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Der sowjetische Wohnraum als Objekt zwischen persönlichem Freiraum und staatlicher Kontrolle

Ein literarisch-musikalischer Vergleich anhand von M. Bulgakovs "Sobač’e Serdce“ und D. Šostakovičs Operette "Moskva, Čeremuški“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 26 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Der Freiraum des Individuums

2. Sobač’e Serdce als Spiegel der sowjetischen Wohnpolitik der 1920er Jahre
2.1 Wohnraumverdichtung durch Umquartierung
2.2 Einschränkungen der persönlichen Freiheit

3. Der sowjetische Wohnungsbau der 1950er Jahre als zentrales Thema der Operette Moskva, Čeremuški
3.1 Die Rolle des Moskauer Stadtteils Novye Čeremuški als Mustersiedlung
3.2 Der Wunsch nach persönlichem Freiraum
3.3 Einflüsse der staatlichen Kontrolle

4. Vergleichende Darstellung der Wohnkultur in Sobač’e Serdce und Moskva, Čeremuški
4.1 Möglichkeiten eines literarisch-musikalischen Vergleichs
4.2 Freiheit und Kontrolle der Wohnung in Sobač’e Serdce und Moskva, Čeremuški

Fazit

Quellenangaben

Einleitung

Kaum eine „der alten Hauptstädte hat sich vor den Augen einer Generation derart verändert“1 beschrieb in den 1960er Jahren ein Augenzeuge den Wandel Moskaus von der „Stadt der goldenen Kuppeln“2 zur modernisierten sowjetischen Großstadt, der „Hauptstadt des Kommunismus“.3 Die Entwicklung von der prämodernen Metropole zum Mittelpunkt der Macht über ein großes Imperium hatte unmittelbaren Einfluss auf das Alltagsleben der Bevölkerung. Bei der Umgestaltung des städtischen Raums nach sozialistischen Maßstäben spielte die Wohnungspolitik eine entscheidende Rolle.

Als politisches und kulturelles Zentrum mit einer steigenden Einwohnerzahl diente die Hauptstadt zu jedem Zeitpunkt der Sowjetperiode als Abbild und Schauplatz unzähliger Werke der Kunst, Musik und Literatur. Veränderungen in der Lebenswelt der Menschen, die in der Wohnkultur zwischen individueller Unabhängigkeit und einer kompletten Überwachung liegen können, spiegeln sich im Text als Artefakt der materialen Kultur unmittelbar wieder. Besonders im 20.Jahrhundert war die russische Wohnkultur vielen unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt, welche das kollektive Gedächtnis und die Textkultur geprägt haben.

Anhand zweier originalsprachlicher Texte4 aus verschiedenen Jahrzehnten soll untersucht werden, inwiefern in beiden Werken ein persönlicher Freiraum des Individuums vorhanden ist und auf welche Art und Weise die Kontrollmechanismen der Staatsmacht in das Alltagsleben eingreifen. Die Gegenüberstellung von einem literarischen Werk mit einem musikalischen Schauspiel soll zeigen, dass sich Veränderungen in der Wohnkultur unmittelbar auf die Darstellung des Alltagslebens in den verschiedenen Künsten auswirken.

Während in Šostakovičs Operette Moskva, Čeremuški die Wohnpolitik der Chruščev-Ära das zentrale Thema ist, steht in Michail Bulgakovs Sobač’e Serdce 5 ein kritischer Blick auf die Errichtung des kommunistischen Regimes und das Experiment mit dem Modell des neuen Sowjetmenschen im Vordergrund. Die Darstellung der Wohnsituation hat dort dennoch an verschiedenen Stellen einen Einfluss auf die Handlung, weshalb es sich lohnt, die stellenweise sehr ausführliche Schilderung des Wohnraums in Bulgakovs Erzählung zur Untersuchung heranzuziehen. Außerdem begründet ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem „Schaffen des Neuen Menschen, des neuen Alltags und der neuen Gesellschaft“6 diese Wahl.

