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Glaubensfanatismus. Höhepunkt der Perspektivwechsel im Denken des Augustinus?

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entwicklung der Standpunkte Augustinus
2.1 Die Wendung nach Innen – Das Hortensius-Erlebnis
2.2 Skizze des Denkens Augustinus’ am Beispiel des Manichäismus
2.3 Skepsis als aufklärerisches Element

3 Die Bekehrung
3.1 Die Rahmenbedingungen
3.2 Der Standpunkt durch die Bekehrung

4 Augustinus – ein Glaubensfanatiker?
4.1 Eingrenzung: Fanatismus
4.2 Bezug zum Denken des Augustinus

5 Zusammenfassung

1 Einleitung

»Wer bin ich - und wenn ja wie viele?«, titelte Richard David Precht 2007 in seinem Best- seller 1 um sich den gleichsam alten wie aktuellen Grundfragen der Philosophie spielerisch und kompetent anzunähern. Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, wer ich bin? Wie werde ich glücklich?

Das streben nach Glück ist Antrieb persönlicher Entwicklung und verbunden mit der Un- gewissheit der Zukunft zeitgleich Quelle großer Zweifel. Das Interesse an einem simplen ”How–To“ – gewissermaßen einem Kochrezept zum nachmachen – ist daher auch in der Gegenwart ungebrochen.

Dieses aktuelle Beispiel soll nur schemenhaft die Fragen aufwerfen, die auch zentral im Leben und Wirken des Aurelius Augustinus waren. Mit der Lebensfrage »Wie wird man glücklich?« startend, erlebte Augustinus gewissermaßen ”hungrig und tollkühn“ eine Irr- fahrt auf der Suche nach jener Antwort. Die ”Lebensstationen rückblickend betrachtend“ legt er 397/398 seine autobiographische Abhandlung Confessiones (Bekenntnisse) vor. In jenen dreizehn Büchern zeichnet er in einer » unübertroffenen Leistung europäischer Geis- tesgeschichte « 2 sein Leben nach und gilt damit noch heute als einer der einflussreichsten Philosophen. Die drei Stufen seiner Entwicklung des ”Äußeren“, ”Inneren“ und ”Innersten“ sollen dabei roter Faden der vorliegenden Arbeit sein. Am Ende der Suche nach der Wahr- heit fand Augustinus schließlich die Antwort, indem er selbst das ”Innerste noch weiter nach Innen hinein zu übersteigen“ 3 versuchte. Diese Wahrheit setzte er schließlich mit Gott gleich. Als einer der einflussreichsten Kirchenväter des christlichen Altertums fand Augustinus diesen Gott im ”Drinnen“ 4, also dem Innersten Sein als Wirklichkeit vor. Dort war Gott als ”Du“ ansprechbar (immanent) und dennoch alle irdischen Dimensionen übersteigend (transzendent) 5. Im Dogmatismus dieser Wirklichkeit gefangen, folgerte Augustinus schließlich einen Alleinvertretungsanspruch der katholischen Religion als wahre Religion, was es kritisch zu hinterfragen gilt. Genau diese Lehre der Wechselspieler, in dem Gott ein Gegenpart der Finsternis gegenübersteht, ist Argument genug für die Abkehr vom Manichäismus wie Augustinus in Conf. VII 2 ausführlich beschreibt.

2 Die Entwicklung der Standpunkte Augustinus

2.1 Die Wendung nach Innen – Das Hortensius-Erlebnis

Augustinus wurde 354 in Thagaste im Norden Afrikas geboren, wo er in einer kleinbürgerli- chen Familie aufwuchs. Sein Vater Patricius war Heide und seine Mutter Monica, Christin. Augustinus wurde noch nicht getauft, da die Kindertaufe noch unüblich war.

