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Die Care-Krise. Definition und Lösungsansätze

Hausarbeit 2018 10 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Definition Sorgearbeit

Was ist die Care-Krise genau?

Care Revolution

Was tun gegen die Care-Krise?
Tarifverträge ausweiten
Personalschlüssel verbindlich einführen
Qualifiziertes Personal vermehren
Bessere Arbeitszeiten für bessere Arbeits- und Lebensqualität

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Es fehlen heutzutage Zeit und Wertschätzung für die Sorge um andere und uns. Gerade dort wo reproduktive Arbeit als Erwerbstätigkeit geleistet wird, steht sie unter starkem Kostendruck und ist der kapitalistischen Profitlogik unterworfen. An allem und überall müssen die Kosten gesenkt werden, egal ob bei Löhnen, Zeit oder materiellen Absicherungen. Dennoch wird der größte Teil der Care-Arbeit weiterhin unentlohnt geleistet und ist deshalb gesellschaftlich unsichtbar. Aufgrund der unzureichenden öffentlichen Versorgung wird die Sorgearbeit wieder in die Haushalte verschoben und muss so auch dort sich gegen zeitlichen und finanziellen Druck und Überforderung ihre Qualität beweisen. Sorgearbeit wird auch heute noch eher Frauen zugewiesen, egal ob bezahlt oder unbezahlt, sie geht ihnen anscheinend wie von selbst von der Hand. Doch mit solchen Aussagen werden Fachwissen und Kompetenzen respektlos behandelt und die Arbeit als selbstverständlich angesehen.

Das Netzwerk Care Revolution behauptet zudem, dass besonders der kapitalistische Markt das Soziale immer weiter verdrängt. „Öffentliche Dienstleistungen wie KiTa, Schule, medizinische Versorgung, Assistenz und Pflege aber auch Wohnen müssen immer mehr privat finanziert werden. In guter Qualität werden sie zu einem Privileg der Reichen. Zwei-Klassen-Medizin und ein privatisiertes Versicherungssystem entscheiden über die Gesundheit der einzelnen – manchmal über Leben und Tod. Ein verarmtes öffentliches Bildungssystem lässt teure Privatschulen wie Pilze aus dem Boden schießen. Mietexplosion und die Privatisierung öffentlichen Raums führen dazu, dass Menschen aus ihren Wohngebieten und Lebensumfeld verdrängt werden. Soziale Ausschlüsse werden dadurch verstärkt. Auch der menschliche Körper fällt unter den Optimierungszwang der kapitalistischen Ökonomie.

Gesundheit wird zur individuellen Aufgabe gemacht und zur persönlichen Leistung erkoren. Menschen mit Beeinträchtigungen, die behindert werden, werden als nichtleistungsfähig abgewertet. Kapitalistische Verhältnisse haben Einfluss auf Sorge und Fürsorge: Zeitdruck und materielle Unsicherheit produzieren Gewalt und zerstören soziale Beziehungen und Sorgeverhältnisse.”1

Ich habe dieses Thema gewählt, weil es nicht nur eine interessante Thematik ist, sondern weil ich bzw. auch jeder andere davon jetzt oder in Zukunft betroffen ist. Sei es, wenn eine Familie gegründet wird und die Kinder einen Kindergarten besuchen sollen oder wenn wir alt sind und Pflege benötigen. Oder auch zu jeder anderen Zeit, wenn wir erkranken und natürlich die beste Pflege erwarten.

Auf der anderen Seite habe ich dieses Thema gewählt, weil Mutter selbst seit mittlerweile 25 Jahren in der bezahlten Sorgearbeit als Krankenschwester tätig ist. Dabei sehe ich tagtäglich, wie ihre Arbeit zunehmend belastender wird und wie körperlich anstrengend diese ist. Durch ihre Berichte kann ich sehr gut die jetzige Situation in den Krankenhäusern nachvollziehen und kann sagen, wie die Lage wirklich aussieht. Ob es nun die Schichtarbeit ist oder das Arbeiten an 10 Tagen am Stück ohne einen freien Tag dazwischen oder der Mangel an Fachkräften.

Wenn man all diese Arbeitsbedingungen nachvollzieht ist meiner Meinung nach den Lohn, den sie dafür bekommt nicht gerechtfertigt. Und dies obwohl sie, durchschnittlich gesehen, für eine Krankenpflegerin noch gut bezahlt wird. Doch nach der Arbeitszeit hört die reproduktive Arbeit für sie ja nicht auf, mit 4 Kindern, einer demenzkranken Verwandtschaft und einem Haushalt gibt es noch einiges an unbezahlter Care-Arbeit zu tun, was wie mir bewusst wurde als eine Selbstverständlichkeit angesehen wird. Um dies zu ändern muss sich das komplette gesellschaftliche Denken ändern und das geschieht nicht von jetzt auf gleich.

