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Glaubt Sokrates wirklich, dass Tugend nicht lehrbar ist?

Argumentiert Sokrates im Menon inkonsistent?

Hausarbeit 2015 26 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Der Zusammenhang von Wissen und Tugend

1. Das Wissen-Was-Prinzip
1.1 Das Prinzip im Menon-Dialog
1.2 Priorität des Wissen-Was-Prinzips

2. Das Paradox

3. Beweis der Inkonsistenz in Platons Menon
3.1 Wissen und Wahrheit (W1-W3)
3.2 Die Lehre von der Wiedererinnerung (W4-W6)
3.3 Alles Lernen ist ein Wiedererinnern (W7)
3.4 Tugend, Wissen und wahre Meinung (W8-W14)

4. Auflösungsversuch zum Widerspruch
4.1 Knowing What und Knowing How
4.2 Menons Uneinsichtigkeit
4.3 Ausblick zur Lösung des Widerspruchs

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Platons Menon ist ein spannender Dialog an der Schnittstelle zwischen zwei Kernthemen der platonischen Philosophie wie auch der Philosophie überhaupt: Wissen und Tugend. Menon fragt zu Beginn nach dem Ursprung der Tugend. Was folgt ist dann ein Dialog über Fragen nach Wissen allgemein und nach Erkenntnis. Wie ist das Verhältnis von Wissen und Lernen? Und was bedeutet das für die Frage, was wir überhaupt lernen können.

Im Verlauf dieses Dialogs stellt Menon die Frage, ob Lernen überhaupt möglich sei. Vorausgegangen ist dieser Frage die Vorstellung sokratischer Erkenntnistheorie. Und so entwickelt sich der Dialog zu einer Untersuchung des Problems, ob Lernen überhaupt möglich ist und wenn ja, wie es von Statten gehen kann. Sokrates Antwort auf das von Menon aufgeworfene Problem ist die Lehre von der Wiedererinnerung. In aller Kürze zusammengefasst besagt diese Lehre, dass unsere Seele alles Wissen bereits enthält und dass jedes Lernen bloß ein Wiedererinnern, ein Zugreifen auf das in der Seele bereits enthaltene Wissen ist. Nach dem Dialog über die Frage, ob Tugend nun also ein solches Wissen ist, welches gelernt werden kann, kommt Sokrates zu dem Schluss, Tugend sei kein Wissen und könne somit auch nicht gelernt werden. Allerdings, so Sokrates‘ Konklusion weiter, könne man eine wahre Meinung von der Tugend haben und gemäß dieser Meinung tugendhaft handeln.

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Frage, wie die Konklusion des Dialogs mit der in seiner Mitte eingeführten Lehre von der Wiedererinnerung vereinbar ist. Nach meiner Auffassung tut sich zwischen den beiden im Dialog vertretenen Positionen ein Widerspruch auf den zu Lösen einen großen Beitrag zum Verständnis der platonischen Erkenntnistheorie liefern könnte. In dieser Arbeit soll nun aber zu allererst das Problem klar herausgearbeitet werden. Mein Ziel in dieser Arbeit ist es zu zeigen, dass es zwischen den im Menon vertretenen Überzeugungen eine erhebliche Spannung, wenn nicht einen logischen Widerspruch gibt. Eine Lösung dieses von mir aufgeworfenen Problems liegt leider nicht im Rahmen dieser Arbeit. Dennoch werde ich auf einen möglichen Weg zur Lösung des Widerspruches näher eingehen und diesen Versuch diskutieren. Dabei werde ich versuchen die These zu begründen, dass Sokrates im Verlauf des Dialogs sein Thema wechselt. Mit der Sturheit Menons konfrontiert, sieht sich Sokrates gezwungen von seiner eigentlichen Untersuchung, was Tugend überhaupt ist, abzuweichen. Was dann passiert ist ein Wandel der Fragestellung dahin, wie man tugendhaft handeln kann. Vom ursprünglich in Frage stehenden Wissen-Was wechselt das Thema zur Frage des Wissen-Wie man tugendhaft handelt. Dieser Weg bietet, sofern ein solcher Themenwechsel im Menon tatsächlich stattfindet, eine Möglichkeit, den Widerspruch aufzulösen, so dass Sokrates‘ Argumentation im Dialog logisch konsistent ist.

