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Die Ursachen des Dreißigjährigen Krieges

Ein Vergleich mit den Ursachen des Sezessionskrieges in den USA

Hausarbeit 2015 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Ursachen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648)
2.1 Konfessionelle Anlässe und Streitigkeiten
2.2 Die Krise in Böhmen
2.3 Außenpolitische Situation

3.Ursachen des Amerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865)
3.1 Die Politische Situation
3.2 Das Problem der Sklaverei

4.Historischer Vergleich der beiden Ursachen der Kriege
4.1 Historischer Vergleich nach Kaelble
4.2 Der Vergleich der Ursachen beider Kriege

5.Fazit

6.Didaktischer Kommentar

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Dreißigjährige Krieg und der Sezessionskrieg – vermeintlich sehr unterschiedliche Kriege aus verschiedenen Jahrhunderten. Wie kam es zu den Kriegen? Was waren die Ursachen? Und lassen sie sich vielleicht sogar vergleichen? Das gilt es, in dieser Arbeit zu thematisieren. Angefangen Zunächst werden die Ursachen des Dreißigjährigen Krieges erläutert und der Fragestellung nachgegangen, ob es sich hierbei um einen Glaubenskrieg handelt. Anschließend werden analog dazu die Ursachen des Amerikanischen Bürgerkriegs dargestellt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Problematik der Sklaverei und der damit einhergehenden Sezession. Nachdem die Ursachen herausgearbeitet wurden, gilt es, sie zu vergleichen. Dazu wird zunächst einmal kurz erläutert, was einen historischen Vergleich ausmacht und um welche Art von historischem Vergleich es sich hierbei handelt. Anschließend werden die Ursachen der beiden Kriege gegenübergestellt und Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet. Mit Hilfe des Ergebnisses, gilt es die Frage zu beantworten, inwiefern es sich hierbei um einen vergleichbaren Gegenstand handelt. Das letzte Kapitel soll schließlich Aufschluss darüber geben, ob und wie das Thema in der Schule zu verorten ist.

2 Ursachen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648)

2.1 Konfessionelle Anlässe und Streitigkeiten

Nicht nur aufgrund zahlreicher Krisen im geographischen Umfeld des Reiches wuchs unter den Reichsangehörigen die Furcht vor einem großen Krieg. Dies lag auch an der bedrohlichen Lage im Reich selbst. Die politischen Institutionen des Reiches waren in eine schwere Krise geraten. Der Versuch, im Rahmen der bestehenden politischen Ordnung im Reich einen friedlichen Ausgleich zwischen den beiden gegensätzlichen Konfessionsparteien zu finden, scheiterte. Und somit schwand die Hoffnung, den entstandenen konfessionellen Zwiespalt in die bestehende Ordnung des Reiches zu integrieren.1 Stattdessen setzte der sich verschärfende Konfessionskonflikt die Reichsinstitutionen außer Gefecht und zog damit alle übrigen Konflikte im Reich in seinen Bann.

Das Ziel des folgenden Kapitels ist es, den entstandenen Konflikt der Konfessionsparteien zu erläutern und die Grundproblematik zu beschreiben.

Ausgangspunkt ist der Augsburger Religionsfrieden 1555, mit dem erstmalig das Nebeneinander zweier Varianten des christlichen Glaubens in einem politischen System geregelt wurde. Religiöse militärische Gewalt und Landfriedensbruch sollten verboten werden. Der Frieden von 1555 legt fest, dass in Deutschland fortan die freie Wahl zwischen dem lutherischen und dem katholischen Bekenntnis bestand – allerdings nicht für die Bevölkerung, sondern für die jeweiligen Landesherren. Das Prinzip „Cuius regio, eius religio“ bedeutete für die Bewohner einer Landschaft, sich der Religionswahl ihres Fürsten anzuschließen oder das Land zu verlassen.2 Einer Gruppe von Reichsfürsten, den geistlichen Fürsten, blieb die freie Konfessionswahl allerdings verwehrt, denn „jeder geistliche Fürst, der nach dem Passauer Vertrag von 1552 seine Konfession wechselte, hatte seine weltliche Herrschaft aufzugeben und sich aus seinem bisherigen Territorium zurückzuziehen“.3 Dieser geistliche Vorbehalt wurde Teil des Religionsfriedens und hatte zur Folge, dass die Reichskirche mit ihren vielen stimmberechtigten Mitgliedern auf Reichstagen ausschließlich katholisch bleiben sollte. Die protestantischen Reichsstände empfanden dies jedoch als diskriminierend, aufgrund dessen sich in den folgenden Jahrzehnten an einigen Orten eine entgegengesetzte Praxis entwickelte. Dies sollte jedoch nicht der einzige Streitpunkt im Augsburger Religionsfrieden bleiben.

