Lade Inhalt...

Seniorengerechte Websites - Ein Vergleich der Bedingungen für barrierefreie Websites nach der BITV mit den Bedürfnissen älterer Menschen

Bachelorarbeit 2005 79 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele und Vorgehensweise
1.3 Kooperation

2 Ältere Menschen in der Informations­gesellschaft
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Der demografische Wandel
2.2.1 Sinkende Bevölkerungszahlen
2.2.2 Steigende Lebenserwartung
2.2.3 Wachstum der älteren Bevölkerungsschichten
2.2.4 Internationale Betrachtung des Alterungsphänomens
2.2.5 Wirtschaftliche Macht der Älteren
2.3 Ältere Menschen im Internet
2.3.1 Anteil der Internetnutzer
2.3.2 Dauer und Häufigkeit der Internetnutzung
2.3.3 Interessengebiete
2.3.4 Problemfelder und Einstiegshürden
2.3.5 Internationaler Vergleich
2.4 Zusammenfassung und Ausblick

3 Altersbedingte Veränderungen älterer Menschen
3.1 Theorien und Modelle zum Alterungsprozess
3.2 Wahrnehmungssysteme
3.2.1 Sehvermögen
3.2.2 Hörvermögen
3.3 Bewegungsapparat
3.3.1 Motorik
3.3.2 Mobilität
3.4 Psychologische Aspekte
3.4.1 Gedächtnis
3.4.2 Lernverhalten
3.5 Soziale Aspekte
3.6 Kriterien für seniorengerechte Websites
3.7 Fazit

4 Seniorengerechte Websites
4.1 Barrierefreiheit im World Wide Web
4.1.1 Begriffsbestimmung
4.1.2 Technische Grundlagen
4.1.3 Entwicklung der Barrierefreiheit
4.1.4 Barrierefreiheit in Deutschland
4.1.5 Relevanz der BITV abseits der Verwaltungsebene
4.2 Überprüfung der BITV-Richtlinien
4.2.1 Vorgehensweise
4.2.2 Anforderung 1
4.2.3 Anforderung 2
4.2.4 Anforderung 3
4.2.5 Anforderung 4
4.2.6 Anforderung 5
4.2.7 Anforderung 6
4.2.8 Anforderung 7
4.2.9 Anforderung 8
4.2.10 Anforderung 9
4.2.11 Anforderung 10
4.2.12 Anforderung 11
4.2.13 Anforderung 12
4.2.14 Anforderung 13
4.2.15 Anforderung 14
4.3 Zusammenfassung
4.4 Handlungsempfehlungen für Websitebetreiber
4.5 Praktisches Beispiel: www.bsnf.de
4.5.1 Über den Verein
4.5.2 Betrachtung der Website vorher
4.5.3 Betrachtung der Website nachher

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang: Die BITV im Wortlaut

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Unsere Gesellschaft altert. Im Jahr 2020 wird mehr als jeder Vierte in Deutschland 60 Jahre oder älter sein (vgl. BMFSFJ 2002). Bereits heute hat die „Generation 60plus“ einen enormen Einfluss, sowohl gesellschaftlich als auch monetär.

Jahrelang wurde diese Entwicklung von der Wirtschaft vernachlässigt, jetzt bewegt sich der Markt allmählich: Die gegenwärtigen Aktivitäten[1] zeigen, dass die Bedürfnisse der „Neuen Alten“[2] zunehmend ernst genommen werden. Schlagworte wie „Design for All“, barrierefreies Wohnen, Seniorenmarketing oder „Silver Shopper“ existieren zwar schon längere Zeit, rücken aber doch erst jetzt ins kollektive Bewusstsein der Wirtschaft. Der Tenor lautet: Die Alterung der Gesellschaft ist auch eine wirtschaftliche Chance, sich auf dem Markt von den Mitbewerbern abzuheben.

Vor diesem Hintergrund ist ein weiterer Trend von Bedeutung, nämlich die Zahl der älteren Menschen, die das Internet[3] nutzen. Neueste Erhebungen zeigen, dass dies die einzige Bevölkerungsgruppe ist, bei der die Zahl der Onliner überproportional wächst. So hat sich der Anteil der über 60-Jährigen, die gelegentlich das Internet nutzen, von 7,8% im Jahr 2002 auf 14,5% im Jahr 2004 nahezu verdoppelt. In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt das: 2,8 Millionen Deutsche über 60 Jahren bewegen sich mittlerweile im Internet (vgl. Van Eimeren, Gerhard, Frees 2004, S. 352).

Hierbei tun sich verschiedenartige Problemfelder auf, denn die immer größer werdende Gruppe der surfenden Senioren hat altersspezifische Bedürfnisse im Internet. Die Hürden reichen dabei von mangelndem Know-how über physische Einschränkungen bis hin zu psychischen Veränderungsprozessen. Daraus ergibt sich ein akuter Handlungsbedarf: Den speziellen Anforderungen und Erwartungen der „Generation 60plus“ muss auch im Internet Rechnung getragen werden.

Am 17. Juli 2002 trat in Deutschland die „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz“ (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung, BITV) in Kraft, die zahlreiche Bedingungen für so genannte „barrierefreie Internetangebote“ enthält und verpflichtend für alle Websites der öffentlichen Gewalt gilt. Damit soll sichergestellt w­erden, dass diese Angebote einer möglichst großen Anzahl von Menschen (einschließlich Behinderten jeder Art) uneingeschränkt zugänglich sind. So sollten Websites nach der BITV etwa derart gestaltet werden, dass auch blinde Menschen, die mit assistiver Software (so genannten „Screenreadern“[4] ) im Internet surfen, darauf zugreifen können.

