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Bodypercussion. Erarbeitung eines Beats in einer Klasse mit dem Förderschwerpunkt "körperliche und motorische Entwicklung"

Hausarbeit 2018 23 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1. Begründung der Themenwahl

2. Theorieteil
2.1. Definition und Erläuterungen
2.2. Beschreibung der Lerngruppe

3. Praxisteil
3.1. Unterrichtsreihe mit Organisation und Medien
3.2. Zieldimensionen
3.2.1. Stundenziele der Unterrichtsreihe
3.2.2. Fachbezogene Begründung bezogen auf die Richtlinien
3.2.3. Begründung des Entwicklungsziels
3.3. Begründung der Lehrerrolle

4. Ausführliche Darstellung einer Unterrichtseinheit
4.1. Stundenziele der Unterrichtseinheit 3
4.2. Lernvoraussetzung für einen Schüler
4.3. Unterrichtsverlauf
4.4. Reflexion der Unterrichtseinheit

5. Resümee

6. Ausblick

7.Quellenverzeichnis
7.1. Literaturverzeichnis
7.2. Internetquellen

1.Einleitung

1.1. Begründung der Themenwahl

Ich habe immer wieder beobachtet, wie einige Schüler mit sehr viel Spaß und Begeisterung in den Pausen Musik hören, auf Gegenständen dazu trommeln und versuchen eigene Rhythmen zu entwickeln. Besonders ein Schüler wendet diese „Trommelspiele“ auch gerne in seinen Arbeitspausen während des Unterrichts an und kreiert immer wieder neue Percussions.

Obwohl ich selber kein Instrument spiele oder singe, lasse ich mich gerne im Rhythmus treiben. Dafür gehe ich mit großer Leidenschaft zu Aufführungen von „Yamato“ oder „Stomp“. Bodypercussion ist Spaß in der Gruppe und ermöglicht Kommunikation mit Bewegung und auch teilweise mit der Stimme. Dazu ist einen große Genauigkeit in der Selbstwahrnehmung erforderlich. Das Ganze ist ohne großen Materialaufwand möglich und überall einsetzbar. Es ist eine Einladung zum Experimentieren mit Rhythmus und Musik und fördert Fantasie, Spontanität und Geschicklichkeit. Außerdem trägt Bodypercussion zur Stärkung des Selbstbewusstseins bei, weil auch eine große Portion Mut erforderlich ist. Sie schult die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und fördert die Kommunikationsfähigkeit.

So bietet der Musikunterricht eine ganzheitliche handlungsorientierte Möglichkeit Musik in Verbindung mit Bodypercussion auf vielseitige und emotionale Weise gemeinsam zu erleben und seinen Körper dabei auch noch einmal gründlich zu entdecken. Mit Bodypercussion wird der Körper in ein rhythmisches rechts-links-Gleichgewicht gebracht und durch die Kombination Sprache und Bewegung werden beide Gehirnhälften gleichzeitig trainiert.

Bodypercussion ist Wahrnehmung. Man kann dadurch Gefühle ausdrücken und sich mitteilen, wie z. Bsp. das laute Aufstampfen bei Wut oder Trotz oder das laute Klatschen bei Freude. Interessant ist auch das Wechselspiel von rechts und links bei der Interaktion mit unseren Händen. Unterschiedliche Aufgaben zeigen schnell, das es mit der einen Hand meist leichter gelingt Rhythmus aufzunehmen und umzusetzen, als mit der anderen Hand. Die Bodypercussion gibt uns viele Möglichkeiten genau darauf eingehen zu können, nämlich beidseitiges Klatschen und Geschicklichkeit zu üben.

Viele Percussions lassen sich in Partnerarbeit üben. So können Erfahrungen, die man mit seinem eigenen Körper als Instrument gemacht hat, auf den Partnerübertragen werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Patschen auf die Körperpartieeinerseits stark genug sein muss, um Klang zu erzeugen, andererseits soll es nicht als unangenehm empfunden werden.