Schon in früher Jugend war er nach einem erfolgreichem Leben bestrebt und gab sich dem Genuss hin. Die Chance eines sozialen Aufstiegs bot sich durch ein Studium der Rhetorik, das er vom Ehrgeiz seines Vater getrieben und im Streben nach Anerkennung in Karthago begann 6. Schließlich verliebte er sich in eine Frau und wurde Vater eines Sohnes. In dieser Zeit seines Lebens » in trügerischen Handgreiflichkeiten der sinnlich wahrnehmbaren Au- ßenwelt « – wie F.Körner schreibt 7 – kam es zum ersten Schlüsselerlebnis für Augustinus. Ciceros Hortensius, eine heute nur noch in Fragmenten erhaltene philosophische Pflicht- lektüre jener Zeit, beendete in Augustinus die erste Phase seiner Entwicklung, in der es ihm um Macht und Anerkennung ging. Dies wertete er rückblickend als »Befriedigung der Eitelkeiten« 8 ab, um schließlich eine Richtungsänderung zu vollziehen:

» ...mit unglaublicher Inbrunst richtete sich meines Herzens Begehren auf die unsterbliche Weisheit. [...] Wie brannte ich [...] vom irdischen mich aufzusch- wingen [...] die Weisheit selbst, was sie auch sei, zu lieben und zu suchen, ihr zu folgen, sie zu fassen und mit aller Kraft sie zu umfanen...« 9

Dieser Einschnitt im Leben des Augustinus, gewissermaßen eine Wendung nach innen 10, die mit einer Abkehr von Ruhm, Geld und Eitelkeit verbunden war, stellte die erste Stufe auf seiner von nun an beginnenden Suche nach Weisheit und Wahrheit, nach Selbster- kenntnis und Selbstverwirklichung dar.

2.2 Skizze des Denkens Augustinus’ am Beispiel des Manichäis- mus

Bemerkenswert ist, dass diese Zuwendung zur Philosophie zunächst mit Distanz zur christ- lichen Religion vollzogen wurde. So sah Augustinus die katholische Lehre zunächst ver- glichen zur Philosophie als etwas Minderes an 11. » Hochmütig « und » aufgeblasen wie ich [Augustinus] war «, wandte er sich dem Manichäismus zu, einer Offenbarungsreligion die für Augustinus intellektuell zunächst einen höheren Reiz ausstrahlte. Als »Christentum, dass sich an die Denkenden wendet« 12 bauten die Manichäer ihre Lehre auf einem Dualis- mus vom Reich des Bösen und des Guten auf, die als Gegenspieler einander bekämpften. Ebene jene ”Zwei-Prinzipien-Lehre“, wie Flasch sie nennt, war für Augustinus auch der größte Angriffspunkt, um sich schließlich vom Manichäismus abzuwenden.

Im Zusammenhang mit dieser erneuten Wendung des Augustinus sollen drei Argumen- tationslinien aufgezeigt werden, um so die grundlegende philosophische Dogmatik und Stringenz im Denken des Augustinus kenntlich zu machen. So zeigt er in Conf. VII, 2 in aller Klarheit, wie der Manichäismus durch einen logischen Widerspruch seine Gültigkeit verlieren muss. In seiner strengen Argumentation hat das Böse demnach nur eine Daseins- berechtigung, wenn es Gott, als Vertreter der Wahrheit und des Guten, schaden zufügen kann. Nach dem Werturteil, dass das Unveränderliche besser ist als das Veränderliche 13, muss Gott jedoch als das Gute unveränderlich sein. Das Böse hätte demnach keine Wir- kung und die umfassende Welterklärung des Manichäismus ist unwahr.

Eine weitere nahezu mathematische Erklärung offenbart, dass Gutes und Böses als Gegenspieler gewissermaßen im gleichen »Reich« existieren müssen, damit sie einander begegnen.

Dann aber unterstellt man automatisch gleiche Struktur lediglich unterschiedlicher, näm- lich gegensätzlicher Ausprägung. In diesem Fall ist jedoch im Denken der Unterschied bereits überwunden. Der denkende Mensch, sieht also »Gott als ein umfassendes Prinzip« 14 mit unterschiedlichen Ausprägungen.

