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Rassismus und Diskriminierung. Eine Analyse der Migranten auf dem österreichischen Arbeitsmarkt

Wissenschaftlicher Aufsatz 2014 9 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ..

2. Schlüsselbegriffe: Migration, Rassismus und Diskriminierung

3. Diskriminierungen von Migranten am Arbeitsmarkt in Österreich

4. Diskriminierung von Muslimen
4.1 Ergebnisse einer Auswertung der ADS
4.2 Rassismuserfahrungen

5. Fazit
5.1 Wurzeln und Religionen
5.2 Lösungsvorschläge und Entwicklungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den frühen 1960er kamen viele Gastarbeiter aus den östlichen Staaten nach Europa. Die Einwanderungen waren auf eine unbefristete Zeit vorgesehen und stellten keine großen gesellschaftlichen Anregungen und Problematiken dar. Erst nachdem sich die „Gäste“ zu lange in der fremden Gesellschaft bewegten, begannen auch die rassistischen Konflikte. Zumal dann, wenn sie nicht ihrer Funktion als Arbeitskraft entsprachen. Wichtig war, dass sie arbeitsfähig waren. (VARELA und MECHERIL 2010: 30)

„Es gehört zur Programmatik der meisten demokratischen Kontexte, dass die Idee und Praxis der benachteiligenden Einteilung von Menschen nach Gesichtspunkten wie Ethnizität, Kultur, Geschlecht, Religion oder Rassenkonstruktion zurückgewiesen werden.“ (MECHERELI und MELTER 2010: 162) Die Frage bleibt jedoch, ob bei rassistischer Diskriminierung von Migranten, die Religionen eine wirklich große Rolle spielen? Ob Diskriminierung von Migranten aufgrund ethnischer Herkunft oder religiöser Herkunft entstehen, sind die Fragen, die in dieser Arbeit aufgeklärt werden. In den nächsten Seiten werden wichtige Begriffe wie „Migration“ und „Rassismus“ erklärt, damit wir uns genauer vorstellen können, womit wir es hier zu tun haben. Die darauffolgenden Abschnitte zeigen uns einen kurzen Einblick in den Arbeitsmarkt in Österreich, wie hier die Bewerber mit Migrationshintergrund und ohne Migrationshintergrung abschneiden. Die Auswirkungen ethnischer Herkünfte am Arbeitsmarkt sind sehr beachtlich. Jedoch grenzen sich Vorurteile leider nicht nur in diesem Aspekt ein, sondern auch auf religiöser Hinsicht. Die Abschnitte danach postulieren uns die Lage der Muslime. Wieso sie diskriminiert werden, gefolgt mit ein paar Beispielen und statistischen Auswertungen von verschiedenen Studien. Zuletzt wird im Fazit alles zusammengefasst und allgemein reflektiert.

2.Schlüsselbegriffe: Migration, Rassismus und Diskriminierung

Die Überschreitung kulturell und (geo-) politisch bedeutsamer Grenzen kann als Migration verstanden werden. Migration problematisiert Grenzen. Dies sind nicht nur die territorialen Grenzen, sondern auch Symbolische. Durch Migration wird die Frage der Zugehörigkeit individuell, sozial und auch gesellschaftlich zum Thema. Denn durch Migration werden Zugehörigkeitsverhältnisse problematisiert. Nicht nur in Europa sondern auf der ganzen Welt stellen Migranten und Nicht- Migranten ein Differenzverhältnis. Zwar kann unter Migration letztlich jede Ortsveränderung von Personen verstanden werden (HOFFMANN - NOWOTNY 1973: 107), die formelle Erzeugung des Migranten ist jedoch an die nationalstaatliche Ordnung gebunden. (vgl. VARELA und MECHERIL 2010: 23 - 42)