Zusammenfassend gibt es viele Gründe Bodypercussion für das Gruppenmusizieren zu nutzen:

– zur Förderung der rhythmischen und koordinativen Fähigkeit
– zur Förderung der Lern- und Konzentrationsfähigkeit
– zur Förderung der fein-und grobmotorischen Geschicklichkeit und
– zum gemeinsamen Spaß an Bewegung und Klängen

All das sind die Fähigkeiten, die besonders bei dem Schülerklientel meiner Klasse gefördert werden können.

2. Theorieteil

2.1. Definition und Erläuterungen

Bodypercussion ist das Musizieren mit dem eigenen Körper. Es umfasst alle Übungen die mit oder auf dem Körper getrommelt, geklatsche, gestampft usw. werden. (vgl. Moritz, Bodybeat, S.12)

Hier einige Beispiele für Bodypercussions:

Klatschen: in die entspannten, hohlen oder gespannten Handflächen, Handrücken aufeinander, Finger einzeln oder zusammen, Finger oder Faust auf Handflächen, Handrücken auf Handfläche usw.

Schnipsen der Finger: mit einer oder beiden Händen

Patschen: Klopfen auf verschiedene Körperteile, wie Schenkel, Beine, Brust, Po, Rücken, Arme, Schultern, Kopf, Gesicht. Es kann mit den Handflächen oder einzelnen Fingern gepatscht werden.

Stampfen: mit dem ganzen Fuß, den Ballen, den Fersen

Die Bewegungsfolgen sind austausch- und veränderbar und sollen in der fließenden Bewegung bleiben.

Die Instrumente sind in erster Linie unser Körper, Hände und Füße, die dabei helfen den Rhythmus nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren. Es kann aber auch die Stimme mit einbezogen werden.

Die Füße vermitteln bei vielen Übungen den Grundpuls und halten den Rhythmus. Auf diesen rhythmischen Grundpuls können dann Hände und Stimme aufgebaut werden. (vgl. Moritz, Bodybeat, S.13)

Der Klang des Stampfens hängt stark vom Untergrund ab. Holzböden eignen sich sehr gut,Teppichböden hingegen verschlucken viel vom Klang.

Die Hände bilden die Basis für den Rhythmus. Sie können variabel eingesetzt werden, Klatschen in die Handflächen, Klatschen auf andere Körperteile, wie Brust, Schenkel oder auch Schnipsen... (vgl. Moritz, Bodybeat, S.14)

Das verbreitetste Instrument sind wohl die Hände. Es mag nicht jeder Singen oder Tanzen, aber in die Hände klatschen fällt (den Meisten) nicht schwer.

Die Stimme kann verschieden eingesetzt werden. Sie kann den Grundpuls der Füße mitsprechen, indem z.Bsp. bei 3 Schritten ein dreisilbriges Wort gesprochen wird. Durch ihre große Variabilität, wie laut, leise, hoch, tief, schnell, langsam, kann sie das Erspüren von Rhythmusgefühl unterstützen. (vgl. Moritz, Bodybeat, S.13)

Rhythmus ist Bewegung und begleitet uns überall, ob durch unseren Herzschlag, das Gehen, das Sprechen und sogar durch unsere Atmung. In der Musik bedeutet Rhythmus einerseits Melodie, Klang und die Zeiteinteilung von Bewegung und Tönen. Andererseits ist es eine begrenzte Folge von verschieden langen Notenwerten und Pausen. (vgl. Moritz, Bodybeat, S.5)

Der Ursprung der Bodypercussion liegt eigentlich bei unseren Vorfahren, den Primaten, wie Gorillas oder Schimpansen. Sie setzen den Brustschlag zur Verstärkung ihres Gebrülls oder als Drohgebärde ein.

Bodypercussion kommt in verschiedenen Tänzen zum Einsatz. Die Schuhplattler patschen auf die Schenkel, Knie und Fußsohlen. Beim Flamenco wird mit den Füßen hart aufgestampft und rhythmisch in die Hände geklatscht. (vgl. https://de.m.wikipedia.org)

2.2. Beschreibung der Lerngruppe

Die Teil-Lerngruppe besteht aus vier Jungen im Alter von 11-14 Jahren.

Es handelt sich um eine heterogene Lerngruppe. Zwei Schüler haben eine Beeinträchtigungen aus dem Autismusspektrum, ein Schüler eine emotionale Entwicklungsstörung, ein weiterer Schüler leidet unter Epilepsie.

