Lade Inhalt...

Luxus statt Verteidigung. Von der Burg zum Schloss

Ein didaktisches Konzept zum Historischen Museum Saar

Hausarbeit 2017 17 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Lernen im Museum – Ein Überblick

2. Didaktisches Konzept
2.1. Das Saarbrücker Schloss – Wandel zum Luxus
2.2. Didaktisches Konzept
2.2.1 Vorbereitung im schulischen Kontext
2.2.2 Lernziele und Kompetenzen
2.2.3 Dimensionen historischen Lernens
2.2.4 Phasen/ Verlauf des Museumsbesuches
2.2.5 Nachbereitung im schulischen Kontext

3. Feedback

4. Zusammenfassung

5. Anhang
5.1 Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

1.1 Vorwort

Wenn das Schulfach Geschichte intensiv betrachtet wird, so ist es augenscheinlich der Fall, dass nicht alle Inhalte der Curricula durch reine Arbeit innerhalb der Schule umsetzbar sind. So ist es unablässig, dass Schülerinnen und Schüler beim historischen Kompetenzerwerb auch außerhalb des Schulzimmers lernen. Einen wichtigen Eckpfeiler des externen, also außerschulischen Lernens stellt hierbei zweifelsohne das Museum dar. Als renommierte und etablierte Institution, die sich der Vermittlung geschichtlicher Fakten und damit der Vermittlung von Geschichte selbst verschrieben hat, steht es im Kernpunkt der Betrachtung in dieser Hausarbeit. So soll zunächst ein kleiner Überblick über die Forschung zum Museum als Lernort der Schülerinnen und Schüler gegeben werden. Anschließend erfolgt ein kurzer historischer Überblick über das Thema des im Folgenden vorgestellten Unterrichtskonzeptes. Dabei soll auch auf die Vor- und Nachbereitung des Stoffes innerhalb der Schule eingegangen werden. In einem weiteren Kapitel erfolgt die Schilderung des Feedbacks der Gruppe, sowie der Dozentin des Seminars, welche die von uns geplante und exemplarisch vorgestellte Konzeption kritisch und didaktisch kommentiert haben. Zum Schluss folgt noch ein kurzes Fazit.

1.2 Lernen im Museum – Ein Überblick

Interviewt man Schülerinnen und Schüler verschiedener Altersklassen zu ihrer Einstellung zu einem Museum, so erhält man eher gemischte Ergebnisse. So empfinden viele der Befragten das Museum als langweilig, uninspirierend und generell als uninteressant. Studien bestätigen des Weiteren, dass die Mehrzahl der Deutschen gar nicht ins Museum geht.[1] Doch warum ist das so?

Das Museum gilt in weiten Gesellschaftsschichten als verstaubter, trockener Ort, der in einer Welt, die von neuen Medien und unendlichen Unterhaltungsangeboten überbordend versorgt ist, kaum mit seinen Reizen überzeugen kann. Immer mehr ersetzt das Erlebnis durch Fernsehen, Internet und Kino die echte Begegnung mit historischen Gegenständen, wie sie in ihrer Reinform nur im Museum zu Stande kommen kann. Daher gilt es für die Museumspädagogik sich hier einen Angriffspunkt zu schaffen, von welchem an überzeugende und förderliche Konzepte aufgebaut werden können, welche das Lernen im Museum und das Interesse an dem Besuch dieser Institution stärken. Dies war freilich nicht immer so. Die ersten großen Museen entstanden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands im Zuge der Nachwehen der gescheiterten liberalen Revolution von 1848, so zum Beispiel im Jahre 1852 in Nürnberg.[2] Diese ersten musealen Institutionen grenzten sich dadurch von fürstlichen Sammlungen ab, dass hier ,,auf die Kenntnisnahme ,des gewöhnlichen Lebens unserer Voreltern‘ Wert gelegt wurde‘‘[3] Zudem sollte auch die lokale Kultur vor dem als überprägend wahrgenommenen preußischen Einfluss bewahrt werden. In den damaligen Ausstellungen dominierten demzufolge Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs wie Trachten, Münzen oder Uniformen. Durch die Betrachtung und Identifikation mit den gezeigten Exponaten sollten den bürgerlichen Betrachtern einzelne Züge der Geschichte erfahrbar gemacht werden.

