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Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Wissenschaft

3. Wissenschaftstheorie
3.1 Was ist Wisschenschaftstheorie?
3.2 Denkschulen
3.2.1 Positivismus
3.2.2 Kritischer Rationalismus
3.2.3 Kritische Theorie
3.2.4 Positivismusstreit und Widersprüche

4 Formen und Methoden der wissenschaftlichen Forschung
4.1 Allgemeines
4.2 Formen wissenschaftlicher Forschung
4.2.1 Quantitative Forschung
4.2.2 Qualitative Forschung
4.2.3 Mixed Methods

5. Wesen der Wissenschaft
5.1 Gütekriterien
5.2 Grenzen und Glaubwürdigkeit
5.2.1 Grenzen in der Wissenschaft
5.2.2 Glaubwürdigkeit

6. Was ist Wissenschaft? – Ein Fazit

IV. Literaturverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit der Frage „Was ist Wissenschaft?“ Ziel soll sein, die Zusammen- hänge um den Begriff „Wissenschaft“ besser zu verstehen sowie das Wesen der Wissenschaft zu- sammengekürzt auf wenige Seiten darzulegen.

Erste Hürde war die Beschaffung der Literatur, die sich als nicht ganz so einfach gestaltet hat, wie ich erhofft hatte. Ich musste nämlich feststellen, dass die Ludwig Maximilians Universität hier in meiner Heimatstadt München eine der wenigen Universitäten ist, die einen Studiengang für Wissen- schaftstheorie anbietet. So war natürlich die Wunschliteratur häufig bereits in Beschlag genommen. Aber alleine der Umstand dass es einen Studiengang über die Wissenschaft gibt, war mir bis dato nicht klar und hat mich dann doch ein wenig beeindruckt: stellt dieser Umstand doch klar welch zen- trale Bedeutung die Frage „Was ist Wissenschaft?“ hat.

Zunächst habe ich – um ein besseres Gesamtverständnis für diese Fragen zu schaffen – ganz kurz die geschichtlichen Hintergründe der Wissenschaft beleuchtet, um dann im Folgenden die theoreti- schen Aspekte über die Wissenschaft abzubilden: was ist Wissenschaftstheorie, welche bedeuten- den Denkschulen gibt es, wer waren ihre wichtigsten Vertreter und wie lauten die Positionen, die sie vertreten? Im Einzelnen habe ich dabei den Kritischen Rationalismus mit Karl Popper als den Haupt- vertreter beschrieben, dem gegenüber steht die Kritische Theorie, vertreten durch Max Horkheimer, Theodor Adorno und in der Folge Jürgen Habermas.

Angefeuert durch die verschiedenen Denkschulen und deren unterschiedlichen Auffassungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, kam es in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum sogenannten Positivismusstreit. Ich habe die unterschiedlichen Positionen und die Widersprüche beider Denkschulen erläutert.

Der logische Weg war dann von den rein theoretischen Aspekten Geschichte und Wissenschafts- theorie hin zum Praktischen überzugehen. Daher habe ich mich mit den Formen wissenschaftlichen Arbeitens befasst und diese erläutert. Konkret beinhaltet das die Erläuterung von quantitativen und qualitativen Methoden und wie diese bei der wissenschaftlichen Forschung Anwendung finden. Hier wiederum musste ich bei der Literaturrecherche und der Sichtung der Literatur feststellen, dass es doch auch bemerkenswerte Unterschiede zwischen älterer und neuerer Literatur zum durchaus sehr umfassenden Themenbereich wissenschaftlicher Forschungsmethoden gibt. Wurde beispiels- weise quantitative und qualitative Forschung in älterer Literatur strikt voneinander getrennt, tauchen in neueren Lehrbüchern auch Begriffe wie „Mixed Methods“ oder „Methodenmix“ auf. Auch diesem Aspekt habe ich einen Unterpunkt gewidmet.

