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Über den vegetabilen Dekor in der Frühlatène-Ornamentik und seine Vorbilder

Palmetten, Lotosblüten, Akanthus- und Efeublätter

Seminararbeit 2015 20 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.1 Einleitung
1.2 Quellenlage
1.3 Forschungsstand

2.1 Der vegetabile Dekor in der Latène-Ornamentik und seine Vorbilder
2.2 Die Palmette
2.3 Der Lotos
2.4 Der Efeu
2.5 Der Akanthus

3.1 Der vegetabile Dekor ausgewählter Funde der Früh- und Spätlatènezeit
3.2 Die frühlatènezeitliche Schale von Schwarzenbach
3.3 Der Helm von Canosa
3.4 Das spätlatènezeitliche Keramikgefäß aus Basel-Gasfabrik

4. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Katalog

Abbildungsverzeichnis

Tafelteil

1.1 Einleitung

Caesars Kommentare zum gallischen Krieg beginnen bekanntlich mit den Worten: „Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.“1. Die Kelten entsprechen hierbei insgesamt der Kulturgruppe deren materielle Hinterlassenschaften aus mehreren Jahrhunderten imchweizerischen Ort La Tène umfassend erhalten gebliebenind 2, weshalb auch von Latènekultur bzw. Latènekulturen gesprochen werden kann 3. Die Kelteniedelten jedoch nicht nur in dem Gebiet der heutigen Schweiz, vielmehr erstreckte sich ihr Kulturraum (Taf. 1.1) von den britischen Inseln, über Frankreich4 bis in den Osten Mitteleuropas. Aufgrund mehrerer Wanderungen und Kriegszüge gelangten Kelten auch nach Norditalien und Kleinasien5. Die Kultur der Kelten, bzw. der verschiedenen Völkerschaften die den Latènekulturen zuzuordnen sind 6, ist insofern erratisch, als keine aufschlussreichenelbstzeugnisse über Mentalität und Religion dieser Menschen entstanden sind7. Das Wissen um die Kelten basiert daher hauptsächlich auf archäologischen Quellen und auf den griechischen und römischen Ethnographen, die jedoch mit ihrem Blick von außentets Interpretatio Graeca, respektive Romana hervorbrachten 8. Letzteres impliziert bereits einen wichtigen Aspekt der vorliegenden Arbeit, nämlich Handel und kulturellen Austausch zwischen den mediterranen Völkern des Südens und den Kelten im Norden Europas (Taf. 1.2). Die Latènekulturen erfuhren dadurch eine Mediterranisierung, die zur Übernahme neuer Ideen führte9. Ein besonderer Aspekt derselben ist der vielfach verwendete vegetabile 10 Dekor in Form von Palmetten, Lotos,owie Efeu- und Akanthusblättern. Ihm soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Der Schwerpunkt wird hierbei auf der Frühlatène-Ornamentik liegen, wobei jedoch mit der Flasche aus Basel-Gasfabrik auch ein Objekt der späten Latènezeit untersucht werden wird. Zur Gliederung dieser Arbeit sollen nach der Einleitung, die auch eine Diskussion der Quellenlage und des Forschungsstandes als Unterpunkte umfassen wird, zunächst die südlichen Vorbilder des jeweiligen Ornamentes 11 untersucht werden, die von den Kelten, sei es direkt oder indirekt, rezipiert wurden. Nachdem die Vorbilder behandelt worden sind beginnt dann die dezidierte Beschäftigung mit den Ausformungen des vegetabilen Dekors in der Latènekultur. Dieser diachrone Ansatz soll dabei sowohl das Verständnis der historischen Voraussetzungen für das Auftreten pflanzlicher Verzierungen eröffnen und auch das genuin keltische am Stil der Latènekultur sichtbar machen. Anhand der genaueren Analyse ausgewählter Artefakteoll dann im nächsten Teil weiterhin aufgezeigt werden, in welcher Form die Kelten die Vorbilder adaptierten und eine eigenständige, stark abstrahierende, pflanzliche Ornamentik entwickelten. Abschließen wird die Arbeit ein Fazit, gefolgt von jeweils einem Literatur- und einem Abbildungsverzeichnis,owie einem kurzen Katalog und zuletzt einem Tafelteil. Zunächst gilt es jedoch, vorab einige chronologische Fragen zu der Latènekultur zu klären. So wird nach Reinecke die Latènezeit in 4 Phasen12 unterteilt13.Nach Déchelette in 3 Phasen, nämlich Latène I (500-300 v.Chr.), Latène II (300-100 v. Chr.) und Latène III (ca. 100 v. Chr. – 1 n. Chr.). Nach Viollier schließlich in 2 große Hauptphasen. Latène I ist hierbei untergliedert in a (450-400 v. Chr.), b (400-325 v. Chr.) und c (325-250 v. Chr.), woran dann Latène II (250-50 v. Chr.) anknüpft. Die Frühlatène-Zeit entspricht in all diesen Chronologien den Frühphasen und wird in dieser Arbeit als die Zeit von etwa 450 v. Chr. bis 350 v. Chr. verstanden werden. Als Spätlatène-Zeit sollen die Jahre von 150 v. Chr. bis 1 n. Chr. aufgefasst werden.

