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Lernreflexion zu "Das Unbehagen der Geschlechter" von Judith Butler

Über Geschlecht und Geschlechtsidentität

Hausarbeit 2019 16 Seiten

Frauenstudien / Gender-Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Immanente Darstellung
A. Einleitung
B. Kapitel 1: Die Subjekte von Geschlecht/ Geschlechtsidentität/ Begehren
C. Kapitel 2: Das Verbot, die Psychoanalyse und die Produktion der heterosexuellen Matrix
D. Kapitel 3: Subversive Körperakte und Schlussabschnitt: Von der Parodie zur Politik
E. Fazit

2. Lernreflexion
A. Einleitung
B. Vergangenheit
C. Gegenwart
D. Zukunft
E. Fazit

3. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Immanente Darstellung

A. Einleitung

Das „Unbehagen der Geschlechter“, Originaltitel „Gender Trouble“, wurde 1990 von Judith Butler veröffentlicht und 1991 von Katharina Menke in das Deutsche übersetzt. Es ist das erste veröffentlichte und einflussreichste Werk und akademischer Bestseller der amerikanischen Philosophin, Philologin und feministischen Theoretikerin und eine kritische Zugangsweise zu zeitgenössischen feministischen Debatten, sowie eine sehr komplexe Theorie. Heutzutage gilt es als eines der Schlüsselwerke und Grundlagentexte der feministischen Theorie. Dabei hinterfragt sie die Identitätslogik der Gesellschaft und verknüpft dabei ihre theoretische Perspektive mit ihrer praktischen Perspektive zur Politik. Im Mittelpunkt steht dabei der Zusammenhang zwischen Macht, Geschlecht und Sexualität. Dies gelingt ihr, indem sie Werke und Diskurse anderer Autoren und Autorinnen aufgreift. Mitunter thematisiert sie Michael Foucault, Sigmund Freud, Claude Lévi-Strauss, Monique Wittig und viele weitere. Es handelt sich um eine postmoderne Theorie, die zu einer (de)konstruktivistischen Geschlechterforschung positioniert werden kann und durch poststrukturalistisches Denken Butler beeinflusst wird. Dabei werden zentrale Theorien über das Geschlecht gezeigt, um darzustellen, dass die Kategorie „Geschlecht“ problematisch ist. Die Aufgabe von „ Das Unbehagen der Geschlechter “ besteht darin , die Themen Geschlechterhierarchie und Zwangsheterosexualität aufzugreifen und diese zu entkräften.

Ihr Werk wurde zu einem Klassiker der feministischen Debatte und zählt als einer der Gründungstexte der Queer Studies. Unter Queer Studies wird eine Wissenschaft verstanden, die sich kritisch mit Identitäten aussetzt.

Butlers Werk richtet sich an ein Fachpublikum. Dies wird deutlich, weil sie sich an viele Theoretiker und Theoretikerinnen anlehnt.

Judith Butler ist 1956 in Cleveland, Ohio geboren und stammt aus einer jüdischen Familie. Butler studierte bis 1984 Philosophie an der Yale University. Sie ist als Professorin an der University of California für Rhetorik und Komparistik tätig. Ihre Schwerpunkte liegen in der Diskurs- und Sprachtheorie, sowie in der feministischen Theorie und politischen Philosophie. In den 70er Jahren hielt sie sich für ihr Studium in Heidelberg auf. Ihre jüdische Abstammung und sexuelle Vorliebe prägten sie sehr das Buch zu schreiben (vgl. Distelhorst, Lars, 2009, 8f.). Sie ist eine der einflussreichsten Philosophin zum Thema Geschlechterforschung. Sie verfasste nach „Das Unbehagen der Geschlechter“ weitere Werke. Mitunter „Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts“, welches 1993 veröffentlicht wurde oder das 1997 veröffentlichte Werk „Haß [sic!] spricht“. Seit den Neunzigerjahren gilt sie als eine berühmte feministische Theoretikerin, die zum Teil de Diskurs leitet.

