Lade Inhalt...

Risikostrategien. Naturrisiko genetisch modifiziertes Grundnahrungsmittel Mais

Hausarbeit 2018 32 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Definitionen und Grundbegriffe
2.1 Grüne Gentechnik und transgener Mais
2.2 Risiko

3 Nahrungsmittel Mais
3.1 Herkunft und Anbau
3.2 Produktion, Transport und Verbrauch
3.2.1 Global
3.2.2 Europäische Union und Deutschland
3.3 Anteil von Genmais global und lokal

4 Handel und Verarbeitung von Genmais
4.1 Hersteller von transgenem Maissaatgut
4.2 Erwerb und Verwendung von Genmais
4.3 Auswirkungen in den Erzeugerländern

5 Maßnahmen zur Risikovorsorge
5.1 Risikomonitoring
5.2 Risikoprüfung und Vorsorge

6 Zusammenfassung und kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Maisanbaugebiete global

Abbildung 2: Mais: Erntemenge vs. Konsum

Abbildung 3: Exportmenge von Mais weltweit bis 2016/17

Abbildung 4: Erntemenge Körnermais EU

Abbildung 5: Anbaufläche Silomais in Deutschland nach Bundesländern 2018

Abbildung 6: Gentechnisch veränderter Mais: Anbauflächen weltweit (Mio. ha)

Abbildung 7: Genmaisfläche und Insektizideinsatz USA

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Flihrende Saatguthersteller weltweit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Zielsetzung

Die Bevölkerung der Erde wächst und wird im Jahr 2050 die Marke von 10 Milliarden Menschen bereits überschritten haben.1 Dabei stellt sich häufig die Frage, wie diese Menschen überhaupt ernährt werden können. Die zur Verfügung stehenden land- wirtschaftlichen Flächen sind begrenzt. Vielmehr müssen Sie bereits heute der ur- banen Ausbreitung des Menschen weichen. Ein naheliegender Ansatz scheint der Eingriff in die Ertragssteigerung zu sein. An bestimmten Stellen sind jedoch die Züchter von Saatgut an ihre Grenzen gestoßen. An diesem Punkt betritt die grüne Gentechnik das Spielfeld und verspricht viele positive Veränderungen. Erzielt wer- den sollen diese durch die genetische Manipulation der Pflanzen-DNS, in dem ge- zielt Gene eingebaut werden. Damit lassen sich klimatisch robuste, schädlingsre- sistente, eiweißreiche u. a. Ausprägungen der herkömmlichen Sorten herstellen. Die großen Erzeuger von Gensaatgut bieten damit öffentlich die Lösung des oben beschriebenen Problems an. Doch warum ist dann die Agrogentechnik nicht überall dominierend und weshalb stehen auf den weltweiten Feldern noch immer herkömm- liche Getreide-, Öl- und Nutzpflanzen? Die Geschichte der grünen Gentechnik ist eine recht junge und heute sind noch immer viele Fragen ungeklärt. Besonders die aktuellen Risikoprüfungen für die Zulassung von GVO-Saat und -Produkten sind relevant. Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist die Schaffung einer Wissensba- sis zum Anbau von (Gen)-Mais sowie die Beantwortung der Leitfrage, ob Genmais ein „[…] riskantes Spiel mit der Natur […]“ ist.2

1.2 Aufbau der Arbeit

Um die o. g. Frage zu klären, werden im Kapitel 2 grundlegende Begriffe erläutert und definiert. Anschließend erfolgt die Darstellung des Maisanbaus international, national sowie auf EU-Ebene. Dabei wird ebenso der globale Handel eine Rolle spielen. Unter Kapitel 3.3 treten erstmals Zahlen, Daten und Fakten zum Genmais auf. Hier werden die Produktionen verschiedener Länder analysiert und Anteile an der Gesamtmaismenge herausgestellt. Das vierte Kapitel widmet sich vollständig dem Handel und der Verarbeitung von transgenem Mais. Dabei werden konkrete Beispiele gebracht, welche bisherigen Erfahrungen in Ländern mit hohem Genmai- santeil gemacht wurden. Im Kapitel 5 erfolgt schließlich der Blick auf die Risikoseite. Es werden länderspezifische Risikoprüfungen vorgestellt, Zulassungsverfahren er- örtert sowie das Risikomonitoring vorgestellt.