1.2 Quellenlage

Die Anzahl keltischer Artefakte, die vegetabile Verzierungen aufweisen ist recht hoch und prägt räumlich und zeitlich weit auseinander liegende Befunde14. Neben La Tène sind noch zahlreiche weitere Fundplätzte bekannt (Taf.1.1). Das umfasst auch spätere Oppida15 wie Basel-Gasfabrik. Von den Kelten ist nichts zu ihrem vegetabilen Dekor schriftlich tradiert worden. Allerdings existieren zahlreiche schriftliche Verweise auf kulturelle Beeinflussung der Kelten durch Handel und Austausch mit dem Süden16.

1.3 Forschungsstand

Obschon in jüngerer Zeit mehrere Aufsätze zu Detailfragen einzelner Dekorformen der Latènekultur erschienen sind, ist das erstmals 1944 veröffentlichte Werk „Early Celtic Art“ von Paul Jacobsthal17 bis heute die bedeutendste Studie zu den pflanzlichen Ornamenten in der frühen keltischen Kunst geblieben18. Bei der Erschließung der Vorbilder der keltischen Ornamente vegetabiler Art ist grundsätzlich das Fehlen eines derartigen Standardwerkes zu beklagen, das an dieser Stelle als Forschungsdesiderat konstatiert werden muß. Zurückgegriffen wird daher auf Alois Riegls19 grundlegendes Werk „Stilfragen. Grundlagen zu einer Geschichte der Ornamentik“ von 1893 und auf das Lemma „Ornament“ im Neuen Pauly von Dietrich Willers, das in seinem Ergebnis nicht wesentlich über Riegl hinausgeht. Willers kommt darin zu dem Ergebnis, daß der Forschungsstand zum Ornament insofern unzureichend ist, als die Ergebnisse der zahlreichen Detailstudien bisher nicht zu einem umfassenden Werk vereint werden konnten. Erschwerend hierbei ist zudem, daß das Ornament über die Jahrhunderte und zwischen den Kulturräumen intändiger Entwicklung gewesen ist 20. Der Unsicherheit bezüglich des Ornamentes ist es geschuldet, daß große Enzyklopädien, wie die RE, die EAA, der KLP, usw. das Lemma gar nicht erst behandelten.

2.1 Der vegetabile Dekor in der Latène-Ornamentik und seine Vorbilder

Grundsätzlich ähneltich das Aufkommen der verschiedenen Motive vegetabilen Dekors, die im Folgenden behandelt werden sollen, sehr stark. Um Redundanz größtmöglich zu vermeiden wird daher der Weg des Ornamentes an diesertelle skizziert, dann anhand der Palmette ausführlicher aufgezeigt und bei den weiteren Pflanzenmotiven auf das bereits Gesagte aufgebaut. Der Weg des vegetabilen Dekors erstreckt sich grundsätzlich, wie gezeigt werden soll, über enorme Zeitspannen und räumliche Distanzen. Die vegetabilen Ornamente erscheinen zunächst erstmalig in den frühen Hochkulturen des alten Ägyptens, sowie des vorderen Orients (Taf. 2.1) und gelangen dank Export durch, zumeist phönizische, Händler nach Griechenland (Taf.2.2), wo sie ihrerseits eine eigene Umdeutung erfahren. Von Griechenland setzt sich der Export nach Etrurien und von dort schließlich zu den Kelten in Nordeuropa fort.

