verrichten. Ihre Arbeitszeiten werden von der Praxismanagerin festgelegt und stets zwei Wochen im Voraus bekannt gegeben. Somit kann sie sich sehr gut auf ihre Freizeitgestaltung einrichten.

Privat ist K. seit mittlerweile 9 Monaten mit ihrem neuen Freund zusammen. Sie verstehen sich sehr gut und sind sogar schon auf der Suche nach einer gemeinsamen Wohnung.

Vom Charakter her ist K. eine sehr sozial eingestellte und hilfsbereite Person und gerne für ihre Mitmenschen da. Sich dabei aber nicht in den Vordergrund zu stellen, ist für sie selbstverständlich. Dies zeigt sie dadurch, dass sie auf Arbeit gerne eine Schicht mit der Kollegin tauscht, wenn es nötig ist, aber nicht das Gefühl hat, dass ihre Kollegin ihr jetzt etwas schuldig wäre.

In ihrem Privatleben verbringt K. gerne Zeit mit ihrem Freund, ihrer Familie und ihren Freundinnen. Ihr ist es dabei sehr wichtig, dass niemand vernachlässigt wird. Gerade bei ihren Freundinnen möchte sie sich nicht nur telefonisch in regelmäßigen Abständen melden, sondern sich sehr gerne auch mit ihnen verabreden. Dies und auch ihr ehrlicher Umgang mit ihren Mitmenschen führt dazu, dass K. von ihren Freundinnen sehr geschätzt wird und sie mittlerweile auch einen großen Freundeskreis hat.

K. lässt sich sehr oft durch ihre Emotionen leiten. Diese zeigt sie auch nach außen. Aufgrund ihrer offenen Art hat sie damit auch keine Probleme in ihrem privaten Umfeld. Für jeden ein offenes Ohr zu haben, ist nicht zuletzt ihrer hohen Empathie geschuldet.

Neben dem Beruf und dem Privatleben bleibt für K. letztlich nicht mehr viel Zeit für anderweitige Hobbys. Und genau das ist auch ihr Problem. Sie würde zwar gerne mehr Sport treiben, aber es fehle ihr entweder die Zeit dafür oder sie möchte die Zeit viel lieber nutzen, um sich nach einem stressigen Tag auch mal zu entspannen.

1.2. Beschreibung Anliegen

Vor drei Jahren hat sich K. mit ihrer Cousine in einem Fitnessstudio angemeldet. Zunächst waren beide noch regelmäßig zwei oder gar drei Mal die Woche bei verschiedenen Kursen, die das Fitnessstudio angeboten hat.

Da die Kurse, die ihr anfangs zusagten, vom Fitnessstudio zeitlich verschoben wurden, konnte sie diese aufgrund ihrer Arbeitszeiten nicht mehr besuchen. Dadurch bedingt und gepaart mit einer abflachenden Anfangseuphorie wurden die Besuche im Fitnessstudio immer seltener. Besonders in der warmen Jahreszeit hatte K. keine Lust auf das stickige Fitnessstudio und war lieber mit ihren Freundinnen an der frischen Luft in der Stadt unterwegs.

Im März dieses Jahres entschied sie sich schließlich dazu, ihre Mitgliedschaft zu kündigen. Ihr Plan war es fortan regelmäßig joggen zu gehen, da ihr die Bewegung in der freien Natur ohnehin viel besser gefällt und sie damit zeitlich viel flexibler ist. Jedoch konnte sie dieses Vorhaben nicht in die Tat umsetzen. Sie wollte zwar immer eine Runde laufen gehen und hat sich das für bestimmte Tage auch stets vorgenommen, aber dann war das Wetter so schön, dass sie lieber mit ihren Freundinnen oder ihrem Freund ins Eiscafé bzw. in einen Biergarten ist. Sie hatte zwar zwischenzeitlich immer ein kurzes schlechtes Gewissen, aber sie wollte für ihre Freundinnen und ihren Freund da sein. Zudem wäre es für sie ein komisches Gefühl gewesen, wenn sie ein Treffen abgesagt hätte, weil sie lieber joggen geht. Sie hatte Angst, dass ihr Freundeskreis das negativ auffassen würde.

Für das Coaching erhofft sich K., dass sie ein bisschen mehr zum Sport treiben animiert wird und so vielleicht auch gleich noch ein bisschen an Gewicht verlieren kann.

