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Die Saturnalien des Macrobius

Ein antikes Weihnachten?

Referat (Ausarbeitung) 2018 16 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der römische Gott Saturn/Saturnus

3. Die Saturnalien

4. Die Saturnalien des Macrobius

5. Schlussfolgerungen zu Macrobius´ Saturnalia

6. Fazit

7. Abbildungen

8. Literaturverzeichnis

9. Bildquellenverzeichnis

10. PowerPoint Präsentation zum Referat vom 21.12.2017

1. Einleitung

Die Vorstellung, dass das Weihnachtsfest Element der Saturnalien in sich aufgenommen habe, konnte die kalendarische Nähe von römischem und christlichem Festtermin für sich in Anspruch nehmen.1 Anhand des 7 Bücher umfassenden Werkes des Ambrosius Theodosius Macrobius Saturnalia2 soll untersucht werden, in wie weit eine Rekonstruktion des antiken Saturnalienfestes möglich ist und ob dieses mit dem christlichen Weihnachtsfest vergleichbar ist.

Hierzu wird den Fragen nachgegangen „Wer war Saturn?“ - „Was ist das Saturnalienfest und wo liegt der Ursprung?“ - „Wie beschreibt Macrobius das Saturnalienfest?“ und „Welche Rückschlüsse können auf Grund der Saturnalien des Macrobius gezogen werden?“

Zum Abschluss werden die Ergebnisse zusammengetragen und die Frage beantwortet, ob die Saturnalien ein „vorchristliches Weihnachtsfest“ waren.

2. Der römische Gott Saturn/Saturnus

Saturn, der römische Gott der Aussaat und des Ackerbaus sowie Gott des Reichtums und der Feldfrüchte, wird häufig auch mit dem griechischen Gott Kronos gleichgesetzt.3 4 Ob es sich bei Saturn und Kronos um die gleichen Götter handelt ist umstritten, da sie nicht viele Gemeinsamkeiten teilen. Jedoch gibt es für Saturn kaum Hinweise auf seinen Herkunftsmythos.5

Bevor Saturn von seinem Sohn Jupiter entmachtet wurde, herrschte er über das „Goldene Zeitalter“6. Nachdem er gestürzt wurde, brachte er den Menschen in Latium den Ackerbau bei. Er wird deshalb auch häufig in alten Darstellungen mit einer Sense als Attribut dargestellt.7

Im Laufe der Zeit veränderte sich die Darstellung des Saturn und er wurde auch in der Vorstellung seines Aussehens dem Kronos weiter angeglichen8.

Im Gegensatz zu den anderen Göttern und deren Kulte beschränkte sich der Kult um Saturn auf ein Fest - den Saturnalien.9

3. Die Saturnalien

Die Saturnalien sind ein Fest zu Ehren des Saturn, die ursprünglich die Dauer von 5 Tagen hatten und vom 17. Dezember bis zum 23. Dezember andauerten. Im Laufe der Zeit haben verschiedene römische Kaiser den Zeitraum auf 12 Tage ausgeweitet, so dass die Saturnalien zum Schluss vom 17. Dezember bis zum 30. Dezember gefeiert wurden.10

Zu den Bräuchen der Feierlichkeiten gehörte es, dass die Standesgrenzen aufgelöst wurden und die Sklaven mit den Herren gleichgestellt wurden, wie es im „Goldenen Zeitalter“ der Fall war. Alle Menschen in Rom wurden bewirtet und es wurde ausgelassen gefeiert und getrunken. Es geht vor allem um eine temporäre Aussetzung der sozialen Unterschiede. Werden die Bräuche der Saturnalien näher betrachtet, lassen sich leichte Parallelen zum heutigen Weihnachten aber auch zum Karneval finden. Besonders die Aspekte des „Verkleidens“ und der temporären Aufhebung der sozialen Stände zeigen karnevaleske Anzeichen.11

Der Ursprung der Saturnalien ist unklar und es finden sich hierzu auch keine Quellen, die Licht ins Dunkel bringen könnten.12

4. Die Saturnalien des Macrobius

Macrobius Ambrosius Theodosius war ein spätantiker Philosoph, der im ausgehenden 4. und beginnenden 5. Jahrhundert mehrere Werke verfasst hat. Unter anderem ist das 7 Bücher umfassende Werk Saturnalia 13 von Macrobius erhalten geblieben.

