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Verbreitung und Verläufe von ADHS im hohen Erwachsenenalter

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 17 Seiten

Gesundheit - Gerontologie

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom(ADHS)
2.1. Erscheinungsbild und Prävalenz

3. ADHS im hohen Erwachsenenalter
3.1. Symptome und Diagnostik
3.2. Ursachen und Erklärungsansatz
3.3. Verbreitung und Verlauf
3.4. Studie: AHDS im Alter: Beeinträchtigungen der Alltagsfunktionen bei Senioren mit und ohne ADHS

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis:

6. Abbildungsverzeichnis

7. Tabellenverzeichnis

„Unsere Welt wäre ohne Menschen mit ADHS ärmer, denn wir brauchen sie als diejenigen, die Innovationen, Revolutionen und Reformen machen, die hinterfragen und den Mut zum „Anders-Sein“ haben.“ (D’Amelio, Retz, Philipsen, Rösler, 2016, S.18)

1. Einführung

Das Krankheitsbild des Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) hat in den letzten Jahren eine hohe Relevanz innerhalb der Gesellschaft erlangt und wurde vermehrt Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine lange Zeit hielt man ADHS für eine psychische Störung des Kindes- und Jugendalters. Es hat sich jedoch gezeigt, „dass die im Kindesalter beginnende ADHS-Symptomatik nicht nur in das junge Erwachsenenalter persistieren kann, sondern dass die Betroffenen bis in die höheren Lebensdekaden von ADHS-assoziierten Beeinträchtigungen berichten“ (Philipp-Wiegmann & Supprian, 2015, S.1). Zu der ADHS-Symptomatik im hohen Erwachsenalter gibt es momentan noch wenig Informationen, da bisher kein Bewusstsein für die Störung im Alter vorherrschte. In der vorliegenden Arbeit soll ein Überblick über den bisherigen Wissenstand der Forschung, über die Verbreitung und den Verlauf der ADHS im hohen Erwachsenenalter gegeben werden. Des Weiteren soll ein Vergleich zur ADHS-Symptomatik in früheren Lebensdekaden gezogen werden.

2. Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom(ADHS)

Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) gehört zur Gruppe der Entwicklungsstörungen und stellt zusammen mit den aggressiven Verhaltensstörungen die häufigste psychische Störung im Kindesalter dar (Döpfner, Frölich, Lehmkuhl, 2013). Im folgenden Abschnitt soll ein Einblick in das Störungsfeld der ADHS gegeben werden.

2.1. Erscheinungsbild und Prävalenz

Eine ADHS ist durch drei Kernsymptome charakterisiert. Dazu zählen die Störung der Aufmerksamkeit/Konzentration, Hyperaktivität und eine erhöhte Impulsivität.

Unter der Aufmerksamkeits-/Konzentrationsstörung wird verstanden, dass es Betroffenen schwerfällt Gesprächen zu folgen, sie vergesslich sind und häufig Gebrauchsgegenstände verlegen oder verlieren, eine erhöhte Ablenkbarkeit aufweisen und Schwierigkeiten haben sich auf schriftliche Aufgaben zu konzentrieren (D’Amelio, Retz, Philipsen & Rösler). Die Hyperaktivität äußert sich in einem Gefühl der inneren Unruhe und Nervosität, sowie Schwierigkeiten sich zu entspannen und längere sitzende Tätigkeiten auszuführen (z.B. Schreibtischarbeit, Zeitung lesen, Spielfilme ansehen) (D’Amelio, Retz, Philipsen & Rösler). Zur Impulsivität wird das Unterbrechen anderer im Gespräch, die Schwierigkeit, Handlungen nach Plan umzusetzen, Ungeduld, Risikofreudigkeit, eine erhöhte Spontanität und das Sprechen, Handeln und Entscheidungen treffen, ohne sich lange über die Folgen Gedanken zu machen, gezählt (D’Amelio, Retz, Philipsen & Rösler).

Diese Symptome können bereits vor dem sechsten Lebensjahr auftreten und sind in verschiedenen Situationen zu beobachten z.B. in der Familie, Kindergarten/Schule. Eine deutliche Symptomatik zeigt sich meist zum Beginn der Schulzeit, da dort die Anforderungen an das Kind steigen (D’Amelio, Retz, Philipsen & Rösler). Die spezifische Diagnostik nach ICD-10 und DSM-V wird jedoch erst ab einem Alter von sechs Jahren empfohlen. Für die Diagnose müssen die Störungen laut DSM-V mindestens sechs Monate bestehen und bereits vor dem Alter von 12 Jahren auftreten. Es müssen mehrere Symptome der Unaufmerksamkeit und des Hyperaktiv-Impulsiven Verhaltens vorliegen, welche in einem Ausmaß auftreten, das nicht dem Entwicklungsstand entspricht und sich negativ auf die sozialen und schulischen/beruflichen Aktivitäten auswirkt. Zudem muss ausgeschlossen werden, dass die Symptome aufgrund einer anderen psychischen Störung (z.B. affektive Störung, Schizophrenie) bestehen. Die Aufmerksamkeitsstörungen zeigen sich vor allem in drei Ausprägungen: Dem vorwiegend unaufmerksamen Typ – auch als ADS bezeichnet, dem vorwiegend hyperaktiven Typ und dem gemischten Typ. Das DSM-V nimmt folgende diagnostische Einteilung vor:

F90.2 Gemischtes Erscheinungsbild

F90.0 Vorwiegend Unaufmerksames Erscheinungsbild

F90.1 Vorwiegend Hyperaktiv-Impulsives Erscheinungsbild

Für die Aufmerksamkeitsstörungen liegen laut DSM-V verschiedene Schweregrade vor, welche sich aus der Anzahl der vorhandenen Symptome ergeben. ADHS ist häufig durch eine hohe psychische Komorbidität begleitet, welche sich z.B. in Störungen des Sozialverhaltens, Depressionen oder in Angst- und Lernstörungen äußern können (Göbel et al., 2018). Das Ausmaß der Beeinträchtigung wird durch den Schweregrad, durch weitere psychische Erkrankungen (z.B. Depression oder Sucht) und die sozialen Bedingungen (z.B. Partnerwahl oder familiäres Umfeld) der Betroffenen bedingt (Hesslinger, Philipsen, Richter, 2004). Die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind im schulischen und sozialen Bereich erheblich beeinträchtigt, da ihre Lernprozesse durch ihr impulsives und unaufmerksames Verhalten deutlich erschwert werden und ihre emotionale Impulsivität oftmals eine Hürde im Schließen und Aufrechterhalten von Freundschaften darstellt. (Thümmler, 2015). ADHS wird deutlich häufiger bei Jungen diagnostiziert und circa 60 – 70 % der Betroffenen weisen einen chronischen Verlauf mit persistierenden Symptomen über die Lebensspanne auf (Göbel et al., 2018). Laut der KiGGS-Studie (Göbel, Baumgarten, Kuntz, Hölling,Schlack, 2018), welche die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht, haben 4.4% der Befragten 3- bis 17-jährigen eine ADHS-Diagnose erhalten. Die Daten der repräsentativen Querschnittsstudie wurden von 13.270 Heranwachsenden aus Deutschland erhoben. Laut Polanczyk et al. (2007) liegt die weltweite durchschnittliche Prävalenzrate für Kinder und Jugendliche bei 5,29 % und bei 4,4% im Erwachsenenalter. „Zu den Risikofaktoren im Kindesalter zählen neben genetischen Faktoren (z.B. Temperamentsmerkmale) auch verschiedene umgebungsbezogene Faktoren (z.B. ein mütterlicher Substanzmissbrauch)“ (Petermann, Philipsen, 2018, S. 203).

Über die Ursachen der ADHS gab es in den letzten Jahren verschiedene Theorien, die meist einen monokausalen Ansatz verfolgten. Neuere Ergebnisse zeigen jedoch, dass es keinen singulären Verursachungsfaktor der ADHS gibt, sondern mehrere Faktoren – wie zum Beispiel eine genetische Prädisposition und ein gestörter Neurotransmitterstoffwechsel – in Kombination zur ADHS führen können (Gawrilow, 2016). „Es ist wahrscheinlich, dass die gestörte Entwicklung in den meisten Fällen multifaktoriell bedingt ist“ (Banaschewski, Retz & Rösler, 2004, S. 143). Zu den möglichen Risikofaktoren zählen neben genetischen Dispositionen und einer Störung des Neurotransmitterstoffwechsels auch Exogene Risikofaktoren wie z.B. Infektionen, Umwelteinflüsse, Ernährung, Genussgifte oder psychosoziale Problemlagen etc. (Banaschewski et al., 2004). Durch die unterschiedliche Ursachenkausalität lässt sich die Verschiedenartigkeit der Ausprägung der Symptomatik erklären. (Banaschewski et al., 2004). Im weiteren Verlauf der Arbeit soll auf einen möglichen Erklärungsansatz vertieft eingegangen werden.

3. ADHS im hohen Erwachsenenalter

ADHS wurde lange Zeit als Erkrankung des Kindes- und Jugendalters betrachtet, jedoch persistieren bei ca. 60 % der Betroffenen die Symptome bis ins Erwachsenenalter hinein (Klöppel & Jessen, 2018). Die ADHS ist durch einen altersbedingten Symptomwandel gekennzeichnet und erfordert somit unterschiedliche Interventionsansätze für die jeweilige Altersklasse der Patienten. Die Studien zu ADHS im Erwachsenenalter wurden größtenteils mit jungen Erwachsene (< 40 Jahre) durchgeführt. Über die Erwachsenengruppe im hohen Alter (> 60 Jahre) ist bisher wenig bekannt hinsichtlich des Auftretens und der Ausprägung von ADHS (Klöppel & Jessen, 2018). Im folgenden Abschnitt soll ein Überblick über die bisher bestehenden Informationen bezüglich der ADHS im hohen Erwachsenenalter gegeben werden.

3.1. Symptome und Diagnostik

ADHS wird bei Senioren nur selten diagnostiziert was auch daran liegen könnte, dass in den bisherigen Diagnosesystemen (ICD-10 und DSM-IV) die Kriterien für eine ADHS Diagnose auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet war. Im DSM-V (American Psychiatric Association, 2013) wurden erstmals erwachsentypische Symptomausprägungen ergänzt (Klöppel & Jessen, 2018). Wender (1998) hat erwachsenenspezifische Kriterien für die ADHS formuliert, welche in der folgenden Tabelle dargestellt sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Wender-Utah-Kriterien (nach Klöppel & Jessen 2018: 272, Darstellung nach Wender, 1998)

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Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668911093
ISBN (Buch)
9783668911109
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v460905
Institution / Hochschule
IB-Hochschule, Berlin
Note
1,3
Schlagworte
verbreitung verläufe adhs erwachsenenalter

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