Doch bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts formierte sich zunehmend Kritik an der Darstellung in Museen: Der Historismusstreit brach aus.[4] Als Folge dessen wurde die Forderung laut, dass bei den Ausstellungen die Ästhetik und die Historie zu trennen seien, was dazu führte, dass die Kunst von den alltäglichen Gegenständen separiert und gesondert ausgestellt wurde. Weiterhin brachte die Wissenschaft auch die Konzentration auf besonders hochwertige oder bedeutsame Ausstellungsstücke hervor, bei der zwecks einer besseren Verständlichkeit und einem intensiveren Sehen und Begreifen des Dargestellten die Anzahl von Exponaten deutlich reduziert wurde. Ein Grund hierfür könnte auch die zunehmende Einbeziehung unterer Gesellschaftsschichten an der musealen Bildung sein, welche seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr in den Fokus der ersten Museumspädagogen geriet. Dem einfachen Arbeiter sollte das historische Betrachten durch die Erschaffung von ,,volkstümlich eingerichteten Schausammlungen‘‘[5] vereinfacht werden. Dabei standen der Genuss und die aufkommende Stimmung beim Betrachten der Schauwerke im Vordergrund. Diese Entwicklung hielt gar noch bis in die 1960er-Jahre an, bevor die aufkommende Sozialkritik auch die Museen erreichte.

Nun stand ein völliger Rollenwechsel für den Besucher an, der sich mit gezielt ausgestellten Situationen identifizieren sollte, indem er sich in die Szenerie hineinversetzte. Somit gerät das Lernen an einzelnen Objekten zugunsten einer übergeordneten Erfassung der Systematik in den Hintergrund. Die genaueren Lehr- und Lernziele bleiben laut Held jedoch meist offen.

Die heutige Museumspädagogik ist sehr heterogen geprägt und orientiert sich an sehr unterschiedlichen didaktischen und empirisch-wissenschaftlichen Konzepten und Theorien.Sie wird oftmals von speziell dafür ausgebildeten Fachleuten konzipiert. Ihnen obliegt die Verantwortung, die Vermittlung der ausgestellten Exponate in ihrer Funktion und Bedeutung zu kreieren. Dabei orientieren sich die Pädagogen häufig an bildungs- und erziehungswissenschaftlichen Theorien.

Ein weiteres Ziel der modernen Museumspädagogik ist die Inklusion aller Gesellschaftsschichten, um ,,durch differenzierte Angebote möglichst vielen unterschiedlichen Besuchergruppen Zugang zu kultureller Bildung zu ermöglichen‘‘[6].

Im Hinblick auf den Besuch von Schulklassen an außerschulischen Lernorten, und hier insbesondere dem Museum, gilt es, pädagogisch fundierte Konzepte zu entwerfen, welche dazu beitragen, das Geschichtsbewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu stärken und auf diesem Wege dabei helfen, diese zu selbstständigen und mündigen Bürgern zu erziehen. Dass diese Konzepte nicht vor vielerlei Problemen und Fehlern gefeit sind, zeigt der Aufsatz von Bodo von Borries.[7] Auf spezifische Fragestellungen hinsichtlich dieser Probleme soll bei der Vorstellung des Exkursionsverlaufs hingewiesen werden.