Doch ist die Care-Krise wirklich allein auf Grund der Geschlechterverteilung in der Sorgearbeit bestimmt? Um diese Frage zu klären werde ich in dieser Arbeit den Begriff der Care-Arbeit definieren und herausfinden was die Krise genau ist. Dabei verfolge ich das Ziel am Ende mögliche Lösungen für das Problem, besonders der bezahlten Sorgearbeit, aufzuzeigen.

Definition Sorgearbeit

Sorgearbeit oder auch Care-Arbeit bezeichnet alle Tätigkeiten des Sich Kümmerns oder Sorgens. Diese reproduktive Arbeit lässt sich definieren als jede Personennahe fürsorgende Dienstleistung, die sowohl bezahlt als auch unbezahlt erfolgen kann. Sie orientiert sich an den Bedürfnissen anderer Personen. Der Begriff entwickelte sich zuerst im englischen Sprachraum um 1990 und schließt an Theorien der feministischen Zweiten Frauenbewegung an.

Als unbezahlte Sorge-Arbeit gilt beispielsweise Kinderbetreuung, Altenpflege Hausarbeit oder auch Freundschaftsdienste. Dem gegenüber steht die bezahlte Care-Arbeit, wie Altenpflege, Krankenpflege, Kinderbetreuung und Arbeiten im Bildungs- und Erziehungssektor. Größtenteils wird die Sorge-Arbeit von Frauen übernommen und geleistet. Diese Arbeit findet ausschließlich in zwischenmenschlichen Interaktionen und Beziehungen statt.

Nach Margrit Brückner umfasst sie „den gesamten Bereich weiblich konnotierter, personenbezogener Fürsorge und Pflege, d.h. familialer und institutionalisierter Aufgaben der Versorgung, Erziehung und Betreuung und stellt sowohl eine auf asymmetrische Beziehungen beruhende Praxisform als auch eine ethische Haltung dar.“2

Eine mögliche Unterscheidung innerhalb der Sorge-Arbeit kann man durch die Aufteilung zwischen direkter und indirekter Care-Arbeit vornehmen.

Entscheidend ist hier ob die jeweiligen Arbeiten nicht unmittelbar mit, sondern für eine Person stattfinden, beispielsweise Einkaufen oder Putzen. Gegenwärtig ist dennoch unbestreitbar, dass eine moderne menschliche Gesellschaft ohne reproduktive Arbeit unrealisierbar ist.

Was ist die Care-Krise genau?

Leider ist die Situation der bezahlten reproduktiven Arbeit, wie in Krankenhäusern, Kindertagestätten oder Altenheimen nicht wirklich gut. Diese meist typischen Frauenberufe gehen mit einer niedrigen Bezahlung und unzureichender Prestige einher. Da im besonderen Maße die Pflegeberufe nicht anhand ihrer Produktivität oder Effizienz gemessen werden können, wird die rein ökonomische Auffassung erschwert.

Oder mit anderen Worten von Mascha Madörin: „Man kann zwar Autos und Medikamente schneller produzieren. Aber kann man schneller Kinder aufziehen? Kann eine gut ausgebildete und engagierte Ärztin noch gut arbeiten, wenn sie im Durchschnitt nur noch 10 Minuten pro Konsultation zur Verfügung hat?“3 Hier zählen keine Erfolgskennzahlen, guter Gewinn oder Wirtschaftlichkeit, sondern soziale Aspekte und zwischenmenschliche Erfolge. Eine gute Qualität der Arbeit kann unter anderem durch eine leistungsgerechte Bezahlung erreicht werden, doch leider sind heute die meisten Arbeitsverträge weit entfernt. Da in diesem Fall durch die entsprechende Vergütung auch das jeweilige Wertschätzen der Arbeit ausgedrückt werden kann, kann man nur erahnen welchen Stellenwert diese Jobs in unserer heutigen Gesellschaft einnehmen.

[...]


1 (Care Revolution, 2018)

2 (Brückner, 2010)

3 (Madörin, 2004)

Details

Seiten
10
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668878532
ISBN (Buch)
9783668878549
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459285
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,3
Schlagworte
care-krise definition lösungsansätze

Autor

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Titel: Die Care-Krise. Definition und Lösungsansätze