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Professionsdefiziten in der Sozialen Arbeit marketingstrategisch begegnen

Hausarbeit 2019 13 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Professionsdiskurs in der Sozialen Arbeit
1.1 Professionsbegriff
1.2 Professionsdefizite

2. M a rketingstrategische Chancen
2.1 Definition Marketing
2.2 Corporate Identity
2.2.1 Corporate Image
2.2.2 Corporate Design
2.2.3 Corporate Communications

3. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Professionsdebatte in der Sozialen Arbeit ist eine häufig diskutierte und in der Fachliteratur oft wiederkehrende Thematik. Die Soziale Arbeit wird gesellschaftlich oftmals belächelt und in Frage gestellt. „Das kann doch jeder“ (Seithe, 2012, S. 31). Mit diesen und anderen Formulierungen werden Angehörige der Sozialen Ar- beit oftmals konfrontiert. Einige mögliche Gründe für die Evokation der Legitimati- onskritik sollen im Rahmen dieser Hausarbeit erörtert werden. Dazu soll zunächst der Terminus „Profession“ definiert werden, um anschließend konkrete Professi- onsdefizite aufzuzeigen.

Nachdem Professionsschwächen abgebildet wurden, soll im zweiten Teil der Ar- beit geprüft werden, ob dem Professionsdefizit, mit dem sich die Soziale Arbeit konfrontiert sieht, marketingstrategisch begegnet und möglicherweise entgegen- gewirkt werden kann. Expliziert werden sollen also Chancen, die sich aus den the- oretischen Hintergründen des Wissens über Marketing ergeben. Dazu wird die Be- grifflichkeit „Marketing“ zunächst definiert, um anschließend punktuell theoretische Marketinginhalte aufzugreifen, aus der möglicherweise eine positive Veränderung der Professionsidentität der Sozialen Arbeit resultieren könnte. Im Speziellen wird sich dem „Corporate Identity“ Ansatz bedient, der als Grundlage der professions- stärkenden Überlegungen dienen soll. Dabei werden die meist unternehmensspe- zifischen Inhalte bewusst auf die Soziale Arbeit als Gesamtkonstrukt übertragen.

Im Fazit soll abschließend zusammengefasst werden, ob aus marketingstrategi- scher Sicht Veränderungen der professionellen Identität des Berufsfeldes möglich sind aber auch veranschaulicht werden, welche Grenzen den Veränderungen ge- setzt sind.

1.0 Professionsbegriff

Abbott (1988) beschreibt Professionalität so: „(...) professions are exclusive occu- pational groups applying somewhat abstract knowledge to particular cases." (S. 8). Demnach wird abstraktes und erlerntes Wissen auf den spezifischen Einzelfall angewendet. Aus dem erlernten abstrakten Wissen können somit professionelle Problembeschreibungen, Handlungsmuster und Methoden entwickelt werden. Glaubt man Abbott, bedarf es also einem abstrakten und wissenschaftlichen Wis- sensfundus, der in Deutschland an Universitäten und Hochschulen erlangt werden kann.

1.1 Professionsdefizite

Schilling und Klus erläutern einen ersten Aspekt, der die Professionsschwäche der Sozialen Arbeit widerspiegelt, möglicherweise aber auch begünstigt. Demnach weist die Fachliteratur unterschiedlichste Begrifflichkeiten für ein grundsätzlich identisches Berufsfeld auf. Es kursieren also Begrifflichkeiten wie Sozialarbeit, So- ziale Arbeit oder Sozialpädagogik. Somit herrscht keine Einigung darüber, wie das Berufsfeld namentlich benannt werden soll. Dieses Begriffschaos führt zu Unklar- heiten und einer unausgereiften Repräsentation in der Öffentlichkeit (2015, S. 234).

Ebenso artikuliert Oechler die Bedeutung der Sozialen Arbeit als Dienstleistungs- erbringer. Zwar sind schon seit Längerem Bestrebungen der Etablierung einer qualitativen Sicherstellung der geleisteten Arbeit festzustellen, einige qualitative Negativattribute gehen jedoch zwangsweise mit der Arbeit im Dienstleistungssek- tor einher. Zuerst ist das Negativattribut der Immaterialität zu nennen, was bedeu- tet, dass die Soziale Arbeit auf den ersten Blick keine physisch sichtbaren Leistun- gen erbringt. Das kann dazu führen, dass Unsicherheiten entstehen können, ob überhaupt etwas geleistet wurde. Weiterhin ist die Verrichtung Sozialer Arbeit nicht lagerfähig. Das heißt, es können nicht, wie beispielsweise in Industriekonzernen, Autos auf Vorrat produziert werden, die eine gewisse Zeit lagerfähig sind, bevor sie verkauft werden. Die Verrichtung sozialer Arbeit wird im Moment der Produk- tion auch verwertet. Daraus resultiert als Konsequenz auch die komplexe Mess- barkeit der geleisteten Arbeit. In einem gewissen Maße ist die Soziale Arbeit zwar mensurabel, durch beispielsweise Zielplanungsgespräche, jedoch nicht ansatz- weise in dem Maße, wie es in der Industrie möglich ist (2009, S. 47-49).

Eklektizismus. Die Soziale Arbeit als Wissenschaft bedient sich in besonderem Maße anderer Bezugsdisziplinen. Darunter fallen unter anderem Wissenschaften wie Psychologie, Erziehungswissenschaften, Rechtswissenschaften, Medizin, Po- litikwissenschaften und Soziologie (Klüsche, 1999, S. 83-89). Die Notwendigkeit des Zurückgreifens auf andere wissenschaftliche Disziplinen unterstreicht den Mangel an professionsinternen Methoden und Wissensbeständen.