Mit der BITV liegt also ein umfangreiches Regelwerk zur Gestaltung barrierefreier, behindertengerechter Websites vor. Was liegt näher, als zu prüfen, ob die BITV auch als Maßstab für seniorengerechte Websites geeignet ist?

Daraus ergibt sich die Frage: Reichen die Anforderungen der BITV aus, um auch die Bedürfnisse der „Generation 60plus“ zu befriedigen? Genügt es, sich bei der Planung und Erstellung einer Website auf die Bedingungen der BITV für eine barrierefreie Website zu verlassen, um das Angebot gleichzeitig auch optimal auf die Ansprüche von Senioren auszurichten? Oder gibt es eine Art „seniorenspezifischer Barrierefreiheit“, die über die Forderungen der BITV hinausgeht?

1.2 Ziele und Vorgehensweise

Ziel dieser Arbeit ist es, die BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) auf ihre Tauglicheit hinsichtlich seniorengerechter Websites zu untersuchen. Kann die Verordnung als Maßstab hierfür dienen, oder sind die Bedingungen derart allgemein gehalten, dass sie für die Gestaltung seniorengerechter Websites nicht oder nur eingeschränkt gelten? Für Internetanbieter, die ein Angebot speziell für die „Generation 60plus“ planen, ist dies eine wichtige Frage.

Dieser Fragestellung wurde in der aktuellen Literatur bisher nicht nachgegangen, sie steht deshalb im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Es gilt, die Bedürfnisse älterer Menschen an ein Internetangebot herauszuarbeiten und diese mit den Anforderungen der BITV zu vergleichen, um eventuelle Schwächen und Lücken der BITV hinsichtlich seniorengerechter Websites aufzuspüren.

Der Lösungsansatz der vorliegenden Arbeit setzt sich aus drei Teilen zusammen:

Im ersten Teil wird anhand der zukünftigen demografischen Entwicklung erläutert, warum eine enorme Notwendigkeit besteht, die Älteren auch im Internet stärker zu berücksichtigen.

Der zweite Teil analysiert die physischen und psychischen Veränderungen im Alterungsprozess älterer Menschen, die relevant für die Rezeption von Websites sind. Daraus werden Kriterien für seniorengerechte Websites abgeleitet.

Im dritten Teil schließlich findet der Vergleich statt zwischen den Bedingungen der BITV und den spezifischen Voraussetzungen für seniorengerechte Websites, wie sie sich aus den Ergebnissen des zweiten Teils ergeben. Abschließend werden Handlungsempfehlungen für Websitebetreiber abgeleitet und diese modellhaft am Internetauftritt www.bsnf.de umgesetzt.

1.3 Kooperation

Die vorliegende Arbeit ist in Zusammenarbeit mit FIM-NeuesLernen entstanden, einer Einrichtung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.[5] Diese ist im Rahmen des Projektes „Vernetzen und Lernen“ Träger und Mitglied des Dachverbandes „Bayerisches SeniorenNetzForum (BSNF)“. Der BSNF ist ein gemeinnütziger Verein, eingetragen in Erlangen. Er fungiert als Dachverband „von Initiativen, die ältere Bürgerinnen und Bürger beim Zugang zu den neuen Medien unterstützen (…) und ihnen damit die aktive und selbstbestimmte Teilnahme an der modernen Wissens- und Kommunikationsgesellschaft erschließen [wollen]“[6]. Unterstützt wird dieses Projekt durch das „Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen“.

Im Rahmen dieser Arbeit wurde die Website des Vereins anhand der erarbeiteten Empfehlungen neu gestaltet, um die gewonnenen Erkenntnisse anschaulich umzusetzen. Die neue Website ist damit gleichsam ein Modell für einen seniorengerechten Internetauftritt.[7]

2 Ältere Menschen in der Informations­gesellschaft

„Wie man diese Entwicklung auch bewerten mag, unbestreitbar ist, dass die gravierenden Ve­ränderungen in der Altersstruktur unsere Gesellschaft vor neue und große Herausforderungen stellt.“

Johann Hahlen, Präsident des Statistischen Bundesamtes, 6. Juni 2003, Berlin

2.1 Begriffsbestimmung

Wenn in der Literatur von älteren Menschen gesprochen wird, werden die Grenzen teilweise sehr weit gesteckt, oftmals ist von „50plus“ die Rede. Eine sinnvollere Grenze liegt allerdings bei dem Eintritt ins Ruhestandsalter. Untersu­chungen haben gezeigt, dass dieser „für die meisten Menschen ein Einschnitt ist, der das Verhalten in vielfältiger Weise verändert“ (Meyer-Hentschel/Meyer-Hentschel 2004, S. 9). 40- bis 59-Jährige haben von ihren Einstellungen, ihrem Verhalten und ihrem Gesundheitsstatus her eine erheblich größere Affinität zur Jugend als zum Alter (vgl. ebd., S. 10).

In der vorliegenden Arbeit werden daher alle Menschen in Deutschland betrachtet, die 60 Jahre oder älter sind. Es stellt sich die Frage, wie diese Bevölkerungsgruppe bezeichnet werden soll. Modewörter wie „Selpies“, „Woopies“, „Grumpies“[8] oder „Master Consumers“ verwirren und reduzieren ältere Menschen auf ihre Funktion als Kunden, daher ist von diesen Bezeichnungen Abstand zu nehmen.

