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Warum brauchen wir eine geschlechterbewusste Pädagogik in der Kita?

Hausarbeit 2018 13 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gender Definition
2.1 Geschlechterstereotype
2.2 Doing gender
2.3 Geschlecht als Strukturprinzip

3. Genderbewusste Pädagogik
3.1 Warum brauchen wir eine geschlechterbewusste Pädagogik in der Kita?
3.2 Gender Mainstreaming
3.3 Gendersensible Methoden und Möglichkeiten genderreflexiver Sozialer Arbeit in der Kita

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Das Thema dieser Ausarbeitung ist Gendersensible Methoden und Möglichkeiten genderreflexiver Sozialer Arbeit. Im Folgenden werden wir die Begriffe Gender und Sex definieren, und die Begriffe Genderstereotype sowie doing gender erklären. Außerdem auf Geschlecht als Strukturprinzip eingehen. Im weiteren Verlauf gehen wir auf das Thema Genderbewusste Pädagogik ein und wir haben uns noch genauer mit der Frage beschäftigt wie sich das Ganze auf das Arbeitsfeld Kita auswirkt, also „ Warum brauchen wir eine geschlechterbewusste Pädagogik in der Kita?“. Da wir im Laufe unserer Recherche oft auf den Begriff Gender Mainstreaming gestoßen sind und wir es für den weiteren Verlauf als wichtig empfunden haben Bedarf es noch einer kurzen Definition dessen. Abschließend kamen wir dann zu den Gendersensiblen Methoden und Möglichkeiten genderreflexiver Sozialer Arbeit und haben diese anhand einiger Beispiele und Ideen herausgearbeitet.

2. Gender Definition

Nach wie vor wird ein Baby kurz nach der Geburt, nach dem deutschen Personenstandsrecht im Geburtsregister entweder dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht eindeutig zugewiesen, eine dritte Kategorie ist erst vor kurzem, am 10.Oktober 2017 vom ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts in Deutschland entschieden worden. (Vgl. Zeit-Online 2017)

Begonnen hat die Begriffsveränderung von „sex“ zu „gender“ in den 60er Jahren, in den US- Amerikanischen Sozialwissenschaften. Frauen fühlten sich in vielen Bereichen des Lebens benachteiligt und wiesen darauf hin, dass die meisten Verhaltensweisen nur anerzogen seien und nichts mit dem Geschlecht zu tun hätten. Es war demnach eine Errungenschaft der feministischen Bewegung das in den 70er Jahren der englische Begriff gender als Analysekategorie in den Sprachgebrauch aufgenommen wurde, um die Unterscheidungsmöglichkeit zwischen biologischem und sozialen Geschlecht hervorzuheben. Es sollte ein Ansatz entwickelt werden mit dem es gelang, die Veränderbarkeit des Geschlechtes zu ermöglichen. Um den Blick von den körperlichen Merkmalen hin zu den gesellschaftlichen und sozialen Merkmalen zu richten. (Vgl. Schneider 2013: 22)

„Sex“ bezeichnet im englischen das biologische Geschlecht und „gender“ das soziale Geschlecht, die Geschlechtsidentität und die Geschlechterrolle. Im deutschen Sprachgebraucht gibt es diese beiden spezifischen Unterscheidungen nicht einzig der Begriff gender hat sich als Fachbegriff für „Geschlecht“ etabliert. Gender setzt sich demnach aus zwei Faktoren zusammen, das sind zum Einen die biologischen Faktoren aus körperlichen Merkmalen wie Größe, Erscheinung und Stimmlage und zum Anderen die sozialen Faktoren wie zum Beispiel der Namensgebung, welche eine eindeutige Zuordnung im deutschen Recht fordert. Außerdem die Erziehung mit dem damit verbundenen Verhalten das gezeigt oder “antrainiert“ wird. Des Weiteren gibt es viele weitere äußerlich wahrnehmbare Faktoren die zur Unterscheidung von Mann und Frau führen, wie zum Beispiel der Haarschnitt, die Kleidung oder das Verhalten. (Vgl. Universität Bielefeld 2017)

Gegenwärtige Forschung geht davon aus, dass „Geschlecht“ immer soziale, kulturelle, politische und biologische Komponenten beinhaltet, die sich historisch verändern können.“ (Smykalla 2006: 1)