Aufgrund der Fragestellung dieser Arbeit vor dem Hintergrund der Slavistik wird auf eine ausführliche musiktheoretische Analyse der Operette verzichtet, viel mehr sollen inhaltliche Darstellungen der Texthandlung in Liedtext und gesprochenen Sequenzen herangezogen und mit Modellen der Soziologie und Kultursemiotik in Verbindung gebracht werden.

1. Der Freiraum des Individuums

Um Tendenzen und Entwicklungen des persönlichen Freiraums im Gegensatz zu einer totalen Kontrolle erkennen zu können, soll der Begriff der Freiheit zunächst ein wenig genauer betrachtet werden. Im Zusammenhang mit der Wohnkultur spielt hierbei die Theorie des Privaten eine Rolle, wobei sich Erklärungen im Bereich der Kultursoziologie finden lassen.

In „Der Wert des Privaten“ schreibt Beate Rössler, dass „die eigentliche Realisierung von Freiheit, nämlich autonome Lebensführung, nur möglich ist unter Bedingungen geschützter Privatheit“.7 Die Privatheit steht zunächst einmal als semantischer Kontrast zur Öffentlichkeit, wobei eine vollständige Diskussion der verschiedenen Definitionen und Modelle des Privaten und des Öffentlichen an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde.8 Für ein tieferes Verständnis der sowjetischen Wohnkultur lohnt es sich, drei verschiedene Dimensionen von Privatheit und eine allgemeine Beschreibung der Öffentlichkeit zu betrachten, sowie eine Verbindung zur Semiotik zu ziehen.

Rössler beschreibt weiterhin das Vorhandensein dreier verschiedener Dimensionen: der Begriff der lokalen Privatheit wird als Kontrolle über den physischen Zugang zu Räumen und Objekten gesehen; jener der informationellen Privatheit als Zugriff auf Daten oder Wissen und die Möglichkeit, Entscheidungen durch Mitsprache beeinflussen zu können. Die dezisionale Privatheit „orientiert sich an der Grundidee der Kontrolle, und damit nicht der Trennung zwischen einem einzelnen Individuum auf der einen Seite und einer Öffentlichkeit aller anderen auf der anderen“9 und kann durch Handlungen, Verhaltens- und Lebensweisen beschrieben werden. Betrachtet man die Dreiteilung des Kulturbegriffs, so kann eine Verbindung zur Privatheit mit der materialen (lokale Privatheit), mentalen (informationelle Privatheit) und sozialen Kultur (dezisionale Privatheit) gezogen werden.

Zur Realisierung von persönlicher Freiheit ist das Vorhandensein von Privatheit un­verzichtbar, da nur so ein „autonomes Leben und Verhalten“10 entstehen kann. Eine ent­schei­den­de Rolle spielt dabei das Vorhandensein von (Frei-)Räumen, denn nur so kann gewährleistet sein, „dass wir selbst bestimmen wollen und können, wann wir allein, mit bestimmten anderen und mit beliebigen anderen zusammen sein wollen“.11

In diesem Sinne kann eine Staatsmacht allein durch ihre Wohnpolitik die Freiheit der Bevölkerung auf direktem Weg beeinflussen. Dabei ist es möglich, über verschiedene Instrumente auf alle drei Dimensionen der Privatheit Einfluss zu nehmen: lokal durch die Bereitstellung und Vergabe von Häusern, Wohnungen und Zimmern, informationell (also „wer was wie über eine Person weiß“12 ) durch die Kontrolle und Lenkung von personenbezogenen Daten bei der Zuteilung und dezisional durch die Organisation des alltäglichen Lebens z.B. in Wohnkollektiven.