Die dritte Argumentationslinie, die für Augustinus schließlich zur Abkehr vom Manichäis- mus führte, begründet sich auf der Freiheit des menschlichen Willens. So schreibt Augus- tinus in ” Die wahre Religion 14,27 “:

» Wenn also zweifelsfrei feststeht, dass gesündigt wird, dann kann auch nicht bezweifelt werden, dass die Menschen über die freie Willensentscheidung ver- fügen. « 15

Diese fundamentale Überzeugung der Willensfreiheit steht im direkten Widerspruch zum Manichäismus mit seinen sich bekämpfenden Welten von Gut und Böse. In diesen käme dem Menschen nur die Rolle des passiven Beobachters zu und somit ist im » Prinzipien- dualismus manichäischer Art für die Freiheit des Willens kein Platz. « 16

2.3 Skepsis als aufklärerisches Element

Bereits in der Abkehr vom Manichäismus durch dessen logische Widerlegung zeigen sich Elemente aufklärerischen Denkens bei Augustinus. So beschreibt F. Körner Augustinus als einen Vorreiter beim » Philosophieren [über] die existentielle Grund-Frage der Menschen schlechthin «17, die Körner selbst als » Der Mensch und sein Urgrund? «, formuliert.

Auf einer umtriebigen Suche nach Antworten gelangt Augustinus während seiner Auseinandersetzung mit der Akademischen Skepsis zu einem für ihn wichtigen Ausgangspunkt. Diese so wichtige Selbstvergewisserung beschreibt er in De Trinitate :

[...]


1 Precht, Richard David (2007): Wer bin ich - und wenn ja wie viele? 24. Auflage, München: Gold- mann.

2 Thieme, Wilhelm (2003): Aurelius Augustinus. Bekenntnisse. 10. Auflage, München: dtv, S.2

3 Speck, Josef (1990): Grundprobleme der großen Philosophen. Philosophie des Altertums und des

Mittelalters. 4. Auflage, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S.139

4 Speck, Josef (1990): Grundprobleme der großen Philosophen. Philosophie des Altertums und des Mittelalters. 4. Auflage, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S.144ff

5 Kraus, Georg (1994): Gott als Wirklichkeit.Lehrbuch zur Gotteslehre.
1. Auflage, Frankfurt: Verlag Josef Knecht, S.131ff

6 Thieme, Wilhelm (2003): Aurelius Augustinus. Bekenntnisse. 10. Auflage, München: dtv, S.58 Conf. II, 3,5

7 Speck, Josef (1990): Grundprobleme der großen Philosophen. Philosophie des Altertums und des Mittelalters. 4. Auflage, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S.129

8 Thieme, Wilhelm (2003): Aurelius Augustinus. Bekenntnisse. 10. Auflage, München: dtv, S.73 Conf. III, 4

9 Thieme, Wilhelm (2003): Aurelius Augustinus. Bekenntnisse. 10. Auflage, München: dtv, S.73 Conf. III, 4

10 Speck, Josef (1990): Grundprobleme der großen Philosophen. Philosophie des Altertums und des Mittelalters. 4. Auflage, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 130

11 Thieme, Wilhelm (2003): Aurelius Augustinus. Bekenntnisse. 10. Auflage, München: dtv, S.75 Conf. III, 5

12 Flasch, Kurt (1980): Augustinus. Einführung in sein Denken.

1. Auflage, Stuttgart: Reclam, S. 30

13 Augustinus - Einführung in sein Denken, K. Falsch, S. 33

14 Flasch, Kurt (1980): Augustinus. Einführung in sein Denken.
1. Auflage, Stuttgart: Reclam, S. 34

15 Wirthgen, Monika: De vera religione. http://de.scribd.com/doc/91511541/Aurelius-Augustinus- De-vera-religione (Stand: 10.10.2013)

16 vgl. Augustinus, J. Kreuzer S. 18

17 vgl. Grundprobleme der großen Philosophen, F. Körner S.131

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668917989
ISBN (Buch)
9783668917996
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462382
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Schlagworte
glaubensfanatismus höhepunkt perspektivwechsel denken augustinus

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