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Die Firmung in der heutigen Gesellschaft. Welches ist das richtige Firmalter?

Hausarbeit 2014 19 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sakramente

3 Bestandteile der Firmung
3.1 Handauflegung, Salbung und Gebet
3.2 Firmpatenschaft
3.3 Firmvorbereitung
3.4 Firmalter

4 Die Übertragung von Sakramenten und Bestandteilen der Firmung auf die heutige Gesellschaft

5 Das richtige Firmalter
5.1 Theologische Sichtweise
5.2 Psychologischer Sichtweise

6 Einbruchstellen des Glaubens im Jugendalter

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Begriff der Firmung ist aus dem lateinischen Wort „confirmatio“, im deutschen Bekräfti- gung, abzuleiten. Bei dieser Bekräftigung handelt es sich um die Stärkung des eigenen Glau- bens durch den Heiligen Geist.1 Sie ist eins der sieben Sakramente in der römisch-katholischen Kirche und wird durch ihre Bestandteile wie Handauflegung, Salbung und Gebet, Firmpatenschaft, Firmvorbereitung sowie das Firmalter charakterisiert. Doch wie und mit welcher Relevanz werden diese Bestandteile in der heutigen Gesellschaft berücksichtigt? Bleibt ihr Wert bestehen, oder geht er vielleicht verloren? In den meisten Diözesen wird die Firmung im Jugendalter gespendet. Doch ist das Jugendalter, oder gar die Phase der Pubertät, der richtige Zeitpunkt, um ein kirchliches Sakrament zu empfangen? Ist eine intensive Vorbereitung und ein Verständnis über den Hintergrund der Firmung gegeben, obwohl sich viele Jugendliche in dieser Zeit von der Kirche und ihrem Umfeld abwenden sowie teilweise in inneren Krisen stecken? Können sie in dieser Zeit eine Entscheidung im Rahmen des Glaubens treffen? Gibt es überhaupt das eine richtige Firmalter? Um das herauszufinden, ist es das Ziel der vorliegenden Hausarbeit, einerseits den Empfang von Sakramenten und die Bestandteile der Firmung auf die heutige Gesellschaft zu beziehen sowie andererseits eine Analyse des Firmalters aus theologischer Sicht und aus psychologischer Sicht durchzuführen.

Zu Beginn der Arbeit wird dazu der Hintergrund von Sakramenten im zweiten Kapitel und die Bestandteile der Firmung im dritten Kapitel erläutert. Im vierten Kapitel werden folglich der Empfang von Sakramenten und die Bestandteile der Firmung, mit denen sich die Jugendlichen vor der Firmung auseinander setzen, auf die heutige Gesellschaft übertragen.

Im fünften Kapitel werden zunächst die verschiedenen Möglichkeiten des Zeitpunktes der Fir- mung aus theologischer Sicht durch entsprechende Vor- und Nachteile dargestellt. Mit der darauffolgenden psychologischen Sichtweise, aufbauend auf Erik H. Erikson, werden lediglich die Zeitpunkte der Firmung im älteren Kindesalter und in der Pubertät berücksichtigt. Somit wird konkreter auf die heutige Firmung im Jugendalter eingegangen.

Im sechsten Kapitel werden, den vorherigen Schritten unterstützend, anhand theologischer Gespräche von Studierenden mit Schülerinnen und Schülern einer gymnasialen Oberstufe, Einbruchstellen von Jugendlichen im Glauben erläutert.

Vielfältige Diskussionen um das Firmalter in der Geschichte und besonders der derzeitige Wandel in der Religiösität bei Jugendlichen ist der Grund für das Thema dieser Hausarbeit.

2 Sakramente

Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Priesterweihe und Ehe sind die sieben Sakramente der römisch-katholischen Kirche.

