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Bernhard von Clairvaux und sein Aufruf zum Kreuzzug 1146

Essay 2019 4 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Bernhard von Clairvaux und sein Aufruf zum Kreuzzug 1146. Ein historischer und theologischer Kommentar.

Bernhard von Clairvaux, geboren 1090, wurde als einziger unter seinen Geschwistern geistlich erzogen. In der Kapitelschule Saint-Vorles in Châtillon-sur-Seine genoss er eine Ausbildung in den üblichen Unterrichtsfächern der damaligen Zeit. Dazu gehörten das Lesen, Schreiben, Singen, die Rhetorik, Grammatik und Dialektik.1 Schon in Jugendjahren verfügte er über einen scharfen Verstand und konnte das Publikum mit seinen Reden fesseln. Aufgrund seiner Predigten, seiner Klosterführung und seines vorbildlichen Lebenswandels war er ein hochgeschätzter Zeitgenosse, sowohl in geistlichen als auch säkularen Kreisen. Es ist also nicht erstaunlich, dass Ludwig VII. von Frankreich und Papst Eugen III. sich zur gleichen Zeit an den Abt von Clairvaux wandten, damit er mit einem Kreuzzugsaufruf den Adel zum Umdenken aufrufe und mehr Erfolg als des Papstes Kreuzzugsbulle Quantum praedecessores erziele, als Imad al-Din Sengi von Mosul und Aleppo 1144 die Grafschaft Edessa eingenommen hatte, welches einen erneuten Kreuzzugsgedanken weckte.2

Der Aufruf Bernhards zum Kreuzzug soll im Rahmen dieses Essays auf seinen historischen und theologischen Kontext hin untersucht werden. Als Quelle dient in erster Linie der Brief 363, der sowohl als Rede oder Predigt vorgetragen, als auch der Öffentlichkeit vorgelesen wurde.3 Des Weiteren verhilft einführende Literatur zum Leben und Wirken des Abtes von Clairvaux einen Überblick über die Geschichte um den Kreuzzugsaufruf zu verschaffen. Zunächst wird chronologisch erläutert, welche Vorbedingungen zu einem erneuten Kreuzzugsgedanken führten. Anschliessend werden theologische Motive der Kreuzzugsrede aufgegriffen. Schwerpunkte bilden die Sünde der Menschen, sowie die Barmherzigkeit und Güte Gottes, die Bernhard in seiner viergliedrigen Rede betont und mit welchen er die Zuhörer zu „suscipe Crucis signum“4 und „felicia arma corripite christiani nominis zelo“5 ermutigt.6 Ein Fazit fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und versucht einen Grund für Bernhards Erfolg anzugeben.

Vorab stellt sich die Frage, welche politischen und historischen Ereignisse den Gedanken an einen zweiten Kreuzzug aufkommen liessen. Mit Rom, Hauptstadt des weströmischen Reiches und Sitz des Papstes, sowie Konstantinopel als Hauptstadt des byzantinischen Reiches und Sitz des Patriarchen der Ostkirche, hatten sich zwei geistig-kulturelle Zentren im Mittelmeerraum etabliert, die sich weder vor einer die christliche Sphäre gefährdenden Bedrohung fürchteten, noch an einer Ausdehnung des Herrschaftsbereiches interessiert waren. Diese Situation änderte sich jedoch im elften Jahrhundert. Der Machtzuwachs muslimischer Staaten, die ihre Differenzen beiseite gelegt und sich um eine Einigung bemüht hatten, galt als potentielle Bedrohung. Es erwuchsen mächtige Reiche, allen voran die Seldschuken. Ihr Herrschaftsgebiet grenzte unmittelbar an das oströmische Reich. Die Seldschuken zeigten sich tolerant gegenüber der christlichen und jüdischen Religion, solange der Islam als dominierende Glaubensrichtung akzeptiert wurde. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es zu feindlichen Übergriffen auf Christen in Israel und Palästina gekommen ist, die als arge Provokation aufgefasst wurden. Ein Friedensvertrag zwischen dem byzantinischen Reich und den Fatimiden löste die angespannte Konfliktsituation in Bezug auf die Zerstörung der Grabeskirche, doch das Westreich reagierte mit grosser Erschütterung. Die Überzeugung von Moslems kontrollierte Gebiete zurückzuerobern, verbreitete sich wie eine Lauffeuer. Der Gedanke, heilige Stätte unter muslimischer Repression leiden zu sehen, weckte eine allgemeine Feindseligkeit gegenüber dem Islam. Zentrale Leitidee des aufkommenden Kreuzzugsgedanken war die Rückeroberung des Heiligen Landes.7

Der erste Kreuzzug war insgesamt erfolgreich gewesen. Den Kreuzfahrern glückte die Einnahme Jerusalems am 15.07.1099. Diese Nachricht wurde von Europa mit grossem Enthusiasmus aufgenommen. Muslimische Stämme, die den Kreuzzug unterschätzt hatten, formierten sich jedoch neu.8 1144 wurden die Kreuzfahrer unaufhaltbar aus dem Orient verdrängt. Die Kraft der muslimischen Reiche erreichte ihren Höhepunkt mit der Eroberung der Stadt Edessa durch Imad al-Din Sengi von Mosul und Aleppo.9 Diese Nachricht traf die ganze christliche Welt und Papst Eugen III. sah sich dazu gezwungen, die Ritterschaft von König Ludwig VII. zu einem Kreuzzug zu ermutigen, leider erfolglos. König Ludwig VII. bat Bernhard von Clairvaux, von dessen Autorität und Einfluss er wusste, um einen erneuten Aufruf. Der Abt sprach sich zunächst mit Papst Eugen III. ab und hielt anschliessend am 31. März 1146 seine Kreuzzugspredigt.10 Meines Erachtens war die gegenwärtige Bedrohung der heiligen Stätte durch das muslimische Herrschaftsregime ausschlaggebend für einen zweiten Einmarsch im Namen des Kreuzes. Diese und andere Motive flossen in die Predigt Bernhards ein.

[...]


1 Reinberg, Sabine, Bernhard von Clairvaux, 2000, S. 3. Vgl. Dinzelbacher, P., Bernahrd von Clairvaux, 1998, S. 6 und Leclercq, J., Bernhard von Clairvaux . Ein Mann prägt seine Zeit, 1990, S.14-17.

2 Röder, Jörg, Bernhard von Clairvaux: Epistula 363, 2004, S. 8-9.

3 Ebd., S. 10.

4 von Clairvaux, Bernhard, Ep 363, S. 656, Z. 9. „Das Kreuz auf sich nehmen“, bezieht sich auf Lk 14,27 und thematisiert die Nachfolge Christi. Vgl., Reinberg, 2000, S. 8.

5 von Clairvaux, Bernhard, Ep 363, S. 654, Z. 17.

6 Röder, 2004, S. 11. Hierzu gehören das Exordium, die Narratio, die Argumentatio und die Conclusio. Vgl. Reinberg, 2000, S. 8.

7 Ebd., S. 4-5.

8 Ebd., S. 7.

9 Reinberg, 2000, S. 7.

10 Ebd.

Details

Seiten
4
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668882263
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459024
Institution / Hochschule
Universität Luzern
Note
erfüllt
Schlagworte
bernhard von clairvaux kreuzzug mittelalter christentum

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Titel: Bernhard von Clairvaux und sein Aufruf zum Kreuzzug 1146