Lade Inhalt...

Digitalisierung des Arbeitsmarktes. Fluch oder Segen für Arbeitnehmerinnen?

Ein Vergleich der Auswirkungen der Digitalisierung für Büro- und Dienstleistungsberufe

Hausarbeit 2019 23 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Arbeitsmarktsituation von Frauen in Deutschland
2.1 Frauen im Erwerbssystem
2.2 Die geschlechtsspezifische Spaltung des Arbeitsmarktes

3 Digitalisierung der Arbeitswelt
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Arbeitswelt der Zukunft
3.3 Automatisierungspotential für Büroberufe: Die Bürokraft
3.4 Automatisierungspotential für Handelsberufe im Dienstleistungssektor: Die Verkäuferin

4 Gestaltungsmöglichkeiten des technischen Wandels auf die weiblichen Beschäftigungsverhältnisse

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Substituierbarkeit Kauffrau für Bürokommunikation 13

Abbildung 2 Substituierbarkeit Kauffrau/-mann im Einzelhandel: 14

1 Einleitung

Im Jahre 2013 sorgt die Studie von Frey und Osborne für Aufsehen. Bedingt durch die Digitalisierung und die damit verbundene Automatisierung von Arbeitsbereichen, prognostizieren die beiden Autoren einen Wegfall von über 40 Prozent der derzeitigen Berufe auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt (vgl. Frey & Osborne, 2013). Die Übertragung der Studie auf Deutschland, beauftragt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, kommt zu anderen Ergebnissen. Die Automatisierungswahrscheinlichkeit von Berufen liegt für die USA demnach bei lediglich 9 Prozent und in Deutschland bei 12 Prozent (vgl. Bonin, Gergory & Zierhan, 2015:14). Bonin et al. arbeiten mit der Hypothese, dass der Wandel der Berufe nicht bedeuten muss, dass diese in Zukunft nicht mehr existieren oder Arbeitslosigkeit in größerem Ausmaß zu befürchten ist. Im Gegenteil, die neuen technischen Möglichkeiten bieten vielmehr die Chance Arbeitsplätze neu zu gestalten, indem Arbeitnehmer die gewonnen Freiräume für andere, schwer automatisierbare Tätigkeiten, nutzen können. Die Digitalisierung schafft es, Arbeitsplätze zu verändern und neue Arbeitsbereiche zu schaffen (ebd., 2015:18ff). Viele Berufe haben ein hohes Substituierbarkeitspotenzial, das bedeutet, dass bereits heute ein Teil der ausgeführten Tätigkeit von Computern und computergesteuerten Maschinen übernommen werden kann. Diese Tätigkeiten sind somit automatisierbar. Das Substituierbarkeitspotenzial von Berufen wirkt sich unterschiedlich auf die Geschlechter aus. Dengler & Mathes kommen zu dem Schluss, dass Männer in Berufen arbeiten, die ein höheres Substituierbarkeitspotential haben als typisch weibliche Berufe. Bespielweise werden für typische männliche Tätigkeiten die Fertigungsberufe angeführt. Frauen haben ein hohes Automatisierungspotential in unternehmensbezogene Dienstleitungsberufen oder Handelsberufe. Für beide Geschlechtergruppen trifft zu, dass mit steigenden Anforderungsniveau das Substituierbarkeitspotential sinkt (vgl. Dengler & Mathes, 2016b2ff).