2. Didaktisches Konzept

2.1. Das Saarbrücker Schloss – Wandel zum Luxus

Die erste historische Erwähnung zum heutigen Schloss Saarbrücken findet sich in einer Urkunde des Jahres 999 nach Christus, in der von einem ,,Castellum Sarabrucca‘‘ die Rede ist.[8] Die Lage auf dem Saarfels oberhalb des namensgebenden Flusses war aufgrund ihrer exponierten Lage wie geschaffen für eine Schutzburg, war sie doch schwer zu erobern und man hatte die Umgebung im Blick. Erste archäologische Funde stammen jedoch aus der Zeit um 1250, hier ist auch der rote Turm zeitlich zu verordnen. Dieser, nach der Farbe der beim Bau benutzten Buckelquader benannte Turm thronte über der eigentlichen Burg und diente mit seiner Lage der Verteidigung der Burg. Die mehrere Meter dicke Mauer konnte mit ihrer Standfestigkeit fast jedem Angriff trotzen. Vom Aussehen der restlichen Burg zu diesen Zeiten ist jedoch nichts bekannt. Ebenfalls aus mittelalterlicher Zeit stammt die gefundene Zisterne im Umkreis der ehemaligen Burgküche. Diese diente zum Auffangen von Regenwasser, welches der Versorgung der Burg sowohl in Friedens- als insbesondere auch in Kriegszeiten zur Autarkie des Verteidigungssystems diente, konnte man so auch länger andauernde Belagerungen mühelos überstehen. Sicher scheint jedoch nur, dass das Aussehen und die Gestalt der Burg in den folgenden Jahrhunderten mehrfach changierten. Ein erster verteidigungstechnischer Ausbau, der durch Schriftquellen belegt ist, erfolgte unter Graf Johann IV., welcher in den Jahren 1563 bis 1569 die sogenannte Südbastion erbauen ließ. Diese sicherte nun auch den südlichen Bereich der Burg und konnte somit dafür sorgen, dass die Umgebung rundum überwacht werden konnte. Hier finden sich auch die zweigeschossigen Kasematten, die ebenfalls als Wehrgang genutzt wurden, und mit Kanonen bestückt waren. Im ausgehenden Mittelalter kamen auch Schusswaffen immer mehr in Gebrauch, weswegen sich die Verteidigungskonzepte der Burgen zu ändern begannen. Im Saarbrücker Schloss ist beispielsweise eine Schießkammer um 1480 belegt. Da auch Kanonen immer mehr aufkamen, mussten die gemauerten Schutzwälle immer dicker werden, um im Notfall auch Schüsse abhalten zu können.

Spätestens seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts jedoch kam es zu einem wichtigen und fundamentalen Wechsel in der Verteidigungspolitik von Herrschaftssitzen. Nicht mehr der Schutz vor Feinden hinter dicken Mauern spielte eine große Rolle, sondern zunehmend die Repräsentation der Herrschenden zur Legitimierung ihrer Macht und zum ,,Zur-Schau-Stellen‘‘ des eigenen Reichtums.

So geschah es auch in Saarbrücken, als unter der Herrschaft von Graf Ludwig II. von Nassau-Weilburg (reg. 1593-1627) das erste Renaissanceschloss erbaut wurde.[9] Dieses wurde jedoch bereits knapp 100 Jahre später wieder abgerissen und durch einen Barockbau ersetzt. Dieses Bauvorhaben wurde unter Fürst Wilhelm-Heinrich umgesetzt. Prunk und Protz sollten das Bild des Schlosses prägen, man baute auch, um andere Adelige zu beeindrucken. Sogar die einige Jahrhunderte zuvor noch überlebenswichtige Burggrabenanlage wurde mit Erdreich zugeschüttet, um einen repräsentativen Platz gestalten zu können. Die Verteidigungsanlagen wie die Kasematten waren sogar vollständig in Vergessenheit geraten und wurden nur durch einen Deckenbruch auf dem Platz wieder entdeckt und im Laufe der letzten Jahrzehnte rekonstruiert. Das Saarbrücker Schloss hat also den typischen Übergang von einer der reinen Verteidigung dienenden Burg zu einem repräsentativen und herrschaftlichen Sitz des Fürsten durchgemacht. Diese langwierige Entwicklung ist so oder so ähnlich auch für viele weitere frühere Burgen nachzuweisen, und soll im Rahmen des hier präsentierten Unterrichtskonzeptes exemplarisch den Schülerinnen und Schülern klargemacht werden.

2.2. Didaktisches Konzept

Zunächst einmal muss genauer auf die didaktisierte Vorbereitung des Unterrichtsbesuches im Historischen Museum Saar eingegangen werden. Anschließend werden Lernziele der Schülerinnen und Schüler genannt und erklärt. Kurz soll noch auf die in diesem Konzept vorkommenden Dimensionen historischen Lernens eingegangen werden, bevor dann im Hauptteil dieser Arbeit die Durchführung der schulischen Exkursion mit ihren Phasen geschildert wird. Zum Schluss soll ebenfalls noch über die Nachbereitung der Besichtigung gesprochen werden, welche selbstverständlich wieder im schulischen Rahmen stattfindet.

