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Rollen und Strategien von Nicht-Regierungsorganisationen in der internationalen Umweltpolitik

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und historischer Rückblick

3. NGOs und theoretische Ansätze der Internationalen Politik

4. Rollen und Strategien der Umwelt-NGOs
4.1 Die Expertengruppen
4.2 Die Lobbyarbeit
4.3 Die Moralisten

5. Schlussbemerkungen

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Vor dem Hintergrund der Globalisierung nehmen immer häufiger zivilgesellschaftliche Akteure Einfluss auf die globale Politikgestaltung. Zu den Zivilgesellschaften zählen gemeinnützige Organisationen, Initiativen und Vereine, die schwerlich dem Markt oder dem Staat zugeordnet werden können. Man kann sagen, dass die Zivilgesellschaft auf verschiedenen Formen des kollektiven Handels beruht, insbesondere das Handeln zwischen den etablierten Institutionen und dem privaten Bereich. Daher wird die Zivilgesellschaft auch als sogenannter „Dritter Sektor“ bezeichnet. Im Rahmen der Global Governance-Ansätze wird dem Dritten Sektor eine zentrale Bedeutung zugemessen. Dabei handelt es sich überwiegend um sogenannte Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), die in verschiedenen Bereichen, wie z.B. Umweltund Sozialstandards, Entwicklungshilfe und Menschenrechte, ihre Aktivität zeigen. Namhafte Organisationen sind hierbei unter anderem Greenpeace, Amnesty International und Oxfam. Ihre Mitglieder arbeiten fast ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis um eine bestimmte Zielsetzung durch Beeinflussung der Politik und Wirtschaft, oder auch durch die gezielte Kommunikation mit den Bürgern, zu verwirklichen. Die vorliegende Arbeit möchte sich speziell mit den NGOs befassen, die sich für die Umwelt einsetzen und dabei versuchen im Bereich der Umweltpolitik Einfluss auszuüben. Hierbei ist es notwendig einen Ü berblick über wichtige historische Begebenheiten in der Entstehungsgeschichte der NGOs zu schaffen, damit klar wird, dass diese Organisationen eher eine junge Geschichte in der Partizipation innerhalb der Politik besitzen. Daraufhin gehe ich näher auf die offizielle Definition der Vereinten Nationen ein. Außerdem werde ich versuchen die Stellung der NGOs in der Internationalen Politik theoretisch anzuschneiden, um so die umweltpolitischen Rahmenbedingungen zu beleuchten. Hierzu werde ich auf die unterschiedlichen Rollen und Strategien der NGOs zu sprechen kommen ohne mich dabei konkret nur auf eine einzelne NGO zu beschränken. Ich habe mich dazu entschlossen auf die Expertengruppen, die Lobbyarbeit und die Moralvorstellungen der Umweltschutz-NGOs einzugehen. Weitere Kategorien sind zur Vertiefung denkbar, wie z.B. die Verbraucheraktivisten, aber für die vorliegende Arbeit genügen die drei erstgenannten. Sie Spiegeln ausreichend die Methodik der NGOs wieder und erlauben genügend Beispiele die zum Verständnis beitragen. In einem letzten Schritt möchte ich die Rolle von NGOs innerhalb der Umweltpolitik resümieren und klarstellen, inwieweit sie Teil der internationalen Politik sind.

2. Definition und historischer Rü ckblick

Bevor ich mich der allgemeinen Definition von Nicht-Regierungsorganisationen (im folgenden NGOs) widme, ist ein kurzer Blick in den historischen Werdegang der NGOs von Vorteil. Dafür ist es notwendig mit dem 19. Jahrhundert zu beginnen und sich auf einige wenige, aber dafür wichtige Ereignisse zu beschränken, die den Grundstein für die Entwicklung und Ausbreitung der NGOs legen.