Das Buch besteht aus einer Einleitung, drei theoretischen Kapiteln und einer Schlussfolgerung, die sich praktisch anwenden lassen soll.

B. Kapitel 1: Die Subjekte von Geschlecht/ Geschlechtsidentität/ Begehren

Im ersten Kapitel untersucht Judith Butler die Kategorie „Frau/en“ als Subjekt des Feminismus. Sie kritisiert die Arbeiten des bisherigen Feminismus, da man unter Kategorie „Frau/en“, davon ausgeht, dass es nur eine gemeinsame Identität bzw. nur eine homogene Gruppe gebe. Diese Zusammenfassung geht also davon aus, dass Frauen gemeinsame Merkmale und Interessen teilen. Diese Kategorisierung vernachlässigt das Frauen nicht gleich, sondern unterschiedlich in Bezug auf ethnischer Herkunft, Sexualität, Kultur und Klasse sind. Frauen werden auf unterschiedliche Weise unterdrückt und sind verschieden vom Sexismus betroffen. Sie fordert eine Erweiterung der Kategorie „Frau“. Diese Kategorisierung sorgt für ein binäres System, welches zwei unterschiedliche stark voneinander abzugrenzende Gruppen trennt: Männer und Frauen (vgl. Butler, Judith, 1991, 15ff.). Diese Unterteilung trennt in das männliche „universelle und allgemeine“ (Bublitz, Hannelore, 2018, 66) Geschlecht und in das weibliche Geschlecht, welches diesen Status nie erreichen kann.

Das Geschlecht wird erst durch den Diskurs konstruiert. Die Unterscheidung zwischen sex und gender wurde erst einige Jahre vorher eingeführt, um die Kategorie „Geschlechter“ erweitern zu können. Diese Trennung war für den Feminismus wichtig, um darzustellen, dass sich aus dem biologischem Geschlecht keine Annahmen über die Geschlechtsidentität machen lassen (vgl. Hauskeller, Christine, 2018, 743). Unter sex wird das biologische bzw. körperliche Geschlecht verstanden. Dieses wird mithilfe der Fortpflanzungsorgane, Hormone oder Sexualtriebe versucht zu beschreiben. Gender meint die kulturell entwickelte Geschlechtsidentität, d.h. Biologie ist nicht gleich Schicksal. Diese Unterscheidung kritisiert Butler, da man diese als natürlich und vordiskursiv ausgibt und sie nicht in Frage stellt, jedoch sind sex und gender von kulturellen und sozialen Einflüssen geprägt und somit diskursiv. Die Zuweisung von sex und gender als etwas natürliches und biologisches ist ein „Effekt jenes kulturellen Kontruktionsapparats“ (Butler, Judith, 1991, 24) und somit eine soziale Konstruktion. Geschlecht im Allgemeinen erzwingt also „[…] ein künstlich binäres Verhältnis zwischen den Geschlechtern (sexes) als auch die künstliche innere Kohärenz jedes einzelnen Terms der Binarität.“ (Butler, Judith, 1991, 41). „Geschlecht erscheint nun nicht nur als soziale Konstruktion, sondern als Wirkung eines gegebenen Regimes der (Hetero-)Sexualität.“ (Bublitz, Hannerlore, 2018, 65). Erst nachdem das Geschlecht als Norm eingeschrieben wurde, wird es als natürlich gegeben angesehen. Sex wird als natürlich ausgegeben, um Machtverhältnisse schaffen zu können. Das Geschlecht ist dabei sprachlich geformt und sorgt für eine immer wiederkehrende heterosexuelle Zwangsordnung. D i e s f ü h r t e i n e e r z w u n g e n e h e t e r o s e x u e l l e L e b e n s w e i s e u n d Begehrensorientierung herbei (vgl. Butler, Judith, 1991, 24ff.). Die U n t e r s c h e i d u n g v o n sex u n d gender s o r g t d a f ü r , d a s s d a s Zweigeschlechtlichkeitsmodell nicht aufgelöst wird. Dieses binäre System der Zweigeschlechtlichkeit sei kulturell unvermeidlich und ein zentraler Gegenstand ihrer feministischen Theorie. Zweigeschlechtlichkeit ist somit ebenfalls ein kulturelles und soziales Phänomen. Diese Abtrennung von Frauen als eigene Gruppe gegen die Männer steht der Forderung für Gleichheit entgegen (vgl. Bublitz, Hannerlore, 2018, 50). Daher fordert Butler, dass diese Begriffe dekonstruiert werden, damit die Ungleichheit garnicht erst zustande kommen kann. Dabei sollen Geschlecht und Identität radikal überdacht werden: „Die feministische Kritik muß [sic!] einerseits die totalisierenden Ansprüche einer maskulinen Bedeutungs-Ökonomie untersuchen, aber andererseits gegenüber den totalisierenden Gesten des Feminismus selbstkritisch bleiben. Der Versuch, den Feind in einer einzigen Gestalt zu identifizieren, ist nur ein Umkehr-Diskurs, der unkritisch die Strategie des Unterdrückens nachahmt, statt eine andere Begrifflichkeit bereitzustellen.“ (Butler, Judith, 1991, 33). Butler schlägt daher eine Auflösung der Geschlechter vor, somit werden Menschen nicht mehr von männlichen oder weiblichen Geschlechterrollen beeinflusst und eingeschränkt. Diese Auflösung hat eine Entnaturalisierung des Biologischen zur Folge.

