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Warum zeigen deutsche Fußballfans homophobe Verhaltensweisen?

von Johanna Günther (Autor)

Hausarbeit 2017 11 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Homophobie
2.2 Verhaltensweisen
2.3 Fan

3 Homophobe Verhaltensweisen im Fanblock
3.1 Homoerotik im Fußballstadion
3.2 Fanprojekte gegen Homophobie

4 Hintergründe homophober Verhaltensweisen im Kontext Fußballsport

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit einigen Jahren legen SportlerInnen ihre Homosexualität offen dar. Beispiele hierfür sind die Tennisspielerinnen Martina Navratilova und Amélie Mauresmo oder die Radsportlerin Judith Arndt (vgl. Kroemer 2013). Betrachtet man den deutschen Fußball, gibt es einige lesbische Sportlerinnen wie deutsche Nationalspielerin Ursula Holl, die öffentlich zu ihrer sexuellen Neigung steht (vgl. Bowen 2013). Das Bild ändert sich allerdings schlagartig, wenn man sich den Männer-Fußball anschaut. Bisher outete sich öffentlich unter anderem der US-Fußballer Robbie Rogers, der kurz nach seinem Outing eine Pause vom Fußball einlegte oder der ehemalige Nachwuchsoberliga–Spieler Marcus Urban vom FC Rot-Weiß Erfurt (vgl. Vetter 2013). Ein öffentliches Outing eines männlichen Profifußballers in Deutschland hat es bis zum heutigen Zeitpunkt aber noch nicht gegeben. Der ehemalige Torwart Oliver Kahn rät aktiven Fußballern auch von einem Outing ab und erklärt dies damit, dass der soziale Druck auf den jeweiligen Spieler enorm werden würde (vgl. Gebert 2013). Dieser Druck entfaltet sich meistens im Fußballstadion in Gestalt von Bannern, Gesängen und anderen Verhaltensweisen mit homophober Färbung (vgl. Dembowski, S. 140) Hierauf wird in Kapitel 3 näher eingegangen.

In der vorliegenden Hausarbeit werden daher homophobe Verhaltensweisen von Fans im deutschen Fußballsport thematisiert. Der Fokus liegt dabei nicht auf dem Frauen- sondern dem Männerfußball, um das Thema einzugrenzen und weil die Herangehensweise an die Thematik der Homosexualität im Frauenfußball eine andere ist als die des Männerfußballs. Ein weiterer Grund dafür ist, dass der Männerfußball wie keine andere Sportart in Deutschland im Fokus der Öffentlichkeit steht (vgl. Dembowski, S. 10) und ein Sport ist, der von der Zurschaustellung von Männlichkeit stark geprägt ist (vgl. Brändle/Koller 2002, S. 217). Dies wird in Kapitel 3 näher beschrieben. Im Rahmen dieser Ausarbeitung soll zusätzlich auf eine Paradoxie hingewiesen werden, welche im Zusammenhang mit homophoben Verhaltensweisen und dem Verhalten der Fans im Stadion entsteht, welche in Kapitel 3.1 näher erläutert werden. Aus diesen Gründen ist es angemessen, den Fokus dieser Ausarbeitung auf homophobe Verhaltensweisen von Fans im deutschen Männerfußball zu richten und darzulegen, welche Ursachen beziehungsweise Hintergründe Homophobie haben kann. Im Anschluss daran wird versucht, einen Zusammenhang zwischen der Homophobie der Fans, Männern und Fußball herzustellen. Hierbei werden überwiegend Arbeiten von Almut Sülze, Tatjana Eggeling, Gerd Dembowski und Tanja Walther genutzt. Zum Schluss folgt ein Fazit und ein Ausblick unter anderem darauf, wie ein Outing eines latent schwulen Fußballers von statten gehen könnte.

2 Begriffsbestimmungen

Im Rahmen dieser Hausarbeit ist es notwendig, einige Begriffe zu definieren. Dies gilt insbesondere für Schlüsselbegriffe, die im unmittelbaren Zusammenhang zur angeführten Thematik stehen und somit oft in dieser Arbeit verwendet werden. Zudem sollen die Begriffsbestimmungen zum besseren Verständnis des Gesamtkontextes beitragen.

2.1 Homophobie

Susan Pharr beschreibt Homophobie als eine irrationale Angst und der Hass gegen Personen, die Menschen des gleichen Geschlechts lieben und sexuell Begehren (vgl. Pharr 1988, S. 1). Ergänzend hierzu definiert Karin Lützen Homophobie als die Angst von Heterosexuellen, die ihre eigenen homosexuellen Seiten ablehnen und verdrängen (Lützen 1990, S. 349). Auf die Hintergründe der Homophobie insbesondere im Kontext Sport wird in Kapitel 4 näher eingegangen.