1839 wird eine der Ersten Menschenrechtsorganisationen der Welt, die Foreign Anti-Slavery Society (Anti-Sklaverei-Gesellschaft), gegründet. Diese Organisation macht sich für eine weltweite Abschaffung der Sklaverei stark. Daraufhin folgt im Jahre 1863 die erste humanitäre Organisation, das Rote Kreuz, dessen Gründer der Schweizer Henry Dunant ist. Sie nehmen eine Vorbildfunktion für die Menschen ein und die Anzahl der NGOs steigt ab dem zweiten Weltkrieg bis in die achtziger Jahre rasant an. Die „Union of International Associations“ (UIA) hat im Jahr 1951 lediglich 832 registrierte NGOs gezählt, aber im Jahre 1972 sind es bereits knapp 2.200. Die heute sehr bekannte NGO für Umweltschutz, Greenpeace, feiert seine Gründung 1971 in Vancouver, Kanada. In den 1980er Jahren stagniert die Zahl der NGOs und liegt zu diesem Zeitpunkt bei rund 4.500 registrierten Organisationen (Bundeszentrale für politische Bildung).

Erst die Neugestaltung der internationalen Politik, nach dem Ende der Blockkonfrontation, lässt die Anzahl der NGOs schließlich wieder ansteigen.

Die sogenannten Weltkonferenzen der Vereinten Nationen (UN), insbesondere die Konferenz in Rio de Janeiro die über Umwelt und Entwicklung (UNCED) handelt und im Jahre 1992 abgehalten wird, bestärken Stellung und Akzeptanz der NGOs von neuem. Dadurch kann man eine weitere Erhöhung in der Anzahl der NGOs bis zum Jahre 2007 von 4.620 auf ca. 7.600 beobachten (Bundeszentrale für politische Bildung). Weitere Statistiken diesbezüglich sind im „Yearbook of International Organizations“ zu finden.

Für die vorliegende Arbeit sind die gemachten Angaben ausreichend. Bevor ich mich nun im weiteren Verlauf den Umwelt-NGOs konkreter zuwende, möchte ich den Begriff der Nicht-Regierungsorganisation erst klar eingrenzen. Ich halte mich an die offizielle Definition der Vereinten Nationen, die da lautet:

„ Eine Nichtregierungsorganisation ist eine nicht gewinnorientierte Organisation von Bürgern, die lokal, national oder international tätig sein kann. Auf ein bestimmtes Ziel hin ausgerichtet, versuchen NGOs, eine Vielzahl von Leistungen und humanitären Aufgaben wahrzunehmen, Bürgeranliegen bei Regierungen vorzubringen und die politische Landschaft zu beobachten. NGOs stellen Analysen und Sachverstand zur Verfügung und helfen, internationale Ü bereinkünfte zu beobachten und umzusetzen. Manche NGOs wurden für ganz bestimmte Aufgaben gegründet, so zum Beispiel für Menschenrechte, Umwelt oder Gesundheit. […]“ (UNRIC).

Diese Definition verdeutlicht welche unterschiedlichen NGOs sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene existieren. Diese Organisationen haben eigene konkrete Ziele, nehmen unterschiedliche Aufgaben wahr und versuchen diese mit verschiedenen oder ähnlichen Mitteln umzusetzen. Der Umstand, dass diese Organisationen nicht gewinnorientiert arbeiten und von normalen Bürgern initiiert werden, verleihen den NGOs einen besonderen Charakter.

Nach dieser Einleitung in die Thematik, einem kurzen historischen Ü berblick und der Definition von NGOs, ist es wichtig ein Basiswissen über die theoretischen Ansätze der Internationalen Politik zu erlangen, damit man dazu im Stande ist, die NGOs richtig in den Kontext einzuordnen. Ich schneide dabei die Theorien nur an, da eine Vertiefung den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde. Erst im Anschluss daran soll es um die konkrete Rolle und den Strategien von NGOs in der globalen Umweltpolitik gehen.

