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Zum Status der Montage innerhalb der feministischen Zuschauertheorie Laura Mulveys

Hausarbeit 2018 12 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die feministische Filmtheorie der 1970er Jahre
2.1 Ein Überblick
2.2 Die Zuschauerkonzeption Laura Mulveys

3. Zur Montagetheorie
3.1 Die Entstehung des Blickes
3.2 Das System des Suture
3.3 Interdependenzen zwischen Suture und Mulvey

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

Die feministische Filmkritikerin Molly Haskell schrieb im Jahr 1974: „The big lie perpetrated on Western society is the idea of women´s inferiority, and the movie business is an industry dedicated for the most part to reinforcing the lie.“1

Dieser Satz spiegelt den Kerngedanken der feministischen Filmtheorie wider, die davon ausgeht, dass die konventionelle Filmform latent durch die patriarchalische Ordnung strukturiert ist, und gleichzeitig deren Werte und Auffassungen vermittelt und verbreitet. Wodurch aber gewinnt der Film die Macht, die Wahrnehmung des Zuschauers derartig zu manipulieren, dass dieser hiervon keine Notiz nimmt? Von wegweisender Bedeutung in der Ergründung dieser Frage ist Laura Mulveys 1975 erschienener Aufsatz „Visuelle Lust und narratives Kino“, nicht zuletzt, weil sie als erste Filmtheorie, feministische Denkstrukturen und psychoanalytische Theorien zusammenführte.

Aufgrund dessen exemplarischen Status widmet sich die vorliegende Arbeit ausschließlich dem Werk Laura Mulveys, und untersucht anhand der Analyse filmischer Repräsentationsformen, welchen Status die Montage innerhalb ihrer Theorie innehat. Der Betrachtungsschwerpunkt liegt auf der feministischen Filmtheorie der 1970er Jahre, vor deren Hintergrund Mulveys Essay entstand, und dem klassischen Hollywoodkino.

Zuerst erfolgt eine kurze Einführung in die Entwicklung und Anliegen der feministischen Filmtheorie der 1970er Jahre, woraufhin die Zuschauerkonzeption Mulveys näher beleuchtet wird. Es folgen Einführungen in die Grundlagen der Montage- und Suturetheorie, und schlussendlich die Untersuchung von Interdependenzen zwischen der feministischen Filmtheorie Mulveys und des Systems des Suture.

Als Materialbasis dienen Laura Mulveys „Visuelle Lust und narratives Kino“, sowie „The Tutor - Code of Classical Cinema“ von Daniel Dayan und das Werk „Film Theory. An introduction through the senses“ von Elsaesser und Hagener.

2. Die feministische Filmtheorie der 1970er Jahre

2.1 Ein Überblick

Die feministische Filmtheorie entstand zu Beginn der 1970er Jahre aus den politischen Unruhen des vorangegangenen Jahrzehnts heraus.2 In den Anfängen ihrer Entwicklung war ihr Ziel jedoch weniger die Entstehung einer wissenschaftlichen Theorie, sondern vielmehr einen Beitrag für die Frauenbewegung zu leisten, indem man versuchte, anhand von journalistischen Mitteln eine möglichst breite Öffentlichkeit für die Filmarbeit von Frauen zu schaffen. Auf diese Weise konnten die Feministinnen ihr politisches Anliegen formulieren und sich gegen eine Filmwissenschaft einsetzen, die das Kino zu einem wissenschaftlichen Gegenstand fern jeglicher sozialer Praxis reduziert.3

Allerdings impliziert die feministische Arbeit in diesem Kontext nicht allein die Auseinandersetzung mit der Arbeit von Frauen in der Filmbranche, sondern auch die Ausarbeitung feministischer Analysen und Filmproduktionen und Untersuchung des Selbstverständnisses der Frauen im Publikum. Ausgangspunkt für Letzteres waren anfangs noch einzig die persönlichen Erfahrungen der feministischen Theoretikerinnen als Zuschauerinnen und Filmemacherinnen4, bis man in den frühen 1970ern begann, das theoretische Instrumentarium der Psychoanalyse hinzuzuziehen. Mithilfe der psychoanalytischen Theorie, zentral die Werke Sigmund Freuds, wurde nicht nur ein intellektueller Rahmen, ein wissenschaftliches Fundament für die Überlegungen der Feministinnen geschaffen, sondern ihnen auch Zugang zur Psyche und zur Bedeutung von Geschlecht und Sexualität gewährt.5 Anhand dieses Zuganges versucht die feministische Filmtheorie, die vielen Wege zu ergründen, in denen der weiblichen Kinobesucherin das Erlebnis der traditionell männlichen Schaulust verweigert wird und sucht eine Erklärung dafür, warum die Frau auf keiner Leinwand der Welt als Subjekt ihrer eigenen Rechte dargestellt wird.6

