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Der Berufseinstieg von Lehrpersonen in der Schule

Hausarbeit 2018 26 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangslage

3. Der eigene Berufseinstieg: Matrix

4. Auswertung der Interviews: Zugänge zum Berufseinstieg von anderen (Interview)
4.1. Kurzportrait der Lehrperson
4.2. Die Bearbeitung der Entwicklungsaufgaben mit theoriegestützter Diskussion

5. Erkenntnisse und Folgerungen für den eigenen Berufseinstieg

Literaturverzeichnis

Anhang 1
Erwartungen und Befürchtungen bezüglich des eigenen Berufseinstiegs

Anhang 2
Interview

Anhang 3
Exzerpt Nr. 1: Überblickstext „Beanspruchung, Professionalisierung und Entwicklungsaufgaben im Berufseinstieg von LehrerInnen“ –Manuela Keller-Schneider und Uwe Hericks

Anhang 4
Exzerpt Nr. 2: „Lernen geht weiter- Herausforderungen im Berufseinstieg“ Manuela Keller-Schneider

Anhang 5
Zeitstrahl der Bearbeitung der Entwicklungsaufgaben

1. Einleitung

„Der Einstieg in die eigenverantwortliche Berufstätigkeit ist ein einmaliger Entwicklungsschritt-fast über Nacht gilt es, als vollwertig ausgebildete Lehrperson die gesamte Verantwortung für das eigene berufliche Tun zu übernehmen. Der Berufseinstieg stellt Anforderungen, die im Vorfeld in ihrer gesamten Komplexität und Dynamik nicht umfassend erfahrbar gemacht werden können, trotz Praktika oder Referendariat.“1

Mit diesen Worten beginnt Keller-Schneider ihren Text „Lernen geht weiter. Herausforderungen im Berufseinstieg.“ Der Beruf des Lehrers vermag einer sehr langwierigen Entwicklung, die nicht unbedingt aufhören mag. Er wird gekennzeichnet durch die Persönlichkeit sowie das Fachwissen der Person, die ihr Wissen an SuS weitergibt. Einen guten Unterricht zu halten, bedeutet nicht unbedingt auf jede erdenkliche Frage der Lernenden Antworten parat zu haben, sondern viel mehr beinhaltet eine gute Lerneinheit die Frage, wie die Lehrperson die vielen Einzelfaktoren guten Unterrichts gleichzeitig zusammenfügt und diese situations-und adressatenangemessen einsetzt. Folglich kann behauptet werden, dass es zum Lehrer werden einer metakognitiven Verarbeitung von Wissen, Überzeugungen, Erfahrungen und situationsspezifischen Anforderungen an die eigene Person als Lehrperson erfordert.

In der folgenden Hausarbeit wird sich mit der Thematik beschäftigt, wie man zu dieser Professionalisierung gelangt und welche eventuelle Hürden es auf diesem Weg womöglich zu meistern gibt. Dabei wird in der Ausgangslage ein Einstieg in die Thematik dargelegt, der in dem nächsten Punkt Der eigene Berufseinstieg: Matrix spezialisiert wird. Dies geschieht durch eigen erdachte Hauptthemen, die an Forschungsliteratur anknüpfen und diskutiert werden. Die eigenen Gedanken und Befürchtungen werden durch eine Analyse eines Interviews einer Referendarin im letzten Punkt Auswertung des Interviews: Zugänge zum Berufseinstieg von anderen weitergeführt.

2. Ausgangslage

Kann das von der Universität erlernte „Wissen direkt in Können umgesetzt werden?“2

Das Referendariat, welches in Hessen zurzeit 21 Monate beträgt, wird als die Phase des Lehrerseins betrachtet, an der die meisten praktischen Erfahrungen im Beruf gemacht werden sollten. Schon in kleineren Praktika vor diesem letzten Abschnitt des Studiums wird oft auf das Referendariat als der Berufseinstieg verwiesen, an dem man sich noch ausprobieren und mit den unterschiedlichsten Lehr-und Lernmethoden experimentieren kann. In dieser Phase des Lehrerseins würde man sich am meisten in der Rolle des Lehrers weiterentwickeln.