2.2 Die Palmette

Das erste vegetabile Ornament, dem eine genauere Betrachtung zu Teil werden soll, ist die Palmette. Eine Palmette ist in ihrer klassischen Form den fächerartigen Palmwedeln ähnlich, die an botanischen Palmen anzutreffenind. Die Palmette hat ihren Ursprung im alten Ägypten und dem vorderen Orient und stellt wohl ursprünglich eine Abstraktion der dort wachsenden Dattelpalme dar21. So ist der heilige Baum bei den Assyrern über Ranken mit zahlreichen Palmetten verbunden, wie ein Orthostaten- Relief Assurbanipals II. aus Nimrud zeigt (Taf. 3.1). Hierbei wird der Baum, der seinerseits von einer Palmette bekrönt wird, von zwei geflügelten Genien befruchtet. Offenbar stellen die Palmetten, als Abstraktion des wertvollen Baumes, ein Symbol für Reichtum und Fruchtbarkeit dar22. Ab dem 8. bis 7. Jh. v. Chr. tritt die Palmette,zunächst als Übernahme aus dem Orient, auch in der griechischen Kunst auf23. Dies geschah durch Fernhandel, insbesondere mit Phöniziern24. Im Laufe der Jahrhunderte verändern die Griechen jedoch die Form und Struktur der Palmette, wie beispielsweise eine rotfigurige Schale des Oltos Malers (Taf. 3.2) beweist. Hierbei verläuft ein Band aus Palmetten als ornamentaler Fries unterhalb der Szene, die den mythischen Kampf um den Leichnam des Patroklos aus Homers Illias zeigt. Die Palmetten sind auch hier durch Ranken verbunden, diese sind jedoch nicht mehr steif wie bei den orientalischen Vorbildern sondern „rhythmisch“ was eine Erfindung der Griechen darstellt25. Nicht nur der untere Palmettenfries begrenzt die mythischezene der Schale, auch an den Seiten beschließen mehrere große Palmetten das Geschehen. Freilich wird mit der Adaption und eigenen Umformung der Palmette auch eine neue Bedeutung des Motivs einhergegangenein. Während also bei den orientalischen Vorbildern Fruchtbarkeit und Reichtum im Mittelpunkt standen, werden die Griechen eigene Konnotationen zur Palmette entwickelt haben. So taucht der Palmwedel z. B. als Attribut der Siegesgöttin Nike auf. Die Griechen exportierten ihrerseits das Motiv der Palmette an die Etrusker, wie eine schwarzfigurige etruskische Amphora bezeugt (Taf. 4.1). Auch hier findet die Palmette Verwendung als dekorativer Fries; am Hals der Amphora verläuft ein Band herabhängender Palmetten. Rechts wird die mythische Szene, mit einer Episode der 4.jener berühmten Heldentaten des Herakles26,wiederum von einer herabhängenden und einer aufrechten Palmette begrenzt. Durch Handelsbeziehungen mit den Etruskern wird schließlich auch der Latènekultur dieses vegetabile Ornament vermittelt. Als besonders aussagekräftiger Befund für die Bedeutung der Südimporte bei den Kelten und der Mediterranisierung ihrer Kultur kann der 1869 entdeckte Inhalt des Fürstinnengrabes von Waldalgesheim gelten27. In diesem latènezeitlichen Wagengrab, das zwischen 330 und 320 v. Chr. angelegt wurde, ist ein eindeutig etruskischer Eimer28 aus Bronze gefunden worden (Taf. 4.2 bis 5.1). Der vegetabile Dekor des Eimers umfasst hierbei wiederum die herabhängende Palmette, umgeben von Ranken, die teilweise Blüten ausbilden. Bekrönt wird die Palmette von einer geöffneten Lotosblüte, aus der wiederum eine nach oben