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Im Spannungsfeld von durch Frauen geführten informellen Mikrounternehmen mit ihrem soziokulturellen Kontext

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Reproduktion der Geschlechterungerechtigkeit oder women empowerment?

II Im Spannungsfeld informeller Mikrounternehmen mit ihrem soziokulturellen Kontext

1. Grundlegende Begriffe
1.1 Home-based Microenterprises
1.2 Der informelle Sektor der Wirtschaft

2. Ägypten und Jordanien – zwei Beispiele häuslich basierter Kleinstunternehmen
2.1 Hühnerfarmen im ländlichen Ägypten
2.2 Stickerinnen im städtischen Jordanien

3. Der soziokulturelle Hintergrund in seiner Bedeutung für Frauen im informellen Sektor
3.1 Ein kleiner Einblick in die Soziokultur arabischer Länder
3.2 Wirtschaftliche Entwicklung im Einklang mit Traditionen?
3.3 Selbstbestimmung und Freiheit in einem eng eingegrenzten Kontext

4. Chancen und Grenzen – Diskussion

III Eine Frage der Sichtweise?

Literaturverzeichnis

I Reproduktion der Geschlechterungerechtigkeit oder women empowerment?

„Maturity is the ability to think, speak and act your feelings within the bounds of dignity.“ – Samuel Ullman

In den letzten Jahren ist in Berichten vieler Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit immer wieder von erfolgreichen Unterstützungsleistungen für Kleinstunternehmen zu lesen. Gleichzeitig werden auch kritische Stimmen laut, die solchen Leistungen für home-based enterprises beispielsweise vorwerfen, nur bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu festigen (vgl. Ehlers/Main 1998, S. 437f). Andere Studien begründen das Scheitern einiger Mikrofinanzprojekte mit der mangelnden Beachtung des spezifischen soziokulturellen Hintergrundes und der einzelnen Individuen (vgl. Nilges 2005, S. 38ff). Die folgende Arbeit soll sich daher nicht primär mit den Maßnahmen der Förderung (z.B. Mikrokredite) beschäftigen, sondern mit dem Wesen dessen, was gefördert werden soll. Hierbei liegt der Fokus auf dem Spannungsfeld der häuslich basierten, von Frauen geführten Kleinstunternehmen mit ihrem soziokulturellen Umfeld. Der Bereich des informellen Wirtschaftssektors ist aufgrund seiner starken Einbindung in traditionelle Familiendynamiken ein geeignetes Feld für die Wirtschaftsethnologie. Ethnologen haben zudem den Vorteil, dass sie sich darüber bewusst sind, in welchem Ausmaß „we can overemphasize, trivialize, or be blind to the different behavior of others, misjudging as well as misinterpreting, or, worse, arrogantly dismissing others as simply „wrong-headed“ and in need of the benefit of our wisdom“ (Smith 1994, S. 316). Meines Erachtens kann daher auch eine Entscheidung darüber, ob die Förderung von Kleinstunternehmen sinnvoll und von Nutzen ist, nur aus dem jeweiligen soziokulturellen Kontext und dem Erleben der Menschen selbst heraus beantwortet werden. Aus diesem Grunde werde ich mich in dieser Arbeit zur Verdeutlichung immer wieder direkt auf zwei Beispiele aus Ägypten und Jordanien beziehen, die trotz aller Eigenarten des jeweiligen Landes auch einige Gemeinsamkeiten des soziokulturellen Settings aufweisen. Demzufolge lautet die zentrale Fragestellung dieser Arbeit: Bedeuten häuslich basierte, von Frauen geführte Mikrounternehmen im soziokulturellen Umfeld arabischer Länder nur eine Reproduktion bestehender Geschlechterungerechtigkeiten oder eine Chance für stetiges empowerment von Frauen?

