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Medienphänomen Donald Trump. Die Bedeutung der Objektivität im Journalismus

Hausarbeit 2018 10 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Journalismus und Nachricht
2.1 Objektivität im Journalismus
2.2 Einfluss des Journalismus

3. Erhöhte Präsenz Trumps in den Medien

4. Schlussbetrachtung

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„It's freezing and snowing in New York--we need global warming!”1. Mit dieser Aussage auf seinem Twitter-Account sorgte der jetzige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika schon vor seiner Präsidentschaftskandidatur für Aufsehen und Gesprächsstoff. Die Medienpräsenz des mächtigsten Mannes der Erde nahm zu, je näher die Präsidentschaftswahl der USA 2016 rückte. Donald Trump sorgte immer wieder aufs Neue für große für Schlagzeilen in der Presse und im Web. Ob diese Meldungen, die von und um Herrn Trump kursieren der Aufregung gerecht werden und ob sie von den Medien und deren Journalisten immer in einem korrekten, den Medien angemessenem, Licht betrachtet werden oder ob manche dieser Artikel und Beiträge nur einer Umsatzsteigerung mancher Nachrichtenunternehmen dienen ist hierbei jedoch fraglich. In der heutigen Medienlandschaf ist eine objektive und sachkundige Berichterstattung unabdingbar und guter Journalismus ist eine Notwendigkeit, die nicht außer Acht gelassen werden darf. „Die wichtigste und zugleich schwierigste Aufgabe für Journalisten ist die Selektion von Informationen, die Entscheidung über das ‚Bringen‘ oder ‚Nichtbringen‘ im jeweiligen Medium. Ausgewählt wird in jeder Phase journalistischer Arbeit“2. Die Tätigkeit eines Journalisten ist zu keinem Punkt seines Arbeitsprozesses als einfach zu betrachten, jedoch gibt es immer wieder Fälle in denen Quantität und Aktualität über Qualität steht. Donald Trump ist vor allem durch negative Schlagzeilen aufgefallen und war so dauerhaft sehr präsent in der Medienwelt vertreten. In diesem Zusammenhang wird oft die Frage aufgeworfen, ob die Präsenz gerechtfertigt sei und ob die damit verbundenen Nachrichten journalistischen Grundsätzen entsprechen oder nicht. „Die Nachricht ist eine direkte, auf das Wesentliche konzentrierte und möglichst objektive Mitteilung über ein neues Ereignis, das für die Öffentlichkeit wichtig und/oder interessant ist“3. Bei einer überwiegend negativen Berichterstattung der Medien wird oft eine fehlende Objektivität angemaßt. Ob und inwieweit dies der Fall ist, wird im Folgenden anhand der Berichterstattung während des Wahlkampfs der USA genauer Untersucht und im Gesamtkontext der journalistischen Grundsätze eingeordnet und verglichen. Die hierbei verwendete Literatur verdeutlicht vor allem die Wichtigkeit einer neutralen Berichterstattung und unterstützt das Einordnen der Berichterstattung im Wahlkampf 2016 der USA im Gesamtkontext, sowie deren Auswirkung.

2. Journalismus und Nachricht

Um Artikel und Nachrichten korrekt und vollständig nachvollziehen zu können, bedarf es anfangs einer allgemeinen Analyse der Themen Journalismus und Nachrichten. Die oben genannte Definition der Nachricht nach D. Schwiesau und J. Ohler sorgt für eine allgemeine Erklärung des Begriffs Nachricht, jedoch gibt es im Einzelnen sechs Merkmale, die aufzeigen was nun genau eine Nachricht ist und was nicht.

