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Dramenanalyse von "Bestimmt wird alles gut" von Konstanze Kappenstein

Hausarbeit 2018 18 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fabel

3. Analysekategorien
3.1 Titel
3.2 Aufbau des Dramas
3.3 Informationen über die Figuren
3.4 Figurenrede und sprachliche Handlungen
3.5 Theatraler Raum - Lokalisierungstechniken
3.6 Zeit

4. Intentionen des Autors

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Theaterfassung der Kindergeschichte „Be- stimmt wird alles gut“ von Kirsten Boie. Die Theaterfassung stammt von Konstanze Kap- penstein und ist als Bühnenwerk im Jahre 2017 im Felix-Bloch-Erben Verlag (Verlag für Bühne, Film und Funk) erschienen.

Das Werk handelt vom Leben zweier junger Schülerinnen mit unterschiedlichen Nationali- täten. Sie lernen einander unter extremen Bedingungen, die von Flucht und Lebensgefahr bestimmt sind, näher kennen. Ihre Erlebnisse sind dabei sowohl von positiven als auch negativen Erfahrungen geprägt.

Dieses Bühnenwerk wurde als Primärliteratur für die folgende Analyse ausgewählt, weil es ein hochaktuelles und strittiges Thema in der deutschen Gesellschaft behandelt. Die Tat- sache, dass viele Menschen aus der Not heraus ihren Lebensmittelpunkt in die Bundes- republik Deutschland versetzen, spaltet die Meinungen der deutschen Bevölkerung. Die-ses Werk trägt dazu bei, dass Verständnis und Mitgefühl geschaffen wird, indem man sich in andere Welten hineinversetzt und somit verschiedene Perspektiven bezüglich dieser Thematik erhält. Ziel dieser Arbeit ist es, anhand verschiedener Analysekategorien, diesen Dramentext zu untersuchen und zu beleuchten. Hierfür soll zunächst ein allgemeiner Überblick über den Inhalt gegeben werden. Weiterhin bilden Überlegungen zum Titel des Stücks, zum Aufbau des Dramas sowie zur Figurenrede und zur dramatischen Zeit weite-re Aspekte dieser Arbeit.

Im Fokus stehen die Lokalisierungstechniken (außersprachlich, verbal und aktional).1 Es soll dabei untersucht werden, welche Funktionen diese Techniken innerhalb des Stückes einnehmen und welche Wirkungen sie bei dem Zuschauer bzw. Leser erzielen. Abschließend werden Überlegungen zu den Intentionen des Autors getroffen.

2. Fabel

Die Fabel im Kontext des Dramas bezeichnet den Inhalt bzw. eine Abfolge von Verkettun- gen. Die Fabel meint „nicht die kurzfristige Aktion einer Person, sondern eine ganze Kette von Begebenheiten, an denen meist mehrere Personen beteiligt sind“.2

Durch die Verkettung der Geschehnisse bzw. durch die Verknüpfung der Begebenheiten geht die Handlung auf. Im Folgenden wird die Fabel des Dramas Bestimmt wird alles gut zusammengefasst.

Das Werk handelt von zwei jungen Mädchen namens Rahaf und Emma. Die erste Szene beginnt mit einer Situation in der Schule. Rahaf ist neu an der Schule von Emma und stellt sich aus diesem Grund vor. Emma lacht sie hierbei aus, woraufhin sich Rahaf trotzdem hinsetzt und am Unterricht teilnimmt. Da Rahaf neu nach Deutschland gekommen ist, hat sie Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Emma bringt ihr deshalb ein paar deut- sche Wörter bei und lernt im Gegenzug auch Wörter auf Arabisch.