„Sakramente sind Ereignisse, die an Person und Geschick Jesu Christi teilgeben. Als solche setzen sie den Glauben an die Heilsbedeutung von Tod und Auferstehung des Mensch gewordenen Gottessohn voraus. […] Wo Sakramente gefeiert werden, wo also die Kirche in ihrem gottesdienstlichen Tun einzelne Menschen durch besondere Riten in den durch Jesus Christus eröffneten Lebensbereich hineinstellt, dort ist – so versteht es der Glaube – Gott selbst am Werk, dort nimmt er selbst die Menschen in besonderer Weise in sein Leben hinein.“2

Die Zeichen des Heils, um die es sich bei den Sakramenten handelt, sind im Alten Testament zum Beispiel in der Forderung Jahwes, der Beschneidung für die nachfolgenden Generationen, „als Zeichen seines Bundes mit Abraham“ 3 und das Passahmahl „zur Rettung aus der Knechtschaft Ägyptens“4 wiederzufinden. Im Neuen Testament weisen die Heilszeichen zwar Parallelen zu den Symbolhandlungen im Alten Testament auf, unterscheiden sich aber deutli- cher von ihnen, als dass sie Gemeinsamkeiten aufweisen.5

In der Kirche existierte in den ersten Jahrhunderten noch kein Sakramentenbegriff. Es bestan- den zwar Äußerungen über die einzelnen Handlungen, unter anderem Taufe und Firmung, sie wurden aber noch nicht unter dem Begriff Sakrament gebündelt und somit auch nicht von den nicht-sakramentalen Handlungen differenziert. Auch stand bis ins zwölfte Jahrhundert nicht fest, dass es sich bei den Sakramenten um sieben handelt. Dies stand erst in der Mitte des zwölften Jahrhunderts, nach vielen Meinungsverschiedenheiten, fest. Zum 13. Jahrhundert hin traten die Sakramente unter der Bezeichnung als Gnadenmittel immer weiter in den Vorder- grund. Auch entstand eine Unterscheidung zwischen dem Spender und dem Empfänger.6

Die Bedeutung des Begriffs „sacramentum“ hatte verschiedene Bedeutungen. So bezeichnete dieser im alltäglichen Lateinischen eine Geldleistung, später einen militärischen Eid und zuletzt wurde eine Übertragung auf die Taufe initiiert. Einen Ausschlag gebenden Beitrag für den Sakramentenbegriff brachte Hugo von St. Viktor in der Frühscholastik, indem er drei grundlegende Komponenten zum Sakrament nannte.7 In der deutschen Übersetzung lauten diese „Zeichenhaftigkeit, Einsetzung durch Christus, Heiligung durch die im Sakrament >>ent- haltene<< Gnade.“8

Allerdings darf man nicht ausblenden, dass die allgemeine Sakramentenlehre nicht vollkommen ohne Schwierigkeiten als eine systematische Fassung dargestellt werden kann.9

3 Bestandteile der Firmung

Im Folgenden werden die Bedeutungen und Hintergründe von Handauflegung, Salbung und Gebet, der Firmpatenschaft, der Firmvorbereitung sowie des Firmalters erläutert.

3.1 Handauflegung, Salbung und Gebet

Im Verlauf der Firmfeier wird der Heilige Geist durch die Handauflegung und die Salbung, in Begleitung eines Gebets, durch den Bischof gespendet. Durch den Heiligen Geist wird dem Firmanden Wachstum und Reife vermittelt.10

Durch die Handauflegung des Bischofs, welche vom Alten ins Neue Testament übernommen wurde, wird in Verbindung mit einem Fürbittengebet der Heilige Geist auf den Firmanden herabgerufen.11

Es liegt nahe, dass die Handauflegung als Weiterführung von der Spendung des Heiligen Geistes der Apostel in Samaria verstanden werden kann.12

Erstmals verbunden mit der Firmsalbung wurde die Handauflegung von der alexandrinischen Kirche.13

Die Firmsalbung, auch Stirnsalbung genannt, sei auf Papst Silvester zurück zu führen.14 Der Bischof salbt den Firmanden durch das Kreuzzeichen mit geweihtem Chrisam auf der Stirn. Thomas von Aquin begründet die Stelle der Stirn damit, dass die Firmanden das Kreuz als ein Zeichen eines Vorkämpfers Christi frei und offen tragen, mit dem Hintergrund, dass er gekämpft und gesiegt hat. Dabei knüpft Thomas von Aquin daran an, dass Soldaten in gleicher Weise die Abzeichen von ihrem Feldherrn tragen. Des weiteren zeigen sich auf der Stirn Furcht und Scham, welche beseitigt werden sollen. Auch werden dem Firmanden durch die Stirnsalbung die Pflichten des Glaubensbekenntnisses in das Bewusstsein gerufen. Demzufolge steht für Thomas von Aquin die Stirnsalbung, bei welcher der Bischof dem Firmanden im Namen Christi Gnadenfülle gibt, im Zentrum des Sakraments der Firmung. In der Heiligen Schrift hingegen steht die Handauflegung im Vordergrund.15