2 Definitionen und Grundbegriffe

2.1 Grüne Gentechnik und transgener Mais

Mit dem Begriff der Gentechnik wird oft in erster Linie ein Eingriff in die DNS von Menschen oder Tieren assoziiert. Replikation, Transkription, Klonieren sind hier be- liebte Schlagworte. Wird jedoch der Fokus von Medizin und Humanforschung um- gelenkt auf die Landwirtschaft bzw. Züchtung von Kulturpflanzen, ergeben sich wei- tere Einsatzmöglichkeiten. Wie eingangs beschrieben, ist das Versorgungsrisiko mit Nahrung ein nicht zu unterschätzendes. Unter dem Begriff der grünen Gentechnik (auch Agrogentechnik) wird das Anwenden genetischer Verfahren auf Pflanzen ver- standen. Ergebnis dieses Eingriffs sind gentechnisch veränderte Organismen, die wiederum in Pflanzen-DNS eingearbeitet werden.3 Resultat sind die transgenen Pflanzen, von denen neben den Grundnahrungsmitteln Reis, Mais und Soja noch viele weitere existieren, wie Raps und Baumwolle.4 Die grüne Gentechnik verfolgt dabei jene Ziele, welche bereits Generationen von Züchtern ebenso anvisierten: Ertragssteigerung und Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge, kli- matische Extrema, trockene Böden.5 Ferner sind Anpassungen hinsichtlich der Nähwertigkeit (Vitamine, Fettsäuren, Verträglichkeit) denkbar. Ein wesentlicher Un- terschied zwischen Agrogentechnik und Züchtung ist der Zugriff auf einen komple- xen Genpool. Sind die Züchter noch beschränkt auf die Einkreuzung der Merkmale aus artverwandtem Erbgut, kann die Gentechnik bereits über diese Grenze hinaus agieren.6

Was unterscheidet den transgenen Mais vom konventionellen Mais? Herkömmli- cher Mais ist gegen den Angriff vieler Insektenarten geschützt („immun“), gegen einige wenige Arten wiederum nicht. Biologiehistorisch wurden durch Kreuzungen die jeweils als positiv bewerteten Eigenschaften herausgestellt und so zu neuen Sorten herangezüchtet. Um den Bestand auf den Feldern zu sichern, können unter- stützend Pestizide eingesetzt werden. Am Beispiel des Mais sind die genannten Maßnahmen jedoch nicht ausreichend, um einem Befall des Maiszünslers vorzu- beugen. Dieses Insekt gehört zur Ordnung der Schmetterlinge und ist laut FAO für ca. 4 % Verlust des jährlichen Maisertrages verantwortlich.7 Im Rahmen der frühen Forschung zu diesem Thema fand Ernst Berliner im Jahr 1911 heraus, dass beim Fraß eines bestimmten Bakteriums die Maiszünsler abstarben.8 Dieses als Bacillus thuringiensis benannte Bakterium beherbergt in seiner Zelle Proteine, die als Kris- tallkörper zusammenlagern. Diese Kristalle können – je nach Stamm – diverse Aus- prägungen hinsichtlich der Wirkung annehmen. Das Gen, welches das Kristallpro- tein codiert und somit die Fressresistenz in Form eines Toxins verantwortet, wird Bt-Gen genannt.9 Frisst eine Larve des Maiszünslers eine mit diesem Gen versetzte Pflanze, verendet sie. Transgener Mais zeichnet sich durch das Einkreuzen des Bt- Gens aus, was zur Immunität gegenüber dieses Fressfeindes führt. Mit erneutem Blick auf die Welternährungssituation ist das eine zumindest interessante Entwick- lung.

