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Logistische und technologische Herausforderungen des Re-Distributionsmanagements. Wie werden sie in der Praxis bewältigt?

Hausarbeit 2019 20 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Grundlagen des Re-Distributionsmanagements
2.1. Definition in der Fachliteratur
2.2. Elemente des Re-Distributionsmanagementsystems
2.3.Re-Distributionsfunktionen
2.4.Re-Distribution im Entsorgungssystem

3. Managementansätze der Re-Distribution
3.1.Herausforderungen
3.2.Lösungsansätze anhand von Praxisbeispielen

4. Zusammenfassung

5. Reflexion

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Isermann, H. (1998): Gestaltung von Logistiksystemen. Verlag Moderne Industrie.

1. Einleitung

Nicht zuletzt seit den veröffentlichten Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen haben nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster an Bedeutung hinzugewonnen. Diese breit gefächerte Thematik wird vor allem mit dem Ziel verbunden, Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, ist das Re-Distributionsmanagement. Es setzt in der letzten Lebensphase von Produkten an, bei der herkömmlicherweise die Entsorgungsphase eingeleitet würde. Re-Distribution von Produkten bedeutet, diese nach Ende der ersten Nutzungsphase nicht zu entsorgen, sondern sie entweder als Ausgangsmaterial für Produktionsprozesse zu verwenden oder sie einer weiteren Nutzungsphase zuzuführen.

1.1. Problemstellung

Verstädterung, Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum haben in den letzten Jahren zu einer Ausweitung des konsumbedingten Abfallaufkommens geführt (vgl. Umweltbundesamt 2018). Während besser entwickelte Länder bereits rechtliche Maßnahmen eingeleitet haben, um den Abfallsektor zu regulieren, werden gerade in weniger entwickelten Ländern auch gefährliche Abfälle immer noch zu Deponien oder offenen Ablagerungsgebieten transportiert, wo sie Boden- und Wasserkontaminationen verursachen und die Verbreitung von Krankheitserregern und Krankheiten unterstützen (vgl. Greenpeace 2019). Daraus folgen negative ökologische Auswirkungen auf die Umwelt, sowie gesundheitsgefährdende Auswirkungen auf Mensch und Tier (ebd.). Verfolgte die gezielte Entsorgung von Abfall primär das Ziel, unerwünschte Tiere und Krankheitserreger von Siedlungen fernzuhalten, sind Vermeidung und Verwertung des Abfalls heute vor allem auf Umweltschutzziele zurückzuführen (vgl. Kayser & Sommer 2010, 518). Da diese Abfälle zu Teilen auch aus entwickelten Ländern wie Deutschland importiert werden, haben auch diese Länder einen Anteil an dieser Problematik. Sie produzieren nämlich deutlich mehr Abfall als weniger entwickelte Länder (vgl. Statista 2019). Somit stellt sich die Frage danach, wie diesem linearen Wirtschaftssystem entgegengewirkt und ein zyklisches Wirtschaftssystem gefördert werden könnte. Innerhalb von Unternehmen wird ein funktionierendes Re-Distributionsmanagement aus unterschiedlichen Gründen zunehmend relevanter. Da die Sensibilisierung der Gesellschaft in Umweltthemen in den vergangen Jahren vorangeschritten ist, gilt die Wiederverwendbarkeit von ganzen Produkten, Produktteilen oder ihren Verpackungen nach der ersten Nutzungsphase in einigen Branchen der Konsum- und Investitionsgüterindustrie als bedeutendes Verkaufsargument (vgl. Specht 2005, 305). Dabei ist vielen Unternehmen auch das wirtschaftliche Potential, das mit der Entwicklung kreislauffähiger Produktkonzepte einhergeht, bewusst geworden (ebd.). Auch externe Einflüsse in Form von Richtlinien und Gesetzen sorgen dafür, dass Unternehmen den Fokus auf ganzheitliche, umweltschonende Produktkonzepte legen. Die Erfüllung rechtlicher Vorgaben wird erleichtert und möglichen Bußgeldern und Sanktionen vorgebeugt. Da einheitliche Vorgehensweisen im Re-Distributionsmanagement bisher auch aufgrund von sehr heterogenen Anwendungsfeldern nicht existieren, findet sich hier Potential für eine wissenschaftliche Betrachtung wider.

