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Auswirkungen der Wochenbettdepression auf die Mutter-Kind-Bindung. Ansatzmöglichkeiten der Sozialen Arbeit

Hausarbeit 2013 11 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Postpartale Krisen

2 Die unterschiedlichen Schweregrade der postpartalen Probleme
2.1 Postpartale Depression

3 Auswirkungen der Wochenbettdepression auf die Mutter-Kind-Bindung
3.1 Die Studie
3.2 Untersuchung der Muter-Kind-Bindung vor der Gruppentherapie

4 Mutter-Kind-Interaktion nach Schwarz-Gerö
4.1 Mutter-Kind-Interaktion bei postpartaler Depression

5 Auswirkungen der Wochenbettdepression auf die Mutter-Kind-Bindung

6 Literaturverzeichnis

1 Postpartale Krisen

Mit dem Thema ,Postpartale Krisenʻ müssen sich viele Frauen nach der Geburt auseinandersetzen. Bei etwa 10% aller Frauen, die entbunden haben, entstehen diese Probleme. Der Begriff postpartal leitet sich von den lateinischen Worten post= nach und partus= Entbindung ab (vgl. Dalton (2003): 10).

Es gibt eine große Bandbreite postpartaler Krisen. Dies reicht vom Stimmungstief bis zur Kindstötung.

Hierfür werden vier Oberbegriffe verwendet, die dem jeweiligen Schweregrad des Problems zugeordnet sind. Diese vier Oberbegriffe sind: postpartales Stimmungstief (Baby-Blues), postpartale Depression (Wochenbettdepression), postpartale Psychose und Kindstötung (vgl. Dalton (2003): 10).

Oftmals sind nicht nur die Mütter davon betroffen, sondern auch deren Kinder. In meiner Hausarbeit möchte ich näher auf das Thema Wochenbettdepression und deren Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Bindung im Säuglingsalter eingehen. Zunächst werde ich das postpartale Stimmungstief, die postpartale Psychose und die Kindstötung kurz erläutern, um danach die Wochenbettdepression genauer zu beschreiben. Hierbei ist das Ziel den Unterschied der verschiedenen Formen bzw. die verschiedenen Schweregrade der Probleme deutlich zu machen. Danach werde ich dazu übergehen was die Wochenbettdepression, bezogen auf die Mutter-Kind-Beziehung im Säuglingsalter, zur Folge haben kann. Dabei werde ich mich auf die Mutter-Kind-Interaktion beziehen. Am Ende werde ich darauf eingehen wo die Soziale Arbeit hierbei ansetzen kann und auf Therapiemöglichkeiten für Mütter und Kinder eingehen.

2 Die unterschiedlichen Schweregrade der postpartalen Probleme

Etwa 80% der jungen Mütter fallen nach der Geburt in ein postpartales Stimmungstief, dieses Stimmungstief nennt man auch den Baby-Blues. Im Allgemeinen tritt das Stimmungstief in den ersten zehn bis zwölf Tagen nach der Geburt auf. Ein ganz typisches Symptom sei das plötzliche Weinen ohne erkenntlichen Grund (vgl Dalton 2003: 12). Weitere Symptome seien: Konzentrationsschwierigkeiten, Lernprobleme, Erschöpfung, Verwirrung, Feindseligkeit gegenüber dem Vater und übermäßige Sorge um das Wohlergehen des Babys (vgl. Dalton 2003: 53).

Eine weitere Form der postpartalen Probleme ist die postpartale Psychose (Wochenbettpsychose). Im Schnitt wären 1% der Wöchnerinnen davon betroffen. Die Wochenbettpsychose äußere sich durch Wahnvorstellungen, Verwirrung, visuelle oder akustische Halluzinationen und Unfähigkeit der Mutterliebe (vgl. Dalton 2003: 12f.). Um die Mutter, das Kind und auch andere Personen zu schützen ist hierbei eine stationäre Unterbringung von Mutter und Kind erforderlich. Die Psychose tritt sehr früh auf. Bei vielen der Betroffenen direkt nach der Geburt. Eine Einweisung in ein Krankenhaus fände bei der Hälfte der Frauen innerhalb der ersten zwei Wochen statt (vgl. Dalton 2003: 94).

Nun zur schwersten Erkrankung kurz nach der Geburt: die Kindstötung. Bei dieser Art der Erkrankung komme es sehr oft zur Tötung des Babys. Die Mutter befindet sich hierbei in einem psychischen Ausnahmezustand und richtet die Gewalt gegebenenfalls nicht nur gegen das Baby. Es könne anstelle der Tötung des Babys auch zur Tötung von sich selbst oder nahestehenden Personen wie dem Vater, den Großeltern oder Freunden kommen. Diese Erkrankung betreffe 1 von 125.000 Müttern, vorallem seien Halluzinationen und Tötungsfantasien Symptome. Bis zu über 12 Monaten könne die postpartale Erkrankung andauern. Wie auch bei der Wochenbettpsychose sei hier ein stationärer Aufenthalt unumgänglich (vgl. Dalton 2003: 101ff.).

