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Pferdesport. Das stille Leiden der Pferde

Eine sport- und tierethische Betrachtung des Pferdesports

Essay 2019 9 Seiten

Ethik

Leseprobe

Pferdesport, das stille Leiden der Pferde

„Pferdesport - das stille Leiden der Pferde“, ein Titel, den die weltweit größte Tierschutzorganisation PETA auf ihrer Internetseite für einen ihrer Artikel nutzt. In dem genannten Artikel werden nur negative Darstellungen verschiedener Reitsportdisziplinen aufgelistet.1 Ausdrücke und Formulierungen wie „Pferde werden zu Sportgeräten 'degradiert' und müssen 'funktionieren'“ oder auch „Kommt es beim Sprung über ein Hindernis zum Sturz und zu einer Fraktur des Pferdebeines, ist das Tier für den Sport 'unbrauchbar' und wird häufig zum Schlachter gebracht.“2 Eine Häufung von dramatisierten Darstellungen, mit denen man den Reitsport so nicht verallgemeinern kann. Die Aussagen können an Beispielen nachvollzogen werden, spiegeln aber nicht den Alltag des Reitsports wieder.Von der PETA-Redaktion beschriebenen Situationen sind, wie sie angeben, tatsächlich häufig vorkommend, sollten aber aus verschiedenen Perspektiven gesehen werden. Auf den ersten Blick erscheint das Bild vom Pferd, das auf die Schlachtbank geführt wird, als grausam und unmenschlich. Aber analysiert man die Situation genauer, sieht es etwas anders aus. Zieht sich ein Pferd eine Fraktur des Beines zu, egal ob aufgrund eines Unfalls am Sprung oder eines Stolpern auf der Weide, ist es oft die humanere Lösung das Pferd von seinen Schmerzen zu erlösen. Pferde sind Herdentiere mit einem ausgeprägten Fluchtinstinkt. Ein Pferd, dass nicht laufen kann, ist nicht lebensfähig, da es seinen angeborenen Fluchtinstinkt nicht folgen kann. Das schnelle Losrennen bei einer potentiellen Gefährdung gewährleistet schon seit Urzeiten das Überleben eines Pferdes. Ein bewegungsunfähiges Tier wäre in der Natur dem Tode geweiht. Dieser Instinkt ist noch immer im modern gezüchteten Pferd verankert. Es gibt bislang keine artgerechte Möglichkeit, dass das Pferd ein oder mehrere gebrochene Gliedmaßen schonen kann. Unter anderem wäre durch die moderne Tiermedizin eine Möglichkeit eine Hängeaufrichtung in der Box oder ähnliches zu installieren, um Gliedmaßen des Pferdes zu schonen und zu entlasten und eine Heilchance zu ermöglichen. Dies würde aber potenziell zu Depressionen und anderen Verhaltensstörungen führen und somit der Gesundheit des Pferdes wieder schaden . Um die Aussage seitens PETA einschätzen zu können , dass die Tötung eines Pferdes durch einen Schlachter erfolgt, sollte man sich die Vorgänge des Töten eines Tieres bewusst vor Augen führen. Auch ein Tierarzt beendet tierisches Leben. Die schnelle Tötung durch einen gezielten Bolzenschuss des Schlachters ist manchmal die bessere Lösung, als das Pferd durch einen Tierarzt erst Betäuben zu lassen, damit im Nachhinein die Spritze mit dem Mittel zum Einschläfern gesetzt werden kann. Beim Vorgang des Einschläfern kann das Pferd beim Umfallen noch unter Bewusstsein sich körperlich verletzen, sollte es unglücklich gegen Wände oder zu Boden fallen. Und sollte die Dosis der tötenden Medikation zu gering sein, was bei einer solchen Körpergröße durchaus passieren kann, quält sich das Tier noch lange bis schlussendlich irgendwann das Herz zum Stillstand kommt. Es mag jedem, der mit Pferden Umgang hat, selbst überlassen sein, welche Tötungsart er für angebracht hält, sollte er jemals vor die Entscheidung gestellt werden, sein Pferd von unnötigen Qualen und Schmerzen zu erlösen. Auch im sportlichen Wettkampf kann es auf einem Gelände von Reitsportturnieren zu Situationen kommen, in denen eine schnelle Entscheidung zur Tötung getroffen werden muss. Aus diesem Grund befinden sich bei Veranstaltungen nicht nur Sanitäter sondern auch Tierärzte vor Ort, die in Notfallsituationen schnell eingreifen können. Wie bisher zu erkennen ist, würde ich gerne alle Argumente von PETA gegen den Reitsport aufführen und versuchen dagegen zu argumentieren. Aufgrund der Vielzahl von Pferdesportarten möchte ich mich speziell auf die Disziplin Dressur beschränken und mich auf ein paar Aussagen von PETA dazu konzentrieren.

