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Deutsche Kulturstandards nach Alexander Thomas. Gefahren und Nutzen einer kulturalistischen Betrachtungsweise

Seminararbeit 2014 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Kultur

3. Definition von Kulturstandards
3.1 Sachorientierung
3.2 Struktur- und Regelorientierung
3.3 Direktheit
3.4 Internalisierte Kontrolle
3.5 Zeitplanung
3.6 Trennung von Persönlichkeits- und Lebensbereichen
3.7 Interpersonale Distanzdifferenzierung

4. Nutzen und Gefahren von Kulturstandards

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

1. Einleitung

In der heutigen Zeit ist der Kontakt zu fremden Kulturen unumgänglich. Die Globalisierung und der weltweite Handel fordern von den Menschen ein Wissen über Menschen unterschiedlicher Herkunft und somit unterschiedlicher Wertung von Verhaltensweisen. Eine gewisse Sensibilität und Verständnis ist notwendig, um miteinander zu kommunizieren und eventuell Handel zu betreiben. Bei Missverständnissen können schwerwiegende Probleme auftreten, weil je nach Mentalität Handlungsweisen, anders als vom Sender gemeint, aufgenommen und interpretiert werden.

Um dies zu vermeiden, kann man den Ansatz der herausgearbeiteten Kulturstandards von Alexander Thomas zur Hilfe heranziehen.

Alexander Thomas ist 1939 in Köln geboren und studierte Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaft. 1968 machte er sein Diplom in Psychologie und promovierte 1970 an der Universität Münster. Außerdem schrieb er zahlreiche Bücher über seine Schwerpunkte, kulturvergleichende und der interkulturelle Psychologie und arbeitete als Professor an der Freien Universität Berlin und Universität Regensburg(Thomas, 1998).

In dieser wissenschaftlichen Arbeit werden die Kulturstandards genauer untersucht. Zunächst wird die Frage geklärt, was überhaupt unter den Begriffen Kultur und Kulturstandards zu verstehen ist. Im weiteren Verlauf wird dann näher auf die deutschen Kulturstandards nach Alexander Thomas eingegangen. Anhand dessen werden die Nutzen und Gefahren einer derart kulturalistischen Betrachtungsweise analysiert.

2. Definition von Kultur

Um enger auf die Thematik „Kulturstandards nach Alexander Thomas“ einzugehen, ist es zunächst notwendig zu wissen, worum es sich bei dem Begriff „Kultur“ handelt. Man begegnet diesem Wort fast tagtäglich – doch was verbirgt sich dahinter? Oft wird „Kultur“ mit Theater- und Kinobesuchen, Kunst, Musik, Dichtung assoziiert. Sucht man nach einer allgemeingültigen Definition, so ist diese Suche vergebens. Es wird schnell deutlich, dass es keine feste Definition gibt. Es handelt sich um ein sehr komplexes Thema von welchem etliche Erklärungsversuche, welche mit verschiedenen Theorien einhergehen, vorhanden sind.

Zu Beginn eine Betrachtung des Begriffs „Kultur“. Das Wort ist von dem lateinischen Begriff „colore“ abgeleitet (Nünning, 2009), was so viel bedeutet wie bebauen, wohnen, pflegen und verehren(Niederauer, 2013). Ebenfalls leitet es sich vom lateinischen „cultura“(Nünning, 2009), mit den Bedeutungen Bearbeitung oder Anbau, Ausbildung und Pflege sowie Bildung(Niederauer, 2013). Diese Begriffe weisen vorwiegend auf das durch die Menschen produktiv Getätigte oder Hervorgebrachte und nicht auf Gegebenheiten der Natur, die schon vorhanden sind. Zum anderen verweist die Übersetzung „verehren“ auf eine geistige Tätigkeit.

Diese Betrachtung der Herkunft des Begriffs leitet uns zu dem Ergebnis, dass Leistungen, die durch geistig künstlerische Veränderungen von gegebenem Material erworben worden sind, als Kultur bezeichnet werden können. Darunter fallen beispielsweise Kunst, Musik, Literatur oder Wissenschaft. Man spricht von der Hochkultur womit man sich schon in der Definition des engen Kulturbegriffs befindet. (Anonym, 2011).

Auf der anderen Seite gibt es noch den erweiterten Kulturbegriff, dieser beinhaltet die typischen Erscheinungen wie Normen, Verhaltensmuster und Wertvorstellungen. Diese entstehen durch das Zusammenleben in einer Gesellschaft, Nation oder in einem Volk aufgrund von der unumgänglichen Konfrontation mit der Umwelt. Auch die philosophischen und religiösen Bezugssysteme einer Gemeinschaft sind in dem erweiterten Kulturbegriff eingeschlossen. Es ist sowohl ein historischer als auch ein soziologischer oder ethnografischer Gebrauch des Wortes Kultur(Ermert, 2009). Es wird versucht sämtliche Gestaltungen und Lebensweisen jeweiliger Gesellschaften zu vereinheitlichen. Zur Veranschaulichung kann hierfür das Eisbergmodell wie folgt herangezogen werden(Schütze, 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 (Anonym, 2008)

Alexander Thomas definiert Kultur als ein universelles und doch typisches Orientierungssystem für eine Gesellschaft bzw. eine Organisation. Das Orientierungssystem wird aus charakterisierenden Symbolen wie zum Beispiel Sprache, Gestik, Mimik, Kleidung, und Begrüßungsritualen gebildet. In der jeweiligen Gesellschaft, Organisation oder Gruppe werden diese Symbole tradiert, das bedeutet an die nachfolgende Generation weitergegeben. Das Orientierungssystem zeichnet für alle Mitglieder ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft oder Gruppe und hilft ihnen bei der Bewältigung der eigenen Umwelt.