Schlichtweg wird hierbei jedoch außer Acht gelassen, dass man währenddessen von „Spezialisten“ des Berufs betreut und primär benotet wird. Im gymnasialen Zweig finden in diesen 21 Monaten „Ausprobierzeit“ fast monatlich Unterrichtsbesuche statt, die allesamt in die entscheidende Endnote des 2. Staatsexamina eingehen. Auf Grund dessen wird der weitere Verlauf des Berufs bestimmt. Nahelegend ist folglich, dass sich viele Berufseinsteiger nicht trauen, das Referendariat so zu nutzen, wie es eigentlich getan werden sollte: Nämlich als den größten praktischen Teil des Studiums, an dem man sich ausprobieren kann und sollte. Durch die finalen Benotungen wird eine Art Druck auf die Lehrenden aufgebaut, sodass häufig nicht deren eigenen Gedanken, sondern die des Betreuers an die SuS nähergebracht werden.

Dementsprechend stellen sich die elementaren Fragen: Was passiert in einem angehenden Lehrer, einer angehenden Lehrerin, einerseits während des Referendariats aber vor allen Dingen nach den Monaten des Abschlusses? Kann diese Phase nicht eher als diejenige betrachtet werden, an der die meisten Entwicklungsaufgaben vollzogen werden?

Keller-Schneider und Hericks haben dieses Phänomen in zahlreichen Studien näher analysiert. Sie weisen darauf hin, dass gewisse Entwicklungsaufgaben einen großen Teil in der Berufseinstiegsphase darstellen. Die eigene Rollenfindung gilt dabei als eines der Hauptziele der Entwicklung. Mit der Zeit gelangt man zu einer Art Professionalisierung, die einem dabei hilft die alltäglichen Aufgaben einer Lehrperson zu meistern.

Die Phase des Berufseinstiegs stellt folglich eine stetige Zeit der Entwicklung dar, die in der folgenden Arbeit anhand verschiedener Punkte näher analysiert wird. Hierbei wird sich primär auf Forschungsliteratur und dazugehörige Studien von Keller-Schneider und Hericks bezogen.

3. Der eigene Berufseinstieg: Matrix

Die Erwartungen und Vorstellungen an den eigenen Berufseinstieg sind vielseitig. In den letzten Monaten des Studiums kommen so langsam Gedanken auf, wie sich der wahre Alltag als voll ausgebildete Lehrperson anfühlen wird. Der Gemütszustand schwankt von Freude und Euphorie bis hin zu Ängsten und Selbstzweifeln.

Vier Hauptthemen zum eigenen Berufseinstieg werden im weiteren Verlauf vorgestellt und näher beschrieben.

Als erstes möchte ich mit einem freudebringenden Hauptthema beginnen. Ich freue mich sehr auf das Vermitteln der unterschiedlichsten Thematiken meiner beiden Fächer an die SuS. Ich denke, dass es eine der schönsten Aufgaben als Lehrer ist, den Lerninhalt den SuS näherzubringen und ihre Lernerfolge Schritt für Schritt miterleben zu dürfen und den Lernprozess demzufolge systematisch aufzubauen und zu steuern. „Im Zentrum steht [hierbei] der zu vermittelnde Unterrichtsinhalt in seiner Ausrichtung auf die Lernenden.“3 Durch meine Fächerwahl Deutsch und Erdkunde habe ich eine Kombination aus zwei Fachbereichen gewählt, die sehr unterschiedlich sind und folglich auch eine große Varianz der Vermittlungsmöglichkeiten darbieten. Im Geographieunterricht können beispielsweise eigene Modelle durch die SuS entwickelt werden oder ihnen können klimatische Phänomene durch einen Besuch eines außerschulischen Lernorts (wie z.B. den Botanischen Garten in Marburg) nähergebracht werden. Während im Deutschunterricht, im Gegensatz zu dem Verstehen der unterschiedlichen Aspekte der Welt, zum Beispiel schwierigere Texte durch das eigene Nachspielen einzelner Szenen verständlich gemacht werden können. Diese Varianz der so unterschiedlichen Möglichkeiten der Vermittlung stellt für mich persönlich eine Herausforderung dar, die mir eine große Freude bereiten wird und für mich als ein Hauptthema des Berufseinstiegs gilt.

Keller-Schneider schreibt in ihrem Text: „Was beansprucht wen? –Entwicklungsaufgaben von Lehrpersonen im Berufseinstieg und deren Zusammenhang mit Persönlichkeitsmerkmalen“ aus dem Jahr 2009: „Kompetenzentwicklung zeigt sich in der veränderten Bewältigung von Anforderungen und entsteht im Zusammenwirken von Wissen, Überzeugungen und Werthaltungen, motivationaler Orientierung und selbstregulativen Fähigkeiten.“4 Ich erhoffe mir, dass diese Kompetenzentwicklung ebenfalls auf mich in Bezug auf das erste Hauptthema: Der adressatenbezogenen Vermittlung durch vor allen Dingen einer großen Motivation zutreffen wird.

