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Wie sinnvoll ist der Einsatz der Talk-Show Methode im Politikunterricht?

von Thomas Bäcker (Autor)

Ausarbeitung 2014 11 Seiten

Politik - Didaktik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medien

3. Die Bedeutung von Talk-Shows in der politischen Medienlandschaft der Bundesrepublik

4. Die Talk-Show als Methode des Politikunterrichts

5. Fazit

6. Pro/ Contra zur Methode politische Talkshow im Politikunterricht

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Politische Debatten und Gespräche bieten eine Partizipationsmöglichkeit, die heute oft medial inszeniert wird. Die klassische Gewaltenteilung aus Exekutive, Legislative und Judikative wird heute zunehmend durch eine weitere Komponente ergänzt. Die Rede ist von den Medien, welche einen zunehmenden Einfluss verzeichnen können und dazu täglich einen Großteil der Bevölkerung erreichen. Im Fernsehen, eines der Massenmedien, erfreuen sich politische Talkshows zunehmender Aufmerksamkeit und Beliebtheit. Hier werden aktuelle politische Themen behandelt und kontrovers diskutiert. Medien und Politik stehen in einer Abhängigkeit, weil die Medien einerseits Informationen aus der Politik für aktuelle Berichterstattung benötigen und die Politik andererseits die mediale Aufmerksamkeit zur positiven Resonanz in der Öffentlichkeit nutzen möchte. Diese Veränderungen haben Tendenzen in der Politikdidaktik ausgelöst. Die Methode der Talkshow hat Einzug in den Politikunterricht erhalten. Es stellt sich gleichermaßen die Frage:

‚Was leistet die Methode der Talk-Show im Politikunterricht?‘

Die Medien sowie deren Vielfalt haben eine entsprechende Stellung und Bedeutung in der Bundesrepublik Deutschland. Ebenso ist deren Wirkung zu würdigen, welche sich an der politischen Talk-Show sowie der gleichnamigen Methode des Politikunterrichts untersuchen und aufzeigen lässt.

2. Medien

Die Medien tragen in einem erheblichen Maße zur Meinungsbildung in der heutigen Demokratie bei. Die Bürger wirken an der politischen Willensbildung mit und haben Möglichkeiten der Partizipation an der Politik, welche durch die Medien gegeben sind. Sie können als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Politik gesehen werden (vgl. Wilke 2012: 407). Die Medien erfüllen folgende Funktionen: Kontrolle, Kritik, Beteiligung, Meinungsaustausch und politische Willensbildung (vgl. Meyn/ Tonnemacher 2012. 245). Die rechtliche Grundlage dafür bildet Artikel 5 des Grundgesetzes :

Artikel 5

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung. (GG Bundesrepublik Deutschland)

Der Gesetzestext verdeutlicht, dass in der Bundesrepublik eine grundsätzliche Presse-, Meinungs- und Informationsfreiheit herrscht. Außerdem wird keine Zensur der Medien durchgeführt und sie sind weitgehend frei empfänglich. Im Pressewesen besteht für jeden Bürger die Möglichkeit journalistische Tätigkeiten aufnehmen (vgl. Meyn/ Tonnemacher 2012: 31/32). Durch die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen werden empfindliche Einschnitte gebildet, weil Verleumdung, Beleidigung und üble Nachrede nicht gestattet sind. Es ergibt sich folglich ein Diskurs aus öffentlichem Interesse und der Privatsphäre (vgl. Wilke 2012: 407). Die Präsenz und Relevanz der Massenmedien sind recht hoch anzusiedeln. So konsumieren 86% der Bevölkerung täglich das Fernsehen, weshalb dem Fernsehen eine progressive Komponente beigemessen wird. Ebenso hat sich der Einfluss des Fernsehens auf die Öffentlichkeit und Realität enorm gesteigert. Dies hat sich unübersehbar auf die Politik ausgewirkt, so setzen bedeutende Parteien inzwischen eigene PR-Agenturen ein, damit ihre Funktionäre positiv repräsentiert werden, wodurch in langfristiger Hinsicht die Gunst der Wählerschaft gesteigert werden soll (vgl. Meyn/ Tonnemacher 2012: 245). Darüber hinaus gibt es Polit-Talkshows, die sich in der Medienlandschaft der Bundesrepublik etabliert haben und beachtliche Einschaltquoten vorweisen können. Von gesteigerter Aufmerksamkeit und Bedeutung sind unter anderem folgende Sendungen: ‚Maybrit Illner – die Politik-Talkshow im ZDF‘, ‚Hart aber fair – der Polit-Talk mit dem Faktencheck‘ und ‚Anne Will – die politische Talkshow in der ARD‘.

