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Formen der sozialen Segregation in Münchner Stadtteilen

Hausarbeit 2018 16 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhalt

1. Hinführung zum Thema.

2. Segregation
2.1 Formen der Segregation
2.1.1 Ethnische Segregation
2.1.2 Soziale Segregation
2.2 Ursachen der Segregation

3. Berg am Laim
3.1 Integriertes Handlungskonzept Berg am Laim
3.2 Soziale Segregation im Stadtteil Berg am Laim

4. Stadtteilstudien
4.1 Vergleich Stadtteilstudie 2009 und 2015
4.2 Vergleich der Bürgerbefragungen 2010 und 2015
4.3 Auswertung/Rückführung auf das Programm „Soziale Stadt“

5. Zusammenfassung/Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Hinführung zum Thema

Innerhalb der Exkursion zur Perspektive München, im Rahmen einer Vorlesung, besuchten wir Herrn Peters, der im Referat für Stadtplanung und Bauordnung arbeitet. Herr Peters spricht von einer wachsenden Stadt in einer wachsenden Region. Eine Schätzung der Stadt München (vgl. Landeshauptstadt München, Bevölkerungsprognose 2015 bis 2035) prognostiziert einen Zuwachs von 300000 Einwohner für die Stadt und 450000 Einwohner für die Region München im Zeitraum von den Jahren 2015 bis 2035. Somit muss München eine immer höhere Einwohnerdichte pro Quadratmeter meistern. Dieses Wachstum betrifft alle infrastrukturrelevanten Altersgruppen. Anhand der Bürgerbefragungen der Jahre 2010 und 2016 gibt es eine tendenziell sinkende Zufriedenheit der Bürger in München. In der vorliegenden Arbeit soll erörtert werden, ob und inwieweit das bisherige Bundesprogramm der Städtebauförderung und Stadtsanierung „Soziale Stadt“ einer Verbesserung der Segregation führte oder noch beitragen könnte. Die Arbeit wird sich dabei speziell am Beispiel des Münchener Stadtteils Berg am Laim orientieren und auf die soziale Ungleichheit, genauer gesagt auf soziale Segregation, eingehen.

Zu Beginn wird der Begriff der sozialen Ungleichheit in Verbindung mit Segregation definieren. Das Programm „Soziale Stadt“ und deren für diese Arbeit relevanten Teilprojekte, die im integrierten Handlungskonzept 2017 verankert sind, sollen im Anschluss dargestellt werden. Dies soll die Grundlage sein, um im letzten Teilbereich anhand des Vergleichs der Stadtteilstudien und /oder Bürgerbefragungen die Antwort auf meine Frage, inwieweit auf die sozialen Segregation eingegangen wurde und ob diese durch die Umsetzung des Konzepts aufgefangen werden kann im Hinblick auf den zu erwartenden Einwohnerwachstum, zu bekommen.