Öffentlichkeit lässt sich ganz allgemein als „sozialer Raum“ definieren, in welchem Kommunikationsprozesse stattfinden.13 Der Begriff des sowjetischen öffentlichen Raums bezeichnet „den physischen Raum als Träger von Botschaften“14 und unterliegt der Kontrolle der herrschenden Staatsmacht. Monica Rüthers beschreibt im einleitenden Kapitel von „Moskau bauen“ sehr treffend, in welchem Verhältnis sich Öffentlichkeit („von oben“) und Privatheit („von unten“) begegnen können:

Zur Produktion von Räumen innerhalb dieser öffentlichen Räume ,von oben‘ kam die Produktion von Räumen ,von unten‘, durch die Menschen im Raum. Sie schufen Räume durch Syntheseleistungen und eigene Anordnungen, durch ihre lebens­weltlichen Verknüpfungen von Orten und Bedeutungen.15

Im sowjetischen Alltag fällt es manchmal schwer, eine genaue Trennlinie zwischen Privatem und Öffentlichem zu ziehen, weshalb im Zusammenhang mit der weit­­verbreiteten Gemeinschaftswohnung, der kommunalka, häufig von einer Halböffentlichkeit die Rede ist.

2.Sobač’e Serdce als Spiegel der sowjetischen Wohnpolitik der 1920er Jahre

Die sowjetische Wohnungspolitik nach der Oktoberrevolution war vor allem für die Bewohner der Großstädte von vielen Veränderungen geprägt und kann als Beginn eines großen Einschnittes in das kulturelle Leben gesehen werden. Die Verwandlung des von Agrarwirtschaft geprägten Zarenreiches in einen Arbeiter- und Bauernstaat mit rasantem Ausbau der Industrialisierung stand im Zeichen großer Bevölkerungsbewegungen, was sich in der Wohnsituation unmittelbar widerspiegelte.

Der Entstehung von Michail Bulgakovs Sobač’e Serdce im Jahr 1925 geht die Phase des Kriegskommunismus (1917-1921) voraus. Infolge der politischen Unruhen mit Bürger­krieg und Revolution kam es vor allem in Moskau und St. Petersburg zu einer enormen Verschlechterung der Wohnsituation. Viele Gebäude waren teilweise zerstört oder vom Zerfall bedroht und es bestand nach mehreren harten Wintern ein großer Renovierungs­bedarf für Wasser- und Abflussleitungen. Aufgrund zweckentfremdeter Nutzung der Wohnungen, z.B. durch Tierhaltung von Bauern, die in die Stadt gezogen waren oder das Verheizen hölzerner Bestandteile, hatte sich deren Zustand vielerorts ebenfalls verschlechtert.

Von den Veränderungen waren sämtliche Schichten der Bevölkerung betroffen. Nach marxistisch-leninistischer Ideologie wurde Privatbesitz enteignet und daraus ein neuer Wohn- und Lebensraum erschaffen, durch den der Weg zu einer klassenlosen Gesellschaft geebnet werden sollte.

2.1 Wohnraumverdichtung durch Umquartierung

In Sobač’e Serdce erleben wir einen Konflikt zwischen der Wahrung des persönlichen Freiraums auf der einen und der Durchsetzung der staatlichen Kontrolle auf der anderen Seite. Filipp Filippovič Preobraženskij, ein Moskauer Arzt und Forscher für Verjüngungs­methoden, lebt mit seinem Haushalt in einer sogenannten „komfortablen Wohnung“ (bogataja kvartira)16, in welcher „die Anzahl der Räume der Anzahl der ständigen Bewohner entspricht oder sie übersteigt“.17 Als Angehöriger des Bürgertums und Besitzer von groß­flächigem Privateigentum scheint es für ihn unvorstellbar zu sein, einen Teil seiner Siebenzimmerwohnung für Umquartierungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Durch Enteignung und die Aufstellung einer Wohnraumnorm18 sollten Zimmer in größeren Wohnungen, die nach den neuen staatlichen Vorgaben „überflüssig“ waren, an Angehörige der Arbeiterklasse vergeben werden. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen wurde im Mai 1920 per Dekret die „Selbst-Einquartierung“ (samouplotnenie) erlassen, welche, wenn sie nicht innerhalb von zwei Wochen durchgeführt wurde, in einer „Zwangseinquartierung“ endete. Dabei wurde erwartet, dass die Besitzer größerer Wohnungen einzelne Zimmer komplett für diese Art der Wohnraumverdichtung zur Verfügung stellten.