In manchen Gesellschaften gibt es weitere Geschlechterkategorien als nur Mann und Frau. In Deutschland sind es einerseits die Hermaphroditen, diese zeigen bei der Geburt Kennzeichen beider sex-Kategorien auf und andererseits die Gruppe der Transsexuellen, die sich physiologisch eindeutig dem einen oder anderen Geschlecht zuordnen lassen, sich aber im falschen Körper fühlen. (Vgl. Paseka 2009: 20)

2.1 Geschlechterstereotype

Geschlechterstereotype schreiben Personen auf Grund ihrer erkennbaren Geschlechtszugehörigkeit bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen zu.“ (Smykalla 2006: 4) Durch die Selbstdarstellung und die Außenwahrnehmung werden die im laufe des Lebens erworbenen Zuschreibungen permanent aktiviert, wodurch sie als natürlich erscheinen. Stereotype legitimieren zu Ungleichbehandlungen und schreiben damit Menschen nur aufgrund ihres Verhaltens einem Geschlecht zu. Zum Beispiel: Ein kleines Mädchen soll sich liebevoll zeigen, ein kleiner Junge dagegen stark. Das heißt, dass diese starren geschlechtlichen Zuordnungen diskriminierend sind und zu ungleichen Wertungen führen. (Vgl. Smykalla 2006: 4f.)

2.2 Doing gender

Die Zuweisung des Geschlechts, der Geschlechterrollen und die Darstellung dieser wird ‚doing gender’ genannt. Dieses Konzept geht auf: Candace West und Don H. Zimmermann zurück. Diese Beiden verweisen darauf, dass Geschlechter nur deshalb verschieden sind, weil sie verschieden betrachtet werden. Das Geschlecht manifestiert sich also über das was man tut und darstellt. Hierbei wird der Blick auf die soziale Interaktion gelenkt und weg von dem Zusammenhang der Sozialisationstheorien in denen Gender bisher gesehen wurde. Das Verhalten eines Menschen wird oft mit dem Geschlecht als Ursache erklärt „Männer sind halt so!“. Das dies jedoch eine sehr einseitige Betrachtungsweise ist und deshalb zu Stigmatisierungen führt, versuchen Zimmerman und West durch ihre Theorie aufzuzeigen. Sie haben deshalb in Abgrenzung zu den Stereotypien den Begriff doing gender eingeführt. (Vgl. Schneider 2013: 22f.) Diesen beiden Soziologen nach ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass das Geschlecht kein natürliches oder erworbenes Personenmerkmal ist, sondern eine soziale Konstruktion. „Ein Geschlecht hat man nicht einfach man muss es „tun“, um es zu haben.“ (Universität Duisburg-Essen 2017)

2.3 Geschlecht als Strukturprinzip

Die Modelfunktion prägt und beeinflusst, neben Geschlechtsstereotypen, Erziehungs- und Bildungsvorstellung von Eltern und Pädagoge*innen, entscheidend die Entwicklung von Kindern schon in jungen Jahren. Kinder beobachten die Verhaltensweisen anderer und lernen dabei sehr viel über die Aufgaben- und Arbeitsteilung der Geschlechter. Dabei können sie beobachten, dass Frauen vermehrt in fürsorglicheren, pflegenden oder erzieherischen Berufen tätig sind. Männer hingegen in den Bereichen der Politik, Kultur oder Wirtschaft. In jeder Gesellschaft bedarf es bestimmter Strukturen damit das gesellschaftliche Miteinander funktioniert. So sind auch Geschlechterverhältnisse ein wesentlich prägender Bestandteil von gesellschaftlicher Ordnung. Das Geschlecht wird als Strukturkategorie beschrieben, denn es prägt Strukturen. (Vgl. Focks, 2016: 28) „Betont wird daher, dass Geschlecht kein individuelles Merkmal ist, das einzelne Personen beschreibt, sondern Vorstellungen über Geschlecht in Organisationen und gesellschaftlichen Verhältnissen und Regelsystemen eingeschrieben sind. Daher ist auch vielfach von „Geschlechterordnungen“ oder „Geschlechterverhältnissen“ die Rede.“ (Vgl. Smykalla 2006: 5) Strukturen sind wichtig bei der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, für die geregelte Verteilung von Gütern und für eine legitime politische Vertretung. Ebenso für die Weitergabe gemeinsamer Werte und Normen und für die verbindlich zugewiesenen Verantwortungen bestimmter Personengruppen wie Kinder oder ältere Menschen. (Vgl. Focks 2016: 29)

