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Wie bestimmt Kant die Begriffe der Freiheit und des Gesetzes so, dass sie im Begriff der Autonomie innerlich verknüpft werden?

Essay 2016 11 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Autonomie
2.1. Autonomie als moralisches Prinzip

3. Freiheit
3.1. Der Begriff der Freiheit
3.1.1. Positive und negative Freiheit

4. Gesetz
4.1. Das moralische Gesetz
4.2. Der kategorische Imperativ

5. Freiheit und Gesetz
5.1. Vereinbarung von Freiheit und Gesetz

Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

In folgender Hausarbeit werde ich mich mit der Fragestellung „Wie bestimmt Kant den Begriff der Freiheit und des Gesetzes so, dass sie im Begriff der Autonomie innerlich verknüpft werden?“ beschäftigen. Dies geschieht größtenteils mit Bezug auf die „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“1.

Dafür erläutere ich zunächst, um die Fragestellung genauer beantworten zu können, den Begriff Autonomie und gehe auf die Autonomie als moralisches Prinzip ein, wobei die Autonomie als Prinzip des moralischen Gesetzes angerissen wird.

Der nächste Hauptpunkt, mit dem sich diese Hausarbeit beschäftigt, bezieht sich auf das Prinzip der Freiheit. Dabei gehe ich unter anderem auf die Trennung von Vernunft- und Naturwesen bei Kant ein. Daraufhin erläutere ich den Begriff der Freiheit, wobei zwei Interpretationsarten dargelegt werden. Die Begriffe der positiven und der negativen Freiheit, die in diesem Rahmen auftauchen, werden im nächsten Punkt in Bezug auf die Fragestellung “Ist der Begriff der positiven Freiheit dabei von besonderer Bedeutung?” genauer erläutert.

Als dritten Hauptpunkt lege ich nun das Gesetz nach Kant dar. Hierfür gebe ich zunächst eine kurze Begriffsdefinition, welche in dem Unterpunkt des moralischen Gesetzes noch weiter ausgeführt wird. Auf diesen Abschnitt folgend, gehe ich auf den kategorischen Imperativ bei Kant ein, der als Beispiel für das moralische Gesetz bei Kant dient und auf welchen ich mich nochmals in dem Abschnitt über die Vereinbarung von Gesetz und Freiheit beziehen werde.

Im letzten Punkt werde ich nun, nach der Erläuterung der einzelnen Begriffe und somit der Hinführung zu der Beantwortung der eigentlichen Fragestellung, den Punkt der Freiheit und des Gesetzes bearbeiten. Dabei werde ich auf die Vereinbarung von Freiheit und Gesetz durch die Autonomie eingehen. Dies wird am Beispiel des kategorischen Imperatives geschehen und die zuvor erläuterten Punkte über die Autonomie, die positive Freiheit und des moralischen Gesetzes werden in Zusammenhang gebracht werden.

2. Der Begriff der Autonomie

Im Folgenden werde ich den Begriff der Autonomie nach Kant definieren. Da Kant keine klare, zusammenfassende Begriffsdefinition gibt und den Begriff der Autonomie meist mit Hilfe von anderen Begriffen wie den der Freiheit oder den des Willens erläutert, werde ich im Folgenden eine grobe Begriffsdefinition darlegen und darauffolgenden einige unterschiedliche Begriffspaare isoliert betrachten. Das erste Begriffspaar auf das ich mich beziehen werde, ist die Autonomie als moralisches Prinzip. Hierbei gehe ich auf die Heteronomie, die im Gegensatz zur Autonomie steht, ein und daraufhin lege ich dar, dass diese als moralisches Prinzip nicht möglich ist und der Mensch somit als autonomes Wesen unabhängig von äußeren Einflüssen handeln muss, um eine Handlung nach einem moralischen Prinzip ausführen zu können.