Da Filipp Filippovič offenbar der Aufforderung zu freiwilliger Aufnahme von wohnungssuchenden Personen nicht nachgekommen ist, erhält er persönliche Ermahnungen von Švonder, dem Vorsitzenden des Hauskomitees19:

„Wir sind die neue Hausverwaltung ihres Hauses“ [...]
-„Es ging um die Frage der Wohnraumverdichtung…“
- „Es reicht ! Ich habe verstanden . Ist Ihnen bekannt, dass durch einen Beschluss vom 12.August meine Wohnung von sämtlichen Verdichtungs- und Umsiedlungsmaßnahmen befreit ist?“
-„Das ist uns bekannt, - antwortete Švonder, - aber die allgemeine Versammlung ist während der Behandlung ihrer Angelegenheit zu dem Beschluss gekommen, dass Sie eine übermäßig große Fläche bewohnen. Eine vollkommen übermäßige. Sie leben alleine in sieben Zimmern.“
-„Ich lebe und ich arbeite allein in sieben Zimmern und hätte gerne noch ein achtes!“ 20

Der Ursprung dieses Konfliktes auf staatlicher Ebene liegt in der Verabschiedung der Neuen Wohnungspolitik (Novaja Žiliščnaja politika= NŽP), die 1921 gemeinsam mit der NĖP (Novaja Ėkonomičeskaja Politika) erfolgte. Einerseits war die Neue Wohnungspolitik ein Eingeständnis, dass der Staat zu Unterhalt und effektiver Verwaltung des Wohnraums nicht mehr in der Lage war21, andererseits stellte sie eine weitere Möglichkeiten dar, um allmählich eine flächendeckende Kontrolle über das Leben der Bevölkerung zu erlangen, da Wohnungen zu einem Machtinstrument wurden.22 Infolge der Enteignung fühlte sich kaum jemand für die Instandhaltung gemeinsam genutzter Räume verantwortlich, was für zusätzlichen Verfall sorgte und von Filipp Filippovič spöttisch als Begleiterscheinung des Kommunismus dargestellt wird:

„Warum ist der Läufer von der Haupttreppe verschwunden? Verbietet denn Karl Marx Treppenläufer?“ 23

Der Verfall des Wohnraums kann der Ansicht des Professors zufolge als Symbol für den Verfall (razrucha) der gesamten Gesellschaft durch die Einflüsse des Kommunismus gesehen werden:

»Was ist denn dieser Verfall? [...] Eine Alte mit Krückstock, eine Hexe, die alle Fensterscheiben eingeschlagen und alle Lampen gelöscht hat? [...]»Die Sache ist so: wenn ich, statt jeden Abend zu operieren, plötzlich anfange, in meiner Wohnung im Chor zu singen, ruiniere ich meine Praxis.“ 24

Die von der sowjetischen Regierung eingesetzten Hauskomitees waren ein wichtiges Element der Wohnungspolitik der 1920er Jahre, denn sie waren neben der Umverteilung auch für „Verwaltung und Instandhaltung der Hauser sowie für revolutionäre Kulturarbeit“25 zuständig. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum Filipp Filippovič so oft ungebetenen Besuch bekommt und den allabendlichen Chorgesang von Aufbau- und Arbeiterliedern ertragen muss. Außerdem scheint in seinem Haus der Schwerpunkt auf Verwaltung (Überwachung) und Kulturarbeit zu liegen, die Instandhaltung bleibt ein großes Problem:

„Das Kalabuchovsche Haus ist verfallen. [...] Zuerst ertönt jeden Abend Gesang, dann frieren die Toilettenrohre zu, dann geht der Heizungskessel kaputt und so weiter.“ 26