Um diese gesellschaftlich zu leistenden Aufgaben zu verteilen benötigt man Kriterien. Neben der Möglichkeit nach Begabungen, Interesse und Fähigkeiten zu beurteilen kann man ebenso die geschlechtliche Zugehörigkeit als Strukturprinzip heranziehen. Diese Zugehörigkeit wird verbunden mit bestimmten sozialen Orten (u.a. Familie/Öffentlichkeit), Aufgaben und Zuständigkeiten. Das geschlechtliche bestimmte Strukturprinzip ist in unserer Gesellschaft vorherrschend. Ob jemand die Familien- oder Berufsarbeit übernimmt, wer welche berufliche Position einnimmt oder in welchem Arbeitsbereich tätig ist, wird durch das geschlechtlich zugewiesene Strukturprinzip vorgegeben. Das heißt, es besteht eine Rollenvorstellung darüber, wer Z.B. eher in technischen Berufen arbeitet und wer eher in sozialen. Zusammengefasst bedeutet das, mit der Geburt des Kindes ist das vorherrschende Geschlechterverhältnis schon da, es wird nicht erst erworben oder zugewiesen. (Vgl. Focks 2016: 29)

3. Genderbewusste Pädagogik

Genderbewusste Pädagogik ist der Überbegriff für einen reflektierten und bewussten Umgang mit den Geschlechtern. Der Individualität und Vielfalt der Kinder, unter Berücksichtigung der in den Geschlechterverhältnissen vorhandenen sozialen Ungleichheiten, wird Wertschätzung entgegengebracht. (Vgl. Focks 2016: 11f.) „Das Ziel geschlechter- bzw. genderbewusster Pädagogik ist es, Kinder – jenseits von Geschlechterklischees – in ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten zu fördern. Es geht darum sie bei der Ausgestaltung ihrer individuellen Geschlechtsidentitäten zu unterstützen – unabhängig von den jeweils herrschenden Vorstellungen vom „richtigen Mädchen“ und dem „richtigen Jungen““. (Focks 2016: 12)

3.1 Warum brauchen wir eine geschlechterbewusste Pädagogik in der Kita?

Für die soziale und psychische Entwicklung sind die ersten Lebensjahre von wesentlicher Bedeutung. Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr erwerben Kinder eine grundlegende Geschlechtsidentität, ein fundamentales Verständnis von Geschlechterunterschieden und Sexualität wie auch ein Bewusstsein für Geschlechterstereotype. (Vgl. Rohrmann 2009) Da geschlechtsbezogenes Verhalten in den ersten Lebensjahren weniger auftritt als im Grundschulalter wird der Genderthematik von vielen Fachkräften keine Wichtigkeit beigemessen. Trotzdem werden geschlechtsbezogene Verhaltensweisen oftmals bereits in den ersten Lebensjahren von den Eltern erwartet und die Kinder dahingehend erzogen. Auch in Kitas sind Materialien und die vorgegebenen Strukturen der Räume häufig geschlechtsbezogen. (Vgl. Rohrmann 2005) Allgemein gilt für die Arbeit frühpädagogischer Fachkräfte laut des Kinder- und Jugendhilfegesetz – Grundrichtung der Erziehung, Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen „die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern.“ (§ 9 Absatz 3 SGB Vlll) Eine geschlechtersensible Erziehung und Bildung wirkt einerseits dem Ausbau und der Verfestigung von Rollenklischees entgegen und fördert andererseits den Prozess der Identitätsbildung. Deshalb gehört die Sensibilisierung von doing gender Prozessen, zu einer wichtigen pädagogischen Kompetenz auch im Kindergarten. (Vgl. Tenorth; Tippelt 2012: 275).

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Details

Seiten
13
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668949942
ISBN (Buch)
9783668949959
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v461416
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie - Das Rauhe Haus
Note
2,3
Schlagworte
Doing Gender Geschlecht als Strukturprinzip gendersensible Methoden Möglichkeiten genderreflexiver Arbeit

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Titel: Warum brauchen wir eine geschlechterbewusste Pädagogik in der Kita?