Der vermutlich schwerwiegendste Mangel im Augsburger Religionsfrieden ist, dass dieser nur das katholische und das lutherische Bekenntnis betraf. Das bedeutet, dass der Schutz des Landfriedensgebotes nur für die beiden wichtigsten Konfessionen, die Katholiken und die Lutheranern, galt. Protestantische Richtungen wie die Calvinisten, wurden vom Religionsfrieden ausgeschlossen und verblieben in jener rechtlich zweifelhaften Lage, in der sich die Evangelisten befanden.4 Daraus resultierten in den folgenden Jahren zunehmend theologische Kontroversen, die sich immer mehr ineinander zu verstricken drohten.

So unvollkommen der Frieden im Einzelnen war, so vermied er doch mehr als 60 Jahre lang einen großen Religionskrieg im Reich. Die Wirkungsdauer des Religionsfriedens war allerdings nur ein Aspekt. Denn die Auseinandersetzungen um seine Auslegung begannen bald, und Konflikte zwischen den Bekenntnissen setzten sich fort.

Diese Konflikte verschärften sich in den darauffolgenden Jahren soweit, dass sie auch begannen, die Reichspolitik enorm zu beeinflussen. Dies ist verwunderlich, denn seit der Reichsreform gab es verschiedene Institutionen, wie beispielsweise der Reichstag, die dafür sorgten, Streitigkeiten auf friedlichem Wege zu klären.

Stattdessen wurde seit den 1580er Jahren bewusst der Konflikt gesucht und die Reichstage wurden abwechselnd von katholischen und evangelischen Reichsständen boykottiert oder Entscheidungen wurden blockiert.5 Mit Rudolf II. bestieg dann ein persönlich streng altgläubiger Herrscher den Kaiserthron, dem eine gewisse Distanz zu den Religionsparteien fehlte. Dies wurde rasch deutlich, als sich Kaiser und Reichshofrat in mehreren konfessionspolitisch brisanten Angelegenheiten eindeutig den katholischen Standpunkt zu Eigen machten. So auch im Fall Donauwörth.

Nachdem protestantische Bürger der Stadt Donauwörth eine katholische Prozession gewaltsam zu stören versucht haben, wurde die Reichsstadt vor dem Reichshofrat 1607 wegen Bruchs des Religionsfriedens geächtet. Daraufhin übertrug der Kaiser dem katholischen Herzog Maximilian von Bayern die Exekution. Maximilian I. marschierte auf Donauwörth und beendete dessen Existenz als freie Reichstadt, indem er sie seinem Herzogtum einverleibte und somit die Rekatholisierung erzwang. Da die Stadt jedoch zum schwäbischen Kreis gehörte und somit dem evangelischen Herzog von Württemberg unterlag, hätte dieser damit beauftragt werden müssen. Diese Entscheidung stellte sich als fatal heraus, denn vor allem die kleineren, evangelischen Reichsstände fühlten sich vom Kaiser im Stich gelassen und von der Gegenreformation bedroht. Die nach Donauwörth einsetzende heftige politisch-publizistische Kontroverse über die Rechtmäßigkeit der Entscheidung verschärfte die Konfrontation nochmals und machte vor allem deutlich, dass der Reichshofrat nicht mehr dazu in der Lage war, den Konfessionskonflikt rechtlich zu schlichten.6