2.1 Postpartale Depression

Definition:

„In der Zeit nach der Entbindung bis zum erneuten Einsetzen der Menstruation erstmalig auftretende schwere, ärztliches Eingreifen erfordernde psychische Symptome.“ (Dalton 2003: 13)

Bei der Definition fällt auf, dass die psychischen Symptome von Erschöpfung und Reizbarkeit über Halluzinationen bis zu Tötungsfantasien mit einbezogen sind. Die einzige Bedingung für eine postpartale Depression ist die Notwendigkeit ärztlichen Eingreifens und schließt somit den Baby-Blues aus.

Von der postpartale Depression, auch Wochenbettdepression genannt, ist eine von zehn Wöchnerinnen betroffen und gehört damit zu den zwei am Häufigsten vorkommenden postpartalen Problemen. Bei manchen liegt die Dauer bei wenigen Wochen oder Monaten. Allerdings sieht Dalton bei einer länger andauernden Wochenbettdepression die Auswirkungen in „(...)langfristigen Veränderungen in der Persönlichkeit oder im Lebensstil (...)“ (Dalton 2003: 13)

Bei einer typischen Depression sei Appetitlosigkeit eine der charakteristischsten Symptome. Allerdings gehöre die postpartale Depression zu den atypischen Depressionen. Kennzeichnend dafür wäre ein größerer Appetit und eine Gewichtszunahme nach der Geburt innerhalb kürzester Zeit (vgl. (Dalton (2006): 58). Dies löse den Wunsch nach Gewichtsabnahme und einer Diät aus, was oftmals zum Auslassen ganzer Mahlzeiten führen würde. Dadurch würde eine Senkung des Blutzuckerspiegels, höhere Adrenalinausschüttung und Wassereinlagerungen ausgelöst. Damit entstünden zu den bereits vorhandenen Symptomen weitere unangenehme Symptome (vgl. Dalton 2003: 58 ff.).

Ein weiteres mögliches Anzeichen für eine Wochenbettdepression sei die noch vorhandene Muttermilch in der Brust, Galaktorrhö genannt, die auch noch nach Monaten bzw. Jahren des Abstillens vorhanden sei (vgl. Dalton (2003): 60). Verlust des Slebstvertrauens und das damit verbundene Isolieren von der Außenwelt sorgen für neue Symptome der Depression. Sich einsam fühlen und zurückziehen.

3 Auswirkungen der Wochenbettdepression auf die Mutter-Kind-Bindung

Folgende Inhalte der Gliederungspunkte 3.1 und 3.2 sind aus dem Buch von Fernanda Pedrina ,Mütter und Babys in psychischen Krisen- Forschungsstudie zu einer geleiteten Mutter-Säugling-Gruppe am Beispiel postpartaler Depression'(2006). In diesem Kapitel werde ich die Mutter-Kind-Bindungen bezogen auf die Interaktionen der Mutter-Kind-Paare bei postpartal depressiven Müttern erläutern.

3.1 Die Studie

In dieser Studie bzw. bei diesem Projekt geht es um die Frühbehandlung von postpartaler Depression anhand einer Mütter-Baby-Gruppentherapie. Die Gruppentherapie wurde sowohl für Mütter mit leichten postpartalen Depressionen (Baby-Blues), als auch für Mütter mit mittelschweren postpartalen Depressionen (Wochenbettdepression) angeboten. Während dieses Projektes wurden unter anderem die Interaktionen zwischen den Müttern und Babys beobachtet. Hierzu wurde mittels Videosequenzen und Notizen dokumentiert. Auch die ,Edinburgh Postnatal Depression Scale' wurde als Messinstrument genutzt. Dies ist ein Fragebogen der von den Müttern zur Selbsteinschätzung ausgefüllt wird. Er beinhaltet zehn Fragen mit vier vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Die Gesamtdauer des Projektes wurde für ein Jahr angesetzt. Die Mütter wurden darauf hingewiesen ihre Babys zu den Sitzungen mitzubringen. Es wurde darauf Wert gelegt, dass sie sich innerhalb der Sitzungen wohl fühlen und mit ihren Kindern im Umgang mit den Bedürfnissen der Kinder sich genauso verhalten wie im Alltag.

Zu den Vorgesprächen und Voruntersuchungen erschienen neun Mutter-Kind-Paare. Über die Zeit der Gruppentherapie nahmen jedoch nur sechs Mutter-Kind Paare regelmäßig teil.

3.2 Untersuchung der Muter-Kind-Bindung vor der Gruppentherapie

Die Ergebnisse der Untersuchungen und Beobachtungen der Mutter-Kind-Bindung wurden anhand der Muter-Kind-Interaktionen festgelegt.

Eine Mutter gab ihrem Kind die körperliche Nähe, schien aber gleichzeitig innerlich sehr abwesend und anteilnahmslos. Dadurch war das Kind zu wenig stimuliert und wirkte passiv.

