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Welchen Beitrag kann das Fach Sport für die Bildung von Schüler*innen leisten?

Essay 2015 9 Seiten

Sport - Sportpädagogik, Didaktik

Leseprobe

Während der Schulzeit kann sich für Schüler*innen früher oder später die Frage stellen, warum sie genau das zu lernen haben, was gerade auf dem Unterrichtsplan steht und inwiefern sie dies für das zukünftige Leben vorbereiten soll. Der Sinn von bestimmten Fächern und Inhalten ergibt sich nicht jeder Schülerin oder jedem Schüler direkt. Warum wird genau das gelehrt, was in dem Basiscurriculum festgehalten ist und welche Kompetenzen werden damit abgedeckt? Die Schule soll die allgemeine Bildung vermitteln, nach PISA wird aber das Hauptaugenmerk der Allgemeinbildung nur auf Teile der schulischen Bildung gelenkt. Ich möchte auf die Frage, was das Fach Sport für die Bildung der Schüler*innen leisten kann, näher eingehen.

Um dies ausreichend erklären zu können, müssen wir zunächst betrachten, wie die allgemeine Bildung durch die Schulen vermittelt wird und was Allgemeinbildung ist. Oftmals wird die schulische Bildung mit Allgemeinbildung gleichgestellt. Im Alltagsbetrieb der Schule und auch der Universität wird bei dem Begriff der Allgemeinbildung an breites Grundlagenwissen gedacht (Meyer, 2013). Die Allgemeinbildung soll an der Schule vermittelt werden, um aus den Individuen eigenständig handelnde Schüler*innen zu formen. Sie soll unter Anderem zur Lebensvorbereitung, kritischem Vernunftgebrauch, Weltorientierung und Stärkung der eigenen Persönlichkeit dienen (Heymann, 1997). Schüler*innen sollen Fähigkeiten erlangen, die sie individuell auf ihr Leben vorbereiten und sie in der Zukunft kompetent und sinngebend handeln lassen. Laut Meyer (2013) wird in der Schule jedoch zunehmend spezialisiertes Wissen unter dem Decknamen der Allgemeinbildung vermittelt. Durch diese Spezialisierung nimmt ebenfalls die Masse an Wissensbeständen zu, die es einerseits abzufragen und andererseits zu vermitteln gilt. Man kann immer mehr in die Tiefe gehen, Allgemeinbildung ist zur Spezialisierung mutiert (Meyer, 2013). In diesem Fall wäre Allgemeinbildung dann kein breites Wissen über viele Themenbereiche, sondern Spezialwissen in einer bestimmten Anzahl an Unterrichtsfächern. Dieses Spezialwissen steht im Widerspruch zur Allgemeinbildung. Es gibt unzählige Gebiete, denen man größere Aufmerksamkeit schenken kann. Der Begriff der allgemeinen Bildung wäre somit für die Schule unangebracht, wenn fortführend nur noch Fachwissen betrachtet und gelehrt wird. Zu der allgemeinen Bildung äußerte sich Johann Amos Comenius in seiner culture universalis-These, die besagt, dass alle Schüler*innen alles an Themenbereichen und dies allseitig lernen sollen (Meyer, 2013). Nach dieser These ist eher das breite Feld der Allgemeinbildung abgedeckt, das Schüler*innen in der Bewältigung ihrer Lebensaufgaben helfen soll. Eine allseitige Beleuchtung von verschiedenen Sichtweisen auf Themenbereiche ist für den Begriff der Allgemeinbildung näherliegend und leuchtet mehr ein als die zunehmende Spezialisierung. Es ist also der Überblick über breite Wissensfelder, der Schüler*innen allseitig ausbilden soll. Diese Theorie ist nach wie vor aktuell, da sie das Individuum mit dem Wissen verbindet (Meyer, 2013). Nach Klafki ist in der allgemeinen Bildungsdefinition zudem noch die Einsicht der Schüler*innen nötig, dass Bildung einerseits ein Höchstmaß an Gemeinsamkeit anstrebt und andererseits die Möglichkeit zur Individualität mit subjektiven Ansichten bietet (Meyer, 2013). Die allgemeine Bildung wird somit als Position gesehen, die zwischen der Gemeinschaft und dem Individuum steht. Zwischen diesen Positionen muss versucht werden zu kommunizieren und eine Einigung zu finden. Es ist zu erkennen, dass die Allgemeinbildung kein Wort mit einer simplen Bedeutung ist, sondern aus vielen Komponenten besteht zwischen denen kommuniziert und abgewägt werden muss.

