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Ist Chancengleichheit in der Schule möglich? Auseinandersetzung mit Theorien zu leitenden Strukturen in der Gesellschaft

Hausarbeit 2018 20 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Strukturfunktionalismus nach Parsons
2.1. AGIL-Schema
2.2.1. Die Interpretationsbeziehung zwischen dem Kultur-, Sozial-, und Persönlichkeitssystem
2.2.2. Die pattern variables als Orientierungsalternativen
2.3. Schule als Subsystem der Sozialisation aus strukturfunktioneller Sicht

3. Sozialisation als Habitualisierung – „Die feinen Unterschiede“ nach Bourdieu
3.1. Kapitalformen und Positionierung im virtuellen Raum nach Bourdieu
3.2. Habitus als Einteilungskomponente

4. Auswirkungen auf den Bildungszugang
4.1. Bildungszugang unter Betrachtung des strukturfunktionalistischen Ansatzes nach Parsons.
4.2. Bildungszugang unter Betrachtung der Studie „Die feinen Unterschiede“ nach Bourdieu

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

„Zu meinen, wenn man allen gleiche wirtschaftliche Mittel bereitstelle, gäbe man auch allen, sofern sie die unerlässliche ›Begabung‹ mitbrächten, gleiche Chancen für den Aufstieg in die höchsten Stufen der Bildungshierarchie, hieße […] zu übersehen, dass die an Prüfungskriterien gemessenen Fähigkeiten weit mehr als durch natürliche ›Begabung‹ […] durch die mehr oder minder große Affinität zwischen den kulturellen Gewohnheiten einer Klasse und den Anforderungen des Bildungswesens oder dessen Erfolgskriterien bedingt sind. “ (Bourdieu & Passeron, 1971, S. 40)

Dieses Zitat von Bourdieu und Passeron aus dem Buch „Die Illusion der Chancengleichheit“ macht deutlich, wie das Handeln der Akteure in unserer Gesellschaft vorbestimmt und geleitet wird. Nach Bourdieu ist es der Habitus, der das Handeln der Individuen prägt und leitet. Dies geschieht ihm zufolge meistens unbewusst (vgl. Bonß, Dimbath, Maurer, Nieder, Pelizäus-Hoffmeister & Schmid, 2013, S. 238). Der amerikanischer Soziologe Talcott Parsons, beschäftigte sich bereits vor Pierre Bourdieu mit der Gesellschaft als System und versuchte eine Struktur zu finden, mit der das Gesellschaftssystem, deren Subsysteme und das Handeln von Individuen begründet und auf ein Raster übertragen werden konnte. In dieser strukturfunktionalistischen Sozialisationstheorie sind es die Rollenerwartungen und das Rollenverhalten, welche die Menschen in einer Gesellschaft leiten, prägen und das Leben auf gewisse Weise, wie auch bei Bourdieu, vorbestimmen (vgl. Korte, 2017, S. 195).

Somit stellt sich die Frage, ob die Entscheidungsfreiheit, wirklich frei ist oder häufig nur eine Illusion darstellt, von der die Menschen annehmen, dass es sie gäbe. Die leitenden Strukturen der Individuen in einer Gesellschaft, die in den beiden genannten Theorien erläutert werden, können als positive Orientierungshilfen oder aber auch als negative, gezwungenermaßen vorbestimmte Strukturen interpretiert werden (vgl. Dörfler, Graefe, Müller-Mahn, 2003, S. 19). Dieser leitende vorgeprägte Lebensweg hat starke Auswirkungen auf die Heranwachsenden und deren Bildungszugang. Parsons geht von einer Chancengleichheit durch individuell erbrachte Leistungen im Schulsystem aus, während in Bourdieus Studie von einer Ungleichheit gesprochen wird, mit der Schülerinnen und Schüler schon in das Bildungssystem starten (vgl. Tillmann, 2010, S. 159f.; Schwingel, 2009, S. 107f.).

Diese zwei unterschiedlichen Ansätze von den bekannten Soziologen sollen in dieser Arbeit betrachtet werden. Zunächst wird der Strukturfunktionalismus nach Parsons aus dem Jahr 19511 sowie die Studie von Bourdieu zu „Die feinen Unterschiede“2 der Gesellschaft genauer erläutert, wodurch die grundlegenden Züge dargestellt werden. Anschließend sollen die Auswirkungen auf den Bildungszugang für junge Menschen betrachtet werden. Hierbei stellt sich die Frage, ob von einer Chancengleichheit wie bei Parsons gesprochen werden kann oder ob es sich doch eher um sozial geprägte Unterschiede handelt, die eine Chancengleichheit im Schulsystem verhindern. Grundsätzlich soll mit der Arbeit die Fragestellung „Chancengleichheit im Bildungssystem – Illusion oder Realität“ beantwortet werden.