Der Arbeitsmarkt ist ein Teil des Wirtschaftssystems, in dem der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft gegen ein Entgelt, das er vom Arbeitgeber erhält, eintauscht (vgl. Dressel und Wanger 2010:489). Auf dem Arbeitsmarkt ist eine geschlechtsspezifische Spaltung zu beobachten. Sie zeigt sich durch vertikale und horizontale Segregation. Die vertikale Segregation bezieht sich auf Ungleichheiten beim Zugang zu Spitzenpositionen in Führungsebenen. Die horizontale Segregation spiegelt sich in den unterschiedlichen Berufen und Tätigkeiten von Frauen und Männern wider. Daraus resultieren die „typischen Frauen- und Männerberufe“ Als typische Frauenberufe gelten die Berufsgruppen: Büroberufe, nicht ärztliches Gesundheitswesen, Dienstleistungsberufe im Verkauf und soziale Berufe wie Erzieherinnen. Dressel und Wanger kommen zu dem Schluss, dass nicht allein die geschlechtsspezifische Berufswahl soziale Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt erzeugt oder reproduziert. Zieht man noch die Arbeitsbedingungen, die Anerkennung, die Aufstiegschancen und die Entlohnung der weiblichen Akteure am Arbeitsmarkt hinzu, bewirkt die geschlechtsspezifische Spaltung des Arbeitsmarktes soziale Ungleichheit (ebd., 2010:492ff).

Dengler & Mathes zeigen auf, dass die Berufsgruppen unternehmensbezogene Dienstleistungen und Handelsberufe ein hohes Automatisierungsrisiko mit sich bringen (vgl. Dengler & Mathes, 2016b:2ff). Bonin et al. sehen bedingt durch die Digitalisierung einen Wandel der Arbeitsplätze und somit der Arbeitsbedingungen (vgl. Bonin et al., 2015:18ff). Dressel und Wanger sehen für weibliche Akteure des Arbeitsmarktes eine Benachteiligung, die durch die geschlechtsspezifische Spaltung bedingt ist. Sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die geschlechtsspezifische Spaltung des Arbeitsmarktes können zu sozialer Ungleichheit führen (vgl. Dressel und Wanger 2010:492).

Frauen sind somit am Arbeitsmarkt benachteiligt. Diese Arbeit möchte nun aufzeigen, inwieweit sich die Situationen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt bedingt durch die Digitalisierung ihrer beruflichen Tätigkeitsfelder ändern kann. Untersucht werden soll, welches Potential und Risiken auf dem Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung entstehen. Die leitende Frage dieser Arbeit lautet daher: Welche Auswirkung hat die Digitalisierung für weibliche Akteure auf dem Arbeitsmarkt in den Bereichen Handels und unternehmensbezogene Dienstleitungsberufe? Aus diesen beiden Sektoren wird jeweils ein Beruf unter Berücksichtigung der Auswirkung der Digitalisierung betrachtet. Für den Bereich Handelsberuf wird die Tätigkeit der Kauffrau im Einzelhandel (Verkäuferin) untersucht und für die unternehmensbezogene Dienstleitung der Beruf der Kauffrau für Bürokommunikation (Bürokraft). Beides sind sogenannte typische Frauenberufe und sind nach dem Bericht des World Economic Forums aus dem Jahre 2018 besonders von Digitalisierungseffekten betroffen (vgl. World Economic Forum, 2018:9).

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut. Nach der Einleitung skizziert das zweite Kapitel den deutschen Arbeitsmarkt. Zum Einstieg wird in Unterpunkt 2.1 dargestellt, wie sich der deutsche Arbeitsmarkt zusammensetzt. Im anschließenden Kapitel 2.2 wird auf die geschlechtsspezifische vertikale und horizontale Spaltung des Arbeitsmarktes eingegangen und typische Berufsbilder und Branchen aufgezeigt, in denen Frauen arbeiten. Das dritte Kapitel beschäftigt sich zunächst mit der Thematik der Digitalisierung des Arbeitsmarktes. Im Unterkapitel 3.1 werde die dazugehörigen Schlagwörter wie Arbeit 4.0 und Industrie 4.0 erläutern. Kapitel 3.2 beschäftigt sich mit den Effekten der Digitalisierung auf die Beschäftigungsverhältnisse im Allgemeinen. Kapitel 3.3 zeigt auf, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf den Beruf der Kauffrau für Bürokommunikation hat. Anschließend wird in Kapitel 3.4 die Auswirkung für den Beruf der Kauffrau im Einzelhandel erläutert. Das folgende vierte Kapitel zeigt auf, welche Chancen und Risiken die Digitalisierung der Arbeit für Frauen mit sich bringt. Ebenso wird aufgezeigt, welche neuen beruflichen Perspektiven sich durch die Digitalisierung für die beiden Berufsgruppen ergeben und wie diese erreicht werden können. Das Fazit im Kapitel fünf rundet die Arbeit ab.

