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Verbreitung und Ausmaß von Diabetes in der Moderne. Wie beeinflusst ein Migrationshintergrund die Therapie von Diabetespatienten?

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Was ist Diabetes?

3 Die Verbreitung und das Ausmaß von Diabetes auf der Welt

4 Diabetes und Migration
4.1 Südasiatische Migranten in Großbritannien
4.2 Fallbeispiel: Britische Bangladesher in Ost-London
4.2.1 Ernährung und Fitness
4.2.2 Erfahrungen mit der Krankheit und mögliche Therapieansätze
4.3 Fallbeispiel: Vietnamesische Einwanderer in den USA
4.4 Mögliche kultursensible Therapieansätze

5 Schlußbetrachtung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Diabeteserkrankungen deutlich zugenommen. Es vollzog sich ein Wandel von einer ehemals westlichen Zivilisationskrankheit zu einer globalen Epidemie. In vorliegender Arbeit soll zunächst eine Definition der Krankheit Diabetes und ihrer medizinischen Folgen erbracht werden. Im Anschluss soll dargestellt werden, welches Ausmaß die Krankheit hat und welche Folgen dies für indigene Völker hat. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf an Diabetes erkrankten Migranten. Beispiele sollen zeigen, wie verschiedene Migranten mit der Krankheit Diabetes umgehen. Abschließend soll aufgezeigt werden, wie eine mögliche Diabtesprävention und –therapie aussehen könnte, die auf die jeweilige Kultur der Migranten eingeht.

2 Was ist Diabetes?

Diabetes mellitus, die so genannte Zuckerkrankheit, ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, die entsteht, wenn die Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin produziert, oder aber, wenn der Körper das produzierte Insulin nicht sinnvoll verarbeiten kann. Insulin ist ein Hormon, welches den Blutzucker reguliert. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel ist ein weit verbreitetes Symptom eines unkontrollierten Diabetes und führt mit der Zeit zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen (WHO 2008: 1).

Man unterscheidet verschiedene Arten des Diabetes:

- Diabetes Typ 1 (früher auch: Jugenddiabetes) wird dadurch charakterisiert, dass der Körper kein Insulin produzieren kann. Ein Typ 1 Diabetiker muss lebenslänglich Insulin einnehmen, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Diese Krankheit kann plötzlich ohne weitere Anzeichen auftreten.
- Diabetes Typ 2 (früher auch: Altersdiabetes) ist der am weitesten verbreitete Diabetes. Etwa 90% der Diabetiker sind an dieser Form der Krankheit erkrankt. Er zeichnet sich dadurch aus, dass der Körper das von ihm produzierte Insulin nicht verarbeiten kann. Dieser Typ der Diabetes kann durch Übergewicht und Bewegungsmangel ausgelöst werden.
- Gestationsdiabetes (auch: Schwangerschaftsdiabetes) ist eine seltene Form des Diabetes, die plötzlich während einer Schwangerschaft auftreten kann (WHO 2008: ebd.).

Diabetes kann mit der Zeit das Herz, die Blutgefäße, die Augen, Nieren und Nerven schädigen. So kann er zum Beispiel zu Blindheit führen, Geschwüre an den Füßen hervorrufen, die manchmal zu einer Amputation des jeweiligen Gliedmaßes führen können. 10-20% aller Diabetiker sterben an Nierenversagen. Des Weiteren erhöht Diabetes das Risiko für Herzkrankheiten und für einen Schlaganfall, so dass 50% aller Diabetiker an einer Herzerkrankung oder einem Schlaganfall sterben (WHO 2008: 2). Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Diabetes des Typs 2. Die starke Zunahme von Neuerkrankungen des Typ-2-Diabetes in den letzten Jahren führt man zurück auf den vermehrten Konsum von fettigen und stark zuckerhaltigen Lebensmitteln, Bewegungsmangel und dadurch hervorgerufenem Übergewicht.

3 Die Verbreitung und das Ausmaß von Diabetes auf der Welt

Diabetes war früher eine Krankheit, die sich zum Großteil auf westliche Industrieländer beschränkte, so dass man von ihr auch als Zivilisationskrankheit sprach. Diese breitet sich jedoch im Zuge der Globalisierung mittlerweile auf der ganzen Welt aus, so dass man hier von einer weltumfassenden Epidemie sprechen kann. Heute sind die Menschen in so genannten Entwicklungs- und Schwellenländern einem ebenso großen Risiko ausgesetzt an Diabetes zu erkranken wie die Menschen in den westlichen Ländern (Caballo et al. 2006: 31).