2. Strukturfunktionalismus nach Parsons

Die Idee hinter dem Begriff des Strukturfunktionalismus nach Parsons besteht darin, dass die Struktur und die Funktion einer Gesellschaft ein sinnvolles Ganzes darstellen (Parsons 1951, S. 19 & 42). Demnach setzt sich der Begriff der Theorie zum einen aus dem Wort Struktur und zum anderen aus Funktion zusammen. Unter ersterem wird eine „spezifische, relativ stabile Ordnung der Beziehungen zwischen bestimmten sozialen Phänomenen“ (Parsons, 1945, S. 54 nach Abels, 2010, S. 248) verstanden. Diese Struktur bedingt wiederum die Beziehungen damit, dass „einzelne Phänomene füreinander eine bestimmte Bedeutung haben“ (ebd., S. 48 nach ebd.) und somit eine bestimmte Funktion erfüllen. Dynamische Zugehörigkeit sozialer Phänomene haben nach Parsons somit die Bedeutung eines Systems, welches darauf aus ist, „sich selbst zu erhalten“ (Abels, 2010, S. 246). Es findet somit eine funktionale Differenzierung einzelner Subsysteme statt, wie dem Bildungs- oder Wirtschaftssystem. Diese bieten dem Gesamtsystem Stabilität sowie die darin, nach Rollenerwartungen handelnden, Individuen (ebd., 1951, S. 19; Luhmann, 1970, S. 186f.).3

Der Strukturfunktionalismus betrachtet das Verhältnis zwischen der Gesellschaft sowie der Persönlichkeit, mit dem Ziel diese verständlich zu machen und eine „Maske“ bereit zu stellen, mit der jede Gesellschaft gleichermaßen analysiert und interpretiert werden kann. Es ging Parsons demnach darum eine Theorie zu entwickeln, die nicht nur für die amerikanische Gesellschaft anwendbar ist, sondern so frei und offen formuliert, dass sie losgelöst von Zeit sowie Raum genutzt werden kann (vgl. Korte, 2017, S. 195). Grundsätzlich betrachtet die Theorie makrosoziologische Phänomene, beispielsweise die Institution Schule.

Hinzufügend hat Parsons eine Handlungstheorie entwickelt, bei der die Akteure einer Gesellschaft im Mittelpunkt stehen und die somit die Mikrostruktur betrachtet (vgl. Bonß et al., 2013, S. 73; Tillmann, 2010, S. 143). Die für Gesellschaften erstellte Struktur kann nach Abels (2017, S. 248) auch für die Analyse anderer Bereiche der Gesellschaft genutzt werden, wie beispielsweise für das Persönlichkeitssystem. Denn auch hier gibt es einen spezifischen Code, „der das spezifische Denken und Handeln des Individuums definiert“ (ebd.), der von Parsons als Identität betitelt wird und die Handlungen der Individuen kontrolliert. Laut Parsons steht für die meisten normal integrierten Menschen demnach ein stabiles Orientierungsmuster im Umgang mit Personen oder Situationen zur Verfügung, nach dem diese ihr Handeln ausrichten (vgl. Parsons, 1968, S. 84).

Damit sich ein gesellschaftliches System, eingeschlossen das Persönlichkeitssystem, selbst erhalten kann, müssen gewisse Grundfunktionen erfüllt werden, auf die im folgenden Kapitel eingegangen wird.

2.1. AGIL-Schema

Für Parsons stand stetig die Leitfrage im Raum, wie sich stabile wiederaufkommende Erwartungen, Reaktions- und Handlungsmöglichkeiten trotz vielfältiger und offener Handlungsmöglichkeiten in der Gesellschaft etablieren können. Also dem Versuch danach, dass Handeln von Menschen mit dem Zweck zu erklären, wie eine gesellschaftliche Ordnung möglich sei. Ende der 40er Jahre, entwickelte Parsons die zuvor in Kapitel 2 angesprochene Handlungstheorie, aus der das AGIL-Schema stammt. Auf mikro- sowie makrotheoretischer Ebene ist es anwendbar, solange vier, im Folgenden genannte Grundfunktionen, erfüllt sind (vgl. ebd., S. 81f.).