2 Die Arbeitsmarktsituation von Frauen in Deutschland

2.1 Frauen im Erwerbssystem

Der Arbeitsmarkt ist ein Teil des Wirtschaftssystems. Auf diesem tauschen Arbeitnehmer ihre Arbeitskraft gegen Entgelt. Aus diesem Tausch ergibt sich die individuelle Zuteilung von Lebenschancen, sozialer Position und gesellschaftlichem Status für den einzelnen Akteur am Arbeitsmarkt. Dressel und Wanger sehen in der ungleichen Verteilung von Lebensbedingungen den Arbeitsmarkt als einen Produzenten sozialer Ungleichheit (vgl. Dressel und Wanger 2010:489). Im Folgenden wird aufgezeigt, inwieweit Frauen in das Erwerbsystem integriert sind.

Für das Jahr 2017 hat die Bundesagentur für Arbeit festgestellt, dass 26,6 Millionen Frauen und 27,5 Millionen Männer im erwerbsfähigen Alter (15-64 Jahre) in Deutschland leben. Nicht alle Personen im erwerbsfähigen Alter üben eine bezahlte Tätigkeit aus oder suchen diese. Lediglich 19,2 Millionen Frauen suchen oder stehen in einem Arbeitsverhältnis. Die weibliche Erwerbsquote ist in dem Zeitraum von 2006-2016 von 68,4 auf 73,4 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu ist die Erwerbsquote für Männer lediglich von 81,1 auf 81,7 Prozent gestiegen. Aus den Zahlen lässt sich interpretieren, dass es in der letzten Dekade verstärkt Frauen in den Arbeitsmarkt eingetreten sind. Aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit lässt sich ablesen, dass der Beschäftigungszuwachs überwiegend im Teilzeitbereich angesiedelt hat. Die Anzahl der weiblichen Vollzeitbeschäftigten ist unverändert. In Zahlen bedeutet dies, dass von 14,9 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen im Jahre 2007 4,2 Millionen in Teilzeit gearbeitet haben. Im Jahre 2017 waren es bereits 7,1 Millionen Frauen. Dagegen liegt der Anteil der männlichen Teilzeitkräfte im selben Jahr bei nur 1,9 Millionen. Drei Viertel der deutschen Erwerbstätigen gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Davon sind 46 Prozent Arbeitnehmerinnen, von denen fast die Hälfte (46 Prozent) lediglich einen Teilzeitjob ausübt. Diese Arbeitsverhältnisse sind überwiegend im tertiären Sektor zu finden und beziehen sich auf die Wirtschaftszweige Erziehung/Unterricht, sonstige Dienstleistungen, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, öffentliche Verwaltungen sowie Gesundheits-/Sozialwesen. Neben der Teilzeittätigkeit arbeiten Frauen überwiegend in dem Bereich der geringfügig entlohnten Beschäftigten (62 Prozent) sowie in der Sparte Nebenjob mit geringfügig entlohnter Beschäftigung (56 Prozent). Ebenso gibt es eine Diskrepanz im Bereich des Entgeltes. Frauen werden geringer entlohnt als ihre männlichen Kollegen. Verschiedene Faktoren sind hierfür verantwortlich. Dazu zählen unteranderem die unterschiedlichen Branchen und Berufsfelder mit ihren speziellen Gehaltsgefügen (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2018).

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668883543
ISBN (Buch)
9783668883550
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v460005
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Digitalisierung des Arbeitsmarktes Frauen Büroberuf Verkäuferin

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Digitalisierung des Arbeitsmarktes. Fluch oder Segen für Arbeitnehmerinnen?