II Im Spannungsfeld informeller Mikrounternehmen mit ihrem soziokulturellen Kontext

1. Grundlegende Begriffe

1.1 Home-based Microenterprises

Als microenterprise, Mikrounternehmen oder Kleinstunternehmen werden Unternehmen bezeichnet, die eine Anzahl von höchstens zehn Arbeitern beschäftigen und deren Umsatz eine bestimmte Summe nicht überschreitet. In Entwicklungs- und Schwellenländern spielen solche Kleinstunternehmen eine große Rolle in der Verbesserung des Lebensstandards der ärmsten Gesellschaftsgruppen. Seit einigen Jahren unterstützen NGOs sowie Regierungen verstärkt den Aufbau von Mikrounternehmen, indem sie Mikrokredite an einzelne Personen und Haushalte vergeben. Vielen Menschen ist es durch dieses geliehene Startkapital erst möglich, grundlegende Geräte für den Aufbau eines kleinen Unternehmens zu erwerben. Eine Vielzahl der wirtschaftlichen Tätigkeiten in solchen Kleinstunternehmen ist auf die häusliche Umgebung begrenzt, weshalb von home-based microenterprises gesprochen wird. Die erwirtschafteten Produkte werden zu einem Teil für die eigene Familie genutzt zum anderen in der unmittelbaren Umgebung (Dorf, Stadtbezirk) verkauft.1 Aufgrund der Nähe zur Familie spielen in Mikrounternehmen „soziale Aspekte eine ebenso wesentliche Rolle wie die wirtschaftlichen“ (Rossbacher 2003, S. 32).

1.2 Der informelle Sektor der Wirtschaft

Das Hauptmerkmal der informal economy ist wohl das Kriterium, welches ihr die Bezeichnung „informell“ gibt, also in Abgrenzung zur formellen Ökonomie, die durch den Staat zumindest teilweise geregelt und geprüft wird. Informelle Ökonomie bezeichnet somit marktwirtschaftliche „transactions that ... do not conform with the rules set down by the state in its role as overseer of the economy“ (Mattera 1985, S. 1 in: Smith 1994, S. 294). Dies ist nicht erst ein Phänomen der neueren Zeit, sondern auch in der Geschichte überall dort zu finden, wo Staaten sich bemühten, die wirtschaftlichen Prozesse unter Kontrolle zu bringen. Die in diesem Sektor produzierten Güter und Dienstleistungen entziehen sich also aus verschiedenen Gründen der staatlichen Zählung, Regulierung und Aufsicht (vgl. Smith 1994, S. 293f). Weitere Merkmale des informellen Sektors sind „arbeitsintensive Produktion, geringe Eintrittsschranken (wie z.B. Ausbildungsnachweis), Verwendung einheimischer Ressourcen, angepasste und einfache Technologien, kleine Betriebsgrößen (meist Einzel- oder Familienunternehmen), schlechte Bezahlung und geringem gewerkschaftlichen Organisationsgrad (…) sowie unregulierte, dem freien Wettbewerb unterworfene Märkte.“2 Hiermit eng verbunden ist der Begriff der invisible economy (Schattenwirtschaft), der wirtschaftliche Aktivitäten beschreibt, die „zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung beitragen, jedoch nicht in der offiziellen Wirtschaftsstatistik ausgewiesen werden“.3 Die wirtschaftspolitische Problematik ergibt sich hierbei durch Einbußen bei den Steuereinnahmen und der Verschleierung des statistischen Abbildes einer Volkswirtschaft (vgl. ebd.). Eine Theorie für die Entstehung des informellen Sektors ist der Überschuss an Arbeitskräften, die in der formellen Wirtschaft nicht integriert werden können. Viele Menschen gründen so meist familiäre Kleinstbetriebe und können bei geringem Kapitalaufwand eine verhältnismäßig große Anzahl beschäftigen und ausbilden. Außerdem bilden die so produzierten Güter eine wichtige Lebensgrundlage für Menschen aus Niedriglohnhaushalten.4 Wo die Lebenshaltungskosten niedrig sind, kann die Industrie wiederrum niedrige Löhne durchsetzen. So kann der informelle Sektor nicht ausschließlich als eine Bedrohung für die formelle Wirtschaft angesehen werden. Er muss vielmehr in seiner großen Bedeutung für das Leben und Überleben vieler Menschen gerade auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern gesehen werden. Heute werden informelle Kleinstbetriebe, die keinen steuerlichen Abgaben und kaum staatlichen Regulierungen unterzogen werden sogar vermehrt durch staatliche Hilfsmaßnahmen und NGOs gefördert.