2.2.1 Vorbereitung im schulischen Kontext

Werden im schulischen Kontext Exkursionen durchgeführt, so ist es von großer Bedeutung, dass der Ausflug im Vorfeld im Unterricht besprochen wird. Unerlässlich ist dabei die Festlegung von Regeln, welche bei dem eigentlichen Besuch von allen Schülerinnen und Schülern beachtet werden müssen.Außerdem ist es förderlich, wenn Erwartungshaltungen geweckt werden. Dies ist im Sinne der geforderten Motivierung der Schülerinnen und Schüler von Vorteil, stärkt eine ausreichend vorhandene motivationale Komponente das Interesse und die Aufnahmefähigkeit des Schülers.[10]

Daher sollen die Schüler im Vorhinein Fragen schriftlich formulieren, nachdem ihnen gesagt wurde, dass es einen Ausflug zur ,,Saarbrücker Burg‘‘ geben wird. Erfreulich ist es hier des Weiteren, wenn die Schüler dabei ins Grübeln kommen, da sie höchstwahrscheinlich keine ,,Saarbrücker Burg‘‘ kennen, da diese ja vom heutigen Schloss ,,ersetzt‘‘ ist.

Zur Thematik selbst bleibt zu sagen, dass sich das dazugehörige Längsschnittthema ,,Vom Mittelalter zum Barock‘‘ im Lehrplan der Klassenstufe 7 des saarländischen Lehrplanes für Gymnasien findet.[11] Die Verteidigung von Herrschaftssitzen ist zwar hier kein explizites Thema, kann jedoch hier exemplarisch erfolgen. In der Vorbereitung soll aber weiterhin auch ein Gegenwartsbezug hergestellt werden, der am Ende der Unterrichtsreihe wieder aufgegriffen werden wird. Da das Hauptthema der Exkursion ja die Verteidigung von Herrschaftssitzen im Laufe der Zeit ist, sollen die Schülerinnen und Schüler sich gezielt Gedanken dazu machen, wie man heute sein Haus ,,verteidigt‘‘ und schützt. Hierbei kann zum Beispiel eine Mind-Map an der Tafel entworfen werden, die die Schüler selbstständig entwerfen und in ihr Heft übertragen. Als Antworten erwartet werden hierbei Vorrichtungen wie: Eisengitter, Zäune, Überwachungskameras, Pfefferspray, Alarmanlagen etc.. Des Weiteren wird darüber zu sprechen sein, aus welchen Gründen man heute sein Haus schützt und inwiefern dies früher genauso oder anders war. Da die Thematik der heutigen Verteidigung erneut in der Nachbereitung aufgegriffen werden wird, sollte eine Doppelstunde zur Vorbereitung auf den außerschulischen Lernort genügen.

[...]


[1] Bodo von Borries: Präsentation und Rezeption von Geschichte im Museum, S. 337.

[2] Jutta Held: Konzeptionen historischer Museen, S. 11.

[3] Ebd., S. 12.

[4] Ebd., S. 14.

[5] Ebd., S. 19.

[6] Deutscher Museumsbund: Qualitätskriterien für Museen, S.8

[7] Bodo von Borries: Präsentation und Rezeption von Geschichte im Museum.

[8] Wolfgang Behringer & Gabriele Clemens: Geschichte des Saarlandes, S. 19.

[9] Wolfgang Behringer & Gabriele Clemens: Geschichte des Saarlandes, S. 36.

[10] Hilke Günther-Arndt: Geschichtsdidaktik, S. 32.

[11] Lehrplan Geschichte Gymnasium Klasse 7 über Bildungsserver Saarland.

Details

Seiten
17
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668948105
ISBN (Buch)
9783668948112
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459312
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,7
Schlagworte
luxus verteidigung burg schloss konzept historischen museum saar

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Luxus statt Verteidigung. Von der Burg zum Schloss