Nach Kant bestimmt die Autonomie nicht nur die Fähigkeit der Selbstgesetzgebung, sondern wird von ihm auch als die Fähigkeit des vernünftigen Handelns und Wollens beschrieben. So ist der Mensch durch die Autonomie dazu in der Lage, von sinnlichen Motive abzusehen und dadurch rein aus der Vernunft heraus zu handeln. Aus diesem Grund bezeichnet Kant den Menschen als frei.

2.1. Autonomie als moralisches Prinzip

Die Autonomie ist das alleinige Prinzip aller moralischen Gesetze und Pflichten, weshalb nur durch diese eine allgemein gültige Ethik möglich ist.

Nach Kant ist die Autonomie die Eigenschaft des Willens, sich selbst ein Gesetz zu sein und dieses Gesetz ohne Einfluss möglicher Neigungen („Reitz oder Zwang“) zu befolgen2. Jener Einfluss von Neigungen tritt bei Gesetzen auf, die nicht dem eigenen Willen entsprechen und daher einen Handlungsanreiz besitzen müssen, da der Wille das fremde Gesetz nicht um des Gesetzes Willen haben wollen kann3. Das befolgen eines Gesetzes, dem Objekte des Willens zugrunde liegen, die einen bestimmten Zweck befolgen, bezeichnet Kant als Heteronomie. Der Imperativ, der für Kant daraus folgt, ist bedingt, da eine Handlung, wenn sie aus einer Neigung heraus geschieht und das Gewollt werden von der jeweiligen Natur des Menschen abhängt und somit zufällig ist, keine moralische Handlung sein kann und es daher nicht möglich ist, dass der Imperativ kategorisch für alle Vernunftwesen auftritt4.

Kant wendet sich damit gegen die heteronome Ethik, da der autonome Mensch unabhängig von äußeren Reizen handeln muss. Denn durch die Autonomie sei der Mensch Zweck an sich, er würde Würde besitzen und sei selbstgesetzgebend.

3. Freiheit

Die grundlegende Trennung, die Kant beim Menschen vornimmt, ist die in Vernunft- und Naturwesen. Als Naturwesen sei der Mensch den äußeren Einflüssen der Natur ausgeliefert und durch den kausalen Determinismus nicht frei. Der Begriff der Freiheit liegt dem Vernunftwesen inne, als solches kann der Mensch als „freies Ich“ agieren.

Nach Kant muss der eigene Wille frei sein, da dieser nur der eigene Wille sein kann, wenn er frei von fremden Einflüssen ist, daher muss die Freiheit allen vernünftigen Wesen, da jene einen eigenen Willen haben, beigelegt sein5.

Außerdem hat der Mensch ein Bewusstsein, nach dem er sich als frei definiert: „Alle Menschen denken sich dem Willen nach als frei.“6. Dadurch, dass der Mensch sich als frei wahrnimmt, muss jene Freiheit, nach Kant, beim Menschen vorausgesetzt werden: „Jedes Wesen, daß nicht anders als unter der Idee der Freiheit handeln kann, ist ebendarum wirklich in praktischer Hinsicht frei, d. i. es gelten für dasselbe alle Gesetze, die mit der Freiheit verbunden sind, als ob sein Wille [...] für frei erklärt würde“7.

Bei Kant ist der Begriff der Freiheit und der der Autonomie eng miteinander verknüpft. Um nun den Begriff der Freiheit definieren zu können, werde ich auf zwei Begriffsdefinitionen im folgenden Abschnitt eingehen.

3.1. Der Begriff der Freiheit

Der Begriff der Freiheit und der der Autonomie sind nur schwer voneinander trennbar, daher ist es nicht möglich eine eindeutige Bedeutungsdefinition des Begriffs der Freiheit zu geben. Aus diesem Grund werde ich zwei mögliche Interpretationsarten der Begriffsdefinitionen, die in Kants Werken zu finden sind, darlegen. Die erste mögliche Definition ist, dass der eine Begriff die Grundlage für den Anderen ist. Die Andere besteht darin, dass Freiheit und Autonomie Synonyme füreinander sind.