Inhalt des Werkes ist eine Erzählung von fiktiven Tischgesprächen während Gastmählern die am Vorabend der Saturnalien (16.Dezember) beginnen. Teilnehmer dieser Gastmähler sind verschiedene Gelehrte, Senatoren und ein ungeladener Gast Namens Euangelus, die im ersten Buch der Saturnalia über die Ursprünge und die Gebräuche des Saturnalienfestes philosophieren.14

Das Werk selbst ist wahrscheinlich um 400 n. Chr. entstanden, in einer Zeit also, in der die alte Religion der Römer mit den paganen Kulten von dem neu entstehenden und monotheistischen Christentum abgelöst wird. Die Saturnalien werden hier nur theoretisch behandelt und nicht praktisch gefeiert.15

5. Schlussfolgerungen zu Macrobius´ Saturnalia

Das auffälligste Merkmal in Macrobius Saturnalia ist, dass das Saturnalienfest selbst nicht gefeiert sondern nur darüber gesprochen wird, wie die Feierlichkeiten begangen wurden. Die Saturnalien bieten dem Werk lediglich eine Rahmenhandlung in der sich sie Protagonisten bewegen.

Anhand der Tischgespräche erfährt der Leser, dass die Saturnalien im privaten Bereich in Form von Trink- und Essgelagen geprägt waren, an denen auch die Sklaven teilnehmen durften. Während dieser Gelage wurden Spottverse vorgetragen und Rätsel gelöst. Die Menschen, Herren wie Sklaven, verkleideten sich und es wurden kleine Geschenke ausgetauscht. Auch wurden Würfelspiele erlaubt, die das übrige Jahr verboten waren.16

Es stellt sich somit die Frage, was Macrobius mit seinem Werk bezwecken wollte. Wollte er die paganen Rituale „am Leben“ erhalten oder den Vertretern des neuen Christentums aufzeigen, dass ihre Feste durch die paganen Rituale bereits vorhanden waren?17 Ein Hinweis darauf, dass es sich um ein Christentum kritisierendes Werk handelt findet sich in der Person des Euangelus. Die Charakterisierung dieses Protagonisten lässt Schlüsse zu, dass er das Christentum verkörpern soll. So kann zu dem Schluss gekommen werden, dass Macrobius tatsächlich eine kritische Gegenüberstellung der paganen Kulte der Römer und den neuen christlichen Ritualen des Christentums darstellen wollte indem er die Gespräche bei Tisch inszenierte.18

Auf Grund der verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten, die die Saturnalia bieten, ist eine Rekonstruktion des Saturnalienfestes, wie es in der Antike gefeiert wurde, nur bedingt möglich.

6. Fazit

Eingangs wurde die Frage gestellt, ob die Saturnalien ein „vorchristliches Weihnachtsfest“ waren. Es finden sich sowohl weihnachtliche als auch karnevaleske Aspekte bei den Saturnalien und obwohl durch Macrobius Saturnalia einige Elemente des heutigen Weihnachtsfestes erkennbar sind, und auch die Datierung der Saturnalien in unsere Adventszeit und auch auf Weihnachten zutreffen, kann die Frage nicht mit ja beantwortet werden. Die Saturnalien sind ein eigenständiger Kult aus der Zeit des römischen Paganismus und kein Vorläufer der christlichen Weihnachten.

7. Abbildungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Altarrelief zu Ehren Malakbels, 2. Jahrhundert nach Christus19

[...]


1 Fugger, Dominik: Im Schatten der Saturnalien, Zur Theoriegeschichte der "verkehrten Welt", in: Fugger, Dominik (Hg.): HZ, Beihefte, Verkehrte Welten?, Bd. 60, München 2013, S. 16.