2. Segregation

Segregation wird in der sozialwissenschaftlichen Literatur unterschiedlich weit gefasst. Der Versuch eine einheitliche Definition zu finden, scheitert an der Weitläufigkeit des Begriffes und den unterschiedlichen Ausprägungen der Segregation. Hermann et Al. (2005: 17) definieren die Segregation wie folgt: „Als Segregation wird der Vorgang der räumlichen Entmischung der Wohnbevölkerung nach einem bestimmten Merkmal (z.B. soziale Struktur, Alter, Sprache, usw.) innerhalb eines Gebietes bezeichnet.“ Mit Gebiet ist ein städtischer, eingrenzbarer Raum gemeint. Dangschat (1994: 427) spricht von „Attraktions- und Abstoßungsprozessen zwischen Mitgliedern unterschiedlicher sozialer Aggregate bei der Aneignung von Wohnraum oder städtischem öffentlichen Raum“ und hebt damit die Bedeutung von Nähe für die Thematik hervor. Für Friedrichs (1983: 217) ist allerdings der Aspekt der Ungleichverteilung wichtiger. Er versteht Segregation im Speziellen als „disproportionale Verteilung von Elementarten über die Teileinheiten einer Einheit“. Zwar ist diese eher eine abstrakte Definition, führt aber vor Augen, dass das Phänomen Segregation verschiedenste Disziplinen beschäftigt, nicht nur die sozialwissenschaftlichen. Außerdem weist Friedrichs (1983: 217-218) darauf hin, dass Segregation nicht auf räumliche Fragestellungen begrenzt ist. Es wird zwischen räumlicher und zeitlicher Segregation unterschieden. So kann ein und derselbe Ort zu verschiedenen Zeiten von jeweils anderen Bevölkerungsgruppen genutzt werden; beispielsweise ein Vergnügungsviertel tagsüber von Bewohnern aus der Nachbarschaft und abends von Touristen oder jungen Menschen. Dies verdeutlicht, dass Segregation auch ausschließlich merkmalsbezogen betrachtet werden kann. Zwei weitere Forscher, Kalter und Garanto (2004: 72-79) untersuchen mit segregationsanalytischen Methoden die ungleiche Verteilung von Deutschen und Migranten über kombinierte Alters- und Geschlechtskategorien, sowie über Bildungs- und Erwerbskategorien. Wie die obigen Definitionen zeigen, kann Segregation darüber hinaus als Prozess verstanden werden, der zu einer Ungleichverteilung führt, aber auch die Struktur der Ungleichverteilung selbst bezeichnen. Beides kann sich wie beschrieben auf eine räumliche, zeitliche oder Merkmalsdimension beziehen.

Friedrichs (1983: 217) erkennt die Verschiedenheit der unterschiedlichen Segregationen und erkennt drei Nuancen der Ausprägung:

- Segregation im engeren Sinne als Ausmaß der ungleichen Verteilung von Elementen über städtische Teilgebiete eines Gebiets
- Konzentration als Anteil einer Bevölkerungsgruppe in einem Teilgebiet an der dortigen Gesamtpopulation
- Räumliche Distanz als räumliche Abstände zwischen Personen oder Wohnstandorten in einem Teilgebiet

Die Definition von Friedrichs bezieht sich mit dieser Aufschlüsselung auf den städtischen Raum. Die Dreiteilung von Segregation in Ungleichverteilung, Konzentration und Distanz lässt sich jedoch auf alle 3 Dimensionen Raum, Zeit und Merkmal anwenden. Allgemein ist in der sozialwissenschaftlichen Literatur mit Segregation die ungleiche Verteilung oder Entmischung von Wohnorten verschiedener Bevölkerungsgruppen über verschiedene Stadtgebiete gemeint. (Vgl. Alisch, 2005: 504) Die verschiedenen Formen der Segregation werden grundsätzlich in von ethnische oder soziale Segregation unterteilt. (Ebd. :507) Letzteres meint gelegentlich auch die Ungleichverteilung sozialer Verkehrskreise und Aktionsräume (vgl. Dangschat 2014: 108).

2.1 Formen der Segregation

Die Segregation wird den beiden Teilgebieten nach untersucht. So stehen auf der einen Seite der Betrachtung die der soziale Status und auf der anderen Seite ethnische und religiöse Kriterien. (Vgl. Friedrichs 1983: 169f) Im Folgenden sollen die beiden Formen der sozialen Segregation voneinander abgegrenzt werden.

2.1.1 Ethnische Segregation

„Gleich und gleich gesellt sich gern“, lautet ein altes Sprichwort und es ist wohl allgemein bekannt, dass Menschen sich wohler fühlen, wenn sie sich in ihrer Gesellschaftsschicht bewegen, als in einer ihnen unbekannten. Dieser Umstand begünstigt die Konzentration einander ähnelnden Bevölkerungsanteile auf bestimmte Stadtteile.

In der Stadtsoziologischen Wissenschaft wird eine solche Konzentration, verbunden mit getrennten Wohnbereichen und Lebensstilen als „Segregation“ bezeichnet. Bezieht sich diese Trennung auf Personengruppen bestimmter nationaler Herkunft oder Volkszugehörigkeit, dann wird von „ethnischer Segregation“ gesprochen.

