Lade Inhalt...

Stilleübungen, Phantasiereisen, Interaktionsspiele

Referat (Ausarbeitung) 2005 20 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Allgemeines zu Stilleübungen

Einleitung

In unserer heutigen Gesellschaft weisen immer mehr Kinder Verhaltensänderungen auf. Viele Kinder können sich nur noch schwer über einen langen Zeitraum konzentrieren, sie scheinen ruhelos und zappeliger zu sein und weisen vermehrt aggressives Verhalten auf. Die Ursachen der kindlichen Verhaltensänderungen liegen nicht selten in wachsenden gesellschaftlichen Wandlungen. Die Zahl der Einkindfamilien sowie die Scheidungsrate und die Berufstätigkeit beider Elternteile steigen an. Medien, wie Fernseher und Computer beeinflussen zunehmend die Freizeitgestaltung vieler Kinder. Auch die Schule wird heute immer mehr von neuen Informations- und Kommunikationstechniken bestimmt (vgl. Knörzer & Grass 1992, p. 18).

Diese veränderten Auswirkungen auf den heutigen Unterricht und das Schulleben fordern immer mehr ein Gegengewicht zu der vermehrten Zunahme von Hektik, Unruhe und Lärm.

Stille, Entspannung, Lieder oder Impuls-Texte unterbrechen die Hektik des Schulalltages und ermöglichen ein Atemholen und Innehalten. Stille und Meditation bieten den Kindern eine Chance, ihre physische und mentale innere Ruhe zu finden, um so ihre Aufmerksamkeit zu steigern, die in anschließenden Leistungsphasen beansprucht wird. Stilleübungen versuchen das Verhältnis zu sich selbst und zur Umwelt zu vertiefen und zu beleben (vgl. MBWW, 1995 p. 3f).

Natürlich wollen Kinder manchmal laut sein. Das brauchen sie auch, aber irgendwann kommt auch wieder der Zeitpunkt, an dem sie auch Stille suchen. Stille ist dabei jedoch mehr als einfach nur den Mund halten. Sie ist Ausdruck der Konzentration der inneren Kräfte und ermöglicht ein Sammeln, Begreifen, Besinnen und Verstehen. Wichtig zu wissen ist, dass man Stille nicht befehlen kann, sondern man muss die Kinder die Stille lehren. Das ist durch verschiedene Stilleübungen möglich.

Ziele und Funktionen von Stilleübungen

- Sie schaffen eine positive und angenehme Lernatmosphäre
- Man verschafft jedem Lerntyp einen Zugang zu neuen Inhalten
- Sie entwickeln die sinnesspezifischen Wahrnehmung und Informationsverarbeitung
- Sie vermitteln die Fähigkeit, sich selbst in positive Zustände wie Entspannung, Spaß und Ruhe zu versetzen
- Sie helfen bei der Erschließung und Nutzung kreativer Ressourcen und Fähigkeiten für den Lernprozess
- Sie helfen den Schulstress und Leistungsdruck zu mindern
- Sie stellen einen Ausgleich zur vorwiegend kognitiven Wissensvermittlung dar
- Kurze Entspannung ermöglicht erneutes und konzentriertes Lernen
- Kontinuierlicher Lernerfolg wird durch Wechsel von Anspannung und Entspannung unterstützt
- Stilleübungen können als Einstieg in ein neues Thema motivierend wirken
- Imaginationsübungen sind bewusstseinserweiternd, da die Welt mit anderen Fähigkeiten des Gehirns wahrgenommen wird, die sonst weniger genutzt werden. Somit sind sie auch lernfördernd.

Gemeinsames Ziel dieser Übungen ist es durch kontrollierte Vorstellungen emotionale verhaltens-, gedächtnis- oder leistungsmäßige Verbesserungen zu erreichen.

Selbstverständlich können Stilleübungen auch fachspezifisch mit bestimmten Zielsetzungen und nicht nur allgemein eingesetzt werden:

- Vor Arbeiten dienen sie zur Sammlung und inneren Konzentration.
- Im Sportunterricht werden Bewegungs- und Kontaktübungen unternommen, um neue Bewegungs- und Kontakterlebnisse zu vermitteln.

