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Auswirkungen Sozialer Ungleichheit auf die Gesundheit in der Bundesrepublik Deutschland

Auswirkungen des sozioökonomischen Status innerhalb einer sozial ungleichen Gesellschaft auf die Gesundheit

Hausarbeit 2016 16 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Auswirkungen des sozioökonomischen Status innerhalb einer sozial ungleichen Gesellschaft auf die Gesundheit

1. Begrifflichkeiten
I.1.1. Was ist der sozioökonomische Status?
I.1.2. Was ist soziale Ungleichheit und deren Dimensionen?
I.1.1.1. Der Begriff der sozialen Ungleichheit
I.1.1.2. Dimensionen sozialer Ungleichheit
I.1.3. Was ist Gesundheit?

2. Soziale Ungleichheit im Gesundheitssystem

3. Maßnahmen für Wohlstand, Gleichheit, Glück und Gesundheit in der Gesellschaft

III. Fazit

V. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Einleitung

Durch meine Referat Recherchen zum sozialen Sicherungsnetz der BRD bin ich über die Gesundheitspolitik auf den Begriff der sozialen Ungleichheit (sU) gestoßen. Mich interessierte, ob die Gesundheit durch den Status innerhalb der Gesellschaft bedingt ist.

Stefan Hradil behauptet, dass der moderne Mensch zunehmend denke, dass er ein selbstbestimmtes Leben führe, welches weniger vom Schicksal gelenkt würde. Die moderne Gesellschaft mache dabei immer mehr sich und andere für seine Gesundheit verantwortlich. Die Wissenschaft der Soziologie, weise jedoch darauf hin, dass individuelles Verhalten keinesfalls eine entscheidende Rolle spiele, wenn es um die Wahrscheinlichkeit gehe, einer Erkrankung oder eines relativ frühzeitigen Todes zu erliegen. Entscheidend sei hier der sozioökonomische Status.1

Dieser Behauptung möchte ich mit dieser Arbeit auf den Grund gehen, weshalb ich mich der Frage widme, ob der sozioökonomische Status (SöS) eines Individuums innerhalb einer sozial ungleichen Gesellschaft Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Die Ausarbeitung beschränkt sich auf die Bundesrepublik Deutschland. Dazu habe ich zuerst den Begriff des SöS definiert. Des Weiteren erscheint es wichtig soziale Ungleichheit und ihre Dimensionen zu erläutern. Außerdem werde ich den Begriff der Gesundheit genauer in Augenschein nehmen. Obwohl sU sehr facettenreich ist, werde ich mich in meiner Arbeit auf die Auswirkung der sU auf die Gesundheit beschränken. Danach zeige ich durch den Vergleich von Studien, dass ein direkter Zusammenhang von Krankheit mit Ungleichheit in den Bereichen Bildung und Einkommen besteht. Die Lebenserwartung als Konsequenz der Qualität der Gesundheit wird ebenfalls im Bereich Gesundheit behandelt.

Um festzustellen, wie eine egalitärere Gesellschaft eine bessere Lebensqualität zur Folge hätte, werde ich die Studie von Richard Wilkinson und Kate Pickett heranziehen. Sie vergleichen im internationalen Kontext, Staaten mit starkem Ungleichheitsgefälle wie die USA mit egalitäreren Staaten wie Japan und Schweden. Ebenfalls ergeben sich durch die Ausführungen aus ihren Forschungen Maßnahmen um mehr Balance innerhalb des Gesellschaftsgefüges zu erreichen.

Für meine Arbeit habe ich mich auf die Auswertung von Forschungsliteratur beschränkt.

II. Auswirkungen des sozioökonomischen Status innerhalb einer sozial ungleichen Gesellschaft auf die Gesundheit

1. Begrifflichkeiten

Um für ein besseres Verständnis der nachfolgenden Argumentation zu sorgen, werde ich den Begriff des SöS klären. Dieser ist ebenfalls zur Bestimmung der sU wichtig. Danach wird der Terminus der sozialen Ungleichheit zu den Dimensionen der sU abgegrenzt. Außerdem differenziere ich den Begriff der Gesundheit. Ebenfalls werden konträre Meinungen in diesen Bereichen aufgezeigt.