Im Folgenden wird von der „Generation 60plus“ gesprochen und die Verwendung des Begriffs „Senioren“ weitgehend vermieden.[9] Der Grund dafür liegt im Selbstverständnis dieser Menschen begründet. Viele ältere Menschen haben eine Abneigung, sich selbst als Senioren titulieren oder mit diesem Begriff angesprochen zu werden. 65-Jährige bezeichnen sich selber eher als „Menschen im besten Alter“ (vgl. Gaspar 1999). Besonders die „Jungen Alten“[10], also die 60- bis 69-Jährigen, fühlen sich im Schnitt 10 Jahre jünger als sie sind (vgl. Marschall 2000, S. 526).

Nachteile einer Abgrenzung nach kalendarischem Alter sind die individuellen Kenntnisstände, die bei dieser Definition unbeachtet bleiben. So gibt es beispielsweise 80-Jährige, die mehr vom Internet wissen als 50-Jährige. Da es in dieser Arbeit im Wesentlichen aber um psychische und physische Veränderungen geht, die der Alterungsprozess mit sich bringt und die jeden Menschen im Alter betreffen, kann die Definition beibehalten werden. Auch liegen statistische Auswertungen zumeist nach Altersklassen getrennt vor, hierdurch ist eine Vergleichbarkeit von jüngeren Menschen und der „Generation 60plus“ gewährleistet.

2.2 Der demografische Wandel

Deutschland erlebt gegenwärtig eine Reihe demografischer Veränderungen. Im vorliegenden Abschnitt wird diese Entwicklung dargestellt und im Besonderen die Rolle der Älteren in den kommenden Jahren hervorgehoben. Damit soll deutlich gemacht werden, dass der „Generation 60plus“ in Zukunft eine stärkere Bedeutung auf dem Wirtschaftsmarkt zukommen wird.

Die Zahlen stützen sich in erster Linie auf die Ergebnisse der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes von 2003.

2.2.1 Sinkende Bevölkerungszahlen

In den letzten 50 Jahren stieg die Bevölkerungszahl in Deutschland um 17,5%, von 70,5 auf 82,5 Millionen Menschen (vgl. Hoffmann/Menning 2004, S. 4). Der Anstieg der letzten beiden Jahrzehnte ist hauptsächlich auf hohe Zuwanderungs­raten zurückzuführen, denn die Geburtenraten sind mittlerweile rückläufig. Zurzeit liegen sie statistisch bei 1,4 Kindern pro Frau (vgl. http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab2.php, Stand 01.09.05).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland 1950-2000
Quelle: Gerostat – Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin. Basisdaten: Bevölkerungs­fortschreibung. Statistisches Bundesamt und Statistische Jahrbücher der DDR

Wenn man davon ausgeht, dass die Geburtenrate auf niedrigem Niveau stabil bleibt, werden wir in etwa 10 Jahren mit einem deutlichen Bevölkerungsrückgang rechnen müssen: Bis zum Jahr 2050 wird die Anzahl der in Deutschland lebenden Menschen von 83,1 Millionen (Höchststand, voraussichtlich 2010) auf 75,1 Millionen zurückgehen (siehe Abb. 2). (Vgl. Statistisches Bundesamt 2003, S. 28f.; BMGS 2005, S. 8)

Diese Entwicklung wird sich stark auf das Verhältnis von jungen zu älteren Menschen auswirken. Im Jahr 2050 wird voraussichtlich nur noch jeder sechste Deutsche unter 20 Jahre alt sein (vgl. Auswärtiges Amt 2005). Hoffmann und Menning stellen fest:

„Waren zu Beginn der 90er Jahre noch knapp 25 Prozent der Bevölkerung 20 bis 34 Jahre alt, so lag dieser Anteil 2002 nur noch bei 19 Prozent. Im Jahr 2050 werden dann nur noch lediglich 17 Prozent in dieser Altersgruppe erwartet.“ (Hoffmann/Menning 2004, S. 8)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Bevölkerungszahl Deutschland 1952 bis 2050
Quelle: Gerostat – Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin. Basisdaten: Bevölkerungs­fortschreibung. Statistisches Bundesamt und Statistische Jahrbücher der DDR. * 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung bis 2050. Variante 5.

2.2.2 Steigende Lebenserwartung

Im 17. Jahrhundert war gerade einmal 1% der Bevölkerung älter als 65 Jahre, im 19. Jahrhundert waren es mit 4% nur geringfügig mehr (vgl. Stuart-Hamilton 1994, S. 11). Heute hat jedes zweite neugeborene Mädchen eine Lebenserwartung von 100 Jahren, jeder zweite Junge wird voraussichtlich 95 Jahre (vgl. Vaupel 2000).

Die durchschnittliche Lebenserwartung hat sich in den letzten 100 Jahren in Euro­pa verdoppelt.[11] Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland bei 44,8 Jahren bei den Männern und 48,3 Jahren bei den Frauen.

Worin liegt dieser Anstieg begründet? Hauptsächlich lässt er sich darauf zurückführen, dass sich die Lebensbedingungen hinsichtlich Hygiene und Ernährung in den letzten 100 Jahren deutlich verbessert haben und Krankheiten, die früher zum Tod führten, heute meist behandelt werden können. Diese Entwicklung hält weiter an, deshalb wächst die „Lebenserwartung von Europäern und Amerikanern […] jährlich um drei Monate“ (Schirrmacher 2004, S. 23).