Man unterscheidet demnach zwischen kleinen Stilleübungen, die recht kurz gehalten sind und immer wieder im Schulalltag ihren Platz finden, und den themengebundenen Stilleübungen. Diese sind mit dem aktuellen Unterrichtsthema verwoben.

Allgemeine Bedingungen und Prinzipien zur Durchführung der Stilleübungen

Voraussetzungen für die Lehrperson:

Die Lehrperson sollte vorher selbst mit den Übungen, die sie im Unterricht anwenden möchte, eigene positive Erfahrungen gemacht haben. Erlebt und spürt sie dabei selbst ihre eigene innere Stille und Ruhe, kann sie die Übungen am wirkungsvollsten an die Kinder weitergeben.

Die Übungen müssen schrittweise und langsam an die Kinder herangebracht werden, damit sie genügend Zeit haben, in sich hineinzufühlen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten, um zur physischen und mentalen Ruhe zu gelangen.

Die Instruktionen der Lehrpeson müssen deutlich, sicher und verständlich ausgesprochen werden. Wichtig ist vor allem, dass die Lehrperson die Übungen in einer überzeugenden und vertrauensvollen Weise vermittelt (vgl., MBWW, 1995 p. 9).

Räumliche Bedingungen:

Der Raum, in dem die Stilleübungen durchgeführt werden sollte gemütlich und freundlich eingerichtet sein. Die Ausgestaltung durch Bilder, Blumen, Kerzen, einer Ruhe- und Leseecke sowie die Möglichkeit gegebenenfalls den Raum abzudunkeln, schafft eine angenehme Atmosphäre. Des Weiteren wäre günstig, wenn im Raum immer ein Kassettenrecorder bzw. ein CD-Player zur Verfügung steht. Im Klassenraum sollte die Möglichkeit bestehen einen Sitzkreis (auf Stühlen, oder auf dem Boden mit Teppichfliesen) zu bilden (ebd., p. 9).

Arbeitsprinzipien:

Die Lehrperson muss im Vorfeld die Übungen, die sie durchführen möchte, gründlich durchdacht haben, die Ziele vor Augen halten und das ggf. zu benötigende Material bereitstellen. Auch die Musikauswahl muss von der Lehrperson vorher sorgfältig überlegt werden.

Damit keine Verständnisfragen von Seiten der Schüler auftauchen, müssen die Inhalte der Übungen vorher kurz mit ihnen durchgesprochen werden. Anschließend dürfen die Kinder selbst entscheiden, ob sie an der Übung teilnehmen möchten. Wenn nicht, muss die Lehrperson sich schon vorher Alternativmöglichkeiten für diese Kinder überlegt haben. Das Stilleerlebnis darf nicht erzwungen werden! Hier ist es wichtig mit den Schülern schon vorher Verhaltensregeln zu vereinbaren.

Zur Durchführung muss jedem Kind genügend Zeit gegeben werden, damit es sich mit seinem Erlebten auseinander setzen kann.

Im Anschluss an die Übungen sollte die Lehrperson den Kindern bei Bedarf zur Verfügung stehen, so dass sie die Möglichkeit haben von ihren Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten, die sie während der Übung gewonnen haben (ebd., p. 10).

Körperhaltungen:

- Auf dem Boden (Rücken) liegen, Hände am Körper, Handflächen leicht geöffnet zur Decke, Beine berühren sich nicht, Füße leicht nach außen
- Auf dem Boden sitzen, Knie tiefer als Becken, Wirbelsäule gerade
- Auf einem Stuhl, Füße parallel, ganze Sohlen auf dem Boden, Körper aufrecht, Hände entspannt auf Oberschenkel

- Stehend (schwierigste Körperhaltung), Hände hängend neben dem Körper, Handflächen etwas nach außen, Füße voll aufgesetzt, Kopf geradeaus

Umgang mit Störungen:

Äußere Störreize wie u. a. Klingel, Flugzeug oder Autos, können während den Übungen nie ausgeschlossen werden. Diese plötzlich aufkommenden Störungen sollten nicht ignoriert werden, sondern mit in die Anleitung der Lehrperson eingebunden sein. Zum Beispiel: Du hörst wie die Autos sausen und wirst mit jedem vorbeifahrenden Auto immer entspannter…

Die Störreize werden somit nicht unterdrückt, sondern vielmehr umgewandelt und mit in die Übungen einbezogen. Ihnen wird einen Sinn in der Übung zugeschrieben und führen so deshalb nicht mehr zur Ablenkung.

