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Ist der Journalismus eine Männerdomäne?

Hausarbeit 2018 12 Seiten

Geschlechterstudien / Gender Studies

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 JOURNALISMUS
2.1 JOURNALISTENBEGRIFF
2.2 JOURNALISTENBERUF

3 FRAUEN IM DEUTSCHEN JOURNALISMUS
3.1 ErwerbstAtigkeitvon Frauen in Deutschland
3.2 Status Quo - Frauen im Journalismus
3.3 BeschAftigung innerhalb der Branche
3.4 Exkurs Bewegungen

4 FAZIT UNDKRITIK

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Frauenanteil nach Medientypen 1993 und 2005 (Quelle: Frohlich 2007, S. 68) 6

1 Einleitung

Journalist sein. Einem Beruf nachgehen, bei dem wir eine Stimme haben. Bei dem wir mit unseren Arbeiten, ob in schriftlicher Oder audio-visueller Form einen Einfluss auf die Rezipienten nehmen. Ganz gleich ob wir lediglich informieren, faszinieren Oder gar aufklaren mochten. Einem Journalisten wird in seinem Beruf abverlangt, sorgfaltig zu recherchieren, auf einen breiten Wortschatz zuruckgreifen zu konnen und schlieBlich uber eine kommunikative Starke zu verfugen. Theoretisch ist es heutzutage zunachst also nicht wichtig, ob Mann Oder Frau diesen Berufausubt.

Claudia Neumann ist Sportjournalistin und hat in diesem Jahr als erste Frau ein Champions- League-Spiel kommentiert. Auch bei derWeltmeisterschaft2018 wurde sie als Kommentatorin eingesetzt. Dafur erntete sie scharfe Kritik, sexistische Beleidigungen und Shitstorms in den sozialen Medien. (vgl. Dorr 2018). Hierbei ist es naturlich auch vordergrundig zu betrachten, dass FuBball ein Sport ist, der von Mannern dominiert wird und eine Frau „sowieso keine Ahnung davon hat". Auf Grund ihrer Expertise auf diesem Gebiet ist sie jedoch qualifiziert fur diesen Beruf. Sie scheint jedoch nicht toleriert zu werden, als (Sport)reporterin, weil sie eben eine Frau ist. Aber auch wahrend des Lesens verschiedener Ressorts, vor allem in den Qualitatsmedien gewinnt man den Eindruck, dass auch der Journalismus im Allgemeinen primar der Mannerdomane zuzuordnen ist. Schaut man in Zeitungen wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Suddeutsche Oder auch in Magazine wie Focus, so findet man uberwiegend Beitrage von mannlichen Redakteuren, obgleich in der physischen Oder der Online-Ausgabe.

Im Laufe der Jahre und mit voranschreitender Emanzipation, hat sich die Erwerbstatigkeit der weiblichen Bevolkerung kontinuierlich gesteigert.

Die vorliegende Hausarbeit beschaftigt sich mit der Hypothese ,,Der Journalistenberuf wird von Mannern dominiert", diese soil mit dieser Arbeit widerlegt Oder bestatigt werden. AuBerdem sollen die etwaigen Geschlechterunterschiede im Journalistenberuf dargestellt werden. Zunachst wird die Begrifflichkeit des Journalismus, sowie der Journalistenberuf naher beleuchtet, bevorauf die allgemeine Erwerbstatigkeit von Frauen in Deutschland im Laufe der Jahre eingegangen wird. AbschlieBend werde ich die Frauenrolle und eine mogliche Gender- Spezifikation in das Berufsfeld Journalismus einordnen.

2 Journalismus

Was Journalismus eigentlich ist, daruber gibt es verschiedene, weitreichende Definitionen und Theorien, die bis ins 20. Jahrhundert zuruckgehen. Mit diesen beschaftigt sich die Journalistik beziehungsweise die Journalismusforschung. Eine der pragendsten jedoch liegt begrundet in der Systemtheorie aus den 1990ern, die auf den Soziologen Niklas Luhmann zuruckzufuhren ist. Diese gilt noch heute als wichtigster Ansatz derdeutschsprachigen Journalismusforschung (vgl. Neuberger & Kapern 2013, S. 26). In Anlehnung an Luhmann wird der Gegenstand Journalismus wie folgt definiert: ,,Der Journalismus verschafft den Gesamtuberblick uber das relevante und reale Geschehen. So kann die Politik erfahren, was in der Wirtschaft passiert, und umgekehrt." (ebd.)