Später springt Emma auf ein Trinkpäckchen, wodurch ein lauter Knall verursacht wird. Daraufhin erschrickt Rahaf, weshalb sich Emma schließlich bei ihr entschuldigt. Rahaf versucht ihr pantomimisch zu erklären, dass in ihrer Heimat Krieg herrscht und sie des- wegen so reagiert hat. Doch Emma versteht es nicht und es denkt es sei ein Spiel. Schauplatz der zweiten Szene ist nicht mehr die Schule, sondern Homs, eine Stadt in Sy- rien und die Heimat von Rahaf. In dieser Szene zeigt Rahaf Emma ihr Haus und stellt ihre Familie vor. Emma erkennt hierbei, wie schön es Rahaf in Syrien hatte. Sie feiern zusam- men mit der Familie eine Party, welche jedoch von lauten Flugzeugen und Bomben ge- stört wird.

Anschließend wird Emma von Rahaf mit Karten für die Kirmes in Homs überrascht. Sie vergnügen sich dort, doch auch hier wird der Ausflug von den lauten Geräuschen der Flugzeuge gestört.

Die dritte Szene handelt von der Flucht der beiden Mädchen aus dem Kriegsgebiet in ein friedliches Gebiet (Europa). Sie wollen mit dem Flugzeug nach Ägypten und anschließend mit dem Schiff nach Europa reisen. Emma bemerkt, dass das Schiff auf dem sie sind, nicht sicher ist, doch für Rahaf stellt dies offensichtlich kein Problem dar.

In der vierten Szene beichtet Rahaf, dass sie von den Schleusern bestohlen worden sind. Außerdem haben die jungen Mädchen kein Essen und kein Trinken mehr, obwohl die Fahrt nach Europa acht Tage dauert.

In der fünften Szene springen sie vom Bord des Schiffes und schwimmen in Richtung Land, weil sie Angst vor der Polizei haben. Anschließend wollen sie vom letzten Geld, das übrig geblieben ist, den Zug nach Deutschland nehmen. Weil sie aber den Zug verpassen und das Geld für ein weiteres Ticket mit dem nächsten Zug nicht ausreicht, sehen sie sich gezwungen, ohne Ticket einzusteigen. Aus diesem Grund verstecken sie sich nun auf der Toilette. Der Kontrolleur klopft an der Tür und will die Tickets sehen, doch aus unerklär- lichen Gründen geht er einfach weiter.

In der sechsten Szene sind sie in Deutschland angekommen und landen in einem Erst- aufnahmelager. Hier können sie in Sicherheit duschen, essen und trinken.

Die letzte Szene handelt davon, dass Rahaf ihr Zuhause vermisst, doch Emma versucht sie aufzumuntern.

Das Werk endet mit dem Anfangsbild in der Schule. Rahaf stellt sich vor, woraufhin Emma möchte, dass Rahaf neben ihr sitzt. Sie benennen wieder gegenseitig verschiedene Ge- genstände und lernen dabei viele Wörter. Sie werden Freunde, nehmen sich an die Hand und spielen am Ende Fangen.

3. Analysekategorien

3.1 Titel

Um den Titel Bestimmt wird alles gut analysieren zu können, sollte man zunächst überle- gen, was der Titel überhaupt bezeichnen könnte, z.B einen Figurennamen, Figureneigen- schaften, eine Gruppe von Figuren, ein Laster oder eine lasterhafte Haltung.3

In diesem Fall bezieht sich der Titel auf keine dieser genannten Kategorien, denn es wer- den weder Figuren namentlich benannt noch charakterlich beschrieben. Weiterhin gibt es keinen Zusammenhang mit lasterhaften Haltungen, welche in der Regel einen negativen Charakter zum Vorschein bringen. Der Titel beinhaltet eher eine hoffnungsvolle Aussage in einer vermutlich komplizierten Situation. Hinweise darauf, wer diese Aussage getroffen haben könnte, gibt es nicht. Aus diesem Grund ist der Titel als Aussage möglicherweise auf die Autorin der Vorlage (Kinderbuch) zurückzuführen. Sobald man sich aber mit den Inhalten des Stückes vertraut macht, stellt man fest, dass Emma diese Aussage auch tä- tigt, um Rahaf zu ermuntern.4