2. Ägypten und Jordanien – zwei Beispiele häuslich basierter Kleinstunternehmen

Zur besseren Veranschaulichung sollen hier zunächst kurz zwei Beispiele von häuslich basierten Kleinstunternehmen im informellen Sektor dargestellt werden.

2.1 Hühnerfarmen im ländlichen Ägypten

Die ägyptischen Kleinbauern – Fellachen genannt – beziehen den größten Teil ihres Ertrages aus der Landwirtschaft, Familien basierten Arbeiten und den daran angeschlossenen small-scale Unternehmen. Meist sind ein oder mehrere Söhne in einem entlohnten Job (in einer nahegelengen Stadt oder auch im Ausland) tätig und bilden so die Kaufkraft der Familie für Produkte, die sie selbst nicht herstellen können. Im Ganzen leben die Kleinbauern jedoch eher nach dem Prinzip, ihre eigene Produktion zu erhöhen oder Verbrauch einzuschränken anstatt Produkte von fremden Händlern zu kaufen. Die meisten der Bauern leben in sehr ärmlichen Verhältnissen und haben aufgrund von mangelnder Kreditfähigkeit keinen Zugang zu den vom Ministerium für Agrikultur zugestandenen Subventionen. Dies änderte sich in den 1980er Jahren mit dem Small Farmer Production Project, welches vor allem durch das U.S. Agency for International Development (USAID) gesponsert wurde. Im Zuge dessen entwickelte sich die traditionelle Hühnerzucht vieler Familien wie im Dorf Aghour – ca. eine Stunde nordwestlich von Kairo im Bezirk Kalyubia gelegen – zu einem wirtschaftlichen Kleinstunternehmen, welches oftmals von Frauen geleitet wird und nicht nur die Familie miternährt, sondern auch einen kleinen zusäzlichen finanziellen Gewinn abwirft. Die Aghour Village Bank unterstützte 350 solcher Farmen durch Kredite (vgl. Butler 1998).

2.2 Stickerinnen im städtischen Jordanien

Palästinenser, die nach 1947/48 in das Hashemitische Königreich Jordanien flüchteten und ihre Nachfahren machen heute ca. 50% der jordanischen Bevölkerung aus. Während ein Großteil von Ihnen die jordanische Staatsbürgerschaft erhielt, leben viele (ca. 42 %) immer noch in Flüchtlingslagern oder/und sind als Flüchtling bei den Behörden registriert. Dies bedeutet eingeschränktes Bürgerrecht, was sich z.B. auf die Arbeitsmöglichkeiten auswirkt. Al-Dajani und Marlow (2010) haben für Ihre Studie palästinensische Stickerinnen in Amman interviewt, die mit ihrem Kleinstunternehmen zum Unterhalt der Familie beitragen. Ihre home-based businnesses sind in Kontakt mit jordanischen SMEs und/oder NGOs, die von Frauen geführt werden. Die meisten der Stickerinnen haben den zweiten Schulabschluss erlangt. Die durchschnittliche Lebensdauer ihrer Unternehmen (15 Jahren) spricht von Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit (vgl. Al-Dajani/Marlow 2010).

3. Der soziokulturelle Hintergrund in seiner Bedeutung für Frauen im informellen Sektor

3.1 Ein kleiner Einblick in die Soziokultur arabischer Länder

„(...) the women developed their working lives around the rhythms and needs of their husbands and children“ (Al-Dajani/Marlow 2010, S. 476).

Der informelle Sektor wurde erst in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts auch bei ILO und Weltbank in den Fokus gerückt und bei Statistiken und Maßnahmen genauer betrachtet bzw. unterstützt. Man hatte eingesehen, dass das kapitalistische westliche Modell nicht eins zu eins auf andere Gesellschaftsformen übertragbar war. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte man sich durch Trainings der ländlichen Bevölkerung in Produktion von Gütern einen wirtschaftlichen Aufschwung durch erhöhte Kaufkraft erhofft. Dieser Aufschwung fand aber kaum statt: „It seemed that such societies were trapped in a vicious circle: The economy could not change so long as precapitalist modes of production existed and sustained the sociocultural life-style derived from these modes; the earlier modes, however, were necessary to sustain the folk until „take-off“ occured“ (Smith 1994, S. 300f). Auch wenn sich seitdem in den Ländern der sogenannten dritten Welt vieles verändert hat, ist diese Ambivalenz der Bedeutung des informellen Sektors bei der Frage des Wie und Wohin von Entwicklung zu beachten.