2.2.3 Wachstum der älteren Bevölkerungsschichten

Die gesteigerte Lebenserwartung in Verbindung mit der geringen Geburtenrate wird zu einem massiven demografischen Wandel führen.[12] Deutschland ist bereits heute das Land mit dem vierthöchsten Durchschnittsalter der Bevölkerung weltweit und (nach Italien und Japan) das Land mit dem dritthöchsten Bevölkerungsanteil über 60 Jahren (vgl. United Nations Population Division 2001). Betrug der Anteil der über Sechzigjährigen in Deutschland im Jahr 1950 noch 14,6%, so sind es heute bereits 24,1%. Im Jahr 2050 wird jeder dritte Deutsche 60 Jahre oder älter sein (Statistisches Bundesamt 2003, S. 29f.) und es wird ebenso viele über 60-Jährige geben wie Menschen zwischen 20 und 60 Jahren.

In den kommenden Jahren werden immer mehr Menschen der so genannten Babyboomer-Generation[13] ihr 60. Lebensjahr erreichen und damit in absehbarer Zeit für einen rasanten Anstieg dieser Altersgruppe sorgen. Den Höhepunkt der demografischen Veränderungen wird Deutschland voraussichtlich 2024 erleben, denn in diesem Jahr werden die 1964 Geborenen, der geburtenstärkste Jahrgang Deutschlands, 60 Jahre alt.

Während die Bevölkerungszahl insgesamt seit zehn Jahren nur minimal wächst (das durchschnittliche Wachstum beträgt pro Jahr 0,14%), so ist der Anteil der 60- bis 80-Jährigen um durchschnittlich 2,25% pro Jahr angestiegen (vgl. Statis­tisches Bundesamt 2005a).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Relative Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis 2050
Quelle: Statistisches Bundesamt 2000, Adolph/Heinemann 2002, S. 8

Es wird also immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen geben. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass diese Entwicklung sich auch durch eine starke Zuwanderung nicht stoppen lässt: „Zuwanderung kann Alterung lang­fristig nicht aufhalten, sondern lediglich verlangsamen.“ (2003, S. 34)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland.
Quelle: Statistisches Bundesamt 2003 – 15 – 0220

Dieser seit langem vorhergesagte demografische Wandel darf dabei nicht als bloße Spekulation angesehen werden. Vielmehr handelt es sich um vergleichsweise sichere Vorhersagen, denn die Senioren von 2050 sind heute bereits geboren. Anhand der voraussichtlichen Lebenserwartung eines Neugeborenen kann also, sofern es nicht zu einem Krieg oder einer seuchenartigen Erkrankung kommt, ein glaubwürdiger Blick in die ferne Zukunft gewagt werden.

2.2.4 Internationale Betrachtung des Alterungsphänomens

Die demografische Entwicklung Deutschlands ist kein Einzelfall. Auf der gesamten Welt wird der Anteil der über 60-Jährigen in der Bevölkerung dramatisch zunehmen, von 8% (1950) über 10% (2000) bis hin zu 21% im Jahr 2050 (vgl. United Nations Population Division 2002). Allein in China werden 2030 so viele über 65-Jährige leben wie heute auf der ganzen Welt (vgl. Yi/George 2000).

Das Medianalter[14] für Europas Bevölkerung wird sich von 37,7 (2000) auf 49,5 Jahre (2050) erhöhen, das der Weltbevölkerung steigt im gleichen Zeitraum von 26,5 auf 36,2 Jahre (vgl. Hoffmann 2001, S. 2). Die gesteigerte Lebenserwartung trägt auch bei unseren europäischen Nachbarländern dazu bei, dass der Anteil der über 60-Jährigen immer mehr ansteigt (siehe Abbildung 5).

Abb. 5: Anteil der über 60-Jährigen in ausgewählten europäischen Ländern
Quelle: United Nations Population Division 2002

Gleichzeitig sinken die Geburtenraten weltweit. Im Vergleich zu 1970 ist die Geburtenrate in Frankreich um 21,6% zurückgegangen, in Australien um 36,9% und in Griechenland um 41,8% (United Nations ECOSOC 2003). Selbst in den Entwicklungsländern, die die höchsten Geburtenraten verzeichnen, sind die Zahlen rückläufig, so dass „immer weniger Menschen […] in Zukunft auf der Erde leben [werden]“ (Haimann 2005, S. 19).

2.2.5 Wirtschaftliche Macht der Älteren

Der gesellschaftliche Einfluss der über 60-Jährigen ist mittlerweile offenkundig. Laut der Forschungsgruppe Wahlen beispielsweise wurde die Bundestagswahl 1998 in erster Linie mit den Stimmen der älteren Menschen gewonnen (vgl. Mackroth/Ristau 2000, S. 751).

Doch auch die monetäre Macht dieser Bevölkerungsgruppe wächst. Noch vor zwei Jahrzehnten war bei den 60-Jährigen eine ausgeprägte „Vererbungsmentalität“ verbreitet: Diese Generation hatte die Mangeljahre des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit miterlebt (teilweise auch noch die wirtschaftliche Depression in den 30er Jahren), deshalb konsumierten sie im Alter nur verhalten (vgl. Gruber/Hofmann/Knigge 2003, S. 5).

Ganz anders sieht es bei der heutigen „Generation 60plus“ aus: Sie hat die Zeit nach dem Krieg nur noch in frühester Kindheit wahrgenommen – dafür aber umso mehr die darauf folgenden Wirtschaftswunderjahre. Dementsprechend haben sie eine ganz andere Mentalität: „Sie wollen ihr Alter genießen – und sind bereit, dafür Geld auszugeben.“ (Haimann 2005, S. 33)

Jüngste Zahlen belegen diese These. Laut des Statistischen Bundesamtes gaben im ersten Halbjahr 2003 die Deutschen durchschnittlich 75% ihres ausgabefähigen Einkommens für den Konsum aus. Bei den 65- bis 80-Jährigen lag dieser Anteil bei 82%, damit haben sie die höchste Konsumquote aller Altersgruppen (vgl. 2005b).