Das wichtigste an einer Nachricht ist, dass sie über etwas neues Bericht erstattet. Hierbei unterscheiden sich Informationen von Nachrichten. „Eine Information ist nur dann eine Nachricht, wenn sie neu ist. Neu ist, was vorher unbekannt war“4. Ziel der Nachrichten ist demzufolge die Beseitigung oder Verminderung von Unwissen und das Aufzeigen des Unbekannten beziehungsweise des unbekannt geglaubten. Die direkte Mitteilung und das Beschränken auf das Wesentliche sind essentielle Bestandteile einer Nachricht. So wird ohne Umschweife auf Aktuelles hingewiesen und „in einer leicht verständlichen Sprache“5 vermittelt. Das Bedeutungsvolle „steht in der Regel am Anfang“6. Dies unterscheidet die Nachricht auch von anderen Darstellungsformen wie zum Beispiel dem Bericht, dessen Anfang das Wichtigste seien kann aber nicht sollte. Die richtige Wortwahl ist ebenso von Bedeutung, um eine gelungene Nachricht zu produzieren. Worte sollten so gewählt sein, dass sie „jeder durchschnittlich gebildete Mensch […] mühelos versteht“7. Außerdem treten in einer Nachricht keine unsachlichen, subjektiven oder parteilichen Worte auf. Eine Nachricht hat des darüber hinaus die Eigenschaft die höchstmögliche Objektivität zu bieten und sollte somit wahrhaftig, unparteilich und von der eigenen Meinung getrennt sein. Die Nachricht hat einen informierenden Charakter und berichtet über „einen Vorgang, der in Raum und Zeit begrenzt ist“8. Dieser Vorgang muss ein, für die Öffentlichkeit, relevanter Beitrag sein. Des Weiteren muss eine Nachricht möglichst zügig erscheinen, nachdem ein Ereignis geschehen ist. Schneller Nachrichtenzugang war immer von Vorteil und wird es in Zukunft auch bleiben. Aus diesen Gründen wurde die Nachricht und vor allem die Vermittlung dieser immer weiter optimiert. Die Nachricht hat aus mehreren Gründen einen besonderen Rang in unserer Gesellschaft. Sie gilt als „Urform des Journalismus“9 und war Grundlage der heutigen Medien, sowie Grundlage für die Entwicklung anderer Darstellungsformen. Überdies hinaus ist sie die am häufigsten auftretende journalistische Form und am einfachsten zu produzieren, verbreiten und konsumieren.10

Guten und richtigen Journalismus definieren Christoph Neuberger und Peter Kapern wie folgt:

„Der Journalismus ist ein gesellschaftliches Teilsystem mit der Funktion der Selbstbeobachtung der Gesellschaft. Dafür stellt er Öffentlichkeit her, indem er Themen aktuell und universell auswählt, objektiv über sie berichtet, Beiträge veröffentlicht und kontinuierlich mit Hilfe von Massenmedien an das Publikum verbreitet. Autonomie ist eine notwendige Voraussetzung für die Erfüllung dieser Funktion.“ [11]

Journalismus nutzt verschiedene Darstellungsformen um Ereignisse in der Bevölkerung zu verbreiten. Ebenso wichtig für den Journalismus wie für die Nachricht an sich ist Aktualität der behandelten Themen. Außerdem steht Objektivität erneut im Vordergrund. Journalismus sollte eine gewisse Objektivität waren und diese in der jeweiligen Berichterstattung bestmöglich umsetzten. Es werden nur Ereignisse behandelt, die in der Wirklichkeit geschehen sind. Dabei verlassen sich Journalisten „ihrerseits auf [vertrauenswürdige] Quellen“12. Mit der Objektivität einhergehend, ist die Autonomie des Journalismus, die den Journalismus möglichst von politischen, ökonomischen und anderen Zwängen befreien soll, zu erwähnen. Durch wirtschaftliche und politische Einflussfaktoren wie zum Beispiel Druck der Werbekunden oder Zensur, kann diese Autonomie jedoch gefährdet werden. Das Grundgesetz gewährt allerdings einen großen Handlungsspielraum für den Journalismus in Deutschland. Ob und wieweit Journalismus seine Objektivität waren kann, muss nun genauer betrachtet werden, um die Berichterstattung um Donald Trump zu verstehen.13