Grundlegend für die Beschreibung jedes menschlichen Handelns ist die Spannung die zwischen dem Handlungssystem, dem physiko-chemischen System, dem telischen System sowie dem System des menschlichen Organismus besteht. Ersteres lässt sich wiederum in vier Systeme unterteilen: dem Verhaltenssystem, Persönlichkeitssystem, dem Sozialsystem und dem Kultursystem. Diese vier genannten Ebenen hängen mit dem AGIL-Schema, entlang der Logik von oben nach unten zusammen. Jedem dieser Teilsysteme wird von dem Schema eine Teilleistung zugeordnet: Anpassung (A daption), Zielerreichung (G oal Attainment), Integration (I ntegration), Norm- oder auch Strukturerhaltung (L atent Pattern Maintenance). Zusammenfassend agiert jedes Individuum in allen vier Subsystemen des Handlungssystems, um für eine Stabilität zu sorgen (vgl. Junge, 2010, S. 111; Korte, 2017, S. 201).4

Von den vier genannten Systemen wird das Persönlichkeitssystem sowohl indirekt als auch direkt gesteuert. Direkt durch das Sozialsystem, welches wiederum durch Inputs von dem Kultursystem gelenkt wird. Die in diesem System bestehenden „Werte werden vom Sozialsystem als Rollenerwartungen und Rollenvorschriften konkretisiert und bestimmen zusammen die Anforderungen an das Persönlichkeitssystem“ (Junge, 2010, S. 111f.), wodurch eine Abhängigkeitskette der Systeme entsteht. Das kulturelle System stellt für das Handlungssystem Werte bereit, das Sozialsystem bietet für das Handlungssystem wiederum Normen an und das Persönlichkeitssystem stellt die Bedürfnisdispositionen bereit. Werte stehen im Bezug zu dem AGIL-Schema für die zu erreichenden Ziele, wohingegen die Normen die erlaubten Mittel hierfür definieren (vgl. ebd., S. 111-113). Rollenerwartungen sind demnach ein zentraler Begriff, in dem „zwei Aspekte der Bedürfnisdisposition […] zusammen geführt und sozial standardisiert“ (ebd., S. 112) „im Hinblick auf Objekte durch die Festlegung erlaubter, normierter Handlungsweisen, in Bezug auf die Wertemuster durch Bestimmungen sozial normierter Handlungsorientierungen respektive Handlungsintentionen“ (ebd.). Nach Junge (2010, S. 112) steht das Persönlichkeitssystem demnach stetig in einem Spannungsverhältnis zwischen einer externen Steuerung sowie einer internen, bereits vorgegebenen Bedürfnisdisposition und den Trieben. Individuelle Bedürfnisse sowie Rollenerwartungen der Gesellschaft müssen ausbalanciert sein, damit „das Persönlichkeitssystem seine Funktion für das Handlungssystem, die Zielerreichung“ (ebd.) erfüllt.

2.2.1. Die Interpretationsbeziehung zwischen dem Kultur-, Sozial-, und Persönlichkeitssystem

Damit der notwenige Austausch zwischen den Subsystemen des Gesamtsystems entstehen kann, müssen die drei Subsysteme Kultur-, Sozial-, und Persönlichkeitssystem des Handlungssystems in einer wechselseitigen Interpenetrationsbeziehung zueinanderstehen.5 Dieser Leistungsaustausch wird realisiert durch die Institutionalisierung, Internalisierung sowie Sozialisation, die eine Verbindung zwischen den drei zuvor genannten Subsystemen herstellen. Die Institutionalisierung stellt die Verbindung zwischen dem Kultursystem und dem Sozialsystem her, indem Werte aus dem Kultursystem in dem Sozialsystem institutionalisiert werden. Die Internalisierung beschreibt die Verinnerlichung von Wertemustern des Kultursystems im Persönlichkeitssystem. Die Interpretation stellt die Aneignung normativer Erwartungen der Gesellschaft im Prozess der Sozialisation in dem Persönlichkeitssystem her. Wichtig zu betrachten ist jedoch auch der Umstand, dass dieser Austausch nicht nur ein einseitiger Prozess ist, sondern in einem wechselseitigen Verhältnis zueinandersteht, da die Veränderungen in dem jeweiligen Subsystem auch zurück wirken. Laut Parsons können die Individuen einer Gesellschaft erst dann sicher den Erwartungen nach in Situationen agieren, wenn alle drei Prozesse ausdifferenziert sind (vgl. Junge, 2010, S. 113-115).

