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Spracherziehung durch ästhetische Bildung. Chancen ästhetischer Bildung für sprachliche Förderung im Deutschunterricht

Hausarbeit 2018 11 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1 Ästhetische Bildung und Erfahrung

2 Ästhetische Bildung in der Grundschule
2.1 Notwendigkeit der Verknüpfung von Ästhetik und Sprache
2.2 Spracherziehung durch Ästhetische Bildung

3 Umsetzungsmöglichkeiten und Chancen für den Deutschunterricht

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Der Unterricht im Fach Deutsch leistet einen wichtigen Beitrag zur sprachlichen, kulturellen und ästhetischen Bildung sowie zur Entwicklung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen.“1

Dies ist der einleitende Satz des Berliner Rahmenlehrplans für das Fach Deutsch, in dem zunächst die Ziele des Deutschunterrichts erläutert werden. Dabei wird bereits die Wichtigkeit der sprachlichen, kulturellen und ästhetischen Bildung hervorgehoben. Denn spätestens nach dem PISA- Schock wurde in Berlin ein neuer Ansatz für Lernen und Bildung entwickelt.2 Hierbei wurde unteranderem ein besonderer Fokus auf die Förderung der ästhetischen Bildung gesetzt, welche im Gegensatz zur künstlerischen Bildung fächerübergreifender verstanden werden sollte. Ästhetische Bildung meint nämlich eine sinnliche Wahrnehmung, ein Erlebnis oder eine Erkenntnis, die in der Konfrontation mit etwas Neuen, Einzigartigen oder Interessanten geschieht und über das ‚Schöne’ hinausgeht.3 Damit wird deutlich, dass ästhetische Bildung im schulischen Kontext nicht allein auf den Kunst- oder Musikunterricht beschränkt werden kann und sollte. Dabei liegt das Potential für die Schule zunächst darin, „einen zusätzlichen ästhetischen Zugang zum Lernstoff zu erhalten“4 und durch diese emotionale Beschäftigung mit dem Lerngegenstand nachhaltiges Lernen auszulösen. Im Zusammenhang der ästhetischen Bildung wird auch der Anspruch der sprachlichen Förderung gesetzt. Unbestritten dient Sprache zur Welterschließung, zur Kommunikationsmöglichkeit eines Individuums mit seiner Umwelt und ermöglicht den Austausch über Erfahrungen. Um in Austausch mit der Umwelt zu bleiben und ästhetische Erfahrungen wahrnehmen und benennen zu können, scheint Sprache ein entscheidender Faktor zu sein. Aus diesem Grund soll in dieser Arbeit untersucht werden, inwiefern die ästhetische Bildung dienlich für Spracherziehung sein und als Chance für den Deutschunterricht der Grundschule genutzt werden kann. Hierfür werden zunächst die Begriffe der ästhetischen Bildung und Erfahrung erläutert, da sie zum Verständnis der Arbeit als theoretische Grundlage dienen. Des Weiteren soll unter dem Kapitel „Ästhetische Bildung in der Grundschule“ die Notwendigkeit der Verknüpfung von Ästhetik und Sprache sowie die Möglichkeit der Spracherziehung durch ästhetische Bildung dargestellt werden. Hierfür wird die Idee von Eva Holle- Winterberg einer ästhetischen Spracherziehung als Grundlage genutzt. Im letzten Kapitel sollen Umsetzungsmöglichkeiten und Chancen der ästhetischen Bildung für den Sprach- bzw. Deutschunterricht der Grundschule vorgestellt werden. Abschließend folgt ein zusammenfassendes Fazit.

1 Ästhetische Bildung und Erfahrung

Ästhetik- ein Begriff dessen Ursprünge bis in die Antike zurückreichen, der allerdings bis heute nicht eindeutig definiert ist. Zum philosophischen Begriff wurde Ästhetik erst durch Alexander Gottlieb Baumgarten, der den Begriff nun nicht mehr allein auf die Kunstphilosophie beschränkt hatte.5 Abgeleitet vom griechischen Begriff aisthesis wird ästhetische Bildung heute als leibsinnliche Wahrnehmung von Gegenständen bezeichnet, die nicht allein in Kunst oder Musik verwurzelt sind.6 Somit kann jedes Objekt, jeder Gegenstand sowie jedes Erlebnis als ästhetisch empfunden werden. Die ästhetische Bildung als Prozess verfolgt keine zielorientierten Interessen sondern sollte als ein wahrnehmungs- und erfahrungsorientierter Begriff verstanden werden.7