2 Macrobius, Ambrosius Theodosius: Tischgespräche am Saturnalienfest, Würzburg 2008.

3 Mastrocinque, Attilio; K, Ü: HE: Saturnus, in: Cancik, Hubert; Schneider, Helmuth; Landfester, Manfred, Der Neue Pauly, S. 11:116-118.

4 Baudy, Gerhard: Kronos, in: Cancik, Hubert; Schneider, Helmuth; Landfester, Manfred, Der Neue Pauly, S. 6:864-870.

5 Versnel, Hendrik S.: Die Saturnalien, Zu Fragen von Ursprung, Funktion und Bedeutung, in: Fugger, Dominik, Verkehrte Welten?, München 2013, S. 72–101.

6 Das „goldene Zeitalter bezeichnet eine Ära in der es keine Standesgesellschaft, kein Elend und keine Not gab. Alle Menschen waren gleichgestellt und Arbeiten wie der Ackerbau waren nicht nötig. Vgl. Sallaberger, Walther; Felber, Heinz; Heckel, Hartwig: Kulturentstehungstheorien, in: Cancik, Hubert; Schneider, Helmuth; Landfester, Manfred ,Der Neue Pauly, S. 6:908-914 und Heckel, Hartwig: Zeitalter, in: Cancik, Hubert; Schneider, Helmuth; Landfester, Manfred ,Der Neue Pauly, S. 12/2:706-709.

7 Abbildung 1 und 2

8 Abbildung 3 - 5

9 Gardner, Jane F.: Römische Mythen, Stuttgart 1994.

10 Distelrath, Götz: Saturnalia, in: Cancik, Hubert; Schneider, Helmuth; Landfester, Manfred, Der Neue Pauly, S. 11:113-115.

11 Versnel, Hendrik S.: Die Saturnalien, Zu Fragen von Ursprung, Funktion und Bedeutung, in: Fugger, Dominik, Verkehrte Welten?, München 2013, S. 72–101.

12 Distelrath, Götz: Saturnalia.

13 Macrobius, Ambrosius Theodosius: Tischgespräche am Saturnalienfest, Würzburg 2008.

14 Flamant, Jaques; Tinnefeld, Franz: Macrobius, in: Cancik, Hubert; Schneider, Helmuth; Landfester, Manfred, Der Neue Pauly, S. 7:627-630.

15 Frateantonio, Christa: Praetextatus – Verteidiger des römischen Glaubens? Zur gesellschaftlichen (Neu-)Inszenierung römischer Religion in Macrobius' Saturnalien, in: Brennecke, Hanns Christof v.; Drecoll, Volker Henning, et al., Bd.11, Berlin 2007, S. 360–377.

16 Macrobius, Ambrosius Theodosius: Tischgespräche am Saturnalienfest, Würzburg 2008.

17 Frateantonio, Christa: Praetextatus – Verteidiger des römischen Glaubens? Zur gesellschaftlichen (Neu-)Inszenierung römischer Religion in Macrobius' Saturnalien, in: Brennecke, Hanns Christof v.; Drecoll, Volker Henning, et al., Bd.11, Berlin 2007, S. 360–377. Ich nehme an, daß diese Innovation durch die religiöse Praxis der sich eben offiziell und staatlich etablierenden christlichen Gemeinden in Rom mitbestimmt war, Macrobius in den Saturnalien mithin ein neues Modell von römischer Religion(spraxis) vorführt, welches belegen soll, daß die römische Religion bereits alles besitzt, was die Christen an besserer, angemessener und wahrer Religionspraxis für sich reklamierten. (S. 360, Z. 17 - 23)

18 ebd.

19 O.V., o.T., o.J.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:0_Autel_d%C3%A9di%C3%A9_au_dieu_Malakb%C3%AAl_et_aux_dieux_de_Palmyra_-_Musei_Capitolini_(1b).JPG (Stand: 20. Dezember 2017).

Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668910249
ISBN (Buch)
9783668910256
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v460613
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für Religionswissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
saturnalien macrobius weihnachten

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Titel: Die Saturnalien des Macrobius