Schmerzen in der Ausbildung

„Die Ausbildung des Pferdes ist nicht ohne Schmerzen zu erreichen“, zitiert PETA nach H.Meyer3. Hier ist auffällig, dass auf der dargestellten Internetseite keine fettgedruckte Schrift derartig genutzt wird, wie an dieser Stelle. Es scheint, dass die Tierschutzorganisation den tierquälerischen Schmerzaspekt besonders hervorheben möchte. An dieser Stelle möchte ich den Begriff des Pferdeflüsterers in den Raum werfen. Ein Begriff den vielen Menschen eher romantisieren und mit dem Film „der Pferdeflüsterer“ mit Robert Redford aus dem Jahr 1998 oder dessen Romanvorlage in Verbindung setzten. Aber es gibt sie wirklich. Menschen, die eine andere Art der Kommunikation zu Pferden nutzen als andere. Einer der bekanntesten ist der US-Amerikaner Monty Roberts4. Monty Roberts wurde weltweit bekannt durch seine Join-Up-Methode, eine Ausbildungs-Methode, die auf schmerzfreier Kommunikation zwischen Pferd und Mensch basiert. Diese Art der Kommunikation ist auch als „Natural Horsemanship“ bekannt und wird unter anderem auch von Pat Parelli betrieben, ebenfalls eine Koryphäe auf diesem Gebiet.5 Die Erfolge Monty Roberts' sprechen für ihn. Schon 1989 trainierte er auf Einladung der Queen deren Pferde auf Windsor Castle6 und veröffentlichte viele Bücher zu seinen Trainingsmethoden. Sein Buch „Der mit den Pferden spricht“ wurde in 17 Sprachen veröffentlicht. Außerdem wurde seine Methode der Kommunikation und des Vertrauens auf die Arbeitswelt der Menschen übertragen. Unternehmen wie die Walt Disney Corp. oder General Motors greifen auf sein Business-Management-Programm zurück. Die Ausbildung eines Pferdes muss nicht unter Schmerzen für das Tier geschehen. Der Mensch hat die Wahl auch anderweitig ein Pferd auszubilden und sie auf kontaktlose Kommunikation aus Gesten und Körpersprache aufzubauen.7