2.1 Objektivität im Journalismus

„Keine Frage: Die Objektivitätsnorm ist das komplizierteste Qualitätskriterium des Journalismus“14. Der Ausdruck Objektivität wird als ein wertfreier, vollständiger und unparteilicher Begriff definiert. Diese Ansicht festigte sich in Deutschland vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, um erneute Propaganda und Desinformation zu vermeiden und eine neutrale und von persönlichen Werten freie Nachrichtendarstellung zu gewährleisten. Die Objektivität muss ebenso wie der Wahrheitswert gesetzlich eingehalten und befolgt werden, jedoch ist es kompliziert einen exakten wissenschaftlichen Begriff hierfür zu definieren. Ein sich komplettes Loslösen von allen Vorurteilen und jeglicher Menschlichkeit und somit optimale Objektivität, ist ein utopisches Streben für den Journalismus. Diese Utopie sollte aber trotz Wissen der Unerreichbarkeit angestrebt und klar verfolgt werden, um so das bestmögliche Ergebnis für eine unbeeinflusste Wiedergabe der Wirklichkeit zu erhalten. Auch wenn Objektivität ein schwer zu definierender Begriff ist, darf man diesen keinesfalls auflösen, denn das wäre nur eine Einladung „zu jeder Verfälschung, Lüge und Manipulation“15. Ebenso wichtig wie die Tatsache, dass Fakten stimmen müssen, ist es von großer Bedeutung, dass diese auch nachvollziehbar sind. Somit sind gute Journalisten verpflichtet ihre Beiträge transparent zu gestalten und auch über die eigene Unwissenheit aufzuklären, falls dies der Fall sein sollte. Besonders sorgsam sollten Dinge wie zum Beispiel „Namen, Zahlen, Daten, Zeitangaben und Funktionsbezeichnungen“16 geprüft werden, um einen hochwertigen journalistischen Beitrag zu liefern. Die vollständige Darstellung einer Nachricht ist ebenso von großer Bedeutung. Nur durch die komplette Beschreibung des Sachverhalts kann sich der Rezipient seine eigene Meinung bilden, ohne dabei durch den Verfasser beeinflusst zu werden. Durch verschiedene Einschränkungen, wie zum Beispiel dem Zeitdruck oder ein limitierter Umfang einer Berichterstattung ist es Journalisten nicht immer möglich alle Fakten zu präsentieren. Selektion in der Menge an Information ist somit unabdingbar und ein wichtiger Bestandteil der Arbeit eines Journalisten. Allerdings bedarf es bei einer Darstellung immer um eine korrekte Gegenposition, um dem Publikum eine ausgewogene und somit vollständige Darstellung zu bieten. Ebenso ist es Aufgabe des Journalisten Nachricht und Kommentar voneinander zu trennen um es den Rezipienten zu ermöglichen -ähnlich wie bei der Vollständigkeit- ihre eigene Meinung zu bilden und nicht eine von dem Verfasser vorgefertigte Ansicht zu erhalten. Diese Trennung ist jedoch nicht so einfach wie sie zunächst wirkt. Meinungsmache wird von den Verfassern häufig nicht offensichtlich betrieben, sondern ist vielmehr ein unterschwelliger Prozess, der sich in die Nachricht mit einbringt. Die eigene Meinung fließt so oft „beiläufig […], oft sogar unbeabsichtigt“17 in diverse Artikel mit ein. Dies kann jedoch auch zielgerichtet geschehen und ist zu vermeiden. Auch die genaue Wortwahl ist enorm wichtig. Die oben aufgeführten Aspekte Faktentreue, Vollständigkeit der Nachricht, ausgewogene Berichterstattung und die Trennung von Nachricht und Kommentar gliedert man unter dem Begriff „äußere Objektivität“ ein. Diese Normen „lassen sich ‚durch die Einhaltung formaler Prinzipien und Maßstäbe‘ erreichen“18. In der Praxis ist der Objektivitätsbegriff weiter gefasst als in der Wissenschaft und vermischt auch oft Objektivität mit Relevanz. Ein Boulevardmagazin wird eine andere Themenauswahl zur Verfügung stellen, als eine Qualitätszeitung. Damit steht der Herausgeber erneut vor der Norm der Vollständigkeit, um möglichst wertfrei zu berichtet. Das jeweilige Zeitungsunternehmen orientiert sich bei dieser Entscheidung an vielen Faktoren wie beispielsweise der Leserschaft oder dem wirtschaftlichen Interesse des Verlags. Solche Entscheidungen werden subjektiv getroffen. Aus diesem Grund lässt sich eine Auswahl der Themen auch schlecht als Objektivitätsnorm einstufen, da eine vollständige Abdeckung der Themenvielfalt unmöglich wäre. Letztendlich stellt sich nun die Frage, ob Nachrichten überhaupt objektiv sein können oder so betitelt werden dürfen. Die Wirklichkeit hat viele verschiedene Sichtweisen und niemand kann die absolute Wahrheit erfassen und/oder wiedergeben. Die Objektivität gilt mit all ihren Regeln als Norm, die als Utopie besteht. Auch wenn diese Utopie der reinen Objektivität nicht erreichbar ist und als unmöglich gilt, so sollten sich Journalisten doch an den Objektivitätsmerkmalen orientieren. Denn nur so wird eine bestmögliche Berichterstattung und Wiedergabe der Realität gewährleistet. Eine verständliche, korrekte und wertfreie Wortwahl wird ebenfalls vorausgesetzt um Neutralität zu wahren und den Rezipienten nicht zu beeinflussen. Durch Einhaltung dieser Richtlinien und stetigem Streben nach einer Utopie wird das bestmögliche Ergebnis erzielt und eine tunlichst objektive Nachricht verfasst.19