1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Re-Distributionsmanagement im Rahmen der Transformation von linearer zur zirkularen Wirtschaft insofern zu betrachten, dass vorherrschende Herausforderungen beschrieben und praktische Lösungsansätze dafür aufgezeigt werden. Daraus lassen sich zunächst die Modalziele ableiten, die Grundlagen und Elemente des Re-Distributionsmanagements zu definieren. Diese Definitionen erfolgen in Kapitel 2.1 und 2.2. Erst darauf aufbauend können Managementansätze zu den beschrieben Bestandteilen der Re-Distribution veranschaulicht werden. Dies geschieht in Kapitel 3, in dem erst die aktuellen Herausforderungen beschrieben, dann daraus abgeleitete Lösungsansätze mitsamt praktischer Fallbeispiele zur Verdeutlichung aufgezeigt werden. Ziel ist es, vor allem die logistische und technologische Dimension der Re-Distribution zu betrachten, da eine ganzheitliche Betrachtung dieses Themas den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Der Schluss setzt sich dann aus einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und einer kritischen Reflexion dieser Beobachtungen sowie der Methodik zusammen.

2. Grundlagen des Re-Distributionsmanagements

2.1. Definition in der Fachliteratur

Der Begriff Distribution entstammt dem lateinischen Wort distributio, welches für Verteilung steht. Im wirtschaftlichen Rahmen betrachtet steht Distributionsmanagement vor allem für Prozesse, Entscheidungen und Aktivitäten, die stattfinden, wenn sich das Produkt oder die Dienstleistung auf dem Weg vom Hersteller zum Kunden befindet. Unter Re-Distribution wird hingegen der umgekehrte Güterfluss verstanden (vgl. Pfohl 2018, 247f). Der Konsument ist nicht mehr Endpunkt, sondern Ausgangspunkt des Distributionskanals. Dabei werden Produkte und Reststoffe nach der ersten Nutzungs- und Gebrauchsphase zum Produzenten zurückgeführt und dann als Sekundärstoffe/-produkte in eine neue Gebrauchsphase überführt (ebd.). Dienstleistungen fallen aufgrund ihres Wesens nicht unter die Objekte der Re-Distribution.

Re-Distribution ist ein Teilbereich der Logistik. Logistik kann in die fünf Subsysteme Beschaffungs-, Produktions-, Distributions-, Ersatzteil- und Entsorgungslogistik unterteilt werden (vgl. Stölzle 1993, 200f). Das Re-Distributionsmanagement wird dabei der Entsorgungslogistik zugeordnet (vgl. Balsliemke 2013, 42; Siestrup 1999, 108). Während die Entsorgung auch die endgültige Beseitigung von Rückständen mit einschließt, fördert die Re-Distribution durch die Prinzipien der Wiederverwendung, Weiterverwendung, Wiederverwertung und Weiterverwertung den Sekundärgebrauch von Produkten und Materialien (vgl. Schulte 1999, 419). Daher wird Re-Distribution auch mit der Entwicklung von einer Abfall- hin zu einer Kreislaufwirtschaft verbunden (vgl. Gabler 2019).

Laut Pfohl / Stölzle (1992a, 2236) beschreibt Re-Distributionsmanagement eine „[…] ökonomisch und ökologisch effiziente Ausgestaltung aller Tätigkeiten der raum-zeitlichen Transformation von Reststoffen vom Anfallort bis zum Ort eines Wiedereinsatzes, wobei die Reststoffe in ihrem ursprünglichen Zustand eine abgeschlossene Distribution durchlaufen und ihre Ge- oder Verbrauchsphase beendet haben. “. Um ein Re-Distributionsmanagement umsetzen zu können, müssen also neben den herkömmlichen Vertriebswegen vom Produzenten zum Kunden hin, auch Rückführungssysteme konzipiert werden. Die Planung, Steuerung, Optimierung und Überwachung des Güterflusses durch diese Rückführungssysteme sind die Hauptaufgaben des Re-Distributionsmanagements (vgl. Specht 2005, 305). Die Zuteilung der Aufgabenbereiche des Re-Distributionsmanagements ist in der Literatur allerdings nicht einheitlich. Während teilweise nur die Rückführung der Altprodukte und damit verbundene Transport- , Lagerungs- oder Sortieraufgaben zu den Aufgabenfeldern gezählt werden (vgl. Ginter & Starling 1978, 75f), erweitern einige Definitionen das Aufgabengebiet der Re-Distribution um die daran anschließenden physischen Transformationsprozesse, die notwendig sind, um Recycling und die Re-Integration der Stoffe in den Kreislauf zu ermöglichen (vgl. Pfohl & Stölzle 1995, 2234 ff; Schröter 2007, 30). Diese erweiterte Sicht deckt sich auch mit der englischen Definition der „Reverse Logistics“ (vgl. Dekker & de Brito 2003, 3f).