Migration ist oft mit dem Begriff „Rassismus“ gebunden. Rassismus ist eine Tatsache, die für viele Migranten unumgänglich ist. Viele Migranten geraten schon in frühem Alter mit diesem Konflikt. „Rassismus ist zwar ein globales Problem, wie Christian J. Jäggi anmerkt, das man – von Europa ausgehend – fast überall auf der Welt findet, aber kein universal/ historisches, sondern ein eng mit der Moderne verbundenes Phänomen. Die Vorgeschichte des Rassismus reicht bis zur Herausbildung der indischen Kastengesellschaft (…) bis hin zu den Juden im Mittelalter, die nicht ihrer ,Andersartigkeit‘, sondern ihrer Religion wegen verfolgt wurden.“ (BUTTERWEGGE 1996: 125) „Nicht allein körperliche Merkmale (wie Hautfarbe, Haarfarbe, physiologische, genetische Daten) stellen den Ausgangspunkt für rassistische Unterscheidungen dar. Auch soziale und kulturelle (wie religiöse Praktiken und Symbole) Aspekte können für rassistische Unterscheidungen genutzt werden. Insofern gibt es keinen Rassismus als allgemeines Merkmal menschlicher Gesellschaften, nur ,historisch- spezifische Rassismen‘.“ (HALL 1994: 127)

Die Ungleichbehandlungen von Personen oder Bevölkerungsgruppen, ungeachtet gleicher Produktivität bzw. Leistungsfähigkeit werden als „Diskriminierung“ bezeichnet. (BAIERL und GUMPRECHT 2011: 596-612)

3. Diskriminierung von Migranten am Arbeitsmarkt in Österreich

Die Ungleichbehandlung von Migranten kann von der Personalauswahl im Arbeitsmarkt bis hin zur Beförderung im Job sehr vielfältig sein. In einer Studie der IHS (=Institut für Höhere Studien) (HOFER et al. 2013) kam man zu folgenden Ergebnissen:

Obwohl alle KandidatInnen österreichische Staatsbürger sind und ihren gesamten Schulverlauf in Österreich absolviert haben, müssen KandidatInnen mit Migrationshintergrund deutlich mehr Bewerbungen ausschicken als andere, um dieselbe Zahl von Einladungen zu erhalten. Ergebnisse weisen auf eine deutliche Diskriminierung serbischer, türkischer, chinesischer und nigerianischer BewerberInnen am österreichischen Arbeitsmarkt hin. Bei ÖsterreicherInnen führte mehr als jede dritte Bewerbung zu einer Einladung zu einem Jobinterview (37.0%). Unter MigrantInnen schneiden serbische und chinesische BewerberInnen am besten ab. Ihre Wahrscheinlichkeit, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, betragen fast 10 % niedriger als ÖsterreicherInnen, dicht gefolgt von TürkInnen. Bei der Gruppe der NigerianerInnen jedoch führt nur jede fünfte Bewerbung zu einer Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Dies entspricht nur ungefähr die Hälfte der österreichischen BewerberInnen. Österreicherinnen werden doppelt so oft zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wie Migrantinnen. Das Resultat ist auf reine Diskriminierung zurückzuführen. (BAIERL und GUMPRECHT 2011: 596-612)

4. Diskriminierung von Muslimen

Die Diskriminierung von Muslimen ist oft ihrer ethnischen Zugehörigkeit zu führen. Die Präsenz des Islams ist in vielen nicht-muslimischen Staaten ein häufig diskutierter Aspekt der Ausländer- und Fremdfeindlichkeiten. Es gilt als ein unerwarteter Nebeneffekt, die hauptsächlich mit der Arbeitsmigration aus mehrheitlich muslimischer Bevölkerung wie der Türkei und verschiedenen arabischen Ländern ausgelöst wurde. Seitdem gibt es immer wieder kontroverse Debatten über ausländische Dominanz und der Gefahren, die diese angeblich mit sich führen.