gerichtete Miniaturpalmette zu wachsen scheint. Neben dem vegetabilen Ornament läuft auch noch geometrischer Dekor in Form eines ionischen Kymations entlang der Oberseite des Eimers. Der Fundkontext dieses Eimers beweist sowohl das Stattfinden von Rezeption südlicher Vorbilder, was natürlich auch ihre vegetabilen Ornamente einschließt, als auch die Wertschätzung dieser Objekte durch eine reiche Oberschicht.chließlich ist die Fürstinehr aufwendig bestattet worden. Ein ganzes Sortiment an Bekleidung und Schmuck, sowie eintreitwagen und ein Trinkgeschirr wurden ihr beigegeben, was ihrentatus beweist. Es ist insofern nicht überraschend, daß das Grab einer Frau so reiche Ausstattung erhalten hat, wie es in Waldalgesheim geschehen ist, als es vielmehr ein Charakteristikum der keltischen Gesellschaft war, daß Frauen der Oberschicht weitreichendeozialechätzung zukommen konnte. Als Beispiel hierfür kann der britannische Aufstand der Boudicca29 von 60 bis 61 n. Chr. gelten. Hierbei wurde die Fürstin zu einem Symbol des Widerstandes gegen die römische Okkupation und war als Heerführerin aktiv. Offenbar stand sie an der politischen und militärischen Spitze eines keltischen Stammesverbandes, der neben den Icenern auch andere britanno- keltische Völkerschaften in einem Verbund umfasste30. Die Bedeutung Boudiccas zeigt sich auch an dem zügigen Ende des Aufstandes nach ihrem Tod. Zwar waren die Kelten auch militärisch besiegt worden, mit ihrer Fürstin hatten sie jedoch die politische Führung verloren und waren handlungsunfähig geworden. Der Boudicca wurde dann, wiechon der Fürstin von Waldalgesheim, eine finanziell aufwendige Bestattung zuteil31. Ob Letztere ebenfalls politisch-militärische oder allein kulturell-ökonomische Kompetenzen besessen haben wird kann, trotz des durchaus militärisch konnotierten Streitwagens in ihrem Grab, nicht eindeutig festgestellt werden32. Die eigene, genuin keltische, Ausformung der Palmette wird vermutlich auf Impulse der Oberschicht zurückgegangen sein, da nur sie die finanziellen Mittel gehabt haben wird, sowohl mediterrane Vorbilder zu importieren, als auch Handwerker mit eigenen Werken zu beauftragen33. Ein keltisches Selbstzeugnis hierzu wäre wohl der einzige eindeutige Beweis. Selbiges gilt für die eigentliche Bedeutung, welche die Kelten der Palmette gaben. Grundsätzlich kann sich der Bedeutungsinhalt dieses Ornamentes, wie aller Ornamente, logischerweise nur zwischen zwei Polen bewegen. Entweder wird das Ornament als rein dekorativer Schmuck verstanden, der keine inhaltlich relevante Bedeutung mehr innehat, oder das Ornament wird als Abstraktion eines Gegenstandes gesehen und mit einer Idee verbunden. Um die Unsicherheit der inhaltlichen Deutungsebene zu verlassen,oll an diesertelle allein Formtypologisches zur Palmette in der Latènekunst34 am Beispiel eines Helmes behandelt werden (Taf. 5.2). Neben anderen vegetabilen Zierelementen verläuft an der Unterseite dieser Defensivwaffe ein Ornament aus alternierenden Palmetten, die jeweils abwechselnd nach unten und nach oben gerichtet sind. Verbunden werden sie durch abstrahierte, vertikal verlaufende, Ranken, die als vertikale Leiern35 bezeichnet werden können.