Um die Allgemeinbildung messbar bzw. überprüfbar zu machen, wurden Bildungsstudien, wie z.B. PISA , Timss oder Iglu gegründet. Diese Studien können dazu genutzt werden, Leistungen von Schüler*innen national oder international zu vergleichen. Jedoch können in diesen Testverfahren nicht alle Bereiche des Wissens abgefragt werden (Thiele, 2009). Die Inhaltsbereiche von PISA sind beschränkt auf Lesekompetenz, mathematische Grundbildung und naturwissenschaftliche Grundbildung (Meyer, 2013). Diese Beschränkung wirft die Frage auf, wie dieser gesonderte Teil der schulischen Bildung der Allgemeinbildung gleichgestellt werden kann. In diesem Test fehlen für den Schulalltag durchaus wichtige Komponenten, wie z.B. soziale Kontakte, Bewegungskompetenz, sprachliche Ausdrucksweisen, problemorientiertes Auseinandersetzen, Rechercheaufgaben oder PC-Kenntnisse. Individuelle Faktoren werden also nicht abgefragt, obwohl diese einen großen Teil des schulischen Zusammenlebens ausmachen. Thiele (2009) kritisiert dabei zu Recht, dass dem Bildungswissen ein Warencharakter aufgezwungen wird, der zu eingeschränkt auf eine sehr komplexe Situation schaut. Ebenfalls wird dem PISA-Ranking eine sehr hohe Aufmerksamkeit geschenkt, wo die Bedeutung der Allgemeinbildung auf einen kleinen Teil der schulischen Bildung heruntergebrochen wird. Durch die hohe Aufmerksamkeit aber sind Bildungssysteme gezwungen, sich näher mit der Materie auseinander zu setzen und Schüler*innen allgemein noch besser auf ihre Zukunft, aber vor allem auf die nächsten Wissensabfragen vorzubereiten. Nach Meyer (2013) soll für eine bessere Allgemeinbildung ein Curriculum konstruiert werden, das bisher fehlende Merkmale mit einbindet. Nach diesem Curriculum sollen z.B. Kenntnisse über kulturelles Erbe, Bewegungskompetenzen, gemeinsame Gestaltung des Unterrichts, sowie individuelle Fähigkeiten in der schulischen Bildung eine Rolle spielen (Meyer, 2013). Diese Felder sollen zusätzlich zu dem Fundament der Bildung, das von PISA abgefragt wird in das Curriculum aufgenommen werden. Dies ist ein großer Schritt in Richtung des individuellen Lernens und bereitet Schüler*innen durchaus besser auf ihre Zukunft vor, als die bisherige Beschränkung auf die PISA-relevanten Fächer. Schüler*innen erhalten bei diesen Erweiterungen neue Möglichkeiten sich selbst in den Unterricht einzubinden und neue Erfahrungen zu sammeln, die zu einer individuellen Erweiterung der Persönlichkeit dienen. Diese Erweiterung kann durch das Schulfach Sport gefördert werden, da dort individuelle Fähigkeiten, Einbindungen oder Herausforderungen, sowie andere zu lernende Kompetenzen eine große Rolle spielen.

Das Fach Sport ist u. A. eines der Fächer, was in der Befragung von PISA keine Beachtung findet, aber trotzdem wichtig für die Herausbildung einer persönlichen Handlungsfähigkeit ist. Die verschiedenen Handlungsfähigkeiten werden in Kompetenzbereiche aufgeteilt, wie z.B. die nach Gogoll (2013) benannte Bewegungskompetenz. Schüler*innen sollen durch den Sportunterricht eine Handlungsfähigkeit im Sport erlangen, sodass sie sich einerseits persönlich weiterentwickeln und andererseits auch zukünftig in der Lage sein werden, an Sport- und Bewegungskulturen teilzuhaben. Die Grundlage für eine sportliche Bildung wird demnach in der Schule gelegt. Schüler*innen sollen die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten im sportlichen Bereich zu erkunden, auszubauen und sogar zu professionalisieren. Alles vor dem Hintergrund, die Bewegungskompetenz an die für die jeweils geltenden Anforderungen der Alters- und Klassenstufen anzupassen. Die Schulen schaffen eine künstliche Erweiterung und somit eine Ergänzung zur Welterfahrung. Durch diese künstlichen Erweiterungen lernen die Schüler*innen neue Kompetenzen und Wahrnehmungsmuster kennen.

Der Auftrag des Schulsports ist nach Kurz (2009), einen Lehrplan zu gestalten, bei dem die Schüler*innen im Sinne der Allgemeinbildung ausreichend Zeit für die Entwicklung ihrer Kompetenzen haben. Da aber ein Lehrplan von Kurz (2009) als ein Kampf von gesellschaftlichen Mächten bezeichnet wird, ist es eine ständige und stetige Auseinandersetzung mit anderen Fächern. Es muss ein Konsens gefunden werden, damit eine Verwirklichung des Bildungsauftrags der Schule ausgeführt werden kann. Es ist dafür nötig, die Vorteile von Schulsport hervorzuheben und die Wichtigkeit der Bedürfnisse für Schüler*innen dabei im Auge zu behalten.

So ist nach Talbot (2001) der Schulsport eine systematische Einführung in Weiterentwicklung von Kompetenzen und Einsichten, die für eine erfolgreiche Teilnahme am Arbeits- und Familienleben und in der Freizeit wichtig sind. Es ist eine Art und Weise, die das Lernen mit der Bewegung verbindet und einen allgemeinen Nutzen für die Schüler*innen daraus zieht. Für jede Teilnahme an Aktivitäten ist eine gewisse Bewegungskompetenz von Nöten, die ihre Grundlage in der Schule bekommt. Des Weiteren beinhaltet diese Aussage, dass Einsichten gefördert werden, die soziale Komponenten beinhalten. Diese Einsichten beziehen sich auf kooperatives Handeln, Anwendung von Beurteilungen oder insgesamt sozialen Kompetenzen. Als Beispiele dafür können: Teamverhalten, Spielsituationen beurteilen oder Kompromissfindungen genannt werden. Schulsport ist weitaus mehr als eine Weitergabe von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung, es spielen Werte, Normen und Regeln eine Rolle, die durch den Sport gelehrt werden und in der Sportpraxis, als auch im Gesellschaftsleben, angewendet werden können.

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Details

Seiten
9
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668913288
ISBN (Buch)
9783668913295
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463755
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Schlagworte
Berufsfeld Bildung Beitrag Sport Schüler Schülerinnen Fach Essay lernen Unterricht vorbereiten Pisa Vermittlung Hilfe Entscheidung Eintscheidungshilfe

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