Bis Ende der 90er-Jahre spielten all diese Aspekte keine große Rolle. Die religiösen Zugehörigkeiten wurden erst seit Ende der 90er ein Dorn im Auge der Bevölkerung und es kam von der „klassischen“ Ausländerfeindlichkeit zum „anti-muslimischen“ Rassismus. Die zunehmende Immigration sowie Debatten um Terrorismus, Sicherheit und Islamismus leiteten zu solchen ethnischen und religiösen Problemen. Bei der Diskriminierung gegen Muslime sind auch Kategorien wie Ethnie, Geschlecht und soziale Herkunft zu berücksichtigen. In Deutschland existieren schon seit Jahrhunderten anti-muslimische Ressentiments. Jedoch wanderten diese hauptsächlich in den Schatten des Regimes und hatten keinen Effekt zur öffentlichen Politik wie jetzt.

Zudem werden Diskriminierungen solcher Art, nicht als Benachteiligung aufgrund spezifischen Glaubens angesehen sondern ausgeblendet. Trotzdem deuten viele Indizien darauf hin, dass diese meist individuellen Diskriminierungen von Migranten, genauso auf ihre zugeschriebene Religionszugehörigkeit zurückzuführen ist. Sogar in Kombination mit Geschlecht, Alter und sozialer Status möglich. (NOFAL und YIGIT 2012: 20-35)

4.1 Ergebnisse einer Auswertung der ADS

In einer Studie hat die ADS (=Antidiskriminierungsstelle) (NOFAL und YIGIT 2012) der Bundesrepublik Deutschland eine Auswertung bezüglich dem heiklen Thema Diskriminierung aufgrund der islamischen Religionszugehörigkeit in Berlin hervorgelegt. Mehr als 1000 Berliner Muslime wurden bei über 60 Veranstaltungen, in den Jahren 2010 und 2011 in Sachen Diskriminierung befragt. In diesen Veranstaltungen wurden Fragebögen verteilt, um solche individuellen Diskriminierungsfälle systematisch zu dokumentieren. Aus den Ergebnissen ist zu erkennen, dass die anti-muslimische Stimmung immer mehr steigt.

Insgesamt wurden 257 Diskriminierungsfälle dokumentiert, wobei etwa zwei Drittel der Diskriminierungsvorfälle von Frauen eingereicht wurde. 59 % der Angaben fallen auf Frauen, 36 % auf Männer und 5 % enthalten keine Angaben. Es ist auch zu erwähnen, dass hier bei den Frauen vor allem bezüglich ihres Kopftuches mit solchen Fällen konfrontiert wurden. Dies zeigt uns, dass ein Großteil der Diskriminierungsfälle eher „oberflächliche“ Gründe haben. Je sichtbarer die Ausübung der Religion, desto höher die Wahrscheinlichkeit der Diskriminierung. Überwiegend dieser Meldungen entstammen zudem von jungen Migranten (unter 27 Jahre alt). Diese verlangen, sowie jeder andere Bürger, Gleichbehandlung und bitten den Staat um Hilfe. Die meisten Diskriminierungsfälle fallen im Bereich der Bildung mit 33 %, gefolgt vom öffentlichen Raum mit 22 % und im Arbeitssektor mit 19 %. Jedoch ist es erschreckend, dass viele Migranten, schon in sehr frühem Alter mit verheerenden Diskriminierungen in Kontakt kommen und in jungen Jahren bereits diese bearbeiten müssen. Dies wirkt sich natürlich gefährdend negativ auf ihre Blickweise zur Welt aus und haben einen maßgeblichen Einfluss auf ihre Entwicklung. Hierbei gaben etwa auch zwei Drittel der betroffenen Muslime an, dass ihre Religion bei der erfahrenen Diskriminierung eine Rolle gespielt hat, wobei ein Fünftel angab, dass ihre ethnische Herkunft der Grund für solches war. (TOSUNER 2012: 26-30)

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Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668922136
ISBN (Buch)
9783668922143
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462432
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Geographie und Regionalforschung
Note
3
Schlagworte
integration arbeit globalisierung technik politik geographie international

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Titel: Rassismus und Diskriminierung. Eine Analyse der Migranten auf dem österreichischen Arbeitsmarkt