Bei einem anderen Mutter-Kind-Paar war auch die Nähe von der Mutter gegeben. Allerdings war der Interaktionsstil zu bedrängend und das Kind hatte nicht genügend Raum, zog sich zurück und ging kaum auf die Mutter ein.

Bei weiteren zwei Mutter-Kind-Paaren waren nicht nur das Kind, sondern auch die Mutter im Umgang miteinander sehr passiv. Dies äußerte sich durch Initiativärme und verlangsamtes Reagieren aufeinander.

In einem Fall war die Mutter zu aktiv und eindringlich im Umgang mit ihrem Kind, sodass dieses sich nur passiv an der Interaktion beteiligte.

Zwei Mütter boten ihren Kindern ein ,unzureichenedes Beziehungsangebotʻ.

Es traten bei zwei Mutter-Kind-Paaren keine auffälligen Interaktionen auf.

Letztendlich ließen sich drei Mutter-Kind-Bindungstypen beobachten:

1. Eine zu enge Beziehung zwischen Mutter und Kind
2. Mutter-Kind-Beziehungen die durch Wechselhaftigkeit und disharmonische Interaktionen geprägt sind
3. Gute Mutter-Kind-Beziehung, die höchstens eine leichte depressive Interaktion beinhaltet

4 Mutter-Kind-Interaktion nach Schwarz-Gerö

Laut Schwarz-Gerö beinhalte die Mutter-Kind-Interaktion die verbale und nonverbale Kommunikation zwischen Mutter und Kind, einschließlich der dadurch entstehenden Korrelation (vgl. Schwarz-Gerö (2006): 129).

Ein Merkmal der Mutter-Kind-Interaktion sei die sogenannte Ammensprache. Hierbei werde verlangsamt und übertrieben z.B. in erhöhter Tonlage gesprochen und Laute des Kindes nachgeahmt. Dies ermögliche dem Kind die Betonungen und Besonderheiten der Muttersprache früh zu erfassen (vgl. Schwarz-Gerö (2006): 129f.). Durch Einfühlung in die Gefühle des Kindes, spiegelt die Mutter diese übersteigert in ihrer Mimik wider, und gibt somit dem Kind die Chance einerseits die Bedeutung seiner Gefühle zu erkennen und andererseits die Mimik zu imitieren.

Interaktionen geschähen sowohl bewusst als auch unbewusst (vgl. Schwarz-Gerö (2006): 130). Das bedeutet, dass von Müttern bewusst das kindliche Signalverhalten wahrgenommen und von ihnen unbewusst darauf reagiert wird. Zum Beispiel erkennt die Mutter bewusst, dass ihr Baby schreit um damit Hunger, Müdigkeit oder nur Unbehagen auszudrücken. Die unbewusste Reaktion darauf ist durch Gestik oder Mimik darauf zu reagieren.

Das unbewusste oder „intuitive“(Schwarz-Gerö 2006: 130) Handeln der Mütter durch zum Beispiel Wechselwirkende Dialoge oder Kommunikation, könnten verbal und nonverbal stattfinden. Dadurch hätten Säuglinge die Möglichkeit mit verschiedenen für das zukünftige Leben wichtige Kompetenzen in Berührung zu kommen und sich anzueignen: „(...)erlernen Säuglinge damit nicht nur die jeweilige Sprache, sondern auch Beziehungsmuster, Selbstbild, Selbstwirksamkeit und – ganz allgemein – soziale, emotionelle, kognitive Kompetenz.“(Schwarz-Gerö 2006: 130)

4.1 Mutter-Kind-Interaktion bei postpartaler Depression

Bei einer Erkrankung wie der Depression seien auch „Mimik, Sprache und emotionale Resonanzfähigkeit“(Schwarz-Gerö 2006: 131) betroffen. Dadurch verändert sich auch die im vorigen Teil beschriebene Interaktion zwischen Mutter und Kind, andem sich das Kind orientiert. Dies führt dann zu einem Vermeingungsverhalten des Kindes. Die Reaktion des Kindes darauf, äußere sich vorrangig durch das Vermeiden des Blickkontakts und der körperlichen Abwendung.Viele Mütter nehmen die Blickvermeidung ihres Kindes bewusst wahr und deuteten dies als persönliche Ablehnung. Durch den drängendenVersuch die Aufmerksamkeit des Kindes zu erhalten sei oftmals die Gefahr gegeben, dass das Vermeidungsverhalten zunehme (vgl. Schwarz-Gerö (2006): 131).

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Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668946682
ISBN (Buch)
9783668946699
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462247
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
1,7
Schlagworte
Mutter Kind Bindung Soziale Arbeit Wochenbett Depression

Autor

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Titel: Auswirkungen der Wochenbettdepression auf die Mutter-Kind-Bindung. Ansatzmöglichkeiten der Sozialen Arbeit