Die Älteren „weisen im Vergleich zur übrigen Bevölkerung eine relativ günstige Einkommenssituation auf“ (BMGS 2005, S. 17). Nur 1,3% der Älteren (Stand: 2002) sind auf Sozial­hilfe angewiesen, deutlich weniger als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (2002 lag dieser bei 3,3%, vgl. ebd.).

Die absoluten Vermögenswerte der „Generation 60plus“ sind gestiegen. Das Geldvermögen eines typischen 55- bis 65-Jährigen liegt heute mit 48.000 Euro ein Drittel über dem Bundesdurchschnitt. Das angesparte Vermögen dieser Bevölkerungsgruppe beläuft sich auf insgesamt etwa zwei Billionen Euro (vgl. Bedau 1999). Durchschnittlich hat ein „60plus“-Haushalt im Monat 1.700 Euro zur Verfügung –
200 Euro mehr als eine Familie mit Kindern (vgl. Grabka 2004, S. 69).

Auch die Erbschaftssteuerzahlungen lassen eine gesteigerte monetäre Kraft der Älteren erkennen: 1997 lagen diese bei 1,98 Mrd. Euro, im Jahr 2000 waren es bereits 2,9 Mrd. Euro und 2002 wurden Erbschaftssteuern in Höhe von 3,02 Mrd. Euro gezahlt (vgl. Statistisches Bundesamt 2004a).

Insgesamt konstatiert Grabka, dass in den letzten zwanzig Jahren die Älteren „ihre Einkommensposition erheblich verbessern [konnten], während die Jüngeren eine Stagnation oder sogar eine Verschlechterung hinnehmen mussten“ (2004, S. 71).

Die Marketingstrategen der Wirtschafts- und Werbebranche nehmen dieses Potenzial nur zögerlich in Angriff – teils aus Ignoranz, teils aus Angst um das scheinbar jugendliche Markenimage. Erst in den vergangenen Jahren gab es vermehrt Anstrengungen verschiedener Unternehmen, den „Grauen Markt“ zu erschließen, die manchmal mit, viel öfter allerdings ohne Erfolg gekrönt waren.[15] Es zeigt sich – und dies wurde von manch einem Marketingstrategen übersehen –, dass die „Generation 60plus“ spezifische Bedürfnisse an Produkte und Dienstleistungen hat und darüber hinaus keinesfalls eine einheitliche Zielgruppe ist: „Es gibt kein Teilsegment des Marktes, das so inhomogen ist wie das der Älteren.“ (Meyer-Hentschel/Meyer-Hentschel 2004, S. 10)

Weitergehende Anstrengungen der Unternehmen sind nötig, denn „es gehört nur wenig Phantasie dazu, zu prognostizieren, dass die Wirtschaftsstruktur in Deutschland und in ganz Europa in den Jahren 2030/2040 […] sich ganz wesentlich von der heute gewohnten und als normal betrachteten unterscheiden wird.“ (Meyer-Hentschel 2000, S. 9)

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die heutige „Generation 60plus“ sowohl über überdurchschnittlich viel Geld verfügt als auch den Willen hat, diese Mittel zu investieren. Das Internet wird in diesem Zusammenhang eine immer größere Rolle spielen, da es gerade für die in ihrer Mobilität eingeschränkten Älteren enorme Vorteile bietet.

Im nächsten Abschnitt wird deshalb zu untersuchen sein, wie viele Menschen der „Generation 60plus“ bereits das Internet nutzen und welches Potenzial für die Zukunft besteht.

2.3 Ältere Menschen im Internet

2.3.1 Anteil der Internetnutzer

Im Jahr 2004 nutzten in Deutschland 2,8 Millionen über 60-Jährige das Internet, dies entspricht 14,5|% aller, die in diese Altersgruppe fallen (vgl. Van Eimeren/Gerhard/Frees 2004, S. 352). Im Jahr 2000 waren es nur 4,4|%, damit hat sich der Anteil mehr als verdreifacht.[16] Senioren gelten als die „am stärksten zunehmende Nutzergruppe im Web“ (Hellbusch 2005, S. 293).

Dennoch dürfen diese Zahlen nicht zu Fehleinschätzungen führen. Im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen ist das Segment der „Generation 60plus“ weit abgeschlagen (siehe Abb. 6): Der Gesamtdurchschnitt der Onliner aller Altersgruppen liegt mit 55,3% fast viermal so hoch. Bei den 20- bis 29-Jährigen sind es sogar 82,8|%, die das Internet nutzen. Dieser „Knowledge Gap“[17] der Generationen stellt aus sozio­logischer Sicht ein großes Problem dar: Bei einer anzunehmenden weiteren Bedeutungssteigerung des Internets wird sich die soziale Ausgrenzung derjenigen Bevölkerungsgruppen, die keinen Zugriff auf dieses Medium haben, in Zukunft erhöhen.

Internetnutzer in Deutschland 1997 bis 2004:[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Internetnutzer in Deutschland 1997 bis 2004. Quellen: ARD-Online-Studie 1997, ARD/ZDF-Online-Studien 1998–2004. Vgl. Van Eimeren/Gerhard/Frees 2004, S. 352.