3. Die Bedeutung von Talk-Shows in der politischen Medienlandschaft der Bundesrepublik

Talkshows erfreuen sich zunehmender Beliebtheit in der Öffentlichkeit. Das Fernsehen eröffnete die Möglichkeit dieser Diskussionssendungen, die durch die Gesprächsorganisation des Moderators gekennzeichnet sind. Nachdem der Moderator in die Thematik eingeleitet hat, entwickelt sich ein Diskurs zwischen den Talkgästen. Die Polit-Talkshow ist eine spezielle Variante des Diskurses, in welcher sich mit politischen Themen befasst wird. Für den Aufbau und Ablauf einer Polit-Talkshow sind bestimmte Merkmale charakteristisch. So ist ein gewisser Grad an Institutionalisierung vorhanden, da die Dauer der Beiträge und das Recht sich zu äußern institutionell geregelt wird (vgl. Girnth/ Michel 2007: 87f). Bemerkenswert ist die klar erkennbare Diskursivität, welche sich im Ablauf der Beiträge abzeichnet, da diese vorangegangene Beiträge aufgreifen, rezipieren, reflektieren oder zumindest berücksichtigen (vgl. ebd.). Des Weiteren haben die Gesprächsteilnehmer ein gewisses Vorwissen, welches sich aus der aktuellen politischen Debatte ergibt und in der Struktur seiner Komponenten dargestellt wird. So gibt es beispielsweise verschiedene politikwissenschaftliche Ansätze, um eine Thematik darzustellen, zu erklären oder einfach zu definieren oder zu skizzieren. So wäre eine statistisch belegte Argumentation an den Positivismus angelehnt, während konstruktivistische Ansätze der Erkenntnis mehr Bedeutung zuweisen und die Pluralität der möglichen Ergebnisse betonen. Gleichwohl wird ein fachliches und sprachliches Niveau vorgegeben, dass über die Partizipationsmöglichkeiten am Diskurs entscheidet. Ein weiterer Aspekt ist die Repräsentierung, welche am Agieren der Politiker erkennbar wird, da sie eine gewisse politische Richtung vertreten, welche wiederum einer Partei zuzuordnen ist und sehr wahrscheinlich mit einer Parteifunktion einhergeht (vgl. ebd.). Demzufolge ist parteigebundenes Handeln und Argumentieren durchaus häufig erkennbar und auch nachvollziehbar. Eine Polit-Talkshow ist gleichermaßen eine Möglichkeit Parteiinteressen zu vermitteln, deren Diskursfähigkeit zu erproben und sich als Politiker und weiterführend als Partei zu präsentieren, was gleichwohl einen weiteren Aspekt aufgreift: die Öffentlichkeit und Massenmedialität (vgl. ebd.). Durch die große mediale Resonanz und die bereits dargelegte Aufmerksamkeit, welche den Massenmedien zukommt, hat das Handeln der Politiker in den Polittalks einen persuasiven Charakter bekommen, da die Öffentlichkeit eine Möglichkeit ist, um auf potentielle Wähler zu wirken (vgl. ebd.). Eine grundlegende Kommunikationskompetenz ist erforderlich, um während der Interaktion mit den anderen Gesprächsteilnehmern die gewünschte Wirkung im Diskurs und weiterreichend auf die Zuschauer und Öffentlichkeit zu entfachen. Darüber hinaus haben die Medien eine so bedeutende Stellung eingenommen, welche die Politik nachweislich beeinflussen und somit dienlich für die positive Eigendarstellung und deren Resonanz ist. Die Politiker werden zu schnellen Äußerungen forciert, um das Medieninteresse nicht abzugeben. Des Weiteren versucht die Politik durch das Aufnehmen aktueller Debatten und Themen, das Medieninteresse für selbstorientierte Zwecke zu verwenden (vgl. Meyn/ Tonnemacher: 224). Die Mediatisierung der Politik sorgt dafür, dass Politiker ihr Auftreten und Verhalten zunehmend mediengerecht ausrichten. Den Journalisten fällt es sehr schwer zwischen Selbstdarstellungsdrang der Politik und eigener Informationspflicht eine qualitative möglichst unvoreingenommene Berichterstattung zu betreiben (vgl. ebd.: 228).