Im nachfolgenden soil vor allem die Rolle des Akteurs Journalist naher definiert werden. Zusatzlich mochte ich dadurch darauf schlieBen, was dies fur den Beruf bedeutet und welchen Grundsatzen die Journalisten in ihrer Arbeitfolgen.

2.1 Journalistenbegriff

Die Rolle des einzelnen Journalisten ruckt innerhalb der Journalismusforschung vor allem im kommunikatortheoretischen Ansatz in den Fokus, der in den 1970ern entwickelt wurde. Zugrunde liegt ein akteurszentriertes Konzept, bei welchem die Bedingungen und Auspragungen des professionellen Handelns von Journalisten im Mittelpunkt der Theorie stehen. Ebenfalls wird hier bereits untersucht, wie individuelle aber auch berufliche Faktoren dieses Handeln beeinflussen konnen (vgl. Mast 2012, S. 87 f.).

Das Wort Oder die Bezeichnung „Journalist“ kommt ursprunglich aus dem Franzosischen, abgeleitet von ,,le journal", was zu Deutsch „die Tageszeitung" bedeutet. Zwar ist die Wortherkunft auf das Printmedium „Zeitung“ zuruckzufuhren, heute allerdings ist ein Journal ist ein Autor, der in der Medienbranche tatig ist (vgl. Dernbach 2017).

2.2 Journalistenberuf

Berufsfeldstudien im Journalismus in Deutschland existieren bereits seit den 1980er-Jahren. Hier werden unter anderem Faktoren der Ausbildung, Arbeitsbedingungen, Einstellungen sowie des Selbstverstandnisses von Journalisten herangezogen (vgl. Wyss & Kehl 2010, S. 342). Jedoch sollen in dieserArbeit nicht primar die empirisch gewonnenen Erkenntnisse des Berufsfelds Journalismus diskutiert werden, sondern generell dargestellt werden, was den Beruf des Journalisten ausmacht, welche Grundbedingungen er mitbringen muss und welche Tatigkeiten er innerhalb seiner Arbeit ausfuhrt.

,,Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu auBern und zu verbreiten und sich aus allgemein zuganglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewahrleistet. Eine Zensur findet nicht statt." (Art 5, Abs. 1 GG). Der Beruf des Journalisten kann gemafc diesem Gesetz, manifestiert in den Grundgesetzen der Bundesrepublik Deutschlands, frei ausgeubt werden, daher ist die Bezeichnung dieses Berufs nicht geschutzt. Weiterhin hat der Deutsche Journalisten-Verband (nachfolgend DJV) herausgearbeitet, wer als beruflicher Journalist gelten soil. In diesem Berufsbild ist folgendes festgeschrieben: „Journalistin/Journalist ist, wer [...] hauptberuflich an der Erarbeitung bzw. Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Medien mittels Wort, Bild, Ton Oder Kombinationen dieser Darstellungsmittel beteiligt ist [...] (DJV, S.5). Ein Journalist muss uber gewisse Fahigkeiten und personliche Eigenschaften verfugen, urn den Beruf ausuben zu konnen. Dazu gehoren sowohl ein soziales, als auch ein gesellschaftspolitisches Verantwortungsbewusstsein, sowie die Fahigkeit, sich sprachlich sicher ausdrucken zu konnen. Zudem sollte der Journalist kreativ sein, sowie kontakt-, konflikt-, sowie kritikfahig. Da, urn gewisse Sachverhalte und Zusammenhange gut abbilden zu konnen, ein gutes Allgemeinwissen unabdingbar ist, fordert der DJV die Allgemeine Hochschulreife Oder einen vergleichbaren Abschluss (ebd. S. 4). Neben den bereits gegebenen Eigenschaften, soil wahrend der Ausbildung zum Journalisten der Erwerb weiterer Fahigkeiten sichergestellt werden. Dazu gehoren Darstellungs- und Vermittlungskompetenz und unterschiedliche Recherchemethoden (ebd.).