Weiterhin wird zwischen freiwilliger und erzwungener Segregation unterschieden.Während viele Migranten, aber auch die heimische Unterschicht aus ökonomischen Gründen dazu gezwungen sind, in Gebieten zu wohnen, in denen die Mietpreise der Wohnungen gering sind, können der heimische Mittelstand und vor allem die heimische Elite ihren Wohnort frei wählen. Insbesondere bei Migranten entsteht Segregation, neben finanziellen Defiziten, durch Diskriminierung durch die Vermieter, die aus rassistischen Gründen, wegen Vorurteilen oder schlechten Erfahrungen nur an deutsche Interessenten vermieten.

2.1.2 Soziale Segregation

Wenn es allerdings um Schichtunterschiede (z.B. Unterschiede im Einkommen, in der Bildung oder in beruflichen Hierarchien) geht, dann wird von sozialer Segregation gesprochen. Soziale Segregation liegt immer dann vor, wenn die Segregation durch soziale Unterschiede innerhalb einer Stadt und die räumliche Konzentration der Wohn- und Lebensräume bestimmter Bevölkerungsgruppen mit gleichen sozialen Merkmalen, beispielsweise Nationalität, Religion und soziale Schicht in verschiedenen Stadtgebieten bedingt ist. Bei dieser Interpretation der Segregation wird auf die Sozialstruktur und auf die sozialen Ungleichheiten einer Bevölkerung in räumlicher Hinsicht eingegangen. Dabei wird angeführt, dass die unterschiedliche Konzentration von Bevölkerungsgruppen in einigen Wohngebieten durch die Entscheidung für oder gegen ein Wohngebiet bestimmter Bevölkerungsgruppen oder durch Effekte des Wohnungsmarktes wie beispielsweise hohe Mietkosten oder Sozialwohnungen entsteht. Auch diese Form der Segregation kann freiwillig erfolgen durch die bewusste Wahl einer sozialen Gruppe eines Stadtviertels oder aber auch erzwungen werden. Ein zu erwähnendes Beispiel dabei wäre die Abschiebung in Ghettos.

2.2 Ursachen der Segregation

Für Segregation werden drei Faktoren verantwortlich gemacht:

Die selektive Migration wird als offensichtlichster Punkt angeführt. Diese führt zu systematischen Mustern bei der Wohnortwahl.

„Die Wanderungsvorgänge zwischen den einzelnen Teilräumen der Stadt sowie zwischen Stadt und Umland führen in den Herkunfts- und Zielgebieten zu Entmischungs- und Verdichtungsprozessen bestimmter Bevölkerungsgruppen.“ (Bähr 2004: 327) Dies kann aus freien Stücken, bis hin zu Zwangsmaßnahmen wie Zuweisung von Sozialwohnungen oder Asylunterkünften geschehen. Der nächste relevante Grund sind natürliche Bevölkerungsbewegungen durch Geburten und Sterbefälle, die je nach Bevölkerungsgruppe und Stadtgebiet anders ablaufen können. Die Entwicklungen können dabei gänzlich unterschiedlich ablaufen. In Wohngebieten mit einem hohen Ausländeranteil kann die Geburtenrate sehr hoch ausfallen und sich dadurch überdurchschnittlich viel Bewegung entwickeln, in Stadtteilen mit einem hohen Rentneranteil kann durch die hohe Sterberate eine unterdurchschnittliche Bewegung entwickeln.

Entmischungs- und Verdichtungsprozesse sollten dann forciert werden.Drittens kann sich die soziale Position der in einem Gebiet ansässigen Bevölkerung in einem kollektiven Maßstab ändern (soziale Mobilität). Sind beispielsweise bestimmte Stadtviertel mit einem hohen Arbeiteranteil von der Deindustrialisierung stärker betroffen als andere, verschlechtert sich der soziale Status dieses Gebiets insgesamt. Häußermann und Siebel (2004: 160) sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Fahrstuhleffekt nach unten“. Neben solchen Veränderungen entlang der vertikalen Statusskala ergeben sich auch horizontale Verschiebungen der sozialen Lage ohne Statusänderung, beispielsweise wenn sich durch eine neue Phase im Lebenszyklus Familiensituation und Haushaltsform vieler Bewohner eines Viertels ändern. Die genannten Faktoren bestimmen unmittelbar und gleichsam physisch die Bevölkerungszahl und -struktur in einem Gebiet.