Der nächste Schritt, der sich daraus ergab, war zu hinterfragen ob und wenn ja, welche Standards es in der Wissenschaft gibt und welche Regelwerke es darüber hinaus in der Forschung noch zu beachten gilt. Denn zwangsläufig stößt man bei den Recherchen zu diesem Hausarbeitsthema auch immer wieder auf Informationen zu wissenschaftlichen Aspekten, die ganz automatisch die Frage aufwerfen, ob Wissenschaft auch Grenzen hat bzw. haben muss. Und wenn ja, wo genau liegen sie und wie sind sie festgelegt?

Da ganz aktuell eine Meldung über einen chinesischen Forscher durch die Presse geisterte, der die DNA zweier Embryonen manipuliert haben soll, habe ich in Bezug auf den Aspekt „Grenzen der Wissenschaft“ in der Hauptsache auf den Teilaspakt „ethische Grenzen“ gestützt. War doch das Handeln dieses Wissenschaftlers sehr umstritten und führte zu weitreichender und weltweiter Empörung.

Das Thema „Grenzen der Wissenschaft“ ist jedoch sehr viel weiter gefächert und es würde den Rah- men der Arbeit sprengen, sämtliche Aspekte ausführlich anzuführen, daher habe ich dieses Thema in nur insgesamt einem Unterpunkt im Anschluss an die wissenschaftlichen Regularien zusammen- gefasst und inhaltlich zumindest in weiten Teilen sehr stark eingekürzt.

Abschließend möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass die Informationen auf das Wesentliche ge- kürzt wurden um dem Ziel Rechnung zu tragen, eine zusammenfassende Antwort auf die Frage „Was ist Wissenschaft?“ zu geben. Es liegt mir auch am Herzen zu erwähnen, dass selbstverständ- lich alle Geschlechter gemeint sind, wenn an der einen oder anderen Stelle in der Arbeit der Einfach- heit halber z.B. nur die Rede von „ der Forscher“ ist.

2. Geschichte der Wissenschaft

Um Wissenschaft zu erklären, beginnt man vielleicht am Besten dort wo sie ihre Wurzeln hat. Als erster Physiker und somit ernst zu nehmender Wissenschaftler gilt wohl der Grieche Thales von Milet, der in der Zeit um ca. 624 bis ca. 547 vor unserer Zeitrechnung lebte (O.V. (o.J.): Thales von Milet, Philosophenlexikon.de). Er begann nach rationalen Erklärungen für Phänomene zu suchen, die bislang der Macht der Götter bzw. der Mythologie zugeschrieben wurden.

Seine Methode der Erkenntnisgewinnung basierte auf seinen Beobachtungen. So gelang es ihm angeblich eine Sonnenfinsternis vorherzusagen (darüber bestehen aus heutiger Sicht allerdings erhebliche Zweifel) und er erklärte die Entstehung von Erdbeben, wenngleich sich seine Erklärung dafür im Laufe der Geschichte als nicht korrekt herausstellte: er ging noch davon aus, dass alles Land auf dem Wasser schwamm und Erdbeben demnach durch heftige Bewegungen des Meeres ausgelöst wurden. Dennoch gelten seine Beobachtungen und daraus gewonnene Erkenntnisse als erste aufgezeichnete Forschungstätigkeit. (Stenger (2015): Auch Physiker sind Philosophen, Spekt- rum.de). Natürlich haben sich sowohl Methoden als auch Normen der wissenschaftlichen Forschung im Laufe der Zeit verändert.