2.2 Einfluss des Journalismus

Eine Nachricht ist umso attraktiver, je außergewöhnlicher diese ist. Besondere und nicht alltägliche Ereignisse fallen besonders schwer ins Gewicht und bleiben oft länger im Gedächtnis als das Normale und nicht Spektakuläre. So erzielen beispielsweise Berichte über das sexistische Skandal-Video von Trump oder die FBI Ermittlungen um Clintons E-Mail Affäre eine weitaus höheren Medienfokus, als ordinäre Meldungen während des Wahlkampfs.20

Diese überraschenden Nachrichten können von guter oder schlechter Natur sein. Letztendlich kann nur die Einzelperson für sich selbst entscheiden, ob eine Meldung nun gut oder schlecht für einen ist. Selbst Dinge, die anfänglich in einem negativen Licht erscheinen, können von manchen positiv interpretiert werden. „DAX-Absturz? Meinetwegen! Gerade habe ich meine Aktien verkauft“21, ist ein gutes Beispiel für die Auslegung mancher Meldungen durch den einzelnen Rezipienten. So ist eine vermeintlich negative Nachricht für bestimmte Personen ein positives Ereignis oder sogar ein Vorteil. Negative Meldungen, wie zum Beispiel über Terror oder Naturkatastrophen sollten nicht überwiegend Teil der Berichterstattung sein. Sie sorgen letztendlich für ein Unwohlsein in der Bevölkerung und wirken bedrückend. Solche Negativschlagzeilen treten oft in Verbindung mit Politik und Politikern auf und werfen häufig die Frage auf wie sich Journalisten politischen Themen gegenüber verhalten sollten. Eine politische Nachricht ist zunächst nichts anderes als eine herkömmliche. Um eine optimale Berichterstattung zu erreichen hält man sich auch bei diesem Themenbereich an die oben genannten Richtlinien und Normen für eine Nachricht und eine objektive Berichterstattung. Jedoch prägt die Nachrichtenbranche eine immer größere Anzahl an Meinungsäußerungen, die vor allem bei politischen Themen kritisch werden können. Diese erhöhte Meinungsäußerung geschieht „vor allem wegen eines immer besseren Zusammenspiels von Politiker, Unternehmen, Öffentlichkeitsarbeitern und Medien“22. Ein Zusammenspiel von Politik und Journalismus ist jedoch „nicht im Interesse der Öffentlichkeit“23. Politiker konkurrieren um mehr Macht, wohingegen Berichterstatter um neue Informationen wetteifern. Nachrichten sollen informieren und auch im Speziellen über Politik informieren. Eine funktionierende demokratische Gesellschaft beruht auf Meinung und Gegenmeinung. Es müssen jedoch manche Normen beachtet werden, wenn eine Meinungsäußerung zu einer Nachricht wird. So wird eine Meinung zur Nachricht, wenn sie neu ist, einen Wissens- und Orientierungswert besitzt, einen Gebrauchswert hat oder einen Unterhaltungs- und Gesprächswert vorweist.24

[...]


1 Trump (2012)

2 Arnold (2016, S. 27).

3 Schwiesau & Ohler (2016, S. 2).

4 Schwiesau & Ohler (2016, S. 2).

5 Schwiesau & Ohler (2016, S. 2).

6 Schwiesau & Ohler (2016, S. 2).

7 Schwiesau & Ohler (2016, S.100).

8 Schwiesau & Ohler (2016, S. 3).

9 Schwiesau & Ohler (2016, S. 9).

10 Vgl. Schwiesau & Ohler (2016, S. 2 f.).

11 Neuberger & Kapern (2013, S. 29).

12 Neuberger & Kapern (2013, S. 28).

13 Vgl. Neuberger & Kapern (2013, S. 26-29).

14 Neuberger & Kapern (2013, S. 147).

15 Segbers (2007, S. 122) in Neuberger & Kapern (2013, S.147).

16 Neuberger & Kapern (2013, S. 149).

17 Neuberger & Kapern (2013, S. 152).

18 Neuberger & Kapern (2013, S. 153).

19 Vgl. Neuberger & Kapern (2013, S. 147-153).

20 Vgl. Kießling (2016).

21 Schwiesau & Ohler (2016, S. 25).

22 Schwiesau & Ohler (2016, S. 25).

23 Schwiesau & Ohler (2016, S. 25).

24 Vgl. Schwiesau & Ohler (2016, S. 24 ff.).

Details

Seiten
10
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668882553
ISBN (Buch)
9783668882560
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459294
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,3
Schlagworte
Donald Trump Journalismus Objektivität Medienphänomen Populismus

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