Ein anderer Versuch den Widerspruch zu erklären, wenn auch nicht aufzulösen bietet die Hermeneutik des sokratischen Dialogs. Platons Dialoge sind immer auch literarisch und historisch zu interpretieren. Die Analytik der Dialoge ist daher nicht der einzige Weg zu ihrem Verständnis.1

Meine Arbeit gliedert sich in folgende Abschnitte. Zunächst befasse ich mich mit der Vorgeschichte des Paradox im Menon, die relevant für das Verständnis sowohl des Paradoxes als auch Sokrates‘ Reaktion darauf ist. Daraufhin wende ich mich dem von Menon aufgeworfenen Paradox selbst zu und stelle das Problem der Erkenntnissuche dar, wie es im Dialog formuliert wird.

Wenn der Rahmen geklärt ist, in dem der Dialog mit Menon stattfindet, komme ich auf den Kern der Arbeit zu sprechen. Ich präsentiere ein Argument das zeigen soll, dass Sokrates zumindest scheinbar inkonsistent argumentiert. Im Anschluss an das Argument gehe ich detailliert auf die Kernprämissen ein und erläutere und verteidige die im Argument gemachten Annahmen. Dabei geht es insbesondere um die Stellung der Wiedererinnerungslehre im Menon und im platonischen Werk über den Menon hinaus.

Nachdem das der Arbeit zugrundeliegende Problem dargelegt und erörtert ist folgt ein Vorschlag, den vermeintlichen Widerspruch im Dialog aufzulösen. Dabei mache ich eine Lesart des Menon stark die besagt, dass Platon im Verlauf des Dialogs sein Thema wechselt und von einer Wissen-Was -Frage auf eine Wissen-Wie -Frage umschwenkt. Hauptziel er Arbeit ist es, auf das Problem des scheinbaren Widerspruches aufmerksam zu machen. Eine befriedigende Lösung dieses Problems geht leider über den Rahmen dieser Arbeit hinaus.

Der Zusammenhang von Wissen und Tugend

Der Dialog mit Menon beginnt mit der Frage, wie Tugend, wenn überhaupt, erworben werden könne. Von dort geht es schnell um die Diskussion, ob Tugend lehrbar ist. Wie kommt es, dass von der Ausgangsfrage im übrigen Dialog nur die Frage nach der Lehrbarkeit von Tugend übrig bleibt? Die Antwort auf diese Frage ist mit einem Blick auf die platonische Moralphilosophie im Ganzen zu beantworten. Während die Frage vom Verhältnis von Tugend und Wissen im Menon nur umrissen wird, stellt Platon in späteren Dialogen eine unmittelbare Verbindung der beiden dar, wenn er nicht gar eine Einheit von Tugend und Wissen behauptet.2 Es ist daher nicht verwunderlich, dass schon im Menon die Frage nach dem Erwerb von Tugend zu einem Dialog über die Frage nach dem Erwerb von Wissen führt.

An dieser Stelle deutet Platon bereits an, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Gutsein und Wissen gibt. Gutes wollen tut jeder. Gutes bewirken kann nur, wer Wissen vom Guten hat. Zwar wird im Menon dann auch die Frage diskutiert, ob Gutes nicht auch durch schlechtes Handeln bewirkt werden könne. (Plato. und Kranz 1994, S. 77b-e) Dennoch ist hier schon ein guter Anhaltspunkt für das in Platons Werk später ausgeführte sehr enge Verhältnis (bis zur Identität) von Wissen und Tugend.