Normalerweise drohte bei Nichtbefolgung der Anweisungen des Hauskomitees der Verlust der kompletten Wohnung27, durch wichtige Kontakte jedoch gelingt es dem Professor nach einem kurzen Telefongespräch, offenbar mit einem einflussreichen Bekannten, vorerst die Souveränität seiner Wohnung zu erhalten. Obwohl Bulgakov in Sobač’e Serdce eine fiktive Handlung beschreibt, sind Fakten des realen sowjetischen Alltagslebens eingeflossen, deren satirische Verarbeitung und unverkennbare Nähe zur Realität einer der Hauptgründe für das bis 1987 anhaltende Verbot der Veröffentlichung des Werkes war.

Doch trotz des großen Mangels an Wohnraums wurden innerhalb des nächsten Jahrzehnts von staatlicher Seite kaum Neubauten geplant, sondern stattdessen Maßnahmen der Verdichtung und Umverteilung durchgeführt. Erst mit dem Ende der NĖP und der Verabschiedung des 1. Fünfjahresplans 1928-1932 sollte eine neue Phase der Wohnungs­politik beginnen, in welcher eine mindestens ebenso große Wohnungsnot aufgrund der voran­schreitenden Kollektivierung und Industrialisierung bestand und die „disziplinierende Funktion des Wohnraums“28 als Druckmittel (aus-)genutzt wurde.

2.2 Einschränkungen der persönlichen Freiheit

In den wiederkehrenden Begegnungen Filipp Filippovičs mit der Hausverwaltung wird deutlich, wie weit der Eingriff in den persönlichen Freiraum der Bewohner vorgedrungen ist; nun soll nicht nur vorgeschrieben werden, wie viele Räume in einer Wohnung zur Verfügung stehen, sondern auch wie diese genutzt werden:

„Das Untersuchungszimmer lässt sich wunderbar mit dem Arbeitszimmer verbinden.“
- „Soso“, sagte Filipp Filippovič mit seltsamer Stimme, „und wo soll ich denn essen?“
- „Im Schlafzimmer“, antworteten alle vier im Chor.
- „Im Schlafzimmer essen“, sagte er [Filipp Filippovič L.G.] mit etwas belegter Stimme, „im Untersuchungszimmer lesen, im Sprechzimmer ankleiden, im Mädchenzimmer operieren und im Esszimmer Patienten untersuchen?!“ 29

Hier findet eindeutig ein Eingriff auf die autonome Lebensführung statt. Die bisherige Funktion der Räume spielte nämlich kaum eine Rolle; die üblichen Grenzen, nach denen ein bestimmter Bereich einer speziellen Handlung, wie z.B. Essen oder Schlafen zugeordnet war, wurden aufgelöst und es entstanden aufgrund des Platzmangels hauptsächlich Allzweckräume, in denen eine ganze Familie wohnte. Somit „wurde ein totaler Raum geschaffen, in dem nicht nur der Alltag, sondern auch das sowjetische Leben in all seinen Facetten verdichtet wurde.“30

Hier finden sich Berührungspunkte mit verschiedenen Dimensionen der eingangs erwähnten Privatheit. Während die Tatsache, dass aus einer bestehenden Wohnung Zimmer abgegeben werden sollen, einen Angriff auf die lokale Privatheit darstellt, handelt es sich bei dem Verzicht auf bestimmte rituelle Handlungeweisen (z.B. Schlafen in der

[...]


1 Schneidereit 1964, S.401 zit nach: Neef 2010, S.339.

2 Rüthers 2007, S.18.

3 Ebd., a.a.O.

4 Im Sinne der „Ausdehnung und Universalisierung des Textbegriffs“ (Nünning 2008, S.393) in der gegenwärtigen Forschung wird in dieser Arbeit auch die Operette, ein Musikstück mit sprachlicher Handlung, als Text bezeichnet.