Kultur beeinflusst somit das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller Mitglieder der jeweiligen Gesellschaft. Es definiert für einen Menschen sein Ermessen, zum Bespiel zwischen angemessen oder nicht, richtig oder falsch, sympathisch oder unsympathisch, hässlich oder hübsch, normal oder unnormal.

Das kulturspezifische Orientierungssystem eröffnet einem Menschen somit einerseits Handlungsmöglichkeiten und Handlungsanreize, andererseits schafft es aber Handlungsbedingungen und setzt Handlungsgrenzen fest(Alexander Thomas & Schroll-Machl, 2005).

Wenn eine Person genügend Kenntnisse über seine gegenständliche und soziale Umwelt verfügt und auch selbst genügend Erfahrung gesammelt hat, ist es ihm möglich, sich in seiner Umwelt zu orientieren. Vorausgesetzt ist, die Person weiß mit diesem Wissen sachgerecht und effektiv umzugehen. Die Einflüsse und Informationen werden automatisch ohne nachzudenken aufgenommen und verarbeitet.

Unter gewöhnlichen Alltagsbedingungen kann sich jeder sicher sein, dass sein Standpunkt und seine Sicht der Welt und der Menschen von seinen Mitmenschen verstanden und eventuell sogar akzeptiert und geteilt wird, sofern er in einem ihm vertrauten Kulturkreis lebt. Man lernt die spezifischen Symbole nicht nur in der Kindheit, sondern sein Leben lang. Es ist somit auch möglich sich einer „Kultur“ anzupassen, wenn es einem gelingt die Welt so zu verstehen, zu akzeptieren und mit ihr so umgehen zu können, wie die Mitmenschen in der jeweiligen eigenen sozialen Gemeinschaft. Somit wird Bestätigung der Umwelt erfahren, wenn jeweilige Normen und Regeln entsprechend eingehalten werden.

Tut man dies jedoch nicht, ist mit eventueller Missbilligung zu rechnen. Dies kann mit der Erfolglosigkeit seiner Anstrengungen einhergehen.

Das kulturspezifische Orientierungssystem hilft einem aber nicht weiter, wenn die Interaktionspartner aus einer Nation, Organisation oder Gruppe stammen, die eine andere Kultur besitzen, welche einem selbst unbekannt ist. Es kann zu Missverständnissen, aufgrund unterschiedlicher Verhaltensweisen und verschiedener Verständnisse, kommen von zum Beispiel der Frage was angebracht ist und was nicht, da diese von dem eigenen gewohnten kulturellen Orientierungssystem abweicht. Menschen bewerten das Handeln und Verhalten anderer oft nur anhand bekannter Kulturen und es kommt ihnen nicht einmal in den Sinn, zu versuchen dessen Hintergründe und somit den Eisberg der anderen Person zu verstehen. Dies kann eventuelle Probleme lediglich verschlimmern und ein unerwünschtes Ergebnis herbeiführen(Alexander Thomas & Schroll-Machl, 2005).

3. Definition von Kulturstandards

„Wenn Menschen, die einander nicht verstehen, zumindest verstehen, dass sie sich nicht verstehen, dann verstehen sie einander besser als wenn sie nicht verstehen, dass sie einander nicht verstehen.“ (Gustav Ichheiser, 1949)

Alexander Thomas nannte, wie in Kapitel 2 erwähnt, den Begriff „Kultur“ als ein Orientierungssystem. Dieses System wird durch gewisse Kulturstandards geprägt. Sie dienen der Vermeidung von Missverständnissen aufgrund falscher Interpretation der Werte und Verhaltensweise bei interkulturellen Begegnungen. Sie können eine Hilfe bei der Aneignung und eine Grundlage der interkulturellen Kompetenz sein. Diese Kompetenz beschreibt die dauerhafte Fähigkeit mit Menschen aus anderen Kulturen zu interagieren. Es erfordert eine gewisse Sensibilität für eine andere, fremde Kultur. Es gilt interkulturelle Unterschiede aus der Herkunft in z.B. Normen, Werten undWeltanschauung in Lebens- und Arbeitssituationen zu bewältigen, um die sozialen Unterschiede zu erkennen und Missverständnisse auszuschließen. Erfolgreich im Sinne von interkultureller Kompetenz ist, wer über interkulturelles Grundlagenwissen und spezifisches Wissen aus einer anderen Kultur besitzt und dieses Wissen situationsbezogen zum Wohle der Gruppe anwendet(Imkamp, 2011).

Alexander Thomas definiert Kulturstandards als Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich persönlich und andere als normal, typisch und verbindlich angesehen werden. Eigenes und fremdes Verhalten wird aufgrund dieses Kulturstandards gesteuert, reguliert und beurteilt (Alexander Thomas & Schroll-Machl, 2005).

Kulturstandards werden aus Ergebnissen empirischer, wissenschaftlicher Untersuchung herausgearbeitet und sind somit ein Resultat von Reflexion und Analyse. Sie entwickeln sich aus real und alltäglich erlebten Handlungssituationen, die von den Angehörigen einer Kultur erklärt werden.(Schroll-Machl, 2002)

Für die deutsche Kultur stellte Alexander Thomas die folgenden 7 Kulturstandards fest.

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Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668895812
ISBN (Buch)
9783668895829
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v461345
Institution / Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn
Note
1,3
Schlagworte
deutsche kulturstandards alexander thomas gefahren nutzen betrachtungsweise

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