Die These, dass es mindestens einen sehr engen Zusammenhang von Wissen und Tugend gibt, vertritt Sokrates auch zu Beginn des Dialogs mit Menon. (vgl. Plato. und Kranz 1994, S. 77b ff.) Allerdings deutet Sokrates an dieser Stelle bereits an, was später im Dialog passieren wird. Das Wissen ist Bedingung zum guten Handeln. Es ist nicht gesagt, dass Tugend selbst ein Wissen ist. Das sind zunächst voneinander unterschiedene Fragen. Die eigentliche Untersuchung richtet sich an dieser Stelle des Dialoges ja darauf, was Tugend eigentlich ist. Der Verweis, dass nur wer Wissen hat Gutes bewirken kann, zielt also nicht direkt auf eine Antwort auf die an dieser Stelle eigentlich zur Diskussion stehende Frage.

1. Das Wissen-Was-Prinzip

1.1 Das Prinzip im Menon-Dialog

Am Beginn des Menon -Dialoges steht also die Frage, wie Menschen Tugend erlangen können, falls Tugend überhaupt erworben wird. Schnell führt Sokrates seinen Dialogpartner jedoch auf die Suche danach, was Tugend überhaupt ist. Das zu wissen, so Sokrates, sei notwendige Bedingung dafür, herauszufinden, wie Tugend erworben werden kann. (Plato. und Kranz 1994, S. 70b) Diese Fragestellung nach dem Wissen, was Tugend eigentlich ist, scheint der Grund für Menons dritte Frage in dem von ihm aufgeworfenen Paradox darzustellen. Daher gehe ich nun zunächst genauer auf das von Sokrates vorangestellte Prinzip, das hier Wissen-Was-Prinzip (kurz: WWP) heißen soll, ein, bevor ich mich detaillierter dem Paradox zuwende.

Bei dem Versuch, die Was-Frage bezüglich der Tugend zu beantworten, nennt Menon zuerst zahlreiche Dinge, die als tugendhaft bezeichnet werden. Als Antwort leitet Sokrates Menon auf das Prinzip hin, welches dieser Untersuchung zugrunde liegen soll. „Also sind alle Menschen auf dieselbe Weise gut; wenn sie nämlich dasselbe haben, werden sie gut.“ (Plato. und Kranz 1994, S. 73c) Das Gutsein, die Tugend also, ist in jedem Fall in dem sie vorkommt, die gleiche Tugend. Daher wird sie mit einem Begriff bezeichnet. Eine Aufzählung der von diesem Begriff bezeichneten Instanzen kann daher nicht hinreichen, das WWP zu erfüllen, weil darin die Einzigartigkeit des Begriffes nicht erfasst wird. Einige Zeilen später konkretisiert Sokrates seine Anforderung an das was im Dialog mit Menon gefunden werden soll: eine Definition. All die Dinge, die von einem Begriff bezeichnet werden, sollen mit der Definition dieses Begriffes erfasst werden:

„Aber du behauptest doch, das Runde sei genausogut Figur wie das Gerade oder umgekehrt [...] Was ist das nun, was diesen Namen >Figur< hat?“ (Plato. und Kranz 1994, S. 74e)

Gegenstand der gemeinsamen Untersuchung mit Menon ist also dasjenige, was den Namen Tugend trägt. In der von Sokrates dann formulierten Definition von Figur findet sich die Form einer Definition, die hier gesucht ist und die ich in Anlehnung an Gail Fine (2014) das Wissen-Was-Prinzip genannt habe: „[...] was als einziges von allen Dingen immer mit der Farbe einhergeht“ (Plato. und Kranz 1994, S. 75b; Unterstreichungen von mir) Dasjenige also, was als einziges und immer die Tugend ausmacht, ist es, was die Tugend eigentlich ist. Das ist es also, was Gegenstand der Untersuchung ist, die Sokrates mit Menon durchführen möchte. Hier wird klargemacht, welche Bedingungen eine Definition und somit das Wissen-Was-Prinzip erfüllen muss, um anerkannt zu werden. Ein Begriff wird definiert, indem man angibt, was einzeln notwendig zum untersuchten Begriff gehört und was gemeinsam hinreichend ist, diesen Begriff zu bestimmen. Allerdings konkretisiert Sokrates etwas später seine Anforderung an das Wissen-Was-Prinzip noch weiter, welches in dieser Arbeit als Wissen von Definitionen aufgefasst wird. Die Definition darf nämlich das zu Definierende nicht voraussetzen oder enthalten. Sonst gelangt man mit dem verfolgten Forschungsprojekt in einen Regress. Den formuliert Sokrates selbst wie folgt:

„Was du sagst, bedeutet nämlich, daß jedes Tun mit Gerechtigkeit Gutsein ist. Oder glaubst du nicht, daß dir dann wieder dieselbe Frage gestellt werden muß, sondern daß jemand weiß, was ein Bestandteil von Gutsein ist, der nicht weiß, was Gutsein ist?“ (Plato. und Kranz 1994, S. 79c)

Wenn man, so Sokrates Einwand gegen Menons wiederholten Definitionsversuch, Tugend definiert und dabei den Begriff der Tugend bereits als bekannt voraussetzt, dann stellt sich die Ausgangsfrage, was nämlich Tugend eigentlich sei, von neuem und die Forschung ist keinen Schritt weitergekommen.

Gulley (2012) argumentiert, dass die Erwähnung der Lehre von der Wiedererinnerung im Menon den Weg zu einer komplexen Ausarbeitung in Platons Werk darstellt. (Gulley 2012, S. 4–5) Im Menon dagegen findet sich eine solche Lehre bloß fragmentarisch. Die gesamte platonische Erkenntnistheorie ist hier nur in Andeutungen zu finden. Daher bereitet die Interpretation des Menon auch besondere Schwierigkeiten, die für das in dieser Arbeit erörterte und diskutierte Problem mitverantwortlich sein könnten. Auf die Rolle der Platon-Interpretation in diesem Zusammenhang habe ich bereits in der Einleitung hingewiesen. Leider liegt es nicht im Rahmen dieser Arbeit, sich näher mit der Frage der Platon-Interpretation zu befassen und damit einen anderen Lösungsversuch für das hier dargelegte Problem zu erarbeiten.

Dieses Prinzip des Wissen-Was ist nun einer der Wegbereiter, die Menon zu seiner Frage hinführen, ob Lernen denn überhaupt möglich sei. Wie oben gezeigt, sind Sokrates‘ Bedingungen für den Erwerb von Wissen sehr eng gefasst. Wissen von einem Ding habe ich nur dann, wenn ich seine Definition kenne. Eine Definition zu kennen bedeutet erstens, einzeln notwendige Bedingungen zu kennen, die erstens gemeinsam hinreichend sind und zweitens den zu definierenden Gegenstand nicht bereits enthalten. Diese sehr streng formulierten Bedingungen, die Sokrates an das Forschen stellt, geben Menon einen Anlass zu glauben, dass diese Bedingungen zu streng sind um bei der Erkenntnissuche überhaupt eingehalten werden zu können.

1.2 Priorität des Wissen-Was-Prinzips

In der Auffassung darüber was Sokrates meint, wenn er sagt: „Was ich nicht kenne und wovon ich nicht weiß, was es ist, wie könnte ich davon wissen, wie es beschaffen ist?“ (Plato. und Kranz 1994, S. 70b) folge ich Gail Fine (2014), die Sokrates mit folgender Bedingung paraphrasiert: “If one doesn't know what x is, one can't know anything about x.“ (Fine, S. 34) Ich folge Fine ebenfalls in der Auffassung, dass die Frage danach, wie sich diese Bedingung zu solchen Gegenständen verhält, die kein Wesen haben und von denen wir folglich das Wesen nicht kennen können für die hier diskutierten Fragen nachrangig ist: “Sokrates' main interest is in cases like virtue where, in his view, knowing what something is does involve knowing its essence.” (Fine, S. 37)

Was dieses Wissen-Was genau bezeichnet, wurde im vorigen Abschnitt mit Blick auf den Menon ausgeführt. In diesem Vorspiel des berühmten Paradox findet sich ein Hauptgrund für Menons Zweifel. Auch darin stimme ich mit Gail Fine überein, die die dem Paradox vorhergehende Untersuchung als Wegbereiter für Menons Einwand betrachtet (vgl. Fine, S. 37), auch wenn sie diesen Einwand selbst als auf einer Reihe von Missverständnissen gegründend ansieht (vgl. Fine, S. 37).