I.1.1. Was ist der sozioökonomische Status?

Der Terminus des SöS beschreibt für gewöhnlich die individuelle Position in einem durch sU ausgezeichneten Gesellschaftsgefüge.2 Durch verschiedene Kriterien innerhalb eines sozialen Gefüges werden Stufen der Wertschätzung ermittelt. Dadurch können Personen je nach Ausprägung dieser Kriterien einem Status zugeordnet werden. Das daraus bestimmte Statuskontinuum kann in verschiedene Status unterteilt werden. Erst bei multiplen Faktoren mit verschiedenen Gewichtungen bereitet die Bestimmung des Gesamtstatus Probleme. Hierzu muss die Summe der Einzelstatus vergleichend behandelt werden, und in ihrer sozialen Bedeutung evaluiert werden. Das populärste Konzept hierzu ist der SöS.3

In der Empirischen Forschung wird der SöS mit Hilfe von drei Faktoren gemessen. Zum einen der Faktor „Bildung“, der sich nach dem höchsten allgemein bildenden Schulabschluss richtet, erweitert um den Fach- bzw. Hochschulabschluss. Als weiteres Kriterium gilt der „Beruf“, dieses wird um die Stellung im Beruf expandiert. Jedoch um den „tatsächlich ausgeübten Beruf“ reduziert und in einen „Prestige-Core“ umgesetzt. Zusätzlich fällt das Einkommen des Einzelnen, der Haushaltsgemeinschaft und die Anzahl derer die zum Einkommen des Haushalts Beitragenden ins Gewicht. Die Innbezugnahme des kulturellen Niveaus, der regionalen Herkunft, wie auch ethnologische Bestimmung konnte sich auf Dauer nicht durchsetzen. Sowie auch der Beruf meist direkt abhängig vom Bildungsabschluss ist, so ist auch das Einkommen bedingt durch den Beruf. Durch diese Interdependenzen wird der Beruf zum zentralen Merkmal des SöS.4 Man geht davon aus, dass das Niveau der Schul- und Berufsausbildung über die späteren Berufe entscheidet. Berufe sind Mediatoren zwischen Schul- und Ausbildungsabschlüssen und Einkommenslagen, weil sie bestimmte Qualifikationen voraussetzen und zu bestimmten Einkommen führen. Einkommen wird in Chancen zur Teilhabe an Macht umgesetzt. Hierbei ist die indirekte Auswirkung von Bildung auf das Einkommen maximiert und der direkte Einfluss gleichzeitig minimiert.5 Betrachtet man komplexe Industriestaaten, so wird dem Berufsstatus hier weitaus mehr Bedeutung zugesprochen, da häufig die Ungleichheitsdimensionen wie Ausbildungsniveau, Prestige, Macht, Einkommen, Besitz und Vermögen mit der beruflichen Stellung einhergehen.6

In dieser Arbeit wird der SöS verwendet, da dieser eine Vielzahl an Merkmalen beinhaltet, die für das weitere Verständnis sozialer Ungleichheit maßgeblich sind.

I.1.2. Was ist soziale Ungleichheit und deren Dimensionen?

I.1.1.1. Der Begriff der sozialen Ungleichheit

Der mehr oder minder hohe SöS einer Person innerhalb einer Gesellschaft kann nur als Charakteristikum vergleichend zu anderen Personen innerhalb eines Sozialsystems betrachtet werden. Ungleichheit kann nur entstehen wenn eine unausgewogene Distribution von Ressourcen vorliegt. Verschiedene Formen und Verfestigungen sU zeigen sich in sozialen Systemen zum Beispiel als Kaste, Stand, Klasse oder Sozialschicht. In verschiedenen Gesellschaften sind unterschiedliche Haltungen gegenüber sozialer Dysbalance denkbar. Sie kann als naturgegeben angesehen werden, wie auch Aristoteles und die Sozialdarwinisten der Meinung waren. Thomas von Aquin dagegen sah diese gesellschaftliche Differenz als gottgewollt an. Außerdem gilt sie solange als akzeptiert, solange gewisse Toleranzgrenzen nicht überschritten sind. Durch Kompensation von Seiten des Staates werden Chancengleichheit und soziale Mobilität reguliert und somit in einem akzeptablen Rahmen gehalten. Revolutionäre Veränderungen des sozialen Gefüges treten immer dann auf, wenn Unterschiede unzumutbar und in Form von Ausbeutung und Unterdrückung sichtbar werden.7 Ungleichheit ist meist die Ursache sozialer Missstände.8 Aristoteles findet, obwohl er Vertreter der nicht egalitären Gerechtigkeitsauffassung ist, dass der Ungerechte die Gleichheit verletzt und dass die ungerechte Tat Ungleichheit bedeutet. Also muss das Gerechte Gleichheit bedeuten, wenn das Ungerechte Ungleichheit bedeutet.9