5 Als deutsche Übersetzung des Titels wurde „Das Hundeherz“ oder „Das hündische Herz“ gewählt.

6 Schahadat 2004, S.150.

7 Rössler 2001, S.137.

8 Für eine ausführliche Begriffsbestimmung des Privaten siehe ebd., S.16ff.

9 Ebd., S.136.

10 Ebd., S.137.

11 Ebd., a.a.O.

12 Rössler 2001, S.201.

13 Vgl. Rüthers 2007, S.19.

14 Ebd., S.22.

15 Ebd., a.a.O.

16 Meerovič 2008, S.50.

17 Lenin 1979, S.380, zit. nach: Meerovič 2008. S.50.

18 Anzahl der durchschnittlichen Wohnfläche in Quadratmetern pro Person. Die Wohnraumnorm in Moskau verkleinerte sich von 1920 – 1926 von 9,3 qm auf 5,3qm (vgl. Meerovič 2008, S.50).

19 Wichtiger Bestandteil der Neuen Wohnungspolitik war die Einführung von kooperativen Wohn- und Pachtgenossenschaften (жилищно - арендно кооперативное товарищество = ЖАКТ ) , deren Verwaltung einem Hauskomitee (домком) oblag.

20 «Мы – новое домоуправление нашего дома» [...] -Вопрос стоял об уплотнении...-Довольно! Я понял! Вам известно, что постановлением от двенадцатого августа моя квартира освобождена от каких бы то ни было уплотнений и переселений?

- Известно,-ответил Швондер,-но общее собрание, рассмотрев ваш вопрос, пришло к заключению, что в общем и целом вы занимаете чрезмерную площадь. Совершенно чрезмерную. Вы один живете в семи комнатах.-Я один живу и работаю в семи комнатах, -ответил Филипп Филиппович.- и желал бы иметь восьмую.» Bulgakov 1992, S.136. Übersetzung: L.G. (Aufgrund von Kürzungen in den deutschen Übersetzungen des Werkes erfolgt an manchen Stellen dieser Arbeit die Übersetzung durch die Autorin).

21 Vgl. Meerovič 2008, S.51.

22 „Neue Wohungspolitik und NEP änderten nichts am Prinzip der staatlichen Kontrolle in der Wohnungspolitik“ (Meerovič 2008, S.52.)

23 «Почему убрали ковер с парадной лестницы? Разве Карл Маркс запрещает держат на лестнице ковры?» Bulgakov 1992, S.143. (Übersetzung: L.G.)

24 «Что такое эта ваша разруха? [...] Ведьма, которая выбила все стекла, потушила все лампы? [...] –Это вот что: если я, вместо того чтобы оперировать, каждый вечер начну у себя в квартире петь хором, у меня настанет разруха!» Bulgakov 1992, S.144.

25 Evans 2011, S. 33.

26 «Пропал калабуховский дом! [...]Вначале каждый вечер пение, затем в сотирах замерзнут трубы , потом лопнет котел в паровом отеплении, и так далее.» Bulgakov 1992, S.143, (Übersetzung:L.G.)

27 Vgl. Oberteis 2004, S.407.

28 Meerovič 2008, S.53.

29 «Смотровую прекрасно можно соединить с кабинетом. -Угу, молвил Филипп Филиппович каким-то странным голосом,-а где же я должен принимать пищу?- В спальне, - хором ответил все четверо. - В спальне принимать пищу, - заговорил он [Филипп Филиппович, L . G .] немного придушенным голосом, - в смотровой читать, в приемной одеваться, оперировать в комнате прислуги, а в столовой осматривать?!» Bulgakov 1992, S.137. Übersetzung zit. nach Evans 2011, S.31.

30 Evans 2011. S. 32.

Details

Seiten
26
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668911789
ISBN (Buch)
9783668911796
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v461752
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,0
Schlagworte
Wohnung Sowjetunion Politik

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Titel: Der sowjetische Wohnraum als Objekt zwischen persönlichem Freiraum und staatlicher Kontrolle