3. Wissenschaftstheorie

3.1 Was ist Wissenschaftstheorie?

Beschäftigt man sich mit den Themenbereichen Wissenschaften im Allgemeinen und wissenschaftli- chen Forschungsmethoden im Speziellen, so findet man Informationen darüber vor allem in Literatur bzw. Lehrbüchern zur Wissenschaftstheorie. Die geschichtlichen Wurzeln der Wissenschaftstheorie finden sich bereits im alten Griechenland bei Aristoteles ( Lauth / Sareiter 2002, S. 11). Sie ist quasi die Wissenschaft über die Wissenschaft und gehört zur Disziplin der Philosophie. Sie forscht zu Me- thoden und Standards, die die Arbeitsprozesse in der Wissenschaft regulieren (Döring / Bortz 2016, S. 34). Die Wissenschaftstheorie befasst sich auch damit, welche Bereiche der Wissenschaften (Naturwissenschaften vs. Sozialwissenschaften) sich welcher Methoden zur Erkenntnisgewinnung bedienen und welche Voraussetzungen für die jeweiligen Methoden gelten. ( Lauth / Sareiter 2002, S. 12). Wenn man zu den unterschiedlichen Forschungsmethoden recherchiert und versucht diese zu erläutern stößt man in der Literatur zur wissenschaftlichen Forschung auch immer wieder auf unterschiedliche Denkansätze, sogenannte Denkschulen. Diese führen auf die verschiedenen An- sätze in der Forschungsmethodik zurück.

3.2 Denkschulen

3.2.1 Positivismus

Zwei Ansätze, auf die ich in dieser Arbeit näher eingehen möchte, sind der Kritische Rationalismus und die Kritische Theorie, auch bekannt unter dem Begriff „Frankfurter Schule“. Für mehr Verständ- nis muss jedoch zunächst der „Positivismus“ kurz erläutert werden.

Der Positivismus geht auf Auguste Comte (1798 - 1857), den Begründer der Soziologie zurück. Nach Comtes Auffassung geht wissenschaftliche Erkenntnis aus Beobachtung von Tatsachen her- vor. Aus eben diesen Beobachtungen lassen sich dann auch die Vorhersagen für die Zukunft treffen. Dieses Erschließen von Ergebnissen bzw. Gegebenheiten wird häufig als Induktion bzw. induktives Schließen bezeichnet (Schirmer 2009, S. 36).

Induktion bedeutet, dass man von mehreren Einzelbeobachtungen auf eine allgemeine Regel schließt. Im Grunde kann man jedoch lediglich auf eine Wahrscheinlichkeit schließen, wie man an- hand des bekannten Beispiels des weißen Schwanes gut erkennen kann: in unseren Breitengraden kommen naturgemäß nur weiße Schwäne vor. Beobachtet man hier also Schwäne, kann man da- raus leicht folgern, dass alle Schwäne weiß sind. Außerhalb unseres geographischen Einzugsge- bietes leben allerdings auch Schwäne mit schwarzem Gefieder. Induktives Schließen beruht also auf Wahrscheinlichkeiten, die stets kritisch betrachtet werden sollten (Hussy / Schreier / Echterhoff 2010, S. 7).

3.2.2 Kritischer Rationalismus

Einer der beiden bereits o.g. Ansätze ist der kritische Rationalismus. Dieser Ansatz geht auf den Wissenschaftler und Philosophen Karl Popper1 zurück. Seine wohl bekannteste Veröffentlichung zum Thema ist sein Buch „Logik der Forschung“. Popper kritisierte am Positivismus insbesondere das Vorgehen des induktiven Schließens, denn egal wie viele weiße Schwäne – um auf das voran- stehende Beispiel wieder einzugehen – man beobachtet, man kann letztlich niemals ausschließen, dass es nicht noch irgendwo einen andersfarbigen Schwan gibt. Somit lässt sich die Aussage „Alle Schwäne sind weiß“ niemals ganz eindeutig verifizieren.

Am Anfang stehen beim Kritischen Rationalismus die theoretischen Vorüberlegungen, die die In- itiation zu wissenschaftlicher Erkenntnis bilden. Nach Poppers Ansatz gilt es im Gegensatz zum induktiven Vorgehen, nicht haltbare bzw. falsche Theorien zu widerlegen und herauszufiltern, auch falsifizieren2 genannt. Hier erlangt bisweilen das deduktive Vorgehen Bedeutung. (Döring / Bortz 2016, S. 37).

Basis der Deduktion ist eine Theorie, von der der Wissenschaftler annimmt, sie könnte seine For- schungsfrage beantworten. Dann gilt es im Rahmen seiner Forschungsarbeit diese noch nicht ge- sicherte Annahme zu überprüfen (Hussy / Schreier / Echterhoff 2010, S. 8). Im Gegensatz zum In- duktiven Vorgehen gelangt man im Idealfall also von einer allgemeinen Annahme zu einer speziellen Erkenntnis.