3.2 Firmpatenschaft

Mit der Loslösung der Firmung von der Taufe gegen Ende des christlichen Altertums entstand der Ritus des eigenen Firmpaten. Dieser konnte jedoch bis ins tiefe Mittelalter, wie es zuvor üblich war, identisch mit dem Taufpaten sein. In der Neuzeit hingegen wurde dieses Phänomen nur noch in Ausnahmefällen erlaubt.16

Die Kirche sieht die Firmpatenschaft und die Taufpatenschaft auf einer Stufe und schreibt somit sowohl den Firm- als auch Taufpaten die gleichen Aufgaben zu. Darunter fallen aus einzelnen Rechtssätzen (Canones) sowie Konzilien und Diözesanstatuten zusammengefasst das Kümmern um Angelegenheiten des christlichen Lebens, die Erziehung zum christlichen Leben und zur Mündigkeit, die Erhaltung von christlichem Unterricht, das Tragen von Sorge als auch die Rolle des Betreuers und Beschützers. Die Aufgabe des Firmpaten hat zunächst meist einen sekundären Charakter, wird jedoch beispielsweise bei Versagen der Erziehung durch die Eltern wichtig. Die Frage nach der Notwendigkeit einer Firmpatenschaft ist andererseits leicht damit zu beantworten, dass diese eine kirchliche Vorschrift ist.17

Nennenswert ist die Beziehung zwischen dem Firmpaten und dem Firmanden sowie auch dem Täufling, welche als geistliche Verwandtschaft verstanden wird. Genauer gesagt spricht man an dieser Stelle von einer geistlichen Elternschaft und Kindschaft. Einzuwenden ist hier das Ehehindernis dieser geistlichen Verwandtschaft, welche mit ihrer Aufmerksamkeit die Herr- lichkeit der Firmung in den Hintergrund schob und deshalb durch das Gesetzbuch der römisch- katholischen Kirche (CIC) beim Sakrament der Firmung aufgehoben wurde.18

Der Firmpate legt seine rechte Hand während der Firmung auf die rechte Schulter des Firman- den, teilweise auch auf seinen Kopf, und symbolisiert dadurch seine Inschutznahme, die somit eindeutig dem Sinn der Firmpatenschaft entspricht.19

3.3 Firmvorbereitung

Unter der Firmvorbereitung ist das in Gruppen auf die Firmung vorbereitende Arbeiten und Beisammensein zu verstehen. Diese Gruppen setzen sich aus einzelnen Firmanden und einem oder mehreren Firmhelfern zusammen, welche sich in einem bestimmten Zeitraum vor der Firmung zu regelmäßigen Terminen treffen. Zu Beginn der Vorbereitungsphase ist es wichtig, dass sich die gesamte Gruppe zunächst einmal untereinander kennen lernt, um Vertrauen auf- zubauen.

Nach der Synode geht es bei der Firmvorbereitung darum, dass die Firmanden, durch einerseits eigene Entscheidungen des persönlichen Lebens und andererseits durch die Gemein- schaftsfähigkeit im Sinne von Verantwortungsübernahme, zum erwachsenen Christen heran- reifen. Die wichtigen Fähigkeiten eines erwachsenen Christen, wie unter anderem Konfliktfä- higkeit, Kommunikationsfähigkeit und Engagement, sollen den Jugendlichen daher in den Gruppenstunden vermittelt und durch Übungen gefestigt werden sowie eine Verbindung mit Aussagen über den Glauben herstellen. Des weiteren soll auch die Entstehung der Gemeinde Jesu erarbeitet werden und zugleich mit der heutigen Gemeinde verglichen werden. Darüber hinaus soll neben Unheilssituationen sowie Ängsten, Zwängen und Isolierungen auch über Dinge gesprochen werden, die in der Welt falsch laufen, wodurch bei den Firmanden Optimis- mus aufgebracht wird, über den Geist zu sprechen und aus ihm zu handeln. An dieser Stelle ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Firmung aber trotzdem im Mittelpunkt steht, und daher über die Symbole und die Handlungen der Firmung gesprochen wird, wozu die Handauflegung, das Chrisam, der Friedenskuss und das Verständnis vom Geist gehört.20 Aber auch die Taufe, Buße, Eucharistie und die Sakramente allgemein sollen in den Gruppenstunden thematisiert werden. Um diese Vielschichtigkeit der einzelnen Themen zu bearbeiten, ist eine vorherige Festlegung von Schwerpunkten notwendig.21