2. Coaching Prozess

2.1. Erste Sitzung

Die erste Sitzung findet am Mittwoch, dem 20.09.2017 in meinem Arbeitszimmer statt und ist für 60 min anberaumt.

Als Coach sehe ich mir noch einmal meine Unterlagen und die dazugehörigen Notizen vom Erstgespräch von vor zwei Tagen an. Orientiert am GROW-Modell von Whitmore (Pieter, 2017) steht für die erste Sitzung das Thema „GOAL“ an. Dazu wähle ich für die Zielfindung die Methode „Die gute Fee“, um mir von K. schildern zu lassen, wie sie sich einen perfekten Tag mit sportlicher Aktivität vorstellt.

Anhand der SMART, PURE & CLEAR (Pieter, 2017) Regel begleite ich K. dann bei der Ausarbeitung ihres Wunsches zu mehr Sport.

Da es K. oft an Zeit und Motivation mangelt, überlege ich mir ihr als Hausaufgabe entweder ihren Wochenplan mit ihren Aktivitäten oder mir die Vor- und Nachteile des Sporttreibens aufzuschreiben zu lassen.

Zunächst erkläre ich K., wie die Übung abläuft. Da sie sich diese Methode sehr gut vorstellen kann, möchte sie diese auch ausprobieren. K. kann sich auf die Methode „Die gute Fee“ sehr gut einlassen. Sie schildert mir einen kompletten Tag, wie sie sich ihn vorstellt. Neben ihrer beruflichen Aktivität stellt sie sich dabei vor, dass sie motiviert nach Hause kommt und mit ihrer neu eingekauften Sportausrüstung zusammen mit ihrem Freund joggen geht. Nach der sportlichen Aktivität fühlt sie sich zwar ausgepowert, aber dennoch frisch. Dass sie mit ihrem Freund joggen war, macht sie sehr stolz und sie kann sich vorstellen, am nächsten Tag ihren Arbeitskollegen davon zu erzählen.

Daraufhin frage ich sie, was es braucht, um das Ziel zu erreichen. Die Frage überrascht K. sehr, denn ihr wird bewusst, dass es dazu letztlich nichts braucht. Die Natur wäre ja immer da und bezahlen müsse sie ja auch nichts. Lediglich das Wetter müsste eben mitspielen. Was K. jedoch erkennt, ist, dass es eben oft gar nicht dazu kommt, weil sie mit einer Freundin schon den Abend verplant hat. Und wenn sie mal Zeit hat, dann fehle ihr eben oft die Motivation.

Daraufhin leite ich weiter zur Zielsetzung nach der SMART, PURE & CLEAR Regel. Ich erkläre ihr die eben genannten Regeln auf einer Flipchart und nenne ihr beispielhaft falsche und richtige Beispiele.

Danach darf K. die Regeln für ihr Anliegen anwenden und kommt zu folgender Ausarbeitung (siehe Anhang 1):

„Ich möchte bis zum 31.12.2017 zwei Mal in der Woche für 60 Minuten joggen, um mich so in meiner Haut wohl zu fühlen!“

Bei dieser Methode wurde deutlich, dass es K. gar nicht so sehr um Gewichtsverlust, ausgedrückt in Kilos geht, sondern sie das Gefühl hat, dass sie sich einfach wohl fühlt, wenn sie Sport gemacht hat, bzw. das Gegenteil der Fall ist, wenn sie länger keinen Sport gemacht hat. Daher wurde für die Attraktivität des Ziels eine subjektive Umschreibung gewählt.

K. hat ab sofort ein klares Ziel vor den Augen, das sie selber formuliert hat. Sie geht mit einem positiven Gefühl aus der Sitzung, sagt aber auch, dass es noch das ein oder andere Hindernis bezüglich ihrer Zeiteinteilung und der Motivation zu überwinden gilt. Da K. seit der klaren Zielsetzung einen deutlich motivierteren Eindruck macht, bitte ich sie bis zur nächsten Sitzung mir lediglich einen Zeitplan mit allen Aktivitäten, die sie in der kommenden Woche pro Tag durchführt, aufzuschreiben.