Am Beispiel der Schulsozialarbeit soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit die defizi- täre Finanzierungssituation Sozialer Arbeit illustriert werden. Speck mahnt an, dass das Gehaltsniveau der Schulsozialarbeit statistisch gesehen weit unter dem der Lehrerschaft liegt. Es wird zwar keine identische Arbeit geleistet, da sich die Lehrerschaft priorisierend auf die Wissensvermittlung fokussiert und die Soziale Arbeit auf die soziale Förderung der Schülerschaft, jedoch impliziert eine Ungleich- heit des Entgeltes auch eine unausgeglichene Wertschätzung der Handlungsfel- der. Für eine Begegnung zweier Professionen auf Augenhöhe, wäre eine Anglei- chung der Vergütung notwendig (2014, S.105). Dieses Beispiel soll noch einmal konkretisieren, dass die Soziale Arbeit auch im Bereich Finanzierung vergleichs- weise defizitäre Professionsstrukturen aufweist.

Die Soziale Arbeit weist weiterhin ein Promotionsdefizit auf. Demnach gibt es nur wenige professionsinterne Doktoren und Professoren mit Kerngebieten der Sozia- len Arbeit. Als Konsequenz hat die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit auch eine Promotionsförderung speziell aufgrund der zuvor genannten Problematik ins Leben gerufen (Gahleitner, Kraus, & Schmitt, 2012, S. 16). An dieser Stelle wird schon aufgrund der Begrifflichkeiten deutlich, dass sich die Soziale Arbeit ohne Professoren in der Außenwirkung als unprofessionelles Handlungsfeld entpuppt, da es nicht genügend fachspezifische Expertengruppen gibt.

Nachdem nun einige Professionsdefizite der Sozialen Arbeit beleuchtet wurden, soll im nächsten Schritt analysiert werden, inwiefern die Verwendung marketing- strategischer Ansätze den Professionsdefiziten begegnen und entgegenwirken kann. Dazu soll zu Beginn geklärt werden, welche Bedeutung der Terminus „Mar- keting“ im Kontext der Sozialen Arbeit und im Speziellen in Bezug auf die vorlie- gende Thematik hat.

2.0 Definition Marketing

Der Marketingbegriff weist in der Fachliteratur eine Vielzahl unterschiedlicher In- terpretationen auf. Grundlegend kann festgehalten werden, dass es sich beim Mar- keting um ein Beeinflussungsinstrument handelt, bei dem ein Unternehmen ver- sucht den Verkauf von Produkten zu erhöhen um eine Gewinnmaximierung zu er- reichen (Meffert, Burmann, Kirchgeorg & Eisenbeiß, 2019, S. 13-14). Seifert und Boehmer gebrauchen den Begriff des Sozialmarketing. Unter Sozialmarketing wer- den alle Aktivitäten verstanden, die zum Ziel haben die Akzeptanz und Anerken- nung sozialer Dienstleistungen zu etablieren und zu fördern (2017, S. 234). Da die Fachliteratur ein breites Spektrum an Definitionen offeriert, soll sich vor dem Hin- tergrund der Thematik dieser Hausarbeit auf diese kurzen Definitionen beschränkt werden. Ebenso soll der Fokus nicht auf einzelne Dienstleistungsunternehmen ge- richtet werden, sondern der Versuch unternommen werden, die Soziale Arbeit als Gesamtkonstrukt vor dem Hintergrund marketingstrategischer Ansätze weiterzu- entwickeln. Der ausgewählte Ansatz, der als Ideengrundlage dienen soll, ist der „Corporate Identity“ Ansatz.

2.1 Corporate Identity

Corporate Identity kann mit der Begrifflichkeit der Firmenidentität übersetzt werden und beinhaltet alle Merkmale, die ein Unternehmen auszeichnet und für die ein Unternehmen steht. Die Corporate Identity gibt Aufschluss darüber, welche Leis- tungen angeboten werden, wie hoch die Qualität ist und weitere firmenbezogene Spezifika. Die theoretische Auslegung des Corporate Identity Ansatzes bezieht sich grundsätzlich auf einzelne Wirtschaftsunternehmen (Herbst, 2001, S. 13-14). Einige Ideen dieses Konzeptes können allerdings auch zur Professionsstärkung der Soziale Arbeit transferiert und genutzt werden. Die Soziale Arbeit ist dabei als Unternehmen zu verstehen. Der Corporate Identity Ansatz kann untergliedert wer- den in die Subkategorien Corporate Image, Corporate Design und Corporate Com- munications und soll als Strukturgeber der folgenden Abschnitte fungieren.

2.1 Corporate Image

Corporate Image bezeichnet die kollektive Imagination eines Unternehmens durch die Öffentlichkeit. Die Kollektivvorstellung bezeichnet dabei nicht die Selbstdarstel- lung eines Unternehmens, sondern die Außenwirkung in der Gesellschaft (Kiess- ling, 2012, S. 123). Genau darum soll es im in den folgenden Abschnitten gehen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668923812
ISBN (Buch)
9783668923829
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v462810
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,0
Schlagworte
Soziale Arbeit Marketing Corporate Identity Corporate Design Professionsdefizite Corporate Communications

Autor

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