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Beyond Aid. Wandel der Entwicklungszusammenarbeit

von Marleen Schulz (Autor)

Hausarbeit 2018 12 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Eingrenzung
2.1 Entwicklungsland
2.2 Entwicklungszusammenarbeit
2.3 Die Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit

3. Probleme der Entwicklungszusammenarbeit

4. Beyond Aid
4.1 Vier Dimensionen von Beyond Aid
4.1.1 Akteure
4.1.2 Finanzierung
4.1.3 Regulierung
4.1.4 Wissen

5. Beyond Aid als Ergebnis des Lernprozesses der Entwicklungszusammenarbeit

6. Fazit.S

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Entwicklungszusammenarbeit ist kein neues Konzept: bereits seit der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg wurden von den USA Entwicklungshilfen für das vom Krieg zerstörte Europa beschlossen und bereitgestellt. Die Form dieser Entwicklungsarbeit hat sich jedoch über Jahrzehnte verändert, sodass heute vor allem die Förderung von Entwicklungsländern im globalen Süden im Vordergrund steht. Dabei kommen die Gelder für die Förderung nicht mehr allein von den USA, sondern vielmehr von einer Vielzahl an Ländern über die Bündnisse wie die UN, die OECD oder über andere Kooperationsformen mit den Entwicklungsländern.

Insgesamt ist in der Entwicklungszusammenarbeit momentan ein bedeutender Wandel zu verzeichnen. Die Zahl der Entwicklungsländer geht zurück, die gesamte Struktur des „Südens“ wird heterogener und Schwellenländer treten in den Kontext der Entwicklungszusammenarbeit als Geber-Länder ein.

Dadurch entsteht ein Druck zur Veränderung auf die Entwicklungszusammenarbeit, der durch die progressive Beyond Aid Debatte thematisiert und zentralisiert wird. Zu dem stellt Beyond Aid eine Vielzahl an Instrumenten und Zielen zur Verfügung, die über die Entwicklungszusammenarbeit hinausgehen und globalere Herausforderungen bearbeiten können.

In dieser Ausarbeitung werde ich zunächst die nicht genau zu definierenden Kernbegriffe „Entwicklungsland“ und „Entwicklungszusammenarbeit“ thematisch eingrenzen, um einen ersten Überblick über die Komplexität der Kategorisierung der verschiedenen Teilaspekte von Entwicklungszusammenarbeit zu geben. Zu dem werde ich auf die Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit eingehen, um aufzuzeigen, welchem Wandel diese sich unterzieht. Anschließend werde ich auf die Problematiken der aktuellen Entwicklungszusammenarbeit eingehen, um dann im folgenden näher zu erläutern, wie diese Problematiken durch Beyond Aid überwunden werden können und welche Möglichkeiten Beyond Aid eröffnet.

2. Eingrenzung

Um zunächst eine Einführung in die erarbeite Thematik zu geben und ein einheitliches Verständnis über die Begriffe zu schaffen, ist es zunächst grundlegend, die Kernbegriffe einzugrenzen.

2.1 Entwicklungsland

Die Definition eines Entwicklungslands ist nicht besonders genau und trennscharf, da sich die Länder untereinander in ihrer Größe, Struktur, Kultur und in ihren Ressourcen zum Teil sehr stark voneinander unterscheiden. Trotzdem gibt es einige Parameter, nach denen ein Entwicklungsland kategorisiert werden kann.

Als grundlegende Prämisse gilt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im jeweiligen Land. So hat die Weltbank für dieses Jahr das pro-Kopf-Einkommen für low-income economies bei $1.005 oder weniger angesetzt, für lower middle- income economies zwischen $1.006 und $3.955 für upper middle-income economies zwischen $3.956 und 12.235 und für high-incomes economies bei 12.236 oder mehr (vgl. the world bank data https://datahelpdesk.worldbank.org/knowledgebase/articles/906519-world- bank-country-and-lending-groups).

Neben dem pro-Kopf-Einkommen gibt es weitere Faktoren, die ein Entwicklungsland ausmachen können. So werden zu dem ein geringer Ausbildungsstand, mangelndes technisches Know-how, ein vorherrschender primärer Sektor, ein allgemein geringer Lebensstandard und große Wohlstandsdisparitäten berücksichtigt (vgl. Lachmann, 2006, S.297). Bei diesen Ländern wird auch von einem Entwicklungsrückstand im Vergleich zu Industrieländern ausgegangen, ebenso wie von einem niedrigen Wohlfahrtsniveau und einem nicht ausreichend funktionsfähigem Wirtschaftssystem (vgl. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek, 2010, S. 126).

Daraus entwickelt sich dann eine Liste der Entwicklungsländer, welche alle drei Jahre angepasst wird (vgl. Klingebiel, 2013, S.6).

Der Begriff des „Entwicklungslands“ selbst ist jedoch umstritten und steht immer wieder in der Kritik, da er keine konkrete Definition beinhaltet. Vielmehr ist er ein Sammelbegriff, unter den verschiedene Länder mit den unterschiedlichsten Problematiken fallen. Dennoch wird er auf Grund von Einheitlichkeit und auch aus Mangel an alternativen Begriffen weiter in der Literatur verwendet.

2.2 Entwicklungszusammenarbeit

Im Allgemeinen versteht man unter Entwicklungszusammenarbeit „Länder in ihren Bemühungen um soziale und wirtschaftliche Fortschritte zu unterstützen“ (Klingebiel, 2013, S.5).