Im Zusammenhang der Ästhetik und der ästhetischen Bildung wird die ästhetische Erfahrung als ein wesentliches Element angesehen. Dabei wird ein ästhetischer Wahrnehmungsprozess verstanden, welcher kein Ergebnis beschreibt, sondern den subjektiven Prozess innerhalb der ästhetischen Bildung markiert. Das ästhetische Erleben kann aufgrund des offenen Charakters des Ästhetischen nicht eindeutig definiert werden, deutlicher ausgedrückt, entzieht sich die Leiblichkeit der Ästhetik einer sprachlichen Begriffsbestimmung.8

Ästhetische Erfahrungen werden „durch Ereignisse bzw. Erlebnisse ausgelöst, die etwas Überraschendes, Unerwartetes, Neues, Positives o.ä.“9 darstellen. Dies zeigt, dass ästhetisches Erleben und die Erfahrungen, die in diesem Prozess gemacht werden sehr individuell und extern schwer steuerbar sind. Da Ästhetische Bildung nicht nur im künstlerisch- musischen Bereich verankert ist, geht ästhetische Erfahrung auch über einen rezeptiven Umgang mit Objekten hinaus und umschließt außerdem einen produktiven, d.h., dass Ästhetisches auch hergestellt werden kann. Ästhetische Erfahrung „zielt auf erkenntniserweiterndes und kompetenzerhöhendes Begreifen des ästhetischen Gegenstandes“10 ab. Hierfür werden vier Merkmale ästhetischer Erfahrung formuliert: die Selbstaufmerksamkeit, der Ausdruckscharakter, der Unbestimmtheitscharakter und der Vollkommenheitscharakter. Für die vorliegende Arbeit soll allerdings nur auf den Ausdruckcharakter näher eingegangen werden, welcher bereits die Verknüpfung von Sprache und Ästhetik vorzeigt. Der Ausdruckscharakter beschreibt, dass jede ästhetische Erfahrung in einer bestimmten Weise, sei es durch einen Austausch mit einer anderen Person oder durch einen inneren Monolog durch Sprache mitgeteilt bzw. zum Ausdruck gebracht wird. Damit wird deutlich, dass Sprache einen wichtigen Bereich der ästhetischen Bildung einnimmt.11

2 Ästhetische Bildung in der Grundschule

Wie bereits die Begriffserklärung zeigte, ist es schwer den Begriff der ästhetischen Bildung eindeutig zu fassen, obwohl jeder Mensch auf unterschiedlichste Weise ästhetische Erfahrungen macht. Die Anfänge ästhetischen Erlebens liegen bereits im Säuglingsalter, in dem Babys aufmerksam auf Klänge oder Gerüche reagieren oder als Kind neugierig alles ertasten möchten. Somit kommen die Heranwachsenden mit einem unterschiedlich ausgeprägten ästhetischen Bildungshintergrund zur Grundschule.12 Besonders im Anfangsunterricht sind Kinder sehr aufmerksam und offen für die äußere Welt, die sie im Laufe ihrer Entwicklung unteranderem mit Hilfe des schulischen Lebens begreifen sollen. Aus diesem Grund soll ästhetische Bildung als ein fächerübergreifendes Prinzip verstanden werden, der den Schülerinnen und Schülern eine „wechselseitige Bereicherung der verschiedenen Sinneswahrnehmungen und der mit ihnen verknüpften Imaginationen“13 ermöglicht. Positiv besetze ästhetische Erfahrungen sowie Erlebnisse wirken sich dabei nämlich förderlich auf das Lernen der Heranwachsenden aus und sind damit nicht nur Grundlage des Kunst- oder Musikunterrichts. Im Berliner Rahmenlehrplan wird ästhetische Bildung als ein fächerübergreifendes Konzept verstanden: Teil B fasst die fächerübergreifende Kompetenzentwicklung zusammen und betont im Bereich der „Gestaltung der Medienproduktion“ die Anwendung und Reflexion der Wirkung ästhetischer Gestaltungskriterien.14 Sehr häufig tritt der Begriff der Ästhetik im Teil C für Kunst auf, in dem ausführlich die Bedeutung der Förderung von ästhetischen Kompetenzen erläutert wird.15 Auch im Lehrplan des Deutschunterrichts wird die ästhetische Bildung als Ziel des Unterrichts formuliert.16 Ästhetische Bildung in der Grundschule soll demnach „[…] Situationen [schaffen], in denen sich die Kinder in einen Gegenstand versenken, ihn genießen, ihn ganzkörperlich erleben, ihn ausgiebig erkunden können und in denen sie eigene Gestaltungsmöglichkeiten entdecken“.17 Wird unter ästhetischer Bildung demnach die Auseinandersetzung der Kinder mit sich und der Umwelt verstanden, ist Sprache und Kommunikation ein wichtiger Aspekt, der das empfundene weitestgehend fassbar sowie für die Nebenstehenden begreifbar machen kann. Aus diesem Grund wird im nächsten Abschnitt die Notwendigkeit der Verknüpfung von Sprache und Ästhetik erläutert.