2.2.2. Die pattern variablesals Orientierungsalternativen

Weiter ist eine funktionierende Interaktion zwischen Individuen nach Parsons nur möglich, wenn auf beiden Seiten eine „gemeinsame und zeitlich stabile Werteorientierung“ (ebd., S. 115) vorhanden ist, wobei die Internalisierung (Verbindung zwischen Kultur-, und Persönlichkeitssystem) von Wertmustern der Orientierung nötig ist. Aus dem zuvor definierten AGIL-Schema entstehen die sogenannten pattern variables, die vier grundlegenden Orientierungsalternativen für das Handeln bereit stellen: Affektivität/affektive Neutralität, Diffusität/Spezifität, Zuschreibung/Leistungsorientierung und Partikularismus/Universalismus (vgl. Junge, 2010, S. 115f.; Korte, 2011, S. 176). Laut Parsons (1952, S. 77 nach Rommerskirchen, 2017, S. 186) ist jede dieser Mustervariable eine Handlungsweise, um ein Gleichgewicht durch das Handeln herzustellen.

Anhand dieser Orientierungsalternativen entwickelt sich das Persönlichkeitssystem eines Individuums in Verbindung mit einer Umgestaltung des Persönlichkeitskonzepts nach Freud. Demnach unterscheidet Parsons zwischen dem Es, dem Ich, dem Über-Ich und der Ich-Identität des Persönlichkeitssystems, die während der Sozialisation entwickelt werden. Auch diese vier Aspekte können dem AGIL-Schema zugeordnet werden: Es steht in Verbindung mit der Steigerung der Anpassungsfähigkeit, das Ich steht für die Zielverfolgung, das Über-Ich für die Inklusion von Anforderungen und die Ich-Identität muss „die Bildung verallgemeinerungsfähiger Standards leisten“ (Junge, 2010, S. 116). Während der Sozialisation werden nach Parsons diese vier Funktionen der Teilsysteme in eine Abfolge von Entwicklungsphasen gesetzt, wobei jede „Funktion und die Ausbildung der zugehörigen Orientierungsalternativen“ (Junge, 2010, S. 116) in dem Verhältnis zwischen einer Mutter und ihrem Kind mit der Erweiterung der Interaktionspartner entwickelt. Hierbei kann es zu vier zu bewältigenden Übergängen der Entwicklung kommen: oralen, analen und ödipalen Krise und abschließend der Adoleszenz. Erst mit der Reife sind alle diese vier Krisen bewältigt und die Orientierungsalternativen gesichert. Am Ende der Sozialisation ist demnach eine Basispersönlichkeit (basic personality) entstanden, die ausreichend ist, um an dem gesellschaftlichen Leben zu partizipieren und die Rollenerwartungen zu erfüllen (vgl. ebd., S. 116f.).6

Da die Schule bzw. das Bildungssystem auch als ein Subsystem der Gesellschaft nach Talcott Parsons gesehen wird, soll auf dieses Subsystem im Folgenden als Vertiefung eingegangen werden.

2.3. Schule als Subsystem der Sozialisation aus strukturfunktioneller Sicht

Jedes der Subsysteme der Gesellschaft trägt laut Parsons zur Stabilisierung der Gesellschaft bzw. dem Erhalt dieser bei und wird durch das Agieren von Individuen, durch die Ausführung von vorgegebenen normativen Rollenerwartungen unterstützt (vgl. Tillmann, 2010, S. 144f.).7 Wenn der Theoretiker von Rollen spricht, meint er damit einen „Schnittpunkt zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft“ (Parsons, 1968, S. 55 nach ebd., S. 148) wobei die Struktur entsteht, indem „eine Reihe verhältnismäßig stabiler Beziehungsmustern zwischen“ (ebd., S. 54) den Individuen einer Gesellschaft entstehen. Diese stabilen Beziehungsmuster entstehen in modernen Gesellschaften laut Tillmann (2010, S. 148) durch Institutionen wie der Schule. In diesem Zusammenhang formuliert Parsons die Frage, „welche Funktion für die Gesellschaft die Schule erfüllt“ (ebd., S. 156), die vorläufig damit beantwortet werden kann, dass die Schule als Subsystem der Gesellschaft die Aufgabe hat diese, durch die Handlungen zwischen den Individuen zu stabilisieren, in diesem Fall der Lehrkraft sowie den Schülerinnen und Schülern.