Dieses Thema findet sich auch in meiner persönlich erstellten Matrix wieder. Einerseits spreche ich im ersten Punkt: „Worauf werden Sie sich stützen können?“ davon, dass ich mein persönliches „Knowhow“ mit in den Unterrichtsalltag versuchen werde einzubringen und dementsprechend nicht nur das Wissen aus Büchern, sondern teilweise auch aus eigenen Erfahrungen schöpfen kann.5 Im zweiten Punkt: Worauf freuen Sie sich? spiegelt sich dieses Hauptthema an der Freude des Erkennens des Lernfortschritts durch eine gute Vermittlung des Lernstoffs wieder. Aber auch in den Punkten drei und vier: Welche Befürchtungen hegen Sie? und Was wird Sie herausfordern? lässt sich dieses Thema erkennen. Ich fürchte mich davor, nicht genug Wissen mitzubringen und folglich die Thematiken nicht perfekt an die SuS vermitteln zu können. Ebenso hege ich Ängste davor, nicht den nötigen Wissensstand bezüglich der Vermittlungsmöglichkeiten auf Spezialfälle zu haben. Dementsprechend wird dies eine große Herausforderung für mich darstellen, bis ich mir ein gewisses Wissensrepertoire an den unterschiedlichsten Vermittlungsmöglichkeiten angeeignet haben werde. Obwohl Keller-Schneider in ihrer Befragung mit 155 Lehrpersonen, die zwischen 2005 und 2007 in den Beruf des Lehrers eingestiegen sind, festgestellt hat, dass die Entwicklungsaufgabe der adressatenbezogenen Vermittlung die größten Mittelwerte der erforschten Beanspruchungen aufzeigt6, freue ich mich dennoch sehr diese Herausforderung mit den mir verfügbaren Ressourcen zu meistern.

Neben dem Vermitteln des Lerninhaltes stellt für mich ein weiteres Hauptthema die Findung der Rolle in der Klasse dar. Diese spiegelt sich vor allem in dem Punkt der identitätsbildenden Rollenfindung wieder, welcher den Umgang mit den eigenen Ressourcen sowie das Thema der Nähe und der Distanz beinhaltet. In meiner Matrix zeigt sich dieses Subjekt vor allen Dingen in den eigen erwartenden Herausforderungen.

Keller-Schneider beschreibt den ein bis dreijährigen Einstieg in das Berufsleben als die „Phase des Überlebens und Entdeckens“.7 In dieser Zeit gelangt man immer mehr, mit Erfahrungen, die man sammelt, zu einer gewissen Sicherheit.8 Dies kann beispielsweise auf den Umgang mit den SuS oder auch dem Auseinandersetzen und Vermitteln des Lerninhaltes bezogen werden.9 Doch die eigene Rollenfindung in einer Klasse, stellt meines Erachtens nach eine Herausforderung dar, die bei jeder Schulklasse aufs Neue zutrifft. In jeder neuen Klasse werden die unterschiedlichsten Charaktere vorzutreffen sein. Die eigene Rollenfindung wird dabei eine nie an Aktualität verlierende Thematik darstellen. Zwar wird man gewisse Charakterzüge an SuS wiedererkennen und dementsprechend auf andere Situationen versuchen zu übertragen, jedoch muss sich auf jedes Individuum neu eingestellt werden und somit eine neue Rolle gefunden werden. Eine der Hauptaufgaben einer Lehrperson stellt folglich den für die individuellen SuS passenden Punkt auf der Geraden zwischen Nähe und Distanz zu finden, beziehungsweise eine passende Balance dieser beiden Komponenten in Erfahrung zu bringen.

Ein weiteres Hauptthema wäre neben dem eigentlichen Lehrberuf ein Teil des Kollegiums zu werden. Dieses findet sich als eine der vier Entwicklungsaufgaben speziell in dem Bereich der mitgestaltenden Kooperation wieder. Hierzu zählt, meines Erachtens nach, ein Teil des gesamten Kollegiums zu werden und folglich auch die eventuell abweichende Meinung der Kollegen anzunehmen und damit umzugehen. Wie in der Matrix zu erkennen ist, stelle ich es mir als eine große Herausforderung vor, die Ansichtsweise eines „Frischlings“, der noch nicht viel an praktischer Erfahrung mitbringt, an die anderen Lehrer weiterzugeben und dementsprechend als vollwertige Lehrerin ernst genommen zu werden. Betrachtet man diesen Gesichtspunkt von einer anderen Perspektive, so wird es für mich mit Sicherheit eine womöglich noch größere Herausforderung darstellen, Tipps von Kollegen nicht direkt zu übernehmen und ihnen dies mitzuteilen. Keller-Schneider beschreibt in einem Impuls an Berufseinsteiger, dass gerade dies sehr wichtig ist, da „kein Tipp und keine Methode die Wirkung [derer] sicherstellen können.“10 Auch „kein Erfahrungswissen anderer legitimiert die Nutzung,“11 wodurch man nicht die Prüfung der Vorschläge auf die eigenen Ziele außer Acht lassen sollte.