3.2.3 Kritische Theorie

Dem kritischen Rationalismus steht die Kritische Theorie, die auch als Frankfurter Schule bekannt ist, gegenüber. Sie basiert auf marxistischem, sozialistischem und psychoanalytischem Gedanken- gut und ist somit eher auch als Gesellschaftstheorie zu betrachten. Vertreter sind Max Horkheimer und Theodor Adorno, später auch Jürgen Habermas (O.V. (2018): Kritische Theorie, Brockhaus Enzyklopädie Online).

Demnach ist die Kritische Theorie auch eher als „Lebensform“ zu betrachten, geprägt von Miss- trauen gegenüber kapitalistischen Herrschaftssystemen. Hervor geht diese Denkauffassung aus den Zuständen des Spätkapitalismus und den daraus resultierenden Lebensbedingungen für das Proletariat während der ausklingenden ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England (Lehmann 2015, S. 16 ff.). Erst später wurden Aspekte der Wissenschaftstheorie miteinbezogen, wobei sich die Kritische Theorie zum bedeutendsten Gegenspieler des Kritischen Rationalismus mauserte (O.V. (2018): Kritische Theorie, Brockhaus Enzyklopädie Online).

3.2.4 Positivismusstreit und Widersprüche

Im folgenden geht es um die Widersprüche beider Denkschulen, die sich im sogenannten Positi- vismusstreit am stärksten verdeutlichen. Grundlage dieses Streits sind Referate von Popper und Adorno auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Tübingen im Jahr 1961 (O.V. (2018): Positivismusstreit, Brockhaus Enzyklopädie Online).

Vorausgehend muss allerdings erwähnt werden, dass man bezüglich der beiden Referate (noch) nicht von einem „Streit“ im eigentlichen Sinne sprechen kann. Dieser wurde erst später durch Schü- ler (Jürgen Habermas, Hans Albers) der jeweiligen Denkschulen entfacht. In seinem Referat von 1961 betont Popper seine Ablehnung des Positivismus und postuliert, dass insbesondere in den So- zialwissenschaften hundertprozentige Objektivität eigentlich nicht möglich sei. Außerdem lehnte er induktive Herangehensweisen an Forschungsfragen ab. Er vertrat die Ansicht, dass Forschung nie ganz wertfrei sein kann, da z.B. allein durch das persönliche Interesse eines Forschers ein bestimm- tes Forschungsthema für eine Arbeit gewählt werden würde. Manche Arbeiten seien möglicherweise auch der Hoffnung auf Karriere geschuldet. Dennoch plädierte er im Interesse der Wissenschaft dafür Werturteile mit nicht-wissenschaftlichem Bezug unbedingt aus der Forschung fernzuhalten.

[...]


1 Karl Popper wurde 1902 in Wien geboren, studierte Mathematik, Physik und Philosophie. Von seiner universitären Ausbildung geprägt, befasste sich Popper u.a. sowohl mit Psychoanalyse nach Freud wie auch Einsteins Relativitätstheorie. Widersprüchliche Ansätze aus den Methodologien der ver- schiedenen Wissenschaftsdisziplinen veranlassten Popper sich intensiver mit wissenschaftlichen Vorgehen zu befassen (Lauth / Sareiter 2002, S. 102).

2 falszifizieren; Falsifikation bedeutet das Widerlegen einer allgemeinen Aussage in der Wissenschaftstheorie (O.V. (2018): Falsifikation, Brockhaus Enzyklopädie Online)

Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668883246
ISBN (Buch)
9783668883253
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459755
Institution / Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Schlagworte
Wissenschaftstheorie quantitative Forschung qualitative Forschung Grenzen der Wissenschaft Denkschulen Positivismus Positivismusstreit Kritischer Rationalismus Kritische Theorie Adorno Habermas Karl Popper

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Titel: Was ist Wissenschaft?