2.1 Notwendigkeit der Verknüpfung von Ästhetik und Sprache

Da es schwierig ist ästhetisches Erleben sprachlich wiederzugeben, bleibt dieses auch bei Lehrkräften oftmals unreflektiert und unausgesprochen. Dies kann allerdings dazu führen, dass subjektive Vorlieben und Empfindungen über Schönheit, Neuheit, Einzigartigkeit im Verborgenen bleiben und „dann unreflektiert auf die Kinder übertragen werden“18. Demnach spielt Sprache im schulischen Kontext in der Verbalisierung ästhetischer Erfahrungen eine entscheidende Rolle. War die Auseinandersetzung der Kinder mit der Welt im vorschulischen Zeitraum eher mimisch oder gestisch bestimmt, so wird nun bereits im Anfangsunterricht die Verbalsprache als zusätzliches Medium zur Welterschließung gefördert.19 Die ästhetische Bildung verfolgt ebenso wie die Sprache das Ziel der Verarbeitung von der Realität. In der kindlichen Entwicklung spielt die sinnliche Wahrnehmung besonders in Denk- und Verarbeitungsprozessen eine entscheidende Rolle.20. Erst durch Sprache allerdings ist es jedem Menschen möglich, den inneren Erlebnissen Ausdruck zu verleihen, sie zu verbalisieren und anderen Menschen zugänglich zu machen. Erst durch das Erlernen von Sprache kann das Kind „nonverbale Kommentierungen, emotionale Beziehungen sowie soziale und situative Hintergründe [...] besser [...] erfassen, sprachlich wieder[...]geben und sprachlich [...] verarbeiten“21. Dabei wird Sprachbildung nicht allein auf das lesen und schreiben Lernen reduziert, sowie ästhetische Bildung nicht allein auf das Künstlerische begrenzt wurde. Ästhetische und sprachliche Zugänge im Anfangsunterricht zu eröffnen ermöglicht nicht nur eine erweiterte Welteinsicht, sondern fördert gleichzeitig die mündliche und schriftliche Sprachentwicklung des Kindes.22 Versteht man ästhetisches Erleben als „untrennbaren Teil menschlicher Erfahrungsbildung bzw. ästhetische Erfahrung als Unterstützung zur Integration von Komplexen“23, so ist das Ästhetische ein wesentlicher Aspekt jedes Lern- und Bildungsprozesses.24 Sprache wird nicht nur zur Mitteilung benutzt, sondern beinhaltet bereits einen stark subjektiv geprägten ästhetischen Charakter, gerade wenn Kinder versuchen die Struktur einer Sprache sinnlich zu erfassen. Im weitesten Sinne kann demnach sprachliches Handeln als ästhetisches Handeln verstanden werden25, wodurch deutlich wird, dass Sprachlernen ästhetische Prozesse innehat aber gleichzeitig nützlich für ästhetische Bildung ist. Die Verknüpfung wird bereits im ersten Satz des Berliner Rahmenlehrplans für Deutsch aufgezeigt.