2.2. Elemente des Re-Distributionsmanagementsystems

Die zentralen Objekte der Re-Distribution sind Reststoffe. Diese fallen bereits bei der Produktion der Zielprodukte in form von Abfällen und Sekundärrohstoffen (Abwässer, Schmiermittel, Öle etc.) an. Auch beim Transport der Zielprodukte entstehen so genannte Transferrückstände wie Transport- und Verkaufsverpackungen oder nicht verkaufte Produkte (Retoure). Darüber hinaus fallen Konsumrückstände nach der Konsumphase in Form von ge- und verbrauchten Altprodukten, Produktresten wie Leergut, oder Ausstauschaggregaten wie Batterien an (vgl. Pfohl 2018, 247). Diese Rückstandsarten können wiederum in Ein- und Mehrstoffprodukt unterteilt werden, welches ein wichtiges Kriterium bei der Sortierung und Recyclingfähigkeit darstellt. Auch eine Unterteilung und umweltgefährdende und umweltfreundliche Produkte kann vorgenommen werden (vgl. Specht 2005, 308).

Bereits 1971 wurde von Zikmund/Stanton zwischen verschiedenen Arten von Re-Distribution unterschieden. So könne, einerseits, der rückwärts gerichtete Fluss direkt, also vom Verbraucher zum Hersteller stattfinden. Andererseits bestünde die Möglichkeit einer indirekten Lösung mit zwischengeschalteten, so genannten Mittlern. Diese Mittler könnten entweder typischer Natur sein, also z.B. in Form von eigenständigen Transport-, Entsorgungs- oder Logistikdienstleistern zwischen Verbraucher und Hersteller fungieren. Auch der Handel kann Funktionen des Mittlers übernehmen. Darüber hinaus können atypische Mittler wie zum Beispiel ökologisch orientierte Bürger, Gruppen oder Institutionen diese Rolle einnehmen (vgl. Zikmund & Stanton 1971, 35f). Daraus kann abgeleitet werden, dass die Konsumenten als Abfallproduzenten, die Hersteller der Produkte, die Verwerter (die gleichzeitig die Hersteller sein können) und dazwischen geschaltete Mittler die Teilnehmer eines Re-Distributionssystem darstellen.