3. NGOs und die theoretischen Ansätze der Internationalen Politik

Heute gehören NGOs zu unserem politischen Alltag und sie fallen jeden Tag von neuem mit ihrem Aktivismus auf. Sie informieren, beraten und mobilisieren die Massen. Sie tun dies auch international und sind kaum noch von der Bildfläche wegzudenken. Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert ist dies für die Staatenwelt noch Neuland. Zu diesem Zeitpunkt ist es unvorstellbar, dass sich metastaatliche Gruppierungen in internationale Angelegenheiten einmischen. Selbst heute noch Spielen bei den etablierten Großtheorien der Internationalen Politik, wie z.B. dem Realismus oder Neo-Realismus, die Mitsprache der NGOs keine Rolle. Was zählt sind ausschließlich staatliche Akteure und da Macht und Sicherheitspolitik im Zentrum dieser Theorien stehen, gelten Themen wie z.B. der Umweltschutz gar nicht als Untersuchungsgegenstand der Internationalen Politik. (Krell, 2000: S.103). Die Realität zeigt, dass gerade die internationale Umweltpolitik von einem Nebeneinander von staatlichen Akteuren und NGOs geprägt ist, da eine große Anzahl von NGOs über Grenzen hinweg arbeiten und sich somit auf allgemeine Probleme ausrichten können. NGOs haben somit eine Stellung zwischen Markt und Staat, denn sie verfolgen weder ökonomische Eigeninteressen noch sind sie den Parteien gleichzustellen, da sie sich zusätzlich nicht durch Wahlen legitimieren müssen. Viel mehr stehen dem, allgemeine und altruistische Zielsetzungen gegenüber (Schrader, 2000: S.30). Erst das im Vergleich eher neue Konzept einer „Global Governance“ schenkt der besagten Akteursvielfalt Anerkennung. Die Commission on Global Governance definiert 1995 diesen Ansatz wie folgt: „ Ordnungspolitik bzw. Governance ist die Gesamtheit der zahlreichen Wege, auf denen Individuen sowie öffentliche und private Institutionen ihre gemeinsamen Angelegenheiten regeln. Es handelt sich um einen kontinuierlichen Prozess, durch den kontroverse oder unterschiedliche Interessen ausgeglichen werden und kooperatives Handeln initiiert werden kann. Der Begriff umfasst sowohl formelle Institutionen und mit Durchsetzungsmacht versehene Herrschaftssysteme als auch informelle Regelungen, die von Menschen und Institutionen vereinbart oder als eigene Interessen angesehen werden.“ (Stiftung Entwicklung und Frieden).

Um weiterhin die vielfältigen Innenund Außenbeziehungen in den heutigen komplexen Gesellschaften wahrnehmen zu können, ist der Staat dazu angehalten sich mit wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und anderen gesellschaftlichen Interessensgruppen in Verhandlungen zu begeben. Dies symbolisiert eine stetige Ablösung der hierarchischen Herrschaftsstrukturen durch formelle und informelle Verhandlungssysteme und Netzwerke. (Altvater, 1997: S.26). Der Staat als der große „Leviathan“, wie ihn Hobbes 1651 postulierte, ist somit Geschichte. Ä hnlich scheint diesen Umstand auch Kofi Annan zu vertreten, denn der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen verkündet im Millenium-Bericht folgende politische Realität: „ M any diverse and increasingly influential non-state actors have joined with national decision makers to improvise new forms of global governance . The more complex the problem at hand… the more likely we are to find non-governmental organizations, private sector institutions and multilateral agencies working with sovereign states to find consensus solutions.“ (2000). Global Governance ermöglicht also ein Gegengewicht zu wirtschaftlichen Machtträgern und den eher langsam agierenden staatlichen Institutionen. Dies ist insofern bemerkenswert, da dadurch erst eine Einflussnahme auf internationale politische Prozesse möglich wird, die in den bisherigen Denkschulen in dieser Form nicht vorgekommen ist (Kohout/Mayer-Tasch, 2002: S.17).

Im nächsten Kapitel werde ich darauf eingehen, wodurch genau diese Beeinflussung funktionieren kann. Außerdem soll beleuchtet werden auf welche Mittel die NGOs dabei zurückgreifen und ob ihre Arbeit auch von Erfolg gekrönt ist.

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Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668916029
ISBN (Buch)
9783668916036
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462222
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
international umwelt politik ngo greenpeace amnesty

Autor

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