Wie diese Verbindung der Bereiche umgesetzt werden kann, soll im Folgenden am Beispiel der Idee einer ästhetischen Spracherziehung vorgestellt werden.

2.2 Spracherziehung durch Ästhetische Bildung

„Ästhetische Spracherziehung ist eine Spracherziehung, bei der die ästhetisch fundierte Vermittlung von Sprache im Mittelpunkt steht. Grundlage dieser ästhetischen Vermittlung ist ästhetisches Lernen als sinnlich- soziale Form erfahrungsgeleiteten Lernens.“

Nach Eva Holle- Winterberg wird damit der Sprache ein ästhetischer Zugang eröffnet, indem ergänzend zur Kommunikation oder Interaktion Bereiche der Emotion, Sensorik und Motorik innerhalb der Spracherziehung einen hohen Stellenwert bekommen. Grundlage der Idee der ästhetischen Spracherziehung ist es, den Schülerinnen und Schülern ästhetische Erfahrungsräume zu schaffen, welcher für sie etwas Neues, Unerwartetes, Schönes, Überraschendes etc. darstellt. Diese bilden die Basis der sprachlichen Lernprozesse und verknüpfen Sprache mit mutlisesorischen, sinnlichen Wahrnehmungen der Heranwachsenden. Kindern soll damit ein mehrkanaliges Sprachlernen dargeboten werden. Besonders im Anfangsunterricht der Grundschule kann dies von großer Bedeutung sein, da Kinder stark mit Emotionen und Sinnen lernen. Die ästhetischen Aktionen können dabei aus verschiedenen Bereichen wie Kunst, Musik oder Rollenspiele sein.26 Demnach werden sprachliche Lernprozesse durch ästhetisch- sinnliche Aspekte ergänzt. Ästhetische Spracherziehung soll in diesem Sinne fruchtbar für den Lernbereich Sprache gemacht werden und nicht als Ersatz für den „kognitiv- analytischen Zugang zur Sprache“27 verstanden werden. Eva Holle- Winterberg formuliert in ihrer Monographie „Kinder brauchen ästhetische Spracherziehung!“ außerdem, wie ästhetische Spracherziehung in verschiedenen Lernbereichen umgesetzt werden kann. Aufgrund des begrenzten Rahmens der Arbeit soll im Folgenden nur einige dieser Umsetzungsmöglichkeiten in Bezug auf den Schriftspracherwerb dargestellt werden, da dieser Lernbereich sehr essentiell im Deutschunterricht der Grundschule ist.

[...]


1 Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (2017), Rahmenlehrplan Teil C Deutsch, S. 3.

2 Vgl. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (2013), (online).

3 Vgl. Gundel Mattenklott (2014), S.135.

4 Eva Holle- Winterberg (2005), S.9.

5 Vgl. Eva Holle- Winterberg (2005), S.11.

6 Vgl. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss (2013), (online).

7 Vgl. Gundel Mattenklott (2014), S.135f.

8 Vgl. Ursula Brandstätter (2013), (online).

9 Eva Holle- Winterberg (2005), S.12f.

10 ebd., S.13.

11 Vgl. Kathrin Borg (o.J.), S.9.

12 Vgl. Gundel Mattenklott (2014), S.135f.

13 Spinner, Kasper H. (2002), S.13.

14 Vgl. Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (2017), Rahmenlehrplan Teil B Fächerübergreifende Kompetenzentwicklung, S.19.

15 Vgl. Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (2017), Rahmenlehrplan Teil C Kunst, S.3ff.

16 Vgl. Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (2017), Rahmenlehrplan Teil C Deutsch, S.3.

17 ebd., S. 9.

18 Saskia Bender, Dietrich Cornelie (2010), S. 366.

19 Vgl. Eva Holle- Winterberg (2005), S.55.

20 Vgl. ebd., S.49.

21 ebd., S.53.

22 Vgl. ebd., S.63.

23 ebd., S.63.

24 Vgl. Gerd E. Schäfer (1995), S.246.

25 Vgl. Eva Holle- Winterberg (2005), S.100.

26 Vgl. ebd., S.106.

27 ebd., S.108.

Details

Seiten
11
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668924178
ISBN (Buch)
9783668924185
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463121
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
spracherziehung bildung chancen förderung deutschunterricht

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