[...]


1 Caes. Gall. 1,1,1. Übersetzung des Verfassers: „ Ganz Gallien ist in 3 Teile aufgeteilt, davon bewohnen den einen die Belger, den anderen die Aquitaner und den dritten die, die in ihrer eigenen Sprache Kelten und in unserer [sc. also Latein] Gallier genannt werden.“.

2 Vgl. Maier 2012, 32.

3 Grundsätzlich ist zwischen den verschiedenen Völkerschaften, deren materielle Kultur Übereinstimmungen mit dem Befund von La Tène aufweist, zu differenzieren. Je nach geographischem Standort der Kelten, ist ihre Kultur von verschiedenen Einflüssen geprägt worden. So sind beispielsweise zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den erst spät romanisierten Kelten der britischen Inseln, ihren früher romanisierten kontinentalen Verwandten und den in Kleinasien gegen den pergamenischen König Attalos I. kämpfenden Kelten festzustellen, die Unterschiede, die sich durch die geographische Distanz und Akkulturationsprozesse ergeben, liegen jedoch auf der Hand. Vgl. Maier 2012, 35f. Deshalb ist der Plural Latènekulturen zwar grundsätzlich angebracht, im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe Kelten und Latènekultur, bzw. Latènekulturen allerdings synonyme Verwendung finden.

4 Die Kelten sind ein wichtiger Grundstein des modernen französischen Nationalverständnisses. Die Franzosen haben sich dementsprechend intensiv um die Erforschung der keltischen Hinterlassenschaften im Lande bemüht. Vgl. Maier 2012, 36.

5 Vgl. Maier. 2012, 43-45.

6 So differenziert Maier 2012, 182-198 zwischen Kelten in Oberitalien, 199-213 Kelten auf der iberischen Halbinsel, 214-233 Kelten im vorrömischen Britannien, 234-254 Kelten in Irland und 255-268 Kelten in Kleinasien.

7 Die Kelten haben nämlich keine eigene Schriftlichkeit hervorgebracht. Bei Gelegenheit bedienten sie sich höchstens des Griechischen um beispielsweise Rechnungen, usw. durchzuführen. Vgl. Caes. Gall. 6, 14.

8 Vgl. Maier 2012, 3-19.

9 Das umfasst insbesondere die Entstehung der frühlatènezeitlichen Kunst, deren vegetabile Ornamentik in der Hauptsache Thema dieser Arbeit sein wird Zur Entstehung der keltischen Kunst unter dem Einfluss der Kulturen des Mittelmeerraumes vgl. Maier 2012, 43.

10 D.h. pflanzliche.

11 Ornament leitet sich von lat. Ornamentum her, was Schmuck, Zierde, Ausrüstung und im Plural Ornamenta auch Auszeichnung bedeutet. Verstanden wird unter dem Begriff Ornament jegliche abstrakt geometrische oder naturalistisch lebendige Verzierung im menschlichen Kunstschaffen, das von der Architektur, über die Plastik bis hin zu Keramik und Textilien reicht. Entgegen des nahezu ubiquitären Auftretens von Ornamenten in allen menschlichen Kulturen ist das wissenschaftliche Interesse an der zusammenhängenden Erforschung der Ornamente eher gering geblieben. Deshalb herrscht, insbesondere bezüglich der inhaltlichen Deutungen der Ornamente, noch große Unsicherheit, wie noch genauer zu zeigen sein wird. Vgl. dazu Willers 2000 33f. In dieser Arbeit werden die Begriffe Ornament und Dekor synonymen Gebrauch finden.

12 Namentlich Latène A, Latène B, Latène C und Latène D.

13 Vgl. zur Chronologie insgesamt Jacobsthal 1944, 206-208.

14 Jacobsthal 1944, passim.

15 Nach Caesar werden keltische Siedlungen als Oppida bezeichnet. So spricht Caes. Gall. 2,12 beispielsweise vom Oppidum Noviodunum.

16 So beispielsweise indirekt bei Caes. Gall. 1,1,3.

17 Paul Jacobsthal (23.02.1880-27.10.1957) pflegte zeitlebens den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand. Obschon sein Studium hauptsächlich die Klassische Archäologie umfasste, suchte er auch immer den Vergleich der Griechen und Römer mit den Nachbarkulturen des Orients und des Westens. In diesem Sinne ist auch sein Standardwerk über die frühe keltische Kunst aufzufassen, in dem es ihm insbesondere zu zeigen gelingt, wie die vegetabile Motivwelt des Mittelmeerraumes von den Kelten rezipiert und adaptiert wurde. Das Werk entstand in englischer Sprache an der Universität in Oxford, da Jacobsthal „aus rassischen Gründen“ gezwungen wurde, Deutschland zu verlassen. Seine Tätigkeit an der Universität Oxford wurde maßgeblich von seinem freundschaftlichen Verhältnis mit dem Archäologen John D. Beazley, der seinerzeit als einer der größten Kenner der griechischen Keramik galt, begünstigt. Vgl. zum Leben und Wirken Jacobsthals Möbius 1972, 250f.