Des Weiteren gilt festzustellen, ob es einen Untertitel oder eine im Titel enthaltene Gat-tungsbezeichnung gibt.5 Beides trifft an dieser Stelle zu, denn es gibt einen Untertitel mit der Aufschrift: „Theaterfassung von Konstanze Kappenstein für das junge Theater Bonn nach dem gleichnamigen Roman“.6

Der Untertitel verweist auf den gleichnamigen Roman von Kirsten Boie, auf dem dieses Drama basiert und macht zugleich darauf aufmerksam, dass es sich bei diesem Werk um eine Theaterfassung handelt.

Somit macht die Verfasserin auf zwei verschiedene Gattungstypen aufmerksam, nämlich auf die Epik (Roman) und das Drama (Theaterfassung).

Der Untertitel enthält aber auch weitere Informationen, welche von Bedeutung sein könn- ten. Beispielsweise erwähnt sich die Autorin Konstanze Kappenstein selbst, damit dem Leser erkenntlich ist, wer dieses Drama geschaffenhat. Außerdem beinhaltet der Unterti-tel auch die Information, für welches Theater diese Fassung geschrieben wurde, nämlich für das junge Theater in Bonn.

Weiterhin ist festzustellen, dass sich der Titel der Theaterfassung im Vergleich zum Titel des Kinderbuchs von Boie nicht geändert hat. Es besteht also eine absolute Überein- stimmung bezüglich des Haupttitels. Kappenstein hat lediglich einen Untertitel hinzuge- fügt.

Einen konkreten Ausblick auf die Handlung des Dramas gibt es nicht, da die Inhalte des Titels und des Untertitels nicht ausreichend aussagekräftig sind.

3.2 Aufbau des Dramas

Ferner ist es wichtig aufzuklären, ob es sich bei diesem Werk um ein tektonisches (ge- schlossenes) oder um ein atektonisches (offenes) Drama handelt.7 Bei dem tektonischen Drama sind in der Regel die formalen Elemente des klassischen Dramenaufbaus (fünf Akte) gegeben. Hierdurch erhält das Drama seine geschlossene Form.8 Gustav Freytag erklärt mit seinem Pyramidenschema einen idealtypischen Dramenaufbau mit fünf Ele- menten. Zu diesen gehören die Exposition, die Steigerung, der Höhepunkt, der retardie- rende Moment und die Katastrophe.9 Jedoch sind diese Elemente in dem Werk von Kap- penstein nicht gegeben. Es gibt lediglich sieben Szenen. Dieser Aspekt spricht also da- gegen, dass es sich hier um eine geschlossene Form handelt.

Ein weiterer Hinweis dafür, dass es sich nicht um ein tektonisches Drama handelt, bildet die Tatsache, dass es keine eindeutige Einheit von Zeit, Ort und Handlung gibt. Diese Einheit wäre aber erforderlich, um das Drama als tektonisches Drama einzustufen.10

Es beginnt zum Beispiel damit, dass es keine Einheit des Ortes gibt. Rahaf und Emma sind nämlich an verschiedenen Orten, zuerst in der Schule, dann in Syrien, anschließend fliegen sie nach Ägypten, um dann mit dem Schiff Europa bzw. Deutschland zu erreichen.11

Das Unterlassen von Schauplatzwechseln, oder zumindest die Beschränkung auf nah beieinander liegende Schauplätze sind demnach eindeutig nicht gegeben.12 Da diese As-pekte bereits nicht zutreffen,ist festzustellen, dass es sich nicht um eine geschlossene Form handelt. Die Einheit der Handlung und die Einheit der Zeit muss also nicht näher be-leuchtet werden.