Bei den älteren Internetnutzern überwiegen die „jungen Alten“. Es zeigt sich, dass 87|% der über 60-jährigen Internetnutzer zwischen 60 und 69 Jahre alt sind
(vgl. @facts SevenOne Interactive 2003). Folglich ist etwa nur jeder zehnte Internetnutzer der „Generation 60plus“ 70 Jahre oder älter. Insgesamt macht diese Altersgruppe 1,5|% und damit einen verschwindend geringen Anteil der Internetnutzer in Deutschland aus (vgl. Mollenkopf/Doh 2002, S. 387-408).

Daneben zeigt sich mit zunehmendem Alter eine deutliche Diskrepanz zwischen den Geschlechtern: Während bei jüngeren Altersgruppen der Anteil der Frauen und Männer, die das Internet nutzen, nahezu ausgeglichen ist, sind bei den über 54-Jährigen bereits doppelt so viele Männer (30|%) wie Frauen (15|%) online (vgl. Statistisches Bundesamt 2005d, S. 31). Bei den über 64-Jährigen erhöht sich diese Differenz noch weiter, der Anteil der Internet nutzenden Männer fällt hier mit 19%| dreimal so hoch aus wie bei den Frauen (6|%) (vgl. Statistisches Bundesamt 2005c). Mit zunehmendem Alter nimmt also die Repräsentanz der Frauen im Internet immer mehr ab.

2.3.2 Dauer und Häufigkeit der Internetnutzung

Ältere Menschen haben andere Mediennutzungsgewohnheiten als Jüngere, dies spiegelt sich auch bei der Verweildauer und –häufigkeit im Internet wider. Bei der Verweildauer ist auffällig, dass diese bei den Altersgruppen von 20-60 Jahren seit 2003 leicht rückläufig ist, sie bei den über 60-Jährigen aber weiter ansteigt. Trotzdem liegt die Nutzungsdauer dieser Altersgruppe mit 82 Minuten pro Woche noch weit unter dem Durchschnitt von 129 Minuten (vgl. Van Eimeren/Gerhard/Frees 2004, S. 361). „Nur 12|% der über 54-Jährigen verbringen mehr als fünf Stunden pro Woche im Internet.“ (Statistisches Bundesamt 2005c) Das Internet wird also mit zunehmendem Alter weniger intensiv genutzt.

88|% aller Onliner der „Generation 60plus“ geben an, das Internet in den letzten vier Wochen benutzt zu haben. Eine Online-Befragung der Initiative 50plus ans Netz hat ergeben, dass fast die Hälfte der Befragten das Internet wöchentlich privat nutzt und 90|% der Teilnehmer ein „großes“ oder „sehr großes“ Interesse am Internet haben (vgl. 50plus ans Netz 2004).

2.3.3 Interessengebiete

Die Interessen älterer Menschen im Internet weichen von denen anderer Altersgruppen erheblich ab. Im Mittelpunkt stehen laut einer Umfrage der Initiative 50plus ans Netz (2004) die Themen Reisen und Urlaub. Drei Viertel aller Befragten gaben an, sich für diesen Bereich zu interessieren. Immer noch etwa die Hälfte der Befragten begeistern sich für Gesundheit, Kultur und Kommunikation. Weitere Bereiche, die noch etwa ein Drittel aller Interviewten interessieren, sind Politik, Shopping, Weiterbildung, Homebanking und Ernährung.

Erwartungsgemäß tauchen Bereiche, zu denen Jugendliche im Internet eine hohe Affinität haben, wie Spiele oder Chats, nicht in dieser Liste auf. Insgesamt steht bei älteren Menschen der Informationsgehalt eines Internetangebotes stärker im Vordergrund als bei jüngeren Onlinern.

2.3.4 Problemfelder und Einstiegshürden

Nach wie vor stellen die über 60-Jährigen die größte Gruppe der Offliner[19] in Deutschland dar. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels liegt hier ein großes und immer größer werdendes Potenzial brach (…).“ (Merschmann 2004)

85,5|% der „Generation 60plus“ nutzt noch nicht das Internet. Vor fünf Jahren waren es noch 98,1|% (vgl. Gerhards/Mende 2004, S. 372), doch dieser scheinbare Erfolg relativiert sich beim Vergleich mit der Gesamtzahl der Offliner: Im selben Zeitraum ist der Anteil der über 60-Jährigen hier von 32|% auf 57|% gewachsen. Jeder zweite Offliner in Deutschland ist also 60 Jahre oder älter.

Trotz zahlreicher Bemühungen[20] ist es damit nicht gelungen, den Anteil der Internetverweigerer unter den Älteren signifikant zu senken. Ein Großteil „sieht noch keinen Nutz- und Mehrwert im Internet“ (Doh 2002). 91|% der Offliner der „Generation 60plus“ geben sogar an, dass sie sich „ganz bestimmt nicht“ einen Computer anschaffen werden (vgl. Gerhards/Mende 2004, S. 373). Für diese Menschen „scheint es immer weniger Impulse und Anreize zu geben, sich aktiv der Onlinewelt anzuschließen“ (ebd., S. 385).

Da zu Zeiten der Schulausbildung und während des Großteiles des Berufslebens der jetzt Älteren das Internet noch nicht existent war, fehlen Berührungspunkte und Vertrautheit mit diesem Medium. Die Angst vor untransparenten Kosten ist groß, oftmals fehlt es auch an entsprechender Hardware-Ausrüstung.