„[...] ein gewisses Maß gläubigen Wissens um den Heiligen Geist und seine Bedeutung für die Heiligung der Einzelseele und den Aufbau des Reiches Gottes“22 verlangt das Firmverständnis jedoch auch im Voraus.23

Die Synode sieht in der Firmvorbereitung das Ziel als „'alle Lebensbereiche umfassende Ein- übung ins christliche Leben'.“24 Weitere Ziele liegen in der Verwirklichung von Werten wie ein gutes Zusammenleben, Vertrauen, Gleichberechtigung und Verantwortungsübernahme25 sowie die Jugendlichen auch in Hinblick auf den Beruf, die Familie und Erziehung und Freizeit zu stärken, statt nur innerhalb der Gemeinde. Auf die dadurch auftauchenden Fragen soll möglichst gut eingegangen werden.26

[...]


1 Vgl. Hahn, Udo: Sakramente. Taufe, Abendmahl, Eheschließung, Firmung, Krankensalbung, Ordination, Beichte, 2001, S. 54.

2 Faber, Eva-Maria: Einführung in die katholische Sakramentenlehre, 2002, S. 13.

3 Neuenzeit, Paul: Biblische Ansätze zum urchristlichen Sakramentsverständnis. In: Fries, Heinrich: Wort und Sakrament, 1966, S. 89.

4 Ebd.

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. Schlette, Heinz Robert: Dogmengeschichtliche Entfaltung des Sakramentsbegriffs. In: Fries, Wort, S. 97 ff.

7 Vgl. ebd. S.100.

8 Ebd.

9 Vgl. ebd. S. 103.

10 Vgl. Adam, Adolf: Firmung und Seelsorge. Pastoraltheologische und religionspädagogische Untersuchungen zum Sakrament der Firmung, 1959, S. 34 ff.

11 Vgl. Küng, Hans: Theologische Meditationen. Was ist Firmung?, 1979, S. 49.

12 Vgl. Adam, Firmung, S. 32 ff.

13 Vgl. Neunheuser, Burkhard: Taufe und Firmung, 1956, S. 103.

14 Vgl. Adam, Firmung, S. 35.

15 Vgl. Adam, Adolf: Das Sakrament der Firmung nach Thomas von Aquin, 1958, S. 56 ff.

16 Vgl. Adam, Adolf: Erwägung zum Patenamt bei Taufe und Firmung. In: Auf der Mauer, Hansjörg / Kleinheyer, Bruno: Zeichen des Glaubens, 1972, S. 426.

17 Vgl. Adam, Firmung, S. 195 ff.

18 Vgl. ebd.

19 Vgl. ebd.

20 Vgl. Schwalbach, Ulrich: Firmung und religiöse Sozialisation, 1979, S. 158 ff.

21 Vgl. Schneider, Karin: Ja vielleicht Heiliger Geist, 2001, S. 70 f.

22 Adam, Firmung, S. 167.

23 Vgl. ebd.

24 Schwalbach, Firmung, S. 158.

25 Vgl. ebd. S. 159.

26 Vgl. Schneider, Heiliger Geist, S. 71.

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668923560
ISBN (Buch)
9783668923577
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463061
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
unbenotet
Schlagworte
Firmung Firmalter Sakramente Bestandteile der Firmung Glaubensbrüche Glaubenseinbrüche Jugend und Glaube Rituale Riten

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