2.3. Re-Distributionsfunktionen

Laut Raabe (vgl. 1993, 293) kann die Re-Distribution in rückstandsbezogene und in kommunikationsbezogene Re-Distributionsfunktionen unterteilt werden: Die rückstandsbezogene Dimension teilt sich wiederum in vier Dimensionen, nämlich der quantitativen, der qualitativen, der räumlichen und der zeitlichen Dimension auf. Innerhalb der quantitativen Dimension wird das Ziel verfolgt, die mengenbezogenen Differenzen zwischen beim Verbraucher anfallenden Abfällen und beim Verwerter zum wirtschaftlichen Verwerten benötigten Mengen auszugleichen. Da kleine Mengen anfallender Abfallprodukte nicht wirtschaftlich rentabel recycelt werden können, müssen diese Mengen über einen bestimmten Zeitraum gesammelt werden (vgl. Stache 1995, 78). Es müssen unterschiedliche Altproduktmengen zu recyclingtechnisch bedingten Mindestmengen transformiert werden. Die qualitative Dimension fokussiert sich auf die Qualität der eingesammelten Abfälle. Im Zuge dessen werden diese identifiziert, sortiert, gereinigt oder demontiert. Unbekannte Stoffgemische sollen in bekannte, stoffreine Gemische transformiert werden. Die räumliche Dimension rückt die Überwindung räumlicher Differenzen zwischen Anfall-, Sammel- und Verwertungsort durch Transportprozesse in den Mittelpunkt (ebd.). Hierbei werden räumlich verstreute, unbekannte Menge in verfügbare und erfassbare Einheiten transformiert. Die zeitliche Dimension gleicht durch Lagerprozesse zeitliche Spannungen zwischen Anfall- und Verwendungs-/ Verwertungsrhythmen aus (ebd.). Ein unstetiges, nicht planbares Aufkommen soll dadurch in ein stetiges Aufkommen umgewandelt werden. Auf kommunikativer Ebene sind vor allem die Funktion der Rückstandsermittlung und der Rückstandslenkung zu nennen. Bei der Ermittlung sollten Art und Umfang auf Angebots- und Nachfrageseite bestimmt werden, bei der Lenkung vor allem Informationsübermittlung und Verhaltensbeeinflussung stattfinden (vgl. Raabe 1993, 293). Diese Aufgaben können von Mittlern übernommen werden und dienen vor allem dazu, dem Verwerter letztlich homogene, verwertbare Lose zur Verfügung zu stellen, die dann ökonomisch sinnvoll in den Kreislauf re-integriert werden können. Diese, mit der Re-Integration verbundenen Prozesse, werden, wie schon beschrieben, ebenfalls zur weiter gefassten Definition der Re-Distribution gezählt. Diese Prozesse können, je nach Zustand der zurückgelieferten Produkte oder Materialien, einen unterschiedlich hohen Arbeitsaufwand nach sich ziehen. Dazu zählen beispielsweise Aufarbeitungsarbeiten wie Reparatur und Reinigung, aber auch Montage und Demontage von Komponenten für Wieder- und Weiterverwendung sowie Umformung der Wertstoffe mithilfe chemischer oder biologischer Prozesse um Wieder- und Weiterverwertung zu ermöglichen (vgl. Schulte 1999, 419).

2.4. Re-Distribution im Entsorgungssystem

Anhand der folgenden Abbildung soll das bereits beschriebene nochmals verdeutlicht werden. In der Abbildung sind die Gestaltungsmöglichkeiten der Entsorgung nach Iserman (vgl. 1998, 308) zu sehen. Die Wege, die für die Re-Distribution von Belang sind, wurden gelb markiert. Ausgehend vom Konsum des Abnehmers fallen nach der Konsumphase Reststoffe an. Diese können in Abfälle und Wertstoffe unterteilt werden. Abfälle werden über Deponien direkt entsorgt, kompostiert oder verbrannt, Wertstoffe können weiterverarbeitet oder aufbereitet werden. Diese Wertstoffe sind das Arbeitsmaterial der Re-Distribution. Dabei bestehen die Optionen der Beibehaltung und der Auflösung der Gestalt des Wertstoffes. Bei der Beibehaltung der Produktgestalt wird der Wertstoff meistens durch Reinigung, Reparatur oder Demontage so wieder hergestellt, dass er entweder mittels Wiederverwendung (z.B. durch Rücknahme von Pfandflaschen in Glas- oder Plastikform) ein weiteres mal für den ursprünglichen Verwendungszweck eingesetzt oder mittels Weiterverwendung für einen alternativen Verwendungszweck (z.B. Altreifen als Fender an Kai und Schiffen) dienen kann. Diese Weiterverwendung wird auch unter dem Synonym Upcycling verstanden, bei dem Abfallprodukte in ihrer bestehenden Form in neuwertige Produkte mit anderer Funktion (Europaletten als Möbelgrundlage) umgewandelt werden (vgl. Goldsmith 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entsorgungssystem. Aus: Isermann, H. (1998), S. 308

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Details

Seiten
20
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668934511
ISBN (Buch)
9783668934528
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v464062
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Re-Distribution Recycling Re-Distributionsmanagement Distribution Abfall Abfallmanagement Distributionslogistik

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