Als Attribute sU werden dabei alle Gegensätze in Augenschein genommen, die die Vorstellung von besser oder schlechter, höher- oder tiefergestellt, bevorrechtigt oder benachteiligt usw. aufzeigen. Sie werden vom soziologischen Umfeld als mehr oder minder wertvolle Güter bewertet. Die Einstufung entsteht durch Werte der Bevölkerung, die bestimmte „Vorstellung des Wünschenswerten“ haben. Neben der Valenz bestimmt die Quantität dieser Ressourcen über die Lebensqualität. Höher gestellt sind jene Menschen mit der höheren Anzahl an wertvollen Gütern.

Ob Faktoren wie Bildung, Gesundheit, Wohlstand oder Individual-Autonomie als wünschenswert angesehen werden unterliegt einem historischen Wandel und somit dem Zeitgeist. Zum Anderen muss bestimmt werden, wie die wertvollen Komponenten verteilt sein müssen, um als ungleich zu gelten.

Es wird zwischen absoluter Ungleichheit und relativer Ungleichheit differenziert. Absolut ist die Ungleichheit wenn ein Mitglied der Gesellschaft von einem mehr des dienlichen Gutes hat. Relativ ist die Ungleichheit dann, wenn ein Individuum weniger bekommt als ihm zusteht. Der soziologische Begriff sozialer Ungleichheit ist also weniger mit Ungerechtigkeit oder einem sozialen Problem gleich zu setzten, viel mehr steht es offen, dies zu erforschen. Es gilt also festzustellen, in wie weit eine problematische Disparität vorliegt, da sie illegitim ist, oder ob diese gerechtfertigt scheint. Dagegen sind nicht alle Besser- und Schlechterstellungen, oder Vor- und Nachteile Merkmale mangelnder gesellschaftlicher Balance, sondern nur jene, die in gesellschaftlich strukturierter, vergleichsweise beständiger und verallgemeinerbarer Form zur Verteilung kommen. Dies trifft beispielsweise auf Einkommens- und Machtunterschiede zu, die an bestimmte berufliche Stellungen geknüpft sind. Ihre Bindung an relativ konstante gesellschaftliche Beziehungen und Positionen unterscheidet soziale von anderen Ungleichheiten. Wenngleich Behinderung oder das Individuum betreffende psychische Problematiken zu außerordentlichen Unterschieden führen kann, gelten diese im soziologischen Sinne nicht als sUen.10

[...]


1 vgl. Hradil, 2009, S. 35

2 vgl. Lampert / Kroll, 2009, S. 310

3 vgl. Schäfers / Kopp, 2006, S.249

4 vgl. Hoffmeyer-Zlotnik, 1993, S.135f

5 vgl. Maaz, 2006, S. 111

6 vgl. Schäfers / Kopp, 2006, S. 313

7 vgl. Schäfers / Kopp, 2006, S. 329-330

8 vgl. Wilkinson / Pickett, 2010, S. 2

9 vgl. Hinsch, 2016, S. 26ff, zitiert nach Aristoteles aus Nikomachische Ethik: 1131a

10 vgl. Hradil, 2001, S. 28-32

Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668908758
ISBN (Buch)
9783668908765
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v461168
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt – Soziale Arbeit
Note
1,0
Schlagworte
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Titel: Auswirkungen Sozialer Ungleichheit auf die Gesundheit in der Bundesrepublik Deutschland