4. Die Talk-Show als Methode des Politikunterrichts

Talkshows weisen eine gesteigerte Präsenz im Fernsehen auf und werden zu allen Sendezeiten durch verschiedene Sender gezeigt (vgl. Pohl 2008: 39). Demnach sind sie nahezu allen Schüler/-innen bekannt. Durch Talkshows ergibt sich für die Schüler/-innen die Möglichkeit:

„‚sich in unterschiedliche Rollen hineinzuversetzen, verschiedene Perspektiven zu übernehmen und entsprechende Handlungsoptionen und deren gestalterische Umsetzung zu entwickeln‘“ (Breit zitiert nach: ebd.).

Die Vorerfahrung und das Vorwissen stellt die potentielle Gefahr dar, dass die Methode der Talkshow im Politikunterricht lediglich zum rhetorischen Schlagabtausch verkommt (vgl. ebd.). Deshalb ist eine ausreichend geplante Vorbereitung von Bedeutung, welche unter anderem durch das Vermitteln von inhaltlichen Argumenten im Vorfeld gegeben sein kann (vgl. ebd.). Ebenso kann eine kontroverse Fragestellung zum Thema hilfreich sein.

Grundsätzlich eignen sich für den Politikunterricht sogenannte ‚Konfro-Talks‘ oder ‚Themen-Talks‘ (vgl. Kuhn 2004: 120). ‚Konfro-Talks‘ eignen sich für die Schulung rhetorischer Fähigkeiten, während sich ‚Themen-Talks‘ für die kontroverse Erarbeitung von Kenntnissen zu politischen Themen eignen und darüber hinaus dienlich sind, um unterschiedliche Sichtweisen auf diese Themen kennenzulernen (vgl. Pohl 2008: 42). Die schematische Darstellung der Methode wird sich auf die Variante des ‚Themen-Talks‘ konzentrieren. Die politische Talkshow orientiert sich an Tendenzen erfolgreicher Politikvermittlung, aber ist als neue Methode noch nicht beständiger Teil des Methodenpools des Politikunterrichts. Als Themen für eine Talkshow sind politische oder gesellschaftliche Kontroversen geeignet (vgl. ebd. 40). Des Weiteren können Themen, welche im ersten Anschein eher uninteressant für die Lerngruppe sind, durch die emotionale Wirkung der Talkshow belebt werden (vgl. ebd.), was mitunter skeptisch betrachtet werden kann, da eine Emotionalisierung der Konflikte zu einer Schwerpunktverlagerung auf die Selbstdarstellung führen könnte und demnach die Realisierung der Unterrichtsziele gefährden könnte. Das Thema der Talkshow als kontroverse Frage zu formulieren, bietet sich als Zielführung an (vgl. ebd. 42).

Die Vorbereitung der Talkshow erfolgt in der Sozialform der Gruppenarbeit, wobei einige Gruppen inhaltliche Aspekte ausarbeiten und eine Gruppe sich der Rolle des Moderators widmet (vgl. ebd.). Aus jeder Gruppe wird anschließend ein Mitglied als Gast in den ‚Talk‘ entsendet, was gleichwohl die Bedeutung der Gruppenarbeit als Erfolgskriterium aufzeigt, da die Gruppe den Gast und dessen Auftritt vorbereitet (vgl. ebd.). Das Material zur Vorbereitung beinhaltet charakteristisch eine Rollenkarte, welche methodische Hinweise und skizzierte Argumente beinhaltet. Für diese Phase können mindestens zwei Schulstunden eingeplant werden (vgl. ebd.).

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Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668905818
ISBN (Buch)
9783668905825
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463466
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Politik- und Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
einsatz talk-show methode politikunterricht

Autor

  • Thomas Bäcker (Autor)

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