In den Ländern Ägypten und Jordanien, aus denen die Beispiele stammen, die im vorigen Kapitel kurz dargestellt wurden, herrscht – wie in anderen arabischen Ländern auch – ein patriarchalisches System der Arbeitsbeziehungen vor, d.h. der Mann gilt als „head of household“ und Haupternährer und die Arbeitsbereiche sind nach den Geschlechterrollen verteilt. Männer haben einen deutlichen Vorteil in bezahlten, formellen Jobs Anstellung zu finden, während Frauen meist im weniger profitablen informellen Bereich tätig sind (vgl. Bossen, S. 348). Im ländlichen Ägypten sind die traditionellen wirtschaftlichen Aufgaben von Frauen z.B. Geflügelzucht, Molkerei und Käserei, Getreidetransport und Ernte (vgl. Butler 1998, S. 169f). Bei den urbanen palästinensich-jordanischen Frauen ist es beispielsweise die Stickkunst als weiblich angesehene Arbeit, die traditionell von Frauen an Frauen weitergegeben wird (vgl. Al-Dajani/Marlow 2010, S. 476). Der Hinweis, durch die Arbeit das kulturelle Erbe zu bewahren, ist sehr wichtig für die Akzeptanz der Selbstständigkeit der Frauen durch ihre Ehemänner (vgl. Al-Dajani/Marlow 2010, S. 482). Frauen, die zu Hause bleiben, Kinder bekommen und erziehen genießen ein höheres Ansehen (vgl. Butler 1998, S. 167), da die Reproduktionsarbeit – also Pflege, Betreuung und Erziehung von Kindern – als Hauptaufgabe der Frau gesehen wird. Butler (1998) fasst die Situation der Frauen im ländlichen Ägypten folgendermaßen zusammen: „For many rural women in Egypt, wage employment is not socially possible because of the competition between mobility and reproduction, thus keeping women's income generating possibilities in or near the home. Employment outside the household or village is limited by cultural constraints, by lack of education and skills, and by familial laboring responsibilities“ (Butler 1998, S. 167). Auch in Jordanien scheint der zweitrangige soziale Status von Frauen allen Reformen zum Trotz bisher präserviert zu werden. Viele Herausforderungen für Frauen in der Arbeitswelt entstehen auch hier durch die sozialen und familiären Rollenzuschreibungen von Mann und Frau. So sind die selbstständigen häuslichen Unternehmerinnen einigen Einschränkungen durch ihren Ehemann ausgesetzt. Sie solle beispielsweise nur weibliche Klienten empfangen, die nur kommen dürfen, wenn der Ehemann nicht zu Hause ist. Kommt der Mann nach Hause, so soll möglichst nichts von der Arbeit zu sehen und die Frau soll voll für ihn da sein. Auch geht der Ehemann traditionell als letzter schlafen, weshalb die Frauen abends nicht mehr arbeiten dürfen, wenn er zu Bett gehen will (vgl. Al-Dajani/Marlow 2010, S. 476f). In der jordanischen Arbeitswelt ist Geschlechter-diskriminierung nicht zu unterschätzen. Vor allem verheiratete Frauen und Mütter sind davon betroffen, da von ihnen erwartet wird, dass sie trotz Erwerbstätigkeit alle ihre familiären Pflichten erfüllen. So entsteht die Ansicht, dass sie weniger Engagement für die Arbeit mitbringen als unverheiratete Frauen, wodurch ihre Chance im formellen Sektor angestellt zu werden weiter sinkt (vgl. Al-Budirate 2009). Auch in Ägypten ist vor allem den verheirateten Frauen eine Erwerbstätigkeit außer Hause sehr erschwert. Da Männer hingegen für die wirtschaftliche bzw. finanzielle Sicherheit der Familie verantwortlich sind, werden sie im formellen Sektor gerne nach bezahlter Arbeit suchen (vgl. Butler 1998, S. 167), auch wenn dies bedeutet, die Familie für eine Zeit lang oder für viele Stunden am Tage zu verlassen. In Fällen, in denen der Ehemann eine Arbeit im Ausland oder einer entfernten inländischen Stadt übernommen hat, bleibt die Ehefrau mit den Kindern und der Familie des Mannes zurück. Die Familie zu versorgen wird ihr leichter werden, wenn sie einer informellen Tätigkeit im häuslichen Rahmen übernehmen kann. So kann sie neben der unbezahlten Haushaltsarbeit und Kindererziehung einen kleinen Nebenverdienst erwirtschaften. Offizielle statistische Erhebungen übersehen oftmals den Anteil von Frauen an der Wirtschaftskraft auch der ländlichen Bevölkerung. Doch eine Studie der Michigan State University in zwei Regierungsbezirken Ägyptens 1984 ergab, dass 43% der small-scale Unternehmen (ohne Molkerei) von Frauen als Eigentümern geführt wurden, und dass Frauen 99% der Nahrungsmittelherstellung in Kleinstunternehmen leisten (vor allem Molkerei) (vgl. Butler 1998, S. 171). Ganz allgemein verringert eine häusliche informelle Produktion die Abhängigkeit von Marktprodukten und fördert den Austausch von Produkten innerhalb einer Familie oder eines Dorfes (vgl. Al-Dajani/Marlow, S. 172).