2.2 Risiko

Wie verhält sich ein Mensch, der bereit ist, Risiken einzugehen? Was ist überhaupt Risiko? An dieser Stelle soll eine Definition des allgegenwärtigen Begriffs folgen, die zum weiteren Verständnis der Arbeit beiträgt. Das Gabler Wirtschaftslexikon führt eine allgemeine Definition des Risikos als „Kennzeichnung der Eventualität, dass mit einer (ggf. niedrigen, ggf. auch unbekannten) Wahrscheinlichkeit ein (ggf. hoher, ggf. in seinem Ausmaß unbekannter) Schaden bei einer (wirtschaftlichen) Entscheidung eintritt oder ein erwarteter Vorteil ausbleiben kann.“10 Hieraus wird bereits ersichtlich, dass es sich in der Regel um eine eher negativ konnotierte Aus- prägung handelt. Risiko einzugehen ist also schlecht, nicht klug oder gar gefährlich. In jedem Falle ist es mit einer gewissen Unsicherheit bzw. einem Wagnis verbun- den. Dabei gilt jedoch zu beachten, dass Risiken der eigenen Interpretation unter- liegen. Die Psychologie des Risikos ist nicht außer Acht zu lassen. Die Risikowahr- nehmung ist subjektiv, da sie an individuelle Erwartungen, teilweise auch Ängste gekoppelt ist.11 Die Vielfalt dieses Begriffs wird bereits bei der Recherche nach De- finitionen deutlich. Wirtschaftswissenschaftler, Juristen, Versicherungskaufleute, Mediziner, Psychologen – alle konkretisieren den Begriff auf ihre (jeweils passende) Art und Weise. Risiko kann ganz allgemein als bewusst oder unbewusst charakte- risiert werden.

3 Nahrungsmittel Mais

3.1 Herkunft und Anbau

Mais ist ein samenhaltiges Getreide, dessen Kerne als Körner bekannt sind. Er ist eine der am meisten konsumierten Getreidearten der Welt, sowohl als Grundnah- rungsmittel für Menschen als auch als Basis für Viehfutter.12 Ursprünglich stammt der Mais aus dem heutigen Mexiko und verbreitete sich von dort aus über ganz Süd- und Mittelamerika. Die ältesten gefundenen Maiskolben lassen sich auf die Zeit zwi- schen 5000 und etwa 3400 vor Christus datieren.13 Der Mais diente den nomadisch lebenden Indios als essenzielle Nahrungsgrundlage und trug maßgeblich zur Sess- haftwerdung bei, da er zweimal jährlich geerntet werden kann. Es begannen erste bewusste Züchtungen, die als Ergebnis bereits sieben Zentimeter lange Maiskolben hervorbrachten. Heute wird die Züchtung von Mais als einer der Meilensteine in der Entwicklung der Hochkulturen von Maya, Inka und Azteken diskutiert.14 Den Weg nach Europa fand das Getreide mit der Rückkehr des Seefahrers und Entdeckers Christoph Kolumbus. Als Mitbringsel verbreitete er sich schnell im gesamten Mittel- meerraum und gedieh dort prächtig. Mais ist robust und stellt keine großen geologi- schen Anforderungen an den Boden. Nachdem ihm eine gewisse Kältetoleranz an- gezüchtet wurde, ist er in Gesamteuropa vertreten.15 Rund 65% der gesamten Mais- produktion werden für Tierfutter verwendet, 15% für Nahrungsmittel und 20% wer- den zu Produkten wie Maiskeimöl, Stärke, Süßstoffen und Ethanol verarbeitet.16 Wie sich nicht nur der Anbau, sondern auch die Verteilung und der Verbrauch darstellt, wird das folgende Kapitel klären.