Die WHO (2008: 1) nimmt an, dass es weltweit ca. 180 Millionen Diabeteskranke gibt. Diese Zahl soll sich bis zum Jahre 2030 verdoppelt haben.

Besonders betroffen davon sind die indigenen Völker Nordamerikas, Australiens und der Westpazifikregion. So beträgt die Prävalenz unter australischen Aborigines 44%, auf der Pazifikinsel Nauru 48%. In Deutschland beträgt die Prävalenz im Vergleich dazu nur 6%. Die schnelle Ausbreitung der Krankheit bei diesen Völkern ist besonders besorgniserregend, denn vor dreißig Jahren war Diabetes bei ihnen noch nahezu unbekannt, wohingegen heute z. B. in Kanada die Erkrankungsrate der indigenen Bevölkerung dreimal so hoch ist, wie die des nationalen Durchschnitts (Nicolaisen 2007:12).

Diese Explosion des Typ-2-Diabetes führt man auf sich ändernde Lebensstile zurück, die mit nunmehr sesshaften Tätigkeiten anstelle von Ackerbau, Viehzucht oder Fischerei und einer sich ändernden Ernährungsweise einhergehen. In vielen Teilen der Welt hat der Konsum ungesunder Snacks und Softdrinks stark zugenommen. Importierte Nahrungsmittel aus dem Westen werden für viele indigene Völker zu Grundnahrungsmitteln und ersetzen die traditionellen Lebensmittel (Nicolaisen 2007: ebd.).

Des Weiteren ist Diabetes auch eine große Bedrohung für Migranten, die in den westlichen Industrienationen leben. Sie sind scheinbar einem größeren Risiko ausgesetzt, an Diabetes zu erkranken als die einheimische Bevölkerung (Carballo et al. 2006: 31).

Obwohl Diabetiker hohe Kosten für die jeweiligen Gesundheitssysteme bedeuten, hat man der Krankheit bisher nur wenig politische Aufmerksamkeit geschenkt. Diabetes galt generell als weniger große Bedrohung für die Gesundheit, wenngleich bekannt war, dass er Herzinfarkte, Blindheit und Nierenversagen hervorrufen kann. Dennoch ist es möglich, ein relativ langes und normales Leben zu führen, wenn man die Krankheit richtig behandelt.

In ärmeren Ländern ist dies jedoch nur bedingt möglich, da sich dort viele weder Medikamente noch Insulin leisten können. Aufgrund mangelhafter Gesundheitsversorgung bleibt die Krankheit oft undiagnostiziert und wird erst dann entdeckt, wenn bereits schlimme Schäden, wie beispielsweise Blindheit oder Wundbrand eingetreten sind und Gliedmaßen amputiert werden müssen. Im schlimmsten Fall bleibt ein Diabetiker dem Sterben überlassen, da kein Insulin zur Verfügung steht. Dazu muss man sich vor Augen führen, dass ein Diabetiker für arme Familien ein gravierendes wirtschaftliches Problem darstellt, da er ein Leben lang medizinisch versorgt werden muss und eventuell sogar arbeitsunfähig wird (Nicolaisen 2007: 14).

Ein Aktionsplan der WHO sieht mittlerweile vor, dass man wissenschaftliche Richtlinien für die Diabetes-Vorsorge zur Verfügung stellt, dass Normen und Standards für die Behandlung von Diabetes entwickelt werden und dass man auf den globalen epidemischen Charakter des Diabetes aufmerksam macht. Daher führt die WHO Beobachtungen von Diabetes und seinen Risikofaktoren durch. (WHO 2008: 2). Ihre globale Strategie ist es, eine gesunde Ernährungsweise und regelmäßige körperliche Aktivität zu propagieren und somit das wachsende Problem von Fettsucht und Übergewicht zu reduzieren.