Die Drei-Personen-Regel „nach der nicht mehr als drei Figuren gleichzeitig auf der Bühne stehen dürfen“, um als tektonisch eingestuft werden zu können, trifft auf dieses Werk nicht zu.13 Als Rahaf sich in der Schule vorstellt, sagt Emma zu den anderen Kindern: „Keine Ahnung wer das ist“.14 Es ist davon auszugehen, dass die Drei-Personen-Regel an dieser Stelle eindeutig überschritten wird, da mit den anderen Kindern möglicherweise eine ganze Schulklasse oder mehrere Mitschüler gemeint ist. In einer weiteren Situation stellt Rahaf ihre Familie vor.15 Auch hier ist davon auszugehen, dass mehr als drei Perso- nen gleichzeitig auf der Bühne stehen, obgleich im Personenverzeichnis nur Emma und Rahaf auftauchen.

Es sprechen also genügend Aspekte dafür, dass es sich nicht um ein tektonisches Drama handelt. Demgegenüber spricht vieles dafür, dass es sich um eine atektonische Form des Dramas handelt. Beispielsweise müssen in einem offenen Drama die Szenen nicht immer handlungslogisch aufeinander folgen und sind deshalb in Anzahl und Folge variabel.16 Bei der Theaterfassung von Kappenstein ist dies der Fall, da der Übergang von der ersten zur zweiten Szene von einem abrupten Wechsel des Schauplatzes gekennzeichnet ist. Die Handlungen der ersten Szene ereignen sich in einer Schule in Deutschland. In der zweiten Szene findet aber ein plötzlicher Ortswechsel statt, wobei die Handlung am neuen Ort (Syrien, zweite Szene) nicht sonderlich viel mit der Handlung in der Schule (erste Szene) zu tun hat.17

[...]


1 Benedikt Jeßing (2015): Dramenanalyse - Eine Einführung. Erich Schmidt Verlag: Berlin.S. 57 ff.

2 Bernhard Asmuth (2009): Einführung in die Dramenanalyse - 7. aktualisierte und erweiterte Auflage. J.B. Metzler: Stuttgart - Weimar. S. 4 f.

3 Benedikt Jeßing (2015): Dramenanalyse - Eine Einführung. Erich Schmidt Verlag: Berlin. S. 78

4 Kappenstein (2017): Bestimmt wird alles gut - Bühnenfassung. S. 20

5 Benedikt Jeßing (2015): Dramenanalyse - Eine Einführung. Erich Schmidt Verlag: Berlin. S. 78

6 Kappenstein (2017): Bestimmt wird alles gut - Bühnenfassung. Titelblatt.

7 Benedikt Jeßing (2015): Dramenanalyse - Eine Einführung. Erich Schmidt Verlag: Berlin. S. 21.

8 Vgl. ebd. S. 21

9 Vgl. ebd. S. 27

10 Vgl. ebd. S. 21 & 25

11 Kappenstein (2017): Bestimmt wird alles gut - Bühnenfassung. S. 4, 7, 13 & 18

12 Benedikt Jeßing (2015): Dramenanalyse - Eine Einführung. Erich Schmidt Verlag: Berlin. S. 25

13 Vgl. ebd. S. 21

14 Kappenstein (2017): Bestimmt wird alles gut - Bühnenfassung. S. 4

15 Vgl. ebd. S. 7

16 Benedikt Jeßing (2015): Dramenanalyse - Eine Einführung. Erich Schmidt Verlag: Berlin.S. 22

17 Kappenstein (2017): Bestimmt wird alles gut - Bühnenfassung. S. 4 ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668897540
ISBN (Buch)
9783668897557
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v458826
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für deutsche Sprache und Literatur
Note
1,7
Schlagworte
Bestimmt wird alles gut Konstanze Kappenstein Dramenanalyse Drama Analyse Theater Erzähltheorie Erzählzeit Fabel

Autor

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Titel: Dramenanalyse von "Bestimmt wird alles gut" von Konstanze Kappenstein