Begründung der ausgewählten Methoden:

„Die gute Fee“ wurde ausgewählt, da K. für mich beim Erstgespräch den Eindruck vermittelte, sich sehr durch Emotionen leiten zu lassen. Zudem benutzte sie eine sehr bildhafte Sprache, um ihre Probleme und Bedürfnisse zu schildern. Aufgrund dessen entschied ich mich dazu, Methoden aus dem Gestaltansatz anzuwenden, um ihre Fantasie anzuregen. Dies steigerte ihre Bewusstheit über ihr Problem und vergegenwärtigte ihr auch, dass sie es letztlich doch selber in der Hand hat, ihr Problem zu lösen.

Die Festlegung des Ziels durch die SMART, PURE & CLEAR Regel sollte diese Bewusstheit noch mehr steigern. Dabei wurde bei ihr ein Prozess in Gang gesetzt, der sich sehr stark und sehr positiv auf ihre Motivation auswirkte.

2.2 Zweite Sitzung

Die zweite Sitzung findet am Mittwoch, dem 27.09.2017 in meinem Arbeitszimmer statt und ist für 60 min anberaumt.

Als Coach sehe ich mir nochmal die Ergebnisse von letzter Woche auf der Flipchart mit K.s Ausarbeitung zu ihrer Zielsetzung an. Orientiert am GROW-Modell von Whitmore ist die „REALITY“ das Thema der heutigen Sitzung. Dazu möchte ich mir den Alltag der vergangenen Woche von K. ansehen und gemeinsam mit ihr analysieren. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie ihre Hausaufgabe gemacht hat.

Als weitere Methode wähle ich in der zweiten Sitzung die Auflistung ihrer Aktivitäten und die Einteilung dieser nach dem Eisenhower-Prinzip.

K. hat zur zweiten Sitzung ihre Hausaufgabe mitgebracht und erzählt mir, dass sie sich nach der ersten Sitzung sehr wohl gefühlt habe. Auch die Aufgabe mit der Fee sei ihr stark im Gedächtnis hängen geblieben. Schließlich war sie so motiviert, dass sie zwei Tage später shoppen war und sich die in der Aufgabe erwähnte neue Sportausrüstung gleich gekauft habe.

Nach dem Ankommen von K. gehen wir gemeinsam ihre Hausaufgabe durch. K. hat alle Aktivitäten pro Tag der vergangenen Woche niedergeschrieben (siehe Anhang 2). Dabei ist ihr genau das aufgefallen, was sie schon immer gesagt habe. Sie hätte einfach zu wenig Zeit.

Auf den ersten Blick wirkt es auch so. Schließlich ist jeder Tag von K. nahezu komplett ausgefüllt. In der Analyse werden K.s Aktivitäten genauer betrachtet. Dabei werden all ihre Aktivitäten erst einmal separat auf Karteikarten niedergeschrieben. Anschließend werden diese Aktivitäten entsprechend dem Eisenhower Prinzip geordnet. Dabei fällt auf, dass K. einen Großteil ihrer Aktivitäten in die A-Kategorien einordnet. Besonders die Aktivitäten mit ihren Freundinnen sind für sie ganz selbstverständlich dort eingeordnet. Auf diesen Konflikt wird zunächst nicht weiter eingegangen.

Vielmehr wird der Rest ihrer Aktivitäten noch einmal genauer analysiert. Dabei lässt sich feststellen, dass bestimmte Aktivitäten relativ viel Zeit fressen. Besonders auffällig ist, dass K. drei Mal in der Woche einkaufen geht. Sie schlägt vor, diese Aktivitäten auf einen Tag zu konzentrieren. Dadurch ergeben sich Zeitfenster, die K. nun mit sportlicher Aktivität füllen kann. Ein wichtiger Vorteil daran ist, dass K. so einem Konflikt mit ihren Freundinnen aus dem Weg gehen kann.

Bis zur nächsten Sitzung soll K. versuchen, diese Zeitfenster entsprechend ihrer Zielsetzung mit zwei mal 60 Minuten joggen zu füllen.

Begründung der ausgewählten Methoden:

Durch das Aufschreiben ihres Wochenplans soll K. visuell dargestellt werden, wie viel bzw. wie wenig Zeit sie in Wirklichkeit hat. Mit der Priorisierung nach dem Eisenhower-Prinzip (Prof. Dr. Knoblauch, 2015) sollten besonders sog. Zeitfresser erkannt und eliminiert werden. Bei K.s Fall kam es zu einer Konzentrierung von Aufgaben, was zu einer Zeitersparnis führte und sie so dem Ziel schon sehr nahe brachte. Dadurch kann es sein, dass das Coaching mit der nächsten Sitzung vielleicht schon endet.