2.2 Verhaltensweisen

Anthony Robbins beschreibt Verhalten als das, was eine Person tut oder lässt sowie die Art und Weise. Folglich sei das Verhalten das konkrete Handeln eines Menschen. Verhalten könne sich beispielsweise in Bewegungen, Stellungen, Körperhaltungen und Atmung, Gesten und Motorik, Lautäußerungen sowie Worte und Stimmlage äußern.

Laut Robbins fallen unter den Begriff Verhaltensweise alle sichtbaren Bewegungsabfolgen eines Lebewesens, welche man von anderen Bewegungsabfolgen unterscheiden könne (vgl. Robbins 2013).

Die homophoben Verhaltensweisen der Fans im Fanblock werden in Kapitel 3 näher beleuchtet.

2.3 Fan

Mike Schäfer und Jochen Roose definieren den Begriff Fan als eine Person, die „längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert“ (Schäfer & Roose 2005, S.51). Im Kontext der vorliegenden Seminararbeit ist das Objekt der Fußballsport.

3 Homophobe Verhaltensweisen im Fanblock

Im Fußballsport dienen die Fußballstadien den Männern als Ort, an dem sie ihre Männlichkeit inszenieren können (vgl. Lehnert 2005, S. 83) und als einer der letzten Orte, an dem sie ihre Männlichkeit mit der „Evidenz des Selbstverständlichen“ durchzusetzen vermögen (vgl. Bourdieu 2005, S. 154). Der Fußball ist ein sogenannter Männerbund, der sich nicht nur dadurch auszeichnet, dass Frauen ausgeschlossen werden, sondern auch dadurch, dass im inneren Kern dieser Männerbünde spielerisches Können und Gemeinschaftlichkeit geübt werden. Der Sport dient somit auch als Sozialisationsagentur, die eine Einheit fördert, in der aufeinander abgestimmte individuelle Einzelteile als Gesamtkonstrukt funktionieren. Ein Merkmal dieses Gesamtkonstrukts ist die strikte Desexuierung beziehungsweise die Dethematisierung der sexuellen Identität sowie des sexuellen Begehrens (vgl. Heidel 2005, S. 108). Tatjana Eggeling begründet dies unter anderem mit der Einstellung der Fans, dass Sexualität nicht zum Sport, sondern in das Privatleben gehöre. Homosexuelle Männer werden oft mit Attributen wie liebevoll, weich, zögerlich, schwach und unmännlich versehen (vgl. Eggeling 2005, S. 100). Dies entspricht dem genauen Gegenteil vom Stereotyp „Mann“, denn das klassische Männerbild ist geprägt vom autoritären Härteideal, welches ganz besonders für den Fußballsport gilt. Hier sind „wahre“ Männer hart, durchsetzungsstark, groß, einsatzfreudig und heterosexuell (vgl. Dembowski 2002, S. 219). Bourdieu beschreibt Aspekte der Männlichkeit als klare Geschlechterabgrenzung von „Mann“ und „Frau“, der Zurschaustellung der Männer von Sexismus, Chauvinismus sowie tiefverwurzelter Homophobie (vgl. Bourdieu 1997, S. 186). So werten Fans die Spieler im Stadion ab, indem sie „schwul“ als Schimpfwort nutzen und in Sprechgesänge wie beispielsweise „Uwe Kamps ist homosexuell“, nach der Melodie des Liedes „Yellow Submarine“ der „The Beatles“, einbauen (vgl. Dembowski 2002, S. 140). Als Männerbund und Einheit schließen sich die heterosexuellen, männlichen Fans zusammen als „wir“, wobei die homosexuellen Männer die „anderen“ sind und somit nicht zugehörig zum Männerbund (vgl. Bromberger 2006, S. 48).

Zudem sind Verhaltensweisen wie das Schwingen aufgeblasener Bananen, Slogans auf Bannern, Karikaturen auf Spruchbändern, herausfordernde und ablehnende Gesten und Gesänge, deren Texte die Männlichkeit der Spieler der gegnerischen Mannschaft oder auch die des Schiedsrichters angreift, zu beobachten. Allerdings sind nicht nur sichtbare Verhaltensweisen festzustellen, sondern eben auch latente, wie beispielsweise das Schweigen über und das Ignorieren von Homosexuellen im deutschen Fußballsport.

Im Fanblock sind allerdings nicht nur homophobe Verhaltensweisen festzustellen, sondern auch intensiver Körperkontakt unter den Männern wie zum Beispiel innige Umarmungen, Küssen und Weinen (vgl. Bromberger 2006, S. 48). Auf diese Verhaltensweisen wird in Kapitel 3.1 eingegangen.

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668910737
ISBN (Buch)
9783668910744
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v461766
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,7
Schlagworte
Sport Gender Geschlecht Sportwissenschaft Sportwissenschaften Körper Body Körper Medium gendergespezifisch geschlechtsspezifisch LGBT Schwul Hooligans Fans Fussball Ballsport Deutscher Sport Deutschland Kultur Fußball Kultur Homophobie homophob Konstruktion Sportsoziologie Fan

Autor

  • Johanna Günther (Autor)

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