Weitere Zugangsbarrieren sind nach Erkert (2000):

Mangelnde Medienkompetenz: Senioren fehlt es insbesondere an Informationen über den Nutzen, den das Internet für sie persönlich hat;

Vorurteile gegenüber dem Internet und Technik im Allgemeinen;

Technische Barrieren: Das Design von Hardware und Oberflächen ist in vielen Fällen nicht benutzerfreundlich gestaltet;

Sprachliche Barrieren: Englische Termini und Fachbegriffe werden oft nicht verstanden.

Es bedarf weiterer Anstrengungen von Vereinen und öffentlichen Einrichtungen, um mehr über 60-Jährige für das Internet zu gewinnen. Die Frage, auf welchen Wegen die „Generation 60plus“ ins Internet finden kann, ist sehr wichtig und komplex, liegt aber außerhalb der Fragestellung dieser Arbeit und wird somit im Folgenden nicht näher untersucht werden.

2.3.5 Internationaler Vergleich

In der Europäischen Union sind durchschnittlich 12|% der über 55-Jährigen online (vgl. Europäische Kommission 2002). Deutschland liegt zwar über dem Durchschnitt (siehe obige Nutzungszahlen), bleibt aber deutlich hinter den skandinavischen Ländern zurück. Insgesamt lässt sich ein großes geografisches Gefälle zwischen einem aufgeschlossenen Norden und einem eher unterentwickelten Süden und Osten erkennen. Dänemark, Großbritannien, Finnland und Norwegen haben den höchsten Anteil über 60-jährigen Onliner, Schlusslichter sind Tschechien, Ungarn und Polen (vgl. ebd.).[21]

2.4 Zusammenfassung und Ausblick

Noch immer ist das Internet eine von jüngeren Menschen dominierte Technologie in Deutschland. Es wäre falsch, zum jetzigen Zeitpunkt von einer „Eroberung des Internets“ durch ältere Menschen zu sprechen, wie es z.B. vor einigen Jahren das ZDF postulierte.[22] Das Ziel der Bundesregierung, 75% der Bevölkerung ab 14 Jahren bis zum Jahr 2005 ins Internet zu bringen, kann deshalb als verfehlt angesehen werden (vgl. BWA/BBF 2003, S. 10).

Gleichwohl ist unbestreitbar: Die Anzahl älterer Internetnutzer steigt. In den kommenden Jahren werden immer mehr Babyboomer (Jahrgänge 1946–64) zur „Generation 60plus“ gehören. Sie haben das Internet teilweise bereits im beruflichen Alltag genutzt und werden sich auch nach ihrem Berufsausstieg weiter dort bewegen. Oft handelt es sich um so genannte „Empty Nester“[23], die viel freie Zeit zur Verfügung haben.

Diese „Neuen Alten“ haben ganz eigene Anforderungen an ein Internetangebot. Wie oben dargestellt, besitzt die „Generation 60plus“ schon heute eine gewaltige wirtschaftliche Macht. Um als Anbieter auch im Internet davon profitieren zu können, gilt es, die altersbedingten Veränderungen des Menschen zu berücksichtigen. Im folgenden Abschnitt wird über diese Grundlagen als Voraussetzung adäquater Konzepte ein detaillierter Überblick gegeben, bevor in Kapitel 4.2 untersucht wird, ob die Bedingungen aus der BITV für eine barrierefreie Website diesen Anforderungen ausreichend gerecht werden.

3 Altersbedingte Veränderungen älterer Menschen

„Ältere Menschen sind physisch und psychisch weit leistungsfähiger, selbst­be­wusster und informierter, als es die Vergleichsgruppe vor 30 Jahren war.“

Birgit Fischer, Ministerin für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen

Grundlegend für die sinnvolle Gestaltung seniorengerechter Websites ist die Kenntnis von im Alter auftretenden Prozessen, die manche körperliche[24], geistige und soziale Veränderung mit sich bringen. Streng genommen beginnt Altern mit der Geburt, doch erst in der zweiten Lebenshälfte machen sich diese Auswirkungen bemerkbar. Dennoch sind 80|% aller über 80-Jährigen (vgl. Lehr 1994, S. 209) nach wie vor in der Lage, ihren Alltag alleine zu meistern (siehe Tabelle 1).

[...]


[1] Z.B. „1. Europäische Konferenz zur Seniorenwirtschaft 2005“ (Februar 2005, Bonn), Fachtagung „Wirtschaftliche und gesellschaftliche Produktivität älterer Menschen“ (Mai 2005, Berlin), „66 – Die Seniorenmesse“ (Juni 2005, München), „vitactiv 2005 – Seniorenmesse NRW“ (November 2005, Essen)

[2] Der Begriff der „Neuen Alten“ wurde 1989 von Tews geprägt. Vgl. Tews, H.P. (1989): „Die ‚neuen’ Alten. Ergebnisse des Strukturwandels des Alters.“ In: Fred, K./Tokarski, W. (Hrsg.): Die „neuen“ Alten. Kasseler Gerontologische Schriften 6/1989, 126-143.

[3] Wenn im weiteren Verlauf vom Internet gesprochen wird, so ist in den meisten Fällen das „World Wide Web“ gemeint. Wegen eines besseren Leseflusses wird der Terminus Internet bevorzugt.

[4] Screenreader sind Software-Produkte, welche für Blinde die Inhalte von Dokumenten oder Websites mit Hilfe nicht-visueller Ausgabegeräte aufbereiten. Meist findet diese Aufbereitung in Form einer synthetischen Sprachausgabe statt, in seltenen Fällen über eine Braillezeile (eine Art Blindenschrift-Tastatur).