2.3. Dritte Sitzung

Die dritte Sitzung findet am Mittwoch, dem 04.10.2017 in meinem Arbeitszimmer statt und ist für 60 min anberaumt.

Für mich als Coach ist es eine ungewohnte Situation, da es vielleicht schon die letzte Sitzung sein könnte. Wenn K. es geschafft hat, zwei Mal die Woche für 60 Minuten laufen zu gehen, wären wir bereits am Ziel angekommen. Jedoch kann es auch sein, dass sie es aufgrund diverser Hindernisse nicht geschafft hat. Daher überlege ich mir, mit welchen Methoden K. diese Hindernisse überwinden kann. Entsprechende Methoden wären „das innere Team“ oder das „Rollenspiel“. Würde ich mich an dem GROW-Modell von Whitmore orientieren wäre jetzt eigentlich das Thema „OPTIONS“ an der Reihe. Jedoch hat K. in der letzten Sitzung bereits erkannt, dass sie über ausreichend Ressourcen in diesem Bereich verfügt. Lediglich der Faktor Zeit schien für sie ein Hindernis darzustellen. Zudem kann es aber auch sein, dass K. tatsächlich zwei Mal joggen war. Dann würde ich das Thema „WHAT, WHEN, WHO, WILL“ aufgreifen und K. künftige Maßnahmen schriftlich fixieren lassen.

K. kommt zur heutigen Sitzung und berichtet mir, dass sie es leider nur einmal geschafft hat, für 60 min joggen zu gehen. Aufgrund der Witterungsbedingungen konnte sie zum angestrebten Zeitpunkt nicht joggen gehen. Für sie war das jedoch nicht schlimm, weil sie es auf den nächsten Tag verschieben wollte, da sie für diesen Tag noch nichts geplant hatte.

Am nächsten Tag war es jedoch so, dass sich am Vormittag eine Freundin bei ihr gemeldet hatte und sie fragte, ob sie nicht Lust hätte, sich mit ihr zu treffen. Da K. diese Einladung super nett fand und diese Freundin auch schon länger nicht mehr gesehen hat, entschied sie sich, der Einladung zu folgen. Dass es für sie dadurch nicht mehr möglich war, ihr Ziel zu erreichen, war ihr durchaus bewusst.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs zeigt sich, dass K. unheimlich gerne für ihre Freundinnen da sein möchte und mit ihnen Zeit verbringen will. Das ist jedoch so zeitintensiv, dass es für sie eben nicht möglich ist, ihr Ziel zu erreichen. Sie merkt immer mehr, dass sie in einen regelrechten Konflikt mit sich und ihren Freundinnen geraten würde, wenn sie lieber Sport macht, anstatt mit ihren Freundinnen Zeit zu verbringen.

Aufgrund dieses inneren Konflikts schlage ich ihr die Methode der Rollenspieltechnik vor.

K. soll sich nun einmal in die Rolle ihrer Freundinnen versetzen, die verständnisvoll auf ihre Absage für die Verabredung reagieren, weil sie gerne Sport machen möchte.

Da K. ein sehr emotionaler Mensch ist, benötigt sie im Anschluss der Übung etwas Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten. Sie ging bisher immer davon aus, dass ihre Freundinnen negativ reagieren würden, wenn sie mal nicht bei einem Mädelsabend dabei wäre. Dass ihre Freundinnen auch positiv darauf reagieren könnten, hatte sie sich so noch nie wirklich vorgestellt. Dieses neue Gefühl empfindet sie als sehr positiv und würde ihre Motivation Sport zu treiben steigern, da sie sich quasi unterstützt fühlen würde.

Da K. sehr auf ihre eventuell entstehenden Konflikte fokussiert ist, möchte ich ihre Aufmerksamkeit nun auf den Sport lenken, mit dem sie sich künftig mehr und regelmäßig beschäftigen möchte. Daher soll sie als Hausaufgabe die Vor- und Nachteile des Sport treibens aufschreiben.

[...]

Details

Seiten
24
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668926219
ISBN (Buch)
9783668926226
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v458172
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
2,6
Schlagworte
coaching-prozess ablauf sitzung ergebnisbewertung klientin

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der Coaching-Prozess. Ablauf einer Sitzung und Ergebnisbewertung für eine Klientin