Da viele mit solchen Übungen ganz neue und ungewohnte Erfahrungen machen, äußert sich oftmals ihr Empfinden in Kichern und Lachen. Solche Störungen sollen von der Lehrperson aufgefangen werden und mit in ihre sprachliche Anleitung aufgenommen werden. Hier sollte die Lehrperson vor allem versuchen, das den Kindern Ungewohnte vertraut werden zu lassen (z.B. Erfreue dich an deinen neuen Entdeckungen für einen kurzen Moment und finde heraus, was dich dabei so fröhlich stimmt).

Eine weitere Störung kann auftauchen, wenn ein Schüler während einer Übung aussteigen möchte. Die Lehrperson soll den Schüler aussteigen lassen und ihn auffordern sich den vorher besprochenen Alternativmöglichkeiten hinzuwenden. Dieser Vorgang sollte wieder mit in die Instruktion der Lehrperson eingebunden werden (z.B. während Peter aussteigt und sich einen neuen Platz sucht und zu malen, lesen anfängt, sind wir ganz still und ruhig…).

Störungen sollten also in einer freundlichen und angenehmen Sprache aufgefangen und mit in die Anleitungen der Übungen aufgenommen werden. Geschickter ist es auch, Kinder mit einem stummen Zeichen an den Platz zu führen, so dass andere Schüler es nicht mitbekommen und dadurch nicht gestört werden!!!

Vorher aufgestellte Grundregeln können vor Störungen hilfreich sein:

1. Ich verhalte mich ruhig und beschäftige mich still, wenn ich an einer Übung nicht teilnehmen möchte.
2. Möchte ich während einer Übung aufhören, verhalte ich mich still, bis die Übung fertig ist.
3. Ich beschäftige mich mit Alternativmöglichkeiten, wenn ich nicht an einer Übung teilnehmen möchte (ebd., p. 10f).

Fantasiereisen

„Phantasiereisen sind gelenkte Tagträume“ (vgl. MBWW 1995, p. 64). Die Kinder erleben in entspannter Atmosphäre Vorstellungsbilder, die sie zum größten Teil selbst weiterentwickeln und gestalten dürfen. Unterstützt wird dieser Vorgang oft durch leise Melodien.

Solche Momente der individuellen Konstruktion von Bildern, mit Konzentration auf die eigenen Gedanken führen zur Stärkung der Kraft und des Selbstvertrauens von Kindern. Fantasiereisen verhelfen den Kindern somit zum intensiven Erleben eigener innerer Bilder. Aufgewühlte Gefühle der Kinder können gemildert werden und von den Kindern gelassener und konzentrierter betrachtet und erlebt werden (vgl. Proßowsky/DeFlyer 2003, p. 5).

Ziel einer Fantasiereise:

Es gibt verschiede Zielsetzungen, die eine Fantasiereise verfolgen kann. So dient sie einerseits der Entspannung, andererseits der Persönlichkeitsentwicklung oder aber auch der Lernförderung. Je nach dem welches Ziel sich die Lehrperson vor Augen führt, entscheidet sie sich für eine entsprechende Fantasiereise. Um Entspannung herzustellen, werden angenehme Vorstellungsbilder innerer Ruhe, Ausgeglichenheit und Konzentration initiiert. Wenn man sich mit Wünschen und Problemen oder aber dem eigenen Körper auseinandersetzt, kann man die Persönlichkeitsentwicklung fördern und das Selbstvertrauen stärken.

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638432658
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v45976
Institution / Hochschule
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Kusel
Note
1
Schlagworte
Stilleübungen Phantasiereisen Interaktionsspiele

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Stilleübungen, Phantasiereisen, Interaktionsspiele