Trotz der sichtbaren Verbesserungen in Bildung und Gesundheit für jordanische Frauen sowie eines fortschrittlichen Arbeitsrechts, welches ihnen z.B. einen Mutterschaftsurlaub zugesteht, sind Frauen im Erwerbsleben in Jordanien unterrepräsentiert. Nur 14,7% der jordanischen Frauen waren 2007 einer offiziellen statistischen Untersuchung zufolge in einer bezahlten Arbeit beschäftigt. Gleichzeitig ergaben Studien zum Thema microfinance, dass Frauen 63% der informellen Betriebe führen. Eine statistische Erhebung von 2008 in knapp 3500 Haushalten in und um Amman zu informellen wirtschaftlichen Aktivitäten zeigte sowohl bei Männern (71%) als auch bei Frauen (22%) einen Anstieg der Anzahl der wirtschaftlich Tätigen gegenüber den bisherigen Studien zur Arbeitskraft, die den informellen Sektor nicht beachteten. Somit zeigt sich auch in Jordanien, dass statistische Studien zum formellen Arbeitssektor die tatsächliche Arbeitskraft der Frauen nicht stimmig abbildet (vgl. Al-Budirate 2009).

Ob unternehmerische Tätigkeit von Frauen in einem arabischen Land mehr oder weniger gefördert wird, kann nicht allein mit dem Islam begründet werden, wie vorhergehende Darstellung zeigt. Mehr oder weniger orthodoxe oder liberale Auslegungen des Qur'an kommen erstens zu unterschiedlichsten Schlüssen und zweitens muss immer auch der traditionelle soziokulturelle und politische Kontext eines Landes betrachtet werden. Eine Erklärung der Situation der Frauen allein anhand der Religion, wie sie oft von westlichen Medien versucht wird, greift viel zu kurz. Dennoch sehen weibliche Unternehmerinnen in arabischen Ländern oftmals die Notwendigkeit mit dem Islam für ihre Tätigkeit einzutreten. Der Hinweis auf die unternehmerische Tätigkeit der ersten Frau Mohammeds – Khadija – die ein eigenes Unternehmen führte und den Propheten sogar als Gehilfen einstellte, ist dabei eine beliebtes Argumentationswerkzeug (vgl. Al-Dajani/Marlow 2010 2010, S. 476).

[...]


1 http://www.investopedia.com/terms/m/microenterprise.asp und Amtsblatt der Europäischen Union vom 20.05.2003

2 http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/informeller-sektor.html

3 http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/schattenwirtschaft.html#erklaerung

4 http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/informeller-sektor.html

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668913011
ISBN (Buch)
9783668913028
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v460860
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Ethnologie
Schlagworte
Ethnologie Wirtschaftsethnologie informeller Sektor Mikrounternehmen soziokultureller Kontext women empowerment Ägypten Jordanien Geschlechterrollen

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Titel: Im Spannungsfeld von durch Frauen geführten informellen Mikrounternehmen mit ihrem soziokulturellen Kontext