Diesen dem Mann gegenüber unterlegenen Status der Frau auf der Leinwand deuteten die Feministinnen als Symptom für die Position der Frau innerhalb einer patriarchalischen Ordnung, während sie darin gleichzeitig Parallelen zum fetischisierten und sexualisiertem Bild der Frau in der Populärkultur erkannten. Somit wurde das klassische Hollywoodkino mit seiner immensen Popularität und dem Bestreben, die Vorstellungswelt seines riesigen Publikums zu bedienen, zum unabdingbaren Analysegegenstand der durch die Cinephilie der 1960er Jahre geprägten feministischen Filmtheoretikerinnen. Darüber hinaus erwies sich das Studiosystem Hollywood als überaus geeignet für die Applikation der psychoanalytischen Theorien7, man konzentrierte sich auf feministischer Seite also in den 1970er Jahren auf die Analyse von Hollywoodfilmen unter dem Aspekt des Voyeurismus, der Ausstellung der Frau als Spektakel und zentraler Figur innerhalb eines ästhetischen und ideologischen Systems.8 Die Auseinandersetzung mit genau diesen Komponenten war Anlass und bildete das Fundament für den in der noch jungen Entwicklung der feministischen Filmtheorie wegweisenden Essay „Visuelle Lust und narratives Kino“ von Laura Mulvey (1975).9

2.2 Die Zuschauerkonzeption Laura Mulveys

„Laura Mulveys bahnbrechender Aufsatz Visual Pleasure and Narrative Cinema, der im Zusammenhang der Avantgarde der frühen 70er Jahre, in deren Kontext sich ein Bewußtein über das Verhältnis von Filmsprache und Politik gebildet hatte, entstanden war, eröffnete für die Filmtheorie ein neues Terrain.“10

Laura Mulveys Kernthese in ihrem Aufsatz „Visuelle Lust und narratives Kino“ ist, dass alle Hollywood- Narrationen einzig und allein darauf ausgerichtet sind, die Schaulust der Männer zu befriedigen.11 Dieses Phänomen des Vergnügens am Kino fundiert sie anhand der psychoanalytischen Theorien Sigmund Freuds und Jaques Lacans, sowie des Suture- Systems12, und untersucht zudem den Status der Frau im Film. Sie selbst schreibt dazu: „Als hochentwickeltes Repräsentationssystem wirft das Kino die Frage auf, wie das Unbewußte [der patriarchalischen Ordnung] Wahrnehmungsformen und die Lust am Schauen strukturiert.“13

[...]


1 Haskell 1974, zit. n. Mari Ruti, Feminist Film Theory and Pretty Woman, New York [u. a.] 2016, S. 18.

2 Vgl. ebd., S.17.

3 Vgl. Heide Klippel, Feministische Filmtheorie, in: Moderne Film Theorie, hg. Von Jürgen Felix, Mainz 2002, S. 168 – 169.

4 Vgl. ebd., S. 168.

5 Vgl. Laura Mulvey, Ein Blick aus der Gegenwart in die Vergangenheit: Eine Re- Vision der feministischen Filmtheorie der 1970er Jahre, in: Screenwise. Film. Fernsehen. Feminismus, hgg. von Monika Bernold, Andrea B. Braidt und Claudia Preschl, Marburg 2004, S. 21.

6 Vgl. Linda Williams, Feminist Film Theory: Mildred Pierce and the Second World War, in: Female Spectators. Looking at Film and Television, hg. Von E. Deidre Pribram, London, New York 1988, S. 12.

7 Vgl. Mulvey, Ein Blick aus der Gegenwart in die Vergangenheit: Eine Re- Vision der feministischen Filmtheorie der 1970er Jahre, S. 20 – 21.

8 Vgl. ebd., S. 18.

9 Vgl. ebd., S. 22.

10 Lippert 1995, zit. n. Marisa Klasen, James Bond 007 "Goldfinger" - Eine Analyse anhand der feministischen Filmtheorie - Die Inzenierung und narrative Funktion der Bond-Girls, Habil., Ruhr- Universität Bochum 2004.

11 Vgl. Heide Klippel, Feministische Filmtheorie, S. 170.

12 Hierauf wird in Kapitel 3.2 genauer eingegangen.

13 Laura Mulvey, Visuelle Lust und narratives Kino, in: Weiblichkeit und Maskerade, hg. Von Liliane Weissberg, Frankfurt am Main 1994, S. 50.

Details

Seiten
12
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668922426
ISBN (Buch)
9783668922433
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462712
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
status montage zuschauertheorie laura mulveys

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