3.2 Produktion, Transport und Verbrauch

Wie im Kapitel 3.1 angemerkt, ist Mais heute in breiten Teilen der Welt vorzufinden. Ob als Nahrungs-, Futter- oder Energiepflanze dominiert der Mais teilweise ganze Landstriche und Regionen. Besonders durch die Energiepolitik er EU bzw. Deutsch- lands kann der Eindruck entstehen, dass Mais die hier vorrangig heimische Kultur- pflanze sei. Nachfolgend werden die relevanten Daten zu Produktion, Transport und Verbrauch dargestellt und in diversen geopolitischen Einteilungen beleuchtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Maisanbaugebiete global17

Abbildung 1 zeigt die Verbreitung der Pflanze weltweit, wobei die farbigen Flächen die Anbaugebiete darstellen. Bei der Betrachtung fällt auf, dass der Maisanbau mit wenigen Ausnahmen in großen Gebieten der Welt praktiziert wird. Die einzigen maisfreien Gebiete sind die kalten Regionen um den nördlichen Polarkreis (USA/Alaska, Kanada, Russland/Sibirien) sowie besonders trockene Gefilde (z. B. Sahara).

3.2.1 Global

Wie in Abbildung 2 dargestellt ist, hat sich die weltweite Erntemenge von 2000/2001 bis 2018/2019 noch nicht ganz verdoppelt, der Trend deutet jedoch genau dies an. Die prognostizierten Erntemengen für 2019 sind hierin bereits abgebildet. Die Ein- fuhr auf der südlichen Hemisphäre ist für kommenden April/Mai datiert.18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Mais: Erntemenge vs. Konsum19

Insgesamt werden am Ende der laufenden Saison ca. 1.052 Millionen Tonnen Mais geerntet sein. Bezogen auf die Saison 2018/2019 sind die größten Produzenten die USA (356,63 Mio. t), China (225 Mio. t), Brasilien (96 Mio. t), EU (61 Mio. t), Argen- tinien (41 Mio. t) und Ukraine (30 Mio. t).20 Aus Abbildung 2 geht ebenfalls der welt- weite Konsum hervor. Nennenswert ist die Nähe der dargestellten Grafen zueinan- der, trotz der bewusst gewählten nicht bei null beginnenden Achseneinteilung. Das bedeutet, dass Konsum und Erntemenge eng bei einander liegen, was auf ein aus- balanciertes Angebot-Nachfrage-Verhältnis schließen lässt. Dennoch gibt es ebenso Ausreißer, wie sie in den Jahren 2013 bis 2016 sowie ab 2017 beobachtbar sind. Betrachtet man den weltweiten Export als grenzüberschreitenden Handel, so ergibt die eine Situation, wie sie in Abbildung 3 ersichtlich wird.

[...]


1 Vgl. Prognose zur Entwicklung der Weltbevölkerung von 2010 bis 2100, 2017

2 Gigerenzer, 2013, S. 102

3 Vgl. Regenass-Klotz, 2005, S. 128-130

4 Vgl. Taube & Theobald , 2009

5 Vgl. Regenass-Klotz, 2005, S. 128

6 Vgl. Richter, 1997, S. 430-432

7 Vgl. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, kein Datum

8 Vgl. Regenass-Klotz, 2005, S. 128-129

9 Vgl. Regenass-Klotz, 2005, S. 130-131

10 Vgl. Prof. Dr. Gillenkirch et al., 2018

11 Vgl. Renn, 2014, S. 23-29

12 Vgl. Mintec Limited, 2018

13 Vgl. Frietsch, 2018

14 Vgl. Frietsch, 2018

15 Vgl. Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V., 2012

16 Vgl. Mintec Limited, 2018

17 Mintec Limited, 2018

18 Vgl. Mintec Limited, 2018

19 Eigene Darstellung; vgl. USDA Foreign Agricultural Service, 2018

20 Vgl. US Department of Agriculture

Details

Seiten
32
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668922808
ISBN (Buch)
9783668922815
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463359
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
risikostrategien naturrisiko grundnahrungsmittel mais

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Risikostrategien. Naturrisiko genetisch modifiziertes Grundnahrungsmittel Mais