In dieser Situation richteten sich alle Hoffnungen auf den in Regensburg versammelten Reichstag als zentrales reichsständisches Gremium. Die evangelischen Stände einigten sich und forderten die Bestätigung des Augsburger Religionsfriedens. Erzherzog Ferdinand von Steiermark, der auf dem Reichstag als offizieller Vertreter Kaiser Rudolfs II. auftrat, griff diese Forderung auf und verband sie mit einer Rückgabe aller seit 1552 entfremdeten Kirchengüter. Diese Forderung, die sich die Katholiken, die die Reichstagsmehrheit hatten, zu Eigen machten, führte auf Seiten der protestantischen Reichsstände zum energischen Protest gegen die Anwendung des Majoritätsprinzips in Religionsfragen und schließlich zu ihrer vorzeitigen Abreise aus Regensburg. Die Reichsstände gingen auseinander ohne, dass ein Reichsabschied zustande gekommen ist. Damit war auch der Reichstag am konfessionellen Zwiespalt zerbrochen und die Legislative des Reichs außer Gefecht gesetzt.7

Mit dem Reichstag war nun nicht nur das wichtigste, sondern auch das letzte bis dahin überhaupt noch arbeitsfähige Reichsorgan blockiert. Angesichts dessen kam bei einigen Reichsständen – vor allem bei den lutherischen – der Gedanke einer militärischen Selbstorganisation zum eigenen Schutz auf. Die Protestanten sahen sich in ihrem Misstrauen gegenüber den Institutionen des Reichs bestätigt. In ihren Augen vertrat der Kaiser nicht mehr die Interessen des Reichs, sondern diejenigen der katholischen Kirche und des Hauses Habsburg. Daraufhin kam es im Mai 1608 zur Gründung der Protestantischen Union, einem Militärbündnis unter der Führung des calvinistisch reformierten Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz. Die Reaktion der katholischen Seite auf die Gründung der Union folgte sofort. 1609 wurde unter Federführung des bayrischen Herzog Maximilian die Katholische Liga gegründet, die sich – ebenso wie die Union – als reine Defensivallianz bezeichnet. Die Union konnte sich finanziell auf Bündnisse mit Frankreich, Schweden, England und den Niederlanden stützen, während hinter der Liga die Macht Spaniens und die Finanzkraft des Papstes standen. Somit hatten beide Seiten schließlich auch militärisch ihre Stellungen bezogen.8

2.2 Die Krise in Böhmen

In Böhmen war es die Furcht der Stände, ihren Einfluss zu verlieren und damit einhergehend ihren evangelischen Glauben aufgeben zu müssen, die sich 1618 im Prager Fenstersturz entlud. Dass sich daraus ein dreißigjähriger Krieg in Europa entwickeln würde, war nicht vorhersehbar. Das gerade die böhmische Krise entscheidend zur Entstehung des Krieges beigetragen hat, hing mit der Sonderstellung und der damit einhergehenden zwiespältigen Position Böhmens im Gefüge des römisch-deutschen Reiches zusammen. Es war kein Zufall, dass das Königreich mit der Hauptstadt Prag und den zugeordneten Provinzen Schlesien, Mähren sowie Ober- und Niederlausitz zum ersten Hauptschauplatz des Krieges wurde. Böhmen war zur damaligen Zeit das reiche Zentrum Europas. Hier ballten sich soziale, wirtschaftliche, politische und religiöse Konflikte der Zeit.9 Böhmen war fruchtbar sowie zentral gelegen und besaß somit einige Standortvorteile. Zudem bildete es einen Knotenpunkt wichtiger Handelswege. Hinzu kam auch, dass das Königreich eine Stimme bei der Wahl des römisch-deutschen Kaisers hatte. Durch die zunehmend verhärteten Religionsfronten des frühen 17. Jahrhunderts entfiel auf Prag die Stimme, die das mögliche Patt zwischen den katholischen Kur-Erzbischöfen und der Protestanten-Fraktion entscheiden konnte.

Der Katholizismus in Böhmen nahm bis zum 17. Jahrhundert eine eher schwache Position ein. Obwohl das Herrscherhaus mit dem deutschen Kaiser Rudolf II. einem Katholiken unterstand, war die Mehrheit der Bevölkerung jedoch protestantisch gesinnt. Auch in Prag wurde die Katholisierung vorangetrieben. Das Zeitalter der Toleranz ging so langsam zu Ende. Vor allem mit der Ablösung Rudolfs durch seinen Bruder Matthias als böhmischer König, bei dem vor allem die Stände mitgewirkt haben, änderte sich die Situation in Böhmen schlagartig. Matthias verlegte seine Residenz nach Wien und trat die zuvor durch Majestätsbriefe gesicherte Religionsfreiheit mit Füßen. Auch unter der Herrschaft Ferdinands, eines unduldsamen Katholiken, setze sich die Tragödie in Böhmen fort.10