Damit die Interaktion und Kommunikation, hier zwischen der Lehrperson und der Schülerschaft, einwandfrei funktionieren kann, brauch es jeweils die zuvor genannten Rollenmuster in denen die Personeninhaber handeln. Diese werden hinsichtlich der Belohnung bzw. Anerkennung bei Einhaltung oder Bestrafung bei der Nichteinhaltung der Rollenerwartungen an den Schüler oder die Schülerin unterstützt. Die normativen Erwartungen an die Schülerschaft müssen mit gleichwertigen persönlichen Interessen ausgeglichen und möglichst freiwillig ausgeführt werden, was durch die vorherige Sozialisation gewährleistet werden soll. Ziel des Sozialisationsprozesses ist es somit, dass Individuen Orientierungsmuster erlernen, die zu eben diesem befriedigenden Rollenverhalten führen (vgl. Parsons, 1951, S. 205; Parsons, 1968, S. 55). Parsons und Bales (1955, S. 177 nach Tillmann, 2010, S. 151) formulieren dieses Verhältnis wie folgt: „Gesellschaftliche Konformität wird zum subjektiven Bedürfnis und damit zur Quelle von Befriedigung. […]. Was als Bedürfnis erlernt wurde, lässt sich dann durch konformes Rollenhandeln befriedigen“. Diese Verhaltensanforderungen müssen jedoch erst erlernt werden, was nach Parsons mit dem Erwerb von den pattern variables 8 möglich sein soll. Diese teilt er in die beiden Begriffe partikularistisch und universalistisch. Die partikularistische Werteorientierung bezieht die traditionale Orientierungssichtweise ein, die sich in einer modernen Gesellschaft nur noch auf die Familie bezieht: Partikularismus, Zuschreibung, Diffusität und Affektivität. Die universalistische, bzw. moderne Orientierung bezieht sich auf das öffentliche und berufliche Leben in einer modernen und komplexen Gesellschaft: Universalismus, Leistungsorientierung, Spezifizität und affektive Neutralität (vgl. Junge, 2010, S. 115). „Sozialisation als Erwerb der Fähigkeit zum Rollenhandeln bedeutet somit, dass die Heranwachsenden die universalistischen Werte internalisieren“ (Tillmann, 2010, S. 154), damit sie in der Berufswelt den jeweiligen geforderten und passenden Rollenerwartungen entsprechend agieren können. Sie gelten als Grundqualifikation und können nur mit einer entsprechenden Handlungskompetenz, die nach Parsons als basic personality zu verstehen ist, korrekt ausgeführt werden (vgl. Parsons, 1951, S. 228).

[...]


1 Ersterscheinung aus dem Jahr 1951 mit dem Titel „The social system“.

2 Ersterscheinung aus dem Jahr 1979 mit dem Titel “La distinction. Critique sociale du jugement”.

3 Dieser struktur-funktionale Ansatz vereint neben Vorarbeiten der Soziologie beispielsweise von Weber auch die Kulturanthropologie von Malinowski und der Psychologie von Freud, wodurch deutlich wird, wie komplex diese soziologische Theorie ist. Neben Parsons haben sich weitere Theoretiker mit diesem Komplex beschäftigt, wie Levy oder Merton (vgl. Tillmann, 2010, S. 142f.).

4 Unter Adaption wird die Anpassung an Anforderungen der Handlungssituation verstanden. Mit der Zielerreichung verdeutlicht Parsons, dass jedes Individuum beim Handeln mindestens zwei Alternativen zur Auswahl hat um sein Ziel zu erreichen. Die Akteure entscheiden jedoch nicht ganz frei, da aufgrund des sonst auftretenden Egoismus, die übergeordnete Ordnung aus dem Gleichgewicht kommen würde. Aus diesem Grund gibt es die weitere Ebene der Integration, wonach ein Handlungssystem nur gelingen kann, wenn soziale Systeme berücksichtigt werden. Das vierte Subsystem bezieht sich auf kulturellen Werte und Normen, die für eine funktionierende Gesellschaft nötig sind (vgl. Bonß et al., 2013, S. 82f.). Siehe Anhang S. 18.

5 Siehe Anhang S. 18.

6 Siehe Anhang S. 18.

7 Der Begriff System teilt sich nach Parsons in zwei unterschiedliche Aspekte, der Funktion und der Struktur die zuvor in Kapitel 2 erläutert wurden. Laut Parsons (1968 nach Tillmann 2010, S. 37) ist die Struktur als statisch und die Funktion als dynamisch zu verstehen. Wichtig ist jedoch, dass der Begriff „statisch“ relativiert betrachtet werden muss, da es sich eher um eine Momentaufnahme handelt, denn damals war es Parsons durchaus bewusst, dass ein System nicht statisch sein kann (vgl. Tillmann, 2010, S. 146f.).

8 Siehe Kapitel 2.2.2.

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668903272
ISBN (Buch)
9783668903289
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459736
Note
Schlagworte
chancengleichheit schule auseinandersetzung theorien strukturen gesellschaft

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