Nach Kants erstem möglichen Definitionsansatz sieht dieser die Freiheit als die Fähigkeit an, durch die der Menschen vernünftige Handlungsmotive den sinnlichen Motiven vorziehen kann, da er die Freiheit als das Vermögen ansieht, unabhängig von sinnlichen Neigungen und innere oder äußere Determiniertheit handeln zu können. Nach Kant würde dabei die Autonomie aus der Freiheit entspringen und die Autonomie, sowie die Moralität seien Folgen der Freiheit des Willens. Daraus lässt sich schließen, dass jene Begriffe getrennt zu betrachten sind.

Im dritten Abschnitt der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten wird jene Begriffsdefinition nun jedoch nochmals in einer anderen Definitionsmöglichkeit dargelegt, da Kant den Begriff der Freiheit und den der Autonomie gleichsetzt: „Was kann denn wohl die Freiheit des Willens sonst sein als Autonomie [...]?“8, sowie „Freiheit und eigene Gesetzgebung des Willens sind beides Autonomie“9. Dabei unterscheidet Kant in positive und negative Freiheit, wobei die positive Freiheit mit der Autonomie gleichgesetzt wird. Somit ist der Begriff der positiven Freiheit und der der Autonomie synonym zueinander, der der negativen Freiheit und der der Autonomie allerdings nicht10.

3.1.1. Positive und negative Freiheit

Im Folgenden werde ich auf die Unterscheidung von positiver und negativer Freiheit bei Kant eingehen.

In der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten gibt Kant lediglich an, dass die positive Freiheit aus der Negativen resultiert. In der „Kritik der reinen Vernunft“ erläutert er den Begriffszusammenhang nun allerdings genauer.

Die negative Freiheit, die Kant als praktischen Freiheitsbegriff definiert, gründet auf dem Grundgedanken, dass der Mensch nicht nur Teil der Verstandeswelt, sondern auch der Sinneswelt ist. Daher ist es möglich, dass eine Handlung, die als Teil der Sinneswelt aus Erscheinungen erklärt werden kann, dennoch auch dem Verstand des Menschen entspringen könne. Die negative Freiheit ist dabei jene, die unabhängig von der Willkür der Antriebe der Sinnlichkeit ist, also unabhängig von natürlichen Bestimmungen vorliegt und daher als rational bezeichnet werden kann.

Diesem Begriff der negativen Freiheit entspringt der der positiven Freiheit, welcher der Autonomie gleichgesetzt ist. Jenen transzendentalen Freiheitsbegriff definiert Kant so, dass der Mensch dazu in der Lage ist, aus der Vernunft heraus sich selbst Gesetze zu geben. Dies wird auch als Spontanität bezeichnet. Dabei tritt die Vernunftwelt unabhängig von Bestimmungen der Sinneswelt auf, wodurch keine Neigungen und Triebe die Handlung beeinflussen können und der Mensch sich durch seine Vernunft selbst bestimmen kann11.

[...]


1 Kant, Immanuel (1961): Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Stuttgart: Reclam.

2 Kant, Immanuel (1961): Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Stuttgart: Reclam. Insbes. S.446.

3 Vgl. ebd. S. 432.

4 Kant, Immanuel (1961): Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Stuttgart: Reclam. Insbes. S. 444.

5 Vgl. ebd. S. 448.

6 Vgl. ebd. S. 445.

7 Vgl. ebd. S. 448.

8 Kant, Immanuel (1961): Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Stuttgart: Reclam. Insbes. S. 446.

9 Vgl. ebd. S. 450.

10 Vgl. ebd. S. 446.

11 Kant, Immanuel (1788): Kritik der praktischen Vernunft, Köln: Anaconda. Insbes. S. 59.

Details

Seiten
11
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668920422
ISBN (Buch)
9783668920439
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462647
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Schlagworte
kant begriffe freiheit gesetzes begriff autonomie

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