Dressurreiten ist unnatürlich

„Pferde werden gezwungen, untypische und komplizierte Bewegungsabläufe wie beispielsweise Pirouetten auszuführen“. Mit dieser Aussage argumentiert PETA für die Unnatürlichkeit der im Dressursport gerittenen Lektionen.8 An dieser Stelle möchte ich gegen argumentieren, indem ich behaupte, dass „die Lektionen auf natürlicher Bewegungsfolge basieren“9. Alle Lektionen, die innerhalb der Dressur geritten werden haben ihren Ursprung in den natürlichen Bewegungen des Pferdes. Eine schnelle Wendung auf der Hinterhand des Pferdes, also auf den Hinterbeinen, ist nichts grundsätzlich Unnatürliches. In einer Fluchtsituation kann man eine solche Bewegung beobachten. Um von der Gefahrenquelle schnellstmöglich Abstand zu gewinnen, vollzieht ein Pferd eine schnelle Wendung auf den Hinterbeinen um sich selbst, bevor es davon läuft. In der Lektion der Galopp-Pirouette wird der Bewegungsablauf des Wendens als Grundlage genommen und variiert. Dennoch können solche komplexen und teilweise auch komplizierten Abläufe in der Bewegung des Pferdes nicht einfach so und ohne jegliche Grundlage von ihm erwartet oder ausgeführt werden. Wie in jedem Sport bedarf es einer guten Ausbildung und bestimmten Konstitution bis angestrebte Lektionen oder Ziele erreicht werden können. Ich kann von einem Sportler im Kindesalter keine ähnliche Leistung erwarten, wie von einem geübten älteren Sportler mit mehr Erfahrung und trainierterem Körperbau. Würde man eine solche Wettkampfsituation schaffen, wären die Verhältnisse unausgeglichen und ein fairer Wettkampf wäre nicht möglich. Eine ähnliche Einschätzung lässt sich auch auf den Reitsport übertragen. Unter Reitern wird gesagt, dass ein Junger Reiter auf ein altes Pferd gehört und ein alter Reiter auf ein junges Pferd. Eine Aussage, die aus Erfahrungswerten ihre Bedeutung zieht. Gemeint ist, dass ein junger Reiter mit einem gut ausgebildeten älteren Pferd oft besser zurecht kommt und von diesem lernen kann, während Erwachsene, die körperliche stärker sind und mehr Erfahrung haben, meist ein junges Pferd besser handhaben können. Oft ist dies auch auf Turnierplätzen zu beobachten, wo in den niedrigen Klassen für Anfänger, Kinder mit erfahrenen und älteren Pferden zu sehen sind, während überwiegend Erwachsene in den Prüfungen für Jungpferde an den Start gehen. Zu beobachten ist ebenfalls, dass ein Sportpferd im Training einen bemuskelteren Körperbau vorweist, als ein Jungpferd in der Ausbildung. Diese körperlichen Unterschiede können in Wettkämpfen Sieg und Niederlage bedeuten. Zum Beispiel, wenn Lektionen gezeigt werden, in denen das Pferd über einen längeren Zeitraum diverse Muskelpartien vermehrt einsetzt. Zur Ausbildung eines Pferdes richtet man sich nach der Ausbildungsskala10, um ein Tier nicht von vornherein zu überfordern. Im Turniersport Reiten gibt es verschiedene Leistungsklassen in denen sich die Sportler miteinander messen. Angefangen von der „Einsteiger“-Klasse (E), über „Anfänger“ (A), „Leicht“ (L), „Mittel“ (M) bis hin zu der höchsten klasse „Schwer“ (S). Jene Wettbewerbe richten sich nach Wettbewerbs- und Prüfungsordnungen. In diesen Richtlinien lassen sich alle wichtigen Informationen für den Turniersport finden. U.a. Regelungen zur Ausrüstung und den angeforderten Lektionen. Jeder Reiter, der an einem sportlichen Wettkampf mit seinem Sportpartner Pferd teilnimmt, akzeptiert und hält sich an diese Richtlinien. Zumindest ist dies die gewünschte Vorstellung. Wie in jedem Sport gibt es auch hier Probleme wie Doping, unerlaubte Medikation, Manipulation und ähnliches. Vermehrt auch in den Medien diskutiert ist die sogenannte „Rollkur“, zu der ich später noch einmal zurück kommen werde.

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1 https://www.peta.de/faktenpferdesport

2 https://www.peta.de/faktenpferdesport

3 https://www.peta.de/faktenpferdesport

4 https://www.montyroberts.com/ab_about_monty/ju_about/

5 Vgl Parelli, Pat; Natural Horse-Man-Ship

6 Roberts, Monty; Die Sprache der Pferde, S.335

7 Vgl. Roberts, Monty; Die Sprache der Pferde, Abbildung S. 27

8 http://peta.de/faktenpferdesport

9 http://www.barocke-traumpferde.com/hohe-schule/

10 Otte-Habenicht, Michaela ; Die Reitabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, S.120

Details

Seiten
9
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668918801
ISBN (Buch)
9783668918818
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v461790
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
unbenotet
Schlagworte
Sportethik Pferdesport Reitsport

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Titel: Pferdesport. Das stille Leiden der Pferde