[5] Projektleiter bei FIM-NeuesLernen ist Herr Marcel Plechaty M.A. Kontaktinformationen unter:
http://codd.fim.uni-erlangen.de/fim/mitarbeiter/details.asp?ID=116

[6] http://www.bsnf.de/allgemein/html/ziele.html

[7] Zu betrachten ist die neue Website unter der Adresse http://www.bsnf.odl.org/ (Stand 01.09.05)

[8] Selpies: „Second Life People“, Woopies: „Well Income Older People“, Grumpies: „Grown-up Mature People“

[9] In dieser Arbeit wird dennoch von „seniorengerechten Websites“ gesprochen, in Ermangelung einer Alternative. Gemeint ist die Optimierung von Websites an die Anforderungen der „Generation 60plus“.

[10] Der Begriff der „Jungen Alten“ wurde maßgeblich von Opaschowski geprägt. Vgl. Opaschowski, H.W. (1971): Der Jugendkult in der Bundesrepublik. Düsseldorf: Walter Rau Verlag.

[11] Stuart-Hamilton (1994: 11f.) weist darauf hin, dass die meisten dieser Betrachtungen die hohe Kindersterblichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts vernachlässigen: „Die verbleibende Lebensspanne derjenigen Menschen, die um 1900 das Jugendalter erreicht hatten, war durchschnittlich nur etwa sieben Jahre kürzer als heute. […] Das Phänomen der so genannten grauen Bevölkerung hängt vornehmlich damit zusammen, dass Kinderkrankheiten nicht mehr so oft tödlich verlaufen wie früher.“

[12] Die Tragweite dieser Veränderungen scheint den meisten Bundesbürgern noch nicht bewusst zu sein: 2003 konnten in einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung 63% mit dem Begriff „Demografischer Wandel“ nichts anfangen (vgl. Meyer-Hentschel/Meyer-Hentschel 2004: 7).

[13] Babyboomer: Bezeichnung jener Alterskohorte, die seit Ende der 40er Jahre bis Mitte der 60er Jahre auf die Welt kam. Die Babyboomer sind die geburtenstärksten Jahrgänge der letzten 100 Jahre, ihr Altern wird sich daher demografisch stark bemerkbar machen.

[14] Das Medianalter definiert jenes Alter, in dem genau 50% der Bevölkerung jünger und 50% älter sind.

[15] Die Beiersdorf AG war 1994 mit seiner Serie „Nivea Vital“ Pionier im Bereich Seniorenmarketing. Anfangs von der Konkurrenz verspottet, hat sich die Linie mit fünf Millionen Packungen pro Jahr längst zum Verkaufsschlager entwickelt (vgl. Meyer-Hentschel/Meyer-Hentschel 2004: 15f.).

[16] Zu optimistischeren Zahlen kommt die Forschungsgruppe Wahlen: 2004 betrug laut den Umfrageergebnissen der Anteil der über 60-Jährigen Onliner 24%, 2005 sollen es bereits 30% sein (vgl. Forschungsgruppe Wahlen Online 2004, 2005). Wegen einer besseren Vergleichbarkeit mit anderen Werten werden im Folgenden die Zahlen von Van Eimeren/Gerhard/Frees (2004) herangezogen.

[17] In der Literatur auch als „Digital Divide“ (dt. „Digitale Kluft“ oder „Digitale Spaltung“) bezeichnet.
Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Digital_divide (Stand 01.09.05).

[18] Betrachtet wurden alle Onliner mit gelegentlicher Onlinenutzung.

[19] Als Offliner bezeichnet man diejenige Bevölkerungsgruppe, die das Internet nicht nutzt.

[20] Z.B. „Erste Wege ins Netz“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BWA), Aktionsprogramm „Informationsgesellschaft Deutschland 2006“ des BWA, „50plus ans Netz“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), „Online Kompetenz für die Generation 50plus“ des BMFSFJ, „seniorTrainer/innen“ des BMFSFJ, „Online-Seminar für die Generation 50plus“ von T-Com, „Senioren @ns Netz“ des Verbandes Sächsischer Bildungsinstitute e.V. u.v.m.

[21] Aufgrund verschiedenartiger Erhebungsmethoden der jeweiligen Länderstudien sind die Ergebnisse jedoch nur bedingt miteinander vergleichbar: So unterscheiden sich die Studien in der Altersbemessung, im Erhebungszeitraum und -beginn und in der notwendigen Häufigkeit der Onlinenutzung, um als Onliner zu gelten. Die Daten sind daher eher als Richtwerte zu sehen.

[22] Vgl. Behler, B. (2002): „‚Silver Surfer’ erobern das Netz.“ URL: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/5/0,3672,2018213,00.html (Stand 01.09.05).

[23] Als „Empty Nests“ bezeichnet man Haushalte, in denen die erwachsenen Kinder bereits ausgezogen sind.

[24] Um den physischen Alterungsprozess auch für jüngere Menschen erfahrbar zu machen, setzt das Unternehmen „Meyer-Hentschel Management Consulting“ seit einigen Jahren den so genannten „Age Explorer“ ein. Dieser Anzug lässt seinen Träger die Welt aus der Sicht eines Siebzigjährigen sehen.
URL: http://www.mhmc.de/HTML/age_explorer.html (Stand 01.09.05).

Details

Seiten
79
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638436021
ISBN (Buch)
9783638707817
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v46404
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH) – Fachbereich Medien
Note
1,0
Schlagworte
Seniorengerechte Websites Vergleich Bedingungen BITV Bedürfnissen Menschen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Seniorengerechte Websites - Ein Vergleich der Bedingungen für  barrierefreie Websites nach der BITV mit den Bedürfnissen älterer Menschen