4 Diabetes und Migration

Migranten sind besonders gefährdet, an Diabetes des Typs 2 zu erkranken. So haben Studien aus Australien, den Niederlanden, Großbritannien und aus den USA ergeben, dass Migranten häufiger an Diabetes erkranken, als Nicht-Migranten (Carballo et al. 2006: 31). Man vermutet dahinter oft psychische Ursachen. So ist Migration immer mit Stress verbunden, sei es, dass man als Flüchtling gezwungen ist, sein Heimatland zu verlassen oder dass man auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Lebensstil die Heimat aus freien Stücken verlässt. Oft erlaubt es die vorherrschende Migrationspolitik des Ziellandes Paaren und Familien nicht, gemeinsam umzuziehen, sondern nimmt zunächst nur den Ernährer der Familie auf. Es kann Jahre dauern, bis der Rest der Familie nachreisen darf. Daher leiden Migranten oft unter einer chronischen Traurigkeit und Heimweh. Sie haben das Gefühl, dass sich ihre Gesundheit im neuen Land verschlechtert. Ihre psychische Verfassung kann dazu führen, dass Migranten vermehrt Alkohol und Tabak konsumieren. Ebenso kommt es zu einem Überkonsum von Nahrungsmitteln. Es besteht oft die Versuchung, das Geld, das man nun mehr zur Verfügung hat, für Essen auszugeben. Die Migranten müssen sich eventuell an neue Essgewohnheiten und Nahrungsmittel gewöhnen. Generell ist es auch so, dass günstige Nahrungsmittel in westlichen Industrienationen mehr Fett enthalten als in den Heimatländern der Migranten. Dies alles sind potentielle Risikofaktoren für eine Entwicklung von Diabetes (Carballo et al. 2006: 32). Ein weiterer Faktor ist, dass Nahrung – insbesondere westliche – oft mit höherem Status verbunden wird. So kann sie als Beweis dafür dienen, dass man es in der neuen Heimat zu etwas gebracht hat und neigt zum Überkonsum von Lebensmitteln niedriger Qualität und zur Überfütterung von Kindern. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass Migranten oft ihre Ernährungsweise beibehalten, wenn sie in ein anderes Land auswandern. Sie bringen ihre eigene Ernährungskultur, ihre traditionellen Vorstellungen und Praktiken mit, um sich kulturell zu ihrem Heimatland zugehörig zu zeigen (Helman 1994: 52). Hier ist es dann nicht ein Wandel hin zu einer westlichen Ernährungsweise, der den Diabetes begünstigt, sondern der vermehrte Konsum und die Zusammenstellung der traditionellen Lebensmittel. Zum Beispiel wird in der Migration oft mehr Fleisch gegessen.

Auch die genetische Prädisposition kann eine Rolle spielen. So kann das genetische Risiko an Diabetes zu erkranken sehr hoch sein. Migranten haben außerdem eigene Vorstellungen über Krankheit und Gesundheit, die der biomedizinischen Behandlungsweise widersprechen können. Diese Vorstellungen sowie Sprachbarrieren könnten sie davon abhalten in der neuen Heimat einen Arzt aufzusuchen, was dazu führen kann, dass die Krankheit nicht rechtzeitig diagnostiziert wird (Carballo et al. 2007: 33).

4.1 Südasiatische Migranten in Großbritannien

In Großbritannien leben etwa zwei Millionen Südasiaten (Inder, Pakistaner und Bangladesher), was etwa 4% der britischen Gesamtbevölkerung ausmacht (Barnett et al. 2006: 2235). Ihr Risiko an Diabetes zu erkranken ist ca. 4-6-fach höher als das der restlichen Bevölkerung. Des Weiteren tritt die Krankheit bei ihnen oft schon in einem jüngeren Alter auf und bleibt oft undiagnostiziert, bis bereits schon schwere Schäden eingetreten sind. Britische Südasiaten mit Typ 2 Diabetes sind mehr als die indigene britische Bevölkerung der Gefahr ausgesetzt, frühzeitig an einer Herzkrankheit zu erkranken und tendieren dazu, schon sehr früh Insulin zu benötigen (Greenhalgh 1997: 10).

Man hat folgende Risikofaktoren für diese besondere Gefährdung der Südasiaten verantwortlich gemacht:

- Bauchbetonte Adipositas, d. h. Übergewicht, bei dem sich die Fettzellen besonders um den Bauch herum ansiedeln) oder auch ein hohes Taillen-Hüft- Verhältnis begünstigen eine Entwicklung von Glukoseintoleranz sowohl bei Europäern als auch vermehrt bei Südasiaten.

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Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668883383
ISBN (Buch)
9783668883390
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v459865
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,7
Schlagworte
verbreitung ausmaß diabetes moderne migrationshintergrund therapie diabetespatienten

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