2. Das Paradox

Nachdem Sokrates den Rahmen der gemeinsamen Nachforschungen wie oben beschrieben abgesteckt hatte, eröffnet Menon seinem Dialogpartner grundsätzliche Zweifel an diesen Bedingungen und der sokratischen Methode und stellt in Frage, ob Lernen oder Forschen überhaupt möglich sei. Nachdem Sokrates versichert, dass er in der gleichen epistemischen Lage sei wie sein Dialogpartner, („Ich meinerseits gleiche einem Zitterrochen nur, wenn er selbst so betäubt ist, wie er die anderen betäubt [...]“ Plato. und Kranz 1994, S. 80c) fragt Menon, wie aus dieser Situation heraus überhaupt Erkenntnis zustande gebracht werden kann.

Menon wirft zwei Probleme auf, die sich für ihn aus dem vorangegangenen Dialog ergeben und die zusammen dazu führen, dass Forschung und Lernen unmöglich sind. Sein Paradox formuliert er als Fragen an Sokrates. Seine erste Frage ist die Folgende: „Wie soll denn das, was du nicht kennst und was du dir zum Suchen aufgibst, beschaffen sein?“ (Plato. und Kranz 1994, S. 80d) Diese Frage zielt darauf ab, dass aus der Situation der Unwissenheit heraus Forschung gar nicht erst begonnen werden kann. Wenn ich nicht weiß, so das von Menon formulierte Problem, was ich eigentlich suche, dann kann ich auch nicht wissen, wo ich mit der Suche danach beginnen soll. Einer Forscherin würde jeglicher Anhaltspunkt fehlen, um ein Forschungsprojekt zu beginnen.

Dieser Teil von Menons Bedenken gründet, wie zum Beispiel Gail Fine (2014) deutlich gemacht hat, auf einem Missverständnis der vorher abgesteckten Bedingungen unter denen Sokrates die Frage Was ist Tugend? mit Menon untersuchen möchte. Sokrates glaubt nicht, wie es Menon hier offenbar unterstellt, aus einem völligen cognitive blank heraus seine Nachforschungen zu betreiben. Sokrates glaubt bloß, kein Wissen von der Tugend zu besitzen, Meinungen, darunter wahre Meinungen jedoch schon. (vgl. Fine, S. 33) Menons Missverständnis Sokrates’ macht deutlich, dass Menons Problem nicht wirklich besteht und die Frage nach den Anhaltspunkten einer Forschung nach der Tugend schnell gelöst ist. Allerdings stellt Menon noch eine zweite Frage. Und das Problem, das darin aufgeworfen wird, wiegt deutlich schwerer und veranlasst Sokrates auch zu einer umfassenden Antwort. Menon fragt: „Oder wie wüßtest du, wenn du zufällig darauf kämest, daß es das ist, was du nicht wußtest?“ (Plato. und Kranz 1994, S. 80d) Wenn, so Menon, jemand nicht weiß, worauf sie ihre Suche richtet, wie soll eine Forscherin dann den gesuchten Gegenstand erkennen, wenn sie ihm begegnet. Sokrates formuliert Menons Problem in ein schlüssiges Argument um, das jegliche Erkenntnissuche grundsätzlich anzweifelt:

[...]


1 Zum Beispiel argumentiert Roslyn Weiss, man müsse die spezielle Rolle anerkennen, die Menon im Dialog spielt. Sokrates reagiert konkret auf seine Bedürfnisse, die nicht zuerst auf Erkenntnisgewinn ausgerichtet sind (vgl. Weiss 2001)

2 Vgl. zum Zusammenhang von Wissen und Tugend zum Beispiel Gulley 2012, S. 1–4

Details

Seiten
26
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668923300
ISBN (Buch)
9783668923317
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v463889
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Platon Tugend Lehrbarkeit Ideenlehre Idee Menon Moral

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