Drei Schüler werden im Bildungsgang Hauptschule unterrichtet, ein Schüler im Bildungsgang Lernen. Die Leistungsmotivation fällt sehr unterschiedlich aus und oftmals stehen die Schüler neuen Unterrichtsinhalten skeptisch gegenüber. Die Konzentration ist bei allen unterschiedlich lang und es fällt ihnen schwer sich selbstständig mit ihrem Arbeitsauftrag zu beschäftigen. Es hat sich gezeigt, dass Schüler die ihren Auftrag schon erfüllt haben, als Helferkinder gerne angenommen werden. Obwohl ein Junge oft die Lerngruppe ablenkt und in Überforderungssituationen schnell zu Frustration neigt, verstehen sich die Schüler grundsätzlich alle gut. Manch einer kann auftretende Schwierigkeiten wahrnehmen und benennen, andere tun sich damit noch schwer.

Jeder der vier Schüler hat eigene Erfahrungen mit Instrumenten, wie Schlagzeug, Trommel, Keyboard oder Mundharmonika gemacht. Ein Gruppenmitglied geht regelmäßig zum Schlagzeugunterricht, alle anderen spielen seit längerer Zeit kein Instrument mehr.

J. ist ein 14 jähriger Junge der im Bildungsgang Hauptschule unterrichtet wird. Er leidet unter posttraumatischen Belastungs- und Anpassungsstörungen, verbunden mit einer reaktiven Bindungsstörung, sowie unter der Hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens. Er ist ein Schüler mit großem Interesse an neuen Themen. Durch seine motorische Unruhe fällt es ihm schwer sich für einen längeren Zeitraum intensiv mit seinem Arbeitsauftrag zu beschäftigen. Seine Ungeduld, wenn er etwas nicht verstanden hat, stört sein ganzes Umfeld. Er wird dann laut und diskutiert, läuft herum oder verweigert sich ganz. Es fällt ihm schwer, sich an Regeln zu halten. In den Pausen spielt J. viel Fussball, Tischtennis oder Frisbee. Er liest auch gerne ein Buch oder Zeitung. J. hat früher im Chor gesungen und erste Erfahrungen im Trommeln gesammelt.

L., 13 Jahre alt, wird im Bildungsgang Hautschule unterrrichtet. Er hat eine Autismus-Spektrums-Störung diagnostiziert und zeigt Auffälligkeiten im Bereich der Fein-und Grobmotorik. Er hat häufig großes Interesse an neuen Themen, wendet sich aber ganz schnell anderen Dingen zu, wenn es ihm zu langweilig wird. L. ist ein sehr kommunikativer Junge, verhält sich seinen Mitschülern aber verbal nicht immer fair und freundlich gegenüber. Er arbeit oftmals nicht durchgehend konzentriert und sorgfälltig. In den Pausen spielt L. gerne Tischtennis oder Frisbee oder ist mit seinem Handy beschäftigt. L. kann Klavier spielen und geht zum Schlagzeugunterrricht.

S. ist ein 12 jähriger Junge der im Bildungsgang Hauptschule unterrichtet wird und eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert hat. Des Weiteren weist er Störungen im Sprachgebrauch und in der Fein- und Grobmotorik auf. Er ist ein ruhiger, zurückhaltender und hilfsbereiter Junge, der häufig sehr leise spricht und oftmals große Schwierigkeiten hat vor der Gruppe zu sprechen. Er arbeitet konzentriert an seinen Aufgaben, benötigt aber oft sehr viel Zeit. S. schaut gerne seinen Mitschülern beim Spielen zu, ist aber selber weniger aktiv. Er hat ein gutes Musikverständnis und hat früher einmal Keyboard gespie

H.,13 Jahre alt, wird im Bildungsgang Lernen unterrichtet wird. Er

leidet seit einer Chemotherapie immer mal wieder unter kurzen epileptischen Anfällen. Er ist ein sehr ruhiger und zurückhaltender Junge und geht eher in die beobachtende Rolle, als aktiv am Unterricht teilzunehmen. Er benötigt viel Zeit für seine Arbeitsaufträge und viele vertiefende Übungen dazu. Auch in den Pausen steht er gerne als Beobachter bei seinen Mitschülern. H. hat Erfahrungen mit der Mundharmonika und der Ukulele gesammelt, spielt diese Instrumente aktuell aber nicht mehr.