3. Berg am Laim

Berg am Laim (bayerisch auch Berg am Loam) ist der Stadtbezirk 14 der bayerischen Landeshauptstadt München. Berg am Laim gehört, seit der Neugliederung im Jahr 1992, gemessen an der Einwohnerzahl zu den kleinsten Münchner Stadtbezirken.

Im Stadtbezirk leben 44.268 Menschen. Die Einwohnerzahl wächst seit einigen Jahren kontinuierlich an, 2000 waren es knapp über 37.000 Einwohner. Der Ausländeranteil beträgt 26,4 Prozent und liegt damit 3,4% über dem städtischen Durchschnitt. Der Anteil der Einpersonenhaushalte liegt mit 54,3 Prozent im städtischen Mittel. 24,9 Prozent der Haushalte sind Zweipersonenhaushalte, 20,8 Prozent der Haushalte werden von drei oder mehr Personen bewohnt. Seit der Volkszählung vom 25. Mai 1987 ist die damalige Einwohnerzahl von 34.380 um rund 16 Prozent angestiegen. Das ist vor allem auf das seither entstandene Neubaugebiet an der Jella-Lepman-Straße sowie auf Nachverdichtungsmaßnahmen im gesamten Stadtteil zurückzuführen. Zum Jahresende 2006 waren im Stadtbezirk 1.374 Menschen als arbeitslos gemeldet.

Laut Schuldneratlas von Creditreform ist Berg am Laim der Münchner Stadtteil mit der höchsten Quote überschuldeter Erwachsener (11,8 Prozent im Jahr 2018), die ihre Schulden nicht mehr bedienen können. (Vgl. Süddeutsche verfügbar unter https://www.sueddeutsche.de/muenchen/schuldneratlas-jeder-elfte-muenchner-ist-ueberschuldet-1.3874333)

3.1 Integriertes Handlungskonzept Berg am Laim

Das integrierte Handlungskonzept für Berg am Laim zeigt die Entwicklung und Perspektive für Berg am Laim auf. Das Handlungskonzept dokumentiert weiterhin die Erfolge, die durch die Maßnahme „Soziale Stadt“. In dem vorliegenden Handlungskonzept werden erfolgreiche und nachhaltige Entwicklungsprozesse verzeichnet.Das Handlungskonzept sieht vor diese Erfolge zu sichern und weitere Projekte zu realisieren.

Als bisherige Maßnahmen zur Gebietsaufwertung seit 2006 werden als unterschiedliche Faktoren zusammengefasst, auch die die über die unmittelbare Förderung des Stadtgebietes hinausgehen. Intensive Bau- und Sanierungsmaßnahmen werden genauso dazugezählt wie unzählige kleine Initiativen, insbesondere im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsektor. Auch Begegnungsorte für die Bewohner wurden im Rahmen des Handlungskonzeptes geschaffen. Weiterhin wird betont, dass die Zusammenarbeit zwischen den Trägern, wie beispielsweise den Schulen und den Verwaltungsressorts intensiviert und verbessert werden konnte. Das Konzept listet alle Projekte der Sozialen Stadt zur Förderung des Stadtteilgebietes aufgelistet, allerdings ist die Nennung einer konkreten Zahl nicht möglich, da einige Projekte sich überschneiden. Die Projekte umfassen die Bereiche Wohnen, Wohnumfeld, Verkehr, Lärmschutz, Grünflächen, Freiflächen und soziale Infrastruktur, welcher Bildung, gesellschaftliche Teilhabe, Gesundheit und Zusammenleben beinhaltet. Die Stadt München stellt außerdem Gelder für die Unterstützung von sozial schwachen Familien und die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt zur Verfügung. Das Handlungskonzept sieht außerdem die Förderung der lokalen Ökonomie vor. Das Ziel dabei ist es in dem Stadtgebiet eine Ökonomie mit einer ähnlichen Zielrichtung zu bündeln. Ziel des Handlungskonzeptes ist es die Identitätsbildung und Selbstwertschätzung der Bewohnerschaft zu steigern.

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Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668924635
ISBN (Buch)
9783668924642
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463013
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Schlagworte
formen segregation münchner stadtteilen

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Titel: Formen der sozialen Segregation in Münchner Stadtteilen