Hinzu kam, dass es bei den enttäuschten Böhmen an Gegenwehr fehlte. Drei Prinzipien bildeten die Grundlage des erfolgreichen böhmischen Zusammenlebens: regionale Selbstbestimmung, religiöse Toleranz und das demokratische Mitspracherecht von 1400 adligen Landbesitzern sowie 42 Städten. Genau diese drei Prinzipien wurden der Opposition in diesem Fall letztendlich zum Verhängnis und schwächten sie. Denn egal auf welches der drei Prinzipien sie ihren Schwerpunkt legten, war mit dem entschiedenen und gewalttätigen Widerstand Ferdinands zu rechnen. Denn für ihn ging es nicht nur um ein reiches Territorium, sondern darum, sich – und damit den Habsburgern – die römisch-deutsche Kaiserkrone zu sichern. Im Juni 1617 wurde Ferdinand einstimmig zum König gewählt, eine verheerende Fehlentscheidung. Das Land wurde zum Experimentierfeld der habsburgischen Konfessionalisierung. Unter zehn Prager Statthaltern bildeten die sieben Katholiken eine erdrückende Mehrheit. Immer mehr Protestanten wurden aus Staatsämtern entlassen und evangelische Kirchen wurden kurzerhand niedergerissen.11

Als eine böhmische Ständedelegation im März 1618 dagegen protestierte, wurden sie abgewiesen. Daraufhin zogen sie unter der Führung des Grafen Heinrich Matthias von Thurn auf den Hradschin und stürzten die beiden kaiserlichen Statthalter Wilhelm von Slawata und Jaroslaw von Martinitz zusammen mit dem Sekretär Fabricius aus dem Fenster.12 Der Fenstersturz war ein böhmisches Ereignis, doch er führte Deutschland in einen langen Krieg. So war die böhmische Erhebung zwar gescheitert, hat aber als erste in diesem Krieg ein Modell umzusetzen versucht, das nach der Erfahrung dieses nicht enden wollenden Krieges zur Grundlage einer neuen politischen Ordnung in Europa wurde: ein Europa der gleichberechtigten Einzelstaaten. Hierbei handelt es sich um ein mit allen universalistischen und hegemonialen Idealen konkurrierendes Konzept der Staatsbildung.13

2.3 Außenpolitische Situation

Das römisch-deutsche Reich befand sich um 1600 in einem relativ friedlichen Zustand. Jedoch war Krieg in der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert ein zentrales Thema der öffentlichen Diskussionen im Heiligen Römischen Reich. Die Präsenz des Themas ist im Zusammenhang mit der politisch-militärischen Situation in den unmittelbaren Nachbarländern des Reiches zu sehen. Denn das Reich lag um 1600 im Spannungsfeld mehrerer europäischer Schlüsselkonflikte, die es jederzeit in Mitleidenschaft ziehen konnten. Die Gründe hierfür lagen auf der einen Seite in der räumlichen Nähe zum Reichsgebiet, auf der anderen Seite herrschten enge politisch-konfessionelle und auch dynastische Verbindungen einiger Reichsglieder zu den Konfliktparteien. Einige der wichtigsten Konflikte werden im Folgenden kurz erläutert.

[...]


1 Vgl. Kampmann (2008): S.17

2 Vgl. Arndt (2009): S.31

3 Vgl. Kampmann (2008): S.21

4 Vgl. ebd. S.21

5 Vgl. Schuller (2010): S.32

6 Vgl. Schmidt (1995) S.22f

7 Vgl. Schuller (2010): S.35

8 Vgl. Schmidt (1995) S.23f

9 Vgl. Pieper / Saltzwedel (2012): S.46

10 Vgl. Pieper/ Saltzwedel (2012): S.50

11 Vgl. Schmidt (1995): S.28f

12 Vgl. Pieper/ Saltzwedel(2012): S.53

13 Vgl. Schuller (2010): S.57

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668908123
ISBN (Buch)
9783668908130
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463434
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
2,0
Schlagworte
ursachen dreißigjährigen krieges vergleich sezessionskrieges

Autor

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Titel: Die Ursachen des Dreißigjährigen Krieges