Das Ziel des Feminismus ist die Erweiterung des Repräsentation der Frauen. Nach Butler stellt diese Forderung schon einen Fehler dar, da die Identifizierung zu einem Geschlecht die Zugehörigkeit zu einem anderen ausschließt und man somit zur Zweigeschlechtlichkeit gezwungen wird. Selbst die Begriffe bi-, trans-, homosexuell weisen immer drauf hin, dass es zwei Geschlechter gibt. Butler fordert, dass das vorherrschende System der Zweigeschlechtlichkeit aufgelöst werden soll, damit neue Identitätskonzepte ermöglicht werden können. Sie fordert eine neue Politik, die Geschlechter auflöst, d.h. es gibt kein männlich oder weiblich (vgl. Butler , Judith, 1991, 19f.).

Die „Matrix der Intelligibilität“ ist ein kultureller und gesellschaftlicher Prozess, bei dem sich der Körper der Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität unterordnet (vgl. Butler, Judith, 1991, 39). Die heterosexuelle Matrix bildet geschlechtsspezifische Regeln bzw. Normen. Diese Matrix dient der Stabilisierung der Zweigeschlechtlichkeit und der biologischen Ordnung (vgl. Hauskeller, Christine, 2018,747). Die Geschlechtsidentität gender ist nach Butler nicht die logische Folge aus dem Geschlecht sex, sondern intelligible Wirkung. Diese wird dann Aufrechterhalten, wenn es eine Kohärenz zwischen Geschlecht (sex), Geschlechtsidentität (gender), der sexuellen Praxis (gender performance) und des sexuellen Begehrens (desire) gibt. Ein Beispiel hierfür wäre, dass ein weiblicher Körper eine weibliche Geschlechtsidentität hat, die ein heterosexuelles Begehren auf Männer richtet und eine weibliche Inszenierung des Geschlechts aufweist. Aufgrund der heterosexuellen Zwangsordnung lautet die Annahme Butlers also, dass sex sowohl mit gender als auch mit desire und gender performance korrespondieren muss (vgl. Butler 1990, 38f.). Diese intelligiblen Geschlechter sind in der heterosexuellen und zweigeschlechtlichen Matrix ausgeschlossen (vgl. Butler, Judith, 1991, 39). Um darauf genauer einzugehen kann man sagen, dass die Aussage Frauen werden mit Merkmalen und Interessen einer Frau geboren unsinnig ist, da diese Eigenschaften sozial konstruiert werden. Sie gestalten das Selbstempfinden schon im Kindesalter. Das Kind wird dann schon von der Geschlechterordnung gekennzeichnet. Diese Matrix unterliegt, genauso wie sex und gender der Performanz, d.h. sie ist das Ergebnis ständiger Diskurse.