Der durchschnittliche Journalist in Deutschland verdient maximal 4.765 Euro brutto (vgl. Statista 2018, LohnSpiegel.de). Neben derWissenschaft ist die Medienbranche diejenige mit der geringsten Jobstabilitat, insbesondere im Bereich der Filmproduktion und der elektronischen Medien (Altmeppen 2012, S. 22). Im Jahr 2006 konnten insgesamt 48.000 hauptberufliche Journalisten verzeichnet werden. Dies stellte im Vergleich zu den festgestellten Daten aus dem Jahr 1993 einen deutlichen Verlust da, der vor allem im Bereich der freien Journalisten stattfand. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten lediglich 12.000 freie Berufstatige im Bereich des Journalismus. Vermutet wird, dass von diesen viele berufsubergreifend in die Public Relations wechselten und somit im Rahmen der Befragung nicht berucksichtigt werden konnten (vgl. Neuberger & Kapern 2013, S. 32). Festangestellte Journalisten gibt es selten, so finden sich aber die meisten mit 13.000 in Redaktionen von Zeitungen wieder. In Zeitschriften sind lediglich 9.000 Journalisten festangestellt. Den letzten Platz belegen der offentlich-rechtliche Rundfunk (ARD und ZDF), private TV-Sender, sowie der Horfunk, die jeweils nur 7.000 Festangestellte beschaftigen (vgl. Statista 2018, DJV).

Im Jahr 2010 wurden 1.692 Journalistinnen und Journalisten nach den Arbeitsbedingungen ihres Berufsfeld befragt. Davon schatzten mehr als die Halfte, 55,1% diese als eher weniger bis uberhaupt nicht gut ein (vgl. Statista 2018, Quelle: Marketagent).

3 Frauen im deutschen Journalismus

Wo sind die Frauen? Nach Analyse des European Journalism Observatory erfolgt die Berichterstattung, vor allem in den Ressorts Politik und Wirtschaft und sowohl online als auch in Printmedien uberwiegend durch mannliche Autoren. Den Autorenzeilen nach zu urteilen, wurden 41% der Beitrage von Mannern und nur 23% von Frauen verfasst (vgl. Lees 2018). Das nachfolgende Kapitel soil einen groben Umriss der generellen Entwicklung der Erwerbstatigkeit von Frauen in Deutschland darstellen, bevor auf den Status Quo in den Medien und vor allem im Journalismus eingegangen wird. AuBerdem sollen die etwaigen Unterschiede innerhalb der Branche beleuchtet werden, bevor im abschlie&enden Exkurs Frauenbewegungen und -magazine in Deutschland dargestellt werden.

3.1 Erwerbstatigkeit von Frauen in Deutschland

In den vergangenen funfzig Jahren wurde die Erwerbsfahigkeit und -tatigkeit von Frauen in Deutschland einem immensen Wandel unterzogen. In der sozialwissenschaftlichen Forschung wird angenommen, dass sich die Orientierung von Frauen hinsichtlich Familie und Beruf im Laufe der Jahre verschoben hat. Frauen der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs, also nach dem Jahr 1945 haben primar einen Beruf erst dann und nurdeswegen angestrebt, wenn damit die Grundung und Versorgung einer Familie verbunden wurde und meistens auch nur dann, wenn der Ehemann zu wenig verdiente. In der Wissenschaft gilt weiterhin ebenfalls fur die Ausbildung in dieser Zeit die Annahme, dass Interesselosigkeit junger Madchen an einem Beruf bestehe (vgl. Born, 1997, S. 44 f.). Letzteres konnte Claudia Born in ihrer Untersuchung im Rahmen einer Befragung aus dem Jahr 1997 widerlegen. So haben junge Frauen, damals wie heute Interesse an einer Berufsausbildung, obgleich sie wahrenddessen den Pflichten innerhalb der Familie alleine nachkommen mussen (ebd., S. 59). Schon zum Zeitpunkt dieser Untersuchung ist es fur Frauen indes selbstverstandlich, einer Berufsausbildung und einem lebenslangen Beruf nachzugehen (ebd.)

Eine Richtlinie des Rates Europaischer Wirtschaftsgemeinschaften (EWG) aus dem Jahr 1976 soil die Gleichbehandlung von Frauen und Mannern in einem Gesetz manifestieren. So schreibt sie in Artikel 2, Abs. 1 (76/207/EWG) folgendes fest: „Der Grundsatz der Gleichbehandlung im Sinne der nachstehenden Bestimmungen beinhaltet, dass keine unmittelbare und mittelbare Diskriminierung auf Grund des Geschlechts - insbesondere unter Bezugnahme auf den Ehe- Oder Familienstand - erfolgen darf.“ In Deutschland stieg die Erwerbstatigenquote der Frauen (20-64 Jahre) kontinuierlich an. Demnach waren im Jahr 2000 lediglich 60,7% der Frauen erwerbstatig, diese Quote stieg im Jahr 2016 auf 74,5 % (vgl. Statista 2018, Statistisches Bundesamt).

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Details

Seiten
12
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668938472
ISBN (Buch)
9783668938489
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463046
Institution / Hochschule
Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
frauen journalismus gleichstellung

Autor

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