18 Zur Bedeutung dieser Studie vgl. z.B. Frey 2007, 1f.

19 Alois Riegl (14.01.1858-17.06.1905) war ab 1897 Professor an der Universität in Wien und verfolgte in seinen kunsthistorischen Forschungen einen, zu Gottfried Semper gegensätzlichen Kunstbegriff, wonach künstlerisches Schaffen nicht allein technischen Faktoren geschuldet ist sondern ursächlich auf ein „Kunstwollen“ einer Kulturgruppe zurückgeführt werden kann. Sein Werk „Stilfragen“, das zuletzt 1992 in das Englische übersetzt worden ist, muß auch als grundlegend für Jacobsthals Werk über die keltische Kunst angesehen werden. Vgl. zu Riegls Leben Krone-Balcke 2003, 583f und zu der Bedeutung seines Werkes zum Ornament Brush 1994, 355-358.

20 Vgl. Willers 2000, 33f.!

21 Anders jedoch Riegl 1893, 91.

22 Vgl. zu dieser und zu weiteren Deutungen des heiligen Baumes oder auch Lebensbaumes im Orient

Parpola 1993, 161-208.

23 Diese Epoche wird daher als „orientalisierend“ bezeichnet. Willers 2000, 34f.

24 Vgl. dazu Willers 2000, 38f.

25 So bei Riegl 1893, XIII.!

26 Zu sehen ist die Begegnung des Herakles mit dem Kentauren Pholos, die sich im Rahmen der Suche des Heros nach dem Erymanthischen Eber ereignet. Links steht Pholos, der dem Herakles die Hand reicht. Ganz rechts sitzt Hermes mit den typischen Flügelschuhen und seinem Stab, dem Caduceus. Vgl. zu diesem Mythos Apollod. bibl. 2, 83.

27 Vgl. dazu und zu den folgenden Ausführungen über das Wagengrab der Fürstin von Waldalgesheim Joachim 2006, 121f.

28 Vgl. zu dem Eimer ausführlich Joachim 1995, 54-59 . Technische Angaben zum Eimer folgen im Katalogteil dieser Arbeit.

29 Boudicca war die Ehefrau des Icenerfürsten Prasutagus, dessen Führungspositionie nach seinem Tod übernahm. Sie stand somit als keltische Stammesfürstin in einer direkten Tradition zu der Frau von Waldalgesheim. Zumal die erst spät einsetzende Romanisierung der Kelten in Britannien die letzten intakten Überbleibsel der Latènekultur dort erst in der Folge des Aufstandes vollständig transformieren konnte. Zu Boudiccas Leben und Wirken vgl. Tac. Ann. 14, 31-37 und Cass. Dio 62, 1-12.

30 So z.B. auch die Trinobanten, die bei Tac. Ann. 14, 31 neben weiteren, namentlich ungenannten,Völkergruppen Erwähnung finden.

31 Vgl. Cass. Dio 62, 12, 6.

32 Der Streitwagen im Grab von Waldalgesheim ist nämlich, ebenso wie das Trinkgeschirr, hauptsächlich als standesgemäße Beigabe aufzufassen. Offenbar verdankte die Siedlung ihren Wohlstand hauptsächlich dem Handel mit Eisenerzen. Vgl. Joachim 2006, 121. Andererseits zeigt das spätere Beispiel der Boudicca, daß der adlige Stand einer keltischen Fürstin durchaus militärische und politische Aufgaben umfassen konnte. Zumindest in ungewöhnlichen Krisenzeiten.

33 Vgl. Frey 1974, 149.

34 Vgl. dazu insgesamt Jacobsthal 1944, 88-90.

35 So bei Jacobsthal 1944, 85f.!

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668902381
ISBN (Buch)
9783668902398
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v458988
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Schlagworte
über dekor frühlatène-ornamentik vorbilder palmetten lotosblüten akanthus- efeublätter

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Titel: Über den vegetabilen Dekor in der Frühlatène-Ornamentik und seine Vorbilder