„Hinter den Äußerungen der Geschlechtsidentität (gender) liegt keine geschlechtlich bestimmte Identität (gender identity): Vielmehr wird diese Identität durch diese «Äußerungen» konstituiert, die angeblich Resultat sind.“ (Butler, Judith, 1991, 49). Damit möchte Butler sagen, dass durch unser Tun Geschlechtsidentität performativ erzeugt wird. Performativität meint nach Butler einen Prozess, der das Handeln einer Person als „männlich“ oder „weiblich“ bewertet.

C. Kapitel 2: Das Verbot, die Psychoanalyse und die Produktion der heterosexuellen Matrix

Im zweiten Kapitel thematisiert Butler das Inzesttabu: „Das Inzesttabu untersagt also nicht nur die sexuelle Vereinigung unter den Angehörigen desselben Verwandtschaftszweigs sondern schließt überdies ein Tabu gegen die Homosexualität ein.“ (Butler, Judith, 1991, 115). Laut Butler bildet dieses Verbot indirekt eine heterosexuelle Gesellschaft, die Geschlechtsidentitäten (gender identities) erzwingt. Diese inzestuösen Wünsche und Handlungen entstehen nach Butler erst aufgrund dessen, dass sie verboten sind. Dieses Inzesttabu herrscht, um die biologische Ordnung der Geschlechter, als auch die Zweigeschlechtlichkeit zu stabilisieren (vgl. Hauskeller, Christine, 2018, 747). Butler setzt sich ebenfalls kritisch mit zwei weiteren Begriffen auseinander: die „Zwangsheterosexualität“ oder auch „Heteronormativität“ genannt und der „Phallogozentrismus“. Ersteres besagt, dass die Gesellschaft an heterosexuelle Lebensweisen fixiert ist. Der Phallogozentrismus meint, dass die Festlegung von „Weiblichkeit“ vom Mann ausgeht und somit die Frau kein eigenständiges Geschlecht darstellt (vgl. Beimesche, Henrike et al., 2019, 1).

D. Kapitel 3: Subversive Körperakte und Schlussabschnitt: Von der Parodie zur Politik

Das letzte Kapitel Butlers befasst sich mit der Rolle des Körpers und der Politik. Butler behauptet, dass der Körper als vordiskursiv und somit als natürlich angesehen wird, ohne dabei auf verschiedene Kontexte, wie beispielsweise den geschichtlichen Kontext, einzugehen. Der Körper wird als geschlechtlicher, also weiblicher oder männlicher Körper, eingeordnet.

Obwohl wir den Körper als etwas „natürliches“ betrachten wird er durch das kulturelle Denken beeinflusst. Der Körper wird demnach als etwas natürliches angesehen, obwohl es sich um eine erzwungene Materialisierung handelt. Der Körper wird dementsprechend nicht als natürlich betrachtet, „sondern als […] vergesellschaftete , einer sozialen Norm unterworfene körperliche Materialität.“ (Bublitz, Hannelore, 2018, 9). Durch diese Ordnung wird dem Menschen eine bestimmte Richtung, sowie bestimmte Körpertechniken und - technologien einverleibt. Der Körper scheint dabei, genauso wie das Geschlecht, sprachlich vom Diskurs geformt zu sein. Der Grund dafür ist die „heterosexuelle Matrix“, durch den Diskurs dieser Matrix wird einem die Geschlechtsidentität, Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität eingeschrieben. Das heißt, dass der Körper seinen Ursprung nicht im Diskurs hat, sondern nur ein Produkt dieses Diskurses ist. Die Geschlechtsidentität ist nichts was zwangsläufig aus dem Geschlecht erfolgt.

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Details

Seiten
16
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668930735
ISBN (Buch)
9783668930742
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v464678
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
Schlagworte
lernreflexion unbehagen geschlechter judith butler über geschlecht geschlechtsidentität

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Titel: Lernreflexion zu "Das Unbehagen der Geschlechter" von Judith Butler