Das letzte Hauptthema stellt für mich die Unterrichtsplanung und dessen Umsetzung dar. Den „Unterricht und [das] Unterrichten eigenverantwortlich zu gestalten, d.h. das Was und das Wie des Lehrens und Lernens mit den damit verbundenen Konsequenzen selber zu bestimmen“12, schließt dabei den Schwerpunkt des Themas ein, welches primär die Entwicklungsaufgabe der adressatenbezogenen Vermittlung beinhaltet. Doch es geht nicht nur darum einfach zu unterrichten, sondern vor allen Dingen sollten „die Lernprozesse der Lernenden im Auge behalten werden [und folglich] eine Arbeitskultur auf[gebaut werden]“13, in der die SuS als aktiv Lernende im Vordergrund stehen. Hierbei kann mitgebrachtes Wissen aus der eigenen Schulzeit eingebracht werden. Dementsprechend kann an Ressourcen des Vorwissens angeknüpft werden.14 Im Zentrum steht bei diesem Subjekt die Frage, wie der Lehrer als Person die Einzelfaktoren guten Unterrichts gleichzeitig zusammenfügt und situations- und adressatenangemessen einsetzt. Dabei bedingen sich Lehren und Lernen gegenseitig. Keine von den beiden Prozessen kann ohne den jeweilig anderen Part vonstattengehen, aus welchem Grund eine gut durchdachte Planung einer so großen Wichtigkeit zugeordnet werden kann. In der eigen erstellten Matrix spreche ich von der Herausforderung, den Unterricht nicht zu perfektionistisch zu planen. Ebenso sehe ich es als eine nicht zu unterschätzende Aufgabe an, das Wissen individuell auf die so unterschiedlichen SuS anzupassen. Diese Gedanken lassen sich zu diesem Thema einordnen, die vor allem die Langfristigkeit, beziehungsweise die Verantwortung der Planung für das Lernen in den Vordergrund stellt. „Eine sinnvolle Balance zwischen genug vorbereitet sein und sich dabei nicht allzu stark zu verausgaben, stellt hohe Anforderungen an die berufseinsteigende Lehrperson – und bleibt auch in späteren Berufsjahren als Herausforderung bestehen: „Habe ich die beste Lösung gefunden?“, „Gäbe es nicht noch bessere Wege oder Mittel?“.15

Abschließend kann festgehalten werden, dass der Berufseinstieg eines Lehrers neue Anforderungen mit sich bringt, die meistens im Voraus nicht bekannt sind. Wissen allein genügt nicht, um den Beruf ausüben zu können. Doch jede Lehrkraft nimmt die Entwicklungsaufgaben und ihre Hauptthemen auf eine unterschiedliche Art und Weise auf, gewichtet und deutet diese anders-wodurch jeder Berufseinsteigende zu unterschiedlichen Bearbeitungsformen und Lösungen kommt.

[...]


1 Keller-Schneider (2016a): 4.

2 Keller-Schneider und Hericks (2011a): 21.

3 Keller-Schneider (2009): 149.

4 Keller-Schneider (2009): 147.

5 An dieser Stelle wäre gemeint, dass ich zum Beispiel im Geographieunterricht eigen erstellte Fotos aus den unterschiedlichsten Ländern zeigen und analysieren lassen könnte.

6 Vgl. Keller-Schneider (2009): 153.

7 Keller-Schneider (2016b): 280.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. ebd.

10 Keller-Schneider (2010a): 8.

11 Keller-Schneider (2010a): 8.

12 Keller-Schneider (2016c): 25.

13 Ebd.

14 Hierbei sollte jedoch angemerkt werden, dass das Vorwissen dem Wissenserwerb auch Grenzen setzen kann.

15 Keller-Schneider (2010a): 9.

Details

Seiten
26
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668910287
ISBN (Buch)
9783668910294
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v460913
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Schlagworte
berufseinstieg lehrpersonen schule

Autor

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