Als konkrete Ziele der Entwicklungszusammenarbeit stehen vor allem die Beseitigung von Hunger, Analphabetismus und Krankheiten im Vordergrund (vgl. Kevenhörster/van den Boom, 2009, S.31), welche durch Geld von verschiedenen Geber-Ländern – vor allem Mitgliedern der Vereinten Nationen und der OECD – umgesetzt wird. Insgesamt soll die Entwicklungszusammenarbeit also der Verbesserung der Lebensbedingungen und auch der Entwicklung der Wirtschaft im Entwicklungsland dienen. Bereits 1970 wurde vereinbart, dass Industrieländer als Geberländer 0,7% ihrer eigenen Wirtschaftskraft für Entwicklungsländer zur Verfügung stellen sollen (vgl. Klingebiel, 2013, S. 8). Bei diesen bereitgestellten Leistungen muss es sich entweder um Zuschüsse oder vergünstigte Darlehen handeln (vgl. Klingebiel, 2013, S.6). Jedoch ist Entwicklungszusammenarbeit nicht staatlich gebunden, sondern kann auch zum Beispiel über freie Träger oder Nichtregierungsorganisationen erfolgen. Beispiele hierfür können Auslandsdirektinvestitionen, Wertpapiertransfers, Überweisungen von Migranten oder Unternehmensstiftungen sein (vgl. Janus/Klingebiel/Paulo, 2013, S.6).

Insgesamt versucht die Entwicklungszusammenarbeit also das Gefälle zwischen wohlhabenden und ärmeren Ländern in grundlegenden Lebensbedingungen zu verringern (vgl. Janus/Klingebiel/Paulo, 2013, S.2).

Zusammenfassend zeigt dies, dass Entwicklungszusammenarbeit ein sehr vielfältiger Bereich ist, der durch seine Komplexität nicht einfach zu fassen oder zu paraphrasieren ist.

2.3 Die Geschichte der Entwicklungszusammenarbeit

Bevor es zum heutigen Verständnis von Entwicklungszusammenarbeit kam, hat der Begriff selbst einen langen Weg zurückgelegt und sich dabei ständig weiterentwickelt.

Erste Erkenntnisse zur Notwendigkeit, Entwicklung durch technische Hilfsprogramme zu erzeugen, kamen nach dem zweiten Weltkrieg auf: so erweiterten in den späten 1940er und frühen 1950er Jahren die Weltbank und der Internationale Währungsfond ihr Handlungsfeld mit dem gemeinsamen Ziel der internationalen Entwicklung unter dem Dach der Vereinten Nationen und es entstand ein Netz aus Entwicklungsorganisationen wie die WHO, UNICEF, UNDP oder UNESCO (vgl. Eckert, 2015, S.5-6).

So wurde beispielsweise 1951, im ersten Bericht der Vereinten Nationen, der Entwicklungsbegriff noch synonym mit dem wirtschaftlichem Wachstum genutzt und allein das Pro-Kopf-Einkommen als ausschlaggebender Indikator gesehen, an dem sich andere Probleme orientierten (vgl. Kevenhörster/van den Boom, 2009, S.19).

In den 60er Jahren erfolgte dann die Feststellung, dass Modernisierung auf verschiedenen Ebenen und gerechte Einkommens- und Vermögensverteilungen wichtig für die Entwicklungsländer sind (vgl. Kevenhörster/van den Boom, 2009, S. 20).

Ebenso revolutionär war die Erkenntnis, dass ohne ein Mindestmaß an Eigenständigkeit keine Entfaltung der Wirtschaft in den Entwicklungsländern möglich war (vgl. ebd.).

In den 1970er Jahren etablierte sich dann die Grundbedürfnisstrategie, welche sich auf die Verbesserung von Ernährung, Gesundheut, Beschäftigung, Wohnen und Bildung konzentrierte, genau so wie auf eine Ausweitung von wirtschaftlichem Wachstum und sozialer Teilhabe (vgl. ebd.)

Insgesamt herrschte bis in die 1990er Jahre eine einfache Unterscheidung aus entwicklungspolitischer Perspektive. So wurde zwischen dem industrialisierten und wohlhabenden „Norden“ und dem armen „Süden“ unterschieden (vgl. Janus/Klingebiel/Paulo, 2013, S.3). Diese Vorstellung ging von einem homogenen Bild des globalen Südens aus, das mit der Zeit immer schwerer zu belegen war. So bildete sich in den 1980er Jahren der Begriff des „Schwellenlands“, welcher darauf deuten ließ, dass es auf der einen Seite des Spektrums weiter fortgeschrittene Länder gibt, während auf der anderen Seite die „am wenigsten entwickelten“ Länder stehen (vgl. ebd.).

Diese Entwicklung deutete eine Veränderung und Ausdifferenzierung des Südens an und ließ das homogene Bild immer unzutreffender werden. Diese Perspektive besteht bis heute und wird durch die Erkenntnis unterstützt, dass 2010 die wirtschaftliche Entwicklung in einigen wichtigen Entwicklungsländern höher war, als in der OECD-Welt (vgl. ebd.).

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668902114
ISBN (Buch)
9783668902121
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462564
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Schlagworte
Entwicklungszusammenarbeit Entwicklungsland Entwicklungsarbeit dritte Welt Globaler Süden

Autor

  • Marleen Schulz (Autor)

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