3. Praxisteil

3.1. Unterrichtsreihe mit Organisation und Medien

Die Unterrichtreihe baut darauf auf, das die Schüler in angeleiteter Eigenarbeit einen Guten-Morgen-Beat für die Klasse erarbeiten.Unter Berücksichtigung der individuellen Lernvoraussetzungen wird eine Lernsituation geschaffen die es allen Schülern ermöglicht am Unterricht teilzunehmen. Der Musikraum bzw. der Konferenzraum können für diese Unterrichtsreihe genutzt werden. Die Schüler entscheiden welche Bodypercussions sie benutzen wollen und können ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Das Thema wird in der ganzen Reihe in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit bearbeitet werden. Wichtig für die Schüler ist es, bei Partner- oder Gruppenarbeit eine klare Aufgabenstellung zu haben. Ebenso wichtig ist das Einhalten von Regeln, damit die Schüler gemeinsam an dieser Aufgabe arbeiten können. Die erarbeiteten Verhaltensregeln werden auf einem Plakat sichtbar für jeden Schüler visualisiert. Die Bereitschaft zur Mitarbeit ist bei den Schülern ausgeprägt, allerdings bestehen Unterschiede im Leistungsniveau. So können sie sich in der Partner-oder Gruppenarbeit gegenseitig austauschen, inspirieren und untereinander helfen. Zuerst lernen die Schüler den Begriff Bodypercussion kennen und können sich über ihre unterschiedlichen Erfahrungen darüber austauschen. Um ein genaues Bild zu bekommen was Bodypercussion nun wirklich ist, sehen sich die Schüler das Video « Groove hier » an. Hier sehen sie nicht nur die große Vielzahl an Percussionsmöglichkeiten, sondern erhalten auch einen Ideen-Anstoss zu ihrem eigenen Projekt « Guten-Morgen-Beat ». Die Schüler experimentieren auf spielerische Weise mit den Bodypercussions, die als Bildkarten zur visuellen Unterstützung die gesamte Unterrichtreihe begleiten.Da die reine Erarbeitungszeit auf 3 Zeit-Stunden begrenzt ist, wird der Guten-Morgen-Beat in Grobform von mir schon vorbereitet. Die Schüler brauchen sich dann nur noch um den Feinschliff zu kümmern, in dem die ein oder andere Stelle umgedichtet wird. Die eigentliche Arbeit der Schüler besteht darin, in 2-3 weiteren Stunden die 3 Strophen und den Refrain um die passenden Bodypercussions zu erweitern und zu erproben. Strophen und Refrain befinden sich hierzu auf großen Plakaten. Unter jeder Zeile sollen dann die passenden Percussions geheftet und gegebenfalls ausgetauscht werden. Die letzte Stunde wird dann zum intensiven Üben genutzt, bevor der Guten-Morgen-Beat der Klasse vorgestellt wird. Jede Unterrichtstunde beginnt mit einem Aufwärmspiel was der rhythmisch-musikalischen Basiserfahrung dient und um die Schüler auf das Thema einzustimmen. Auch während der Arbeitsphasen werden immer wieder kleine Bodyübungen zur Auflockerung genutzt, um die Konzentration wieder herzustellen. Zum Ende jeder Stunde reflektieren die Schüler ihre eigene Arbeitsphase und bekommen ein Feedback. Des Weiteren setzen sich die Schüler mit der Zusammenarbeit mit ihren Mitschülern auseinander. Sie äußern ihre Eindrücke, tauschen sich aus und sollen dabei kritisch konstruktiv bleiben. Das erfordert die Bereitschaft zur gegenseitigen Toleranz und sich auf andere einzulassen.

3.2. Zieldimensionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
23
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668926035
ISBN (Buch)
9783668926042
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463192
Institution / Hochschule
Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Köln
Note
2
Schlagworte
bodypercussion erarbeitung beats klasse förderschwerpunkt entwicklung

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