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Gesundheitssport bei Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen

Entwicklung eines Konzepts zur Prävention

Einsendeaufgabe 2019 20 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Bedarfsanalyse
1.1 Bewegungsempfehlung und Bewegungsverhalten
1.1.1 Begriffserklärung
1.1.2 Bewegungsempfehlungen
1.1.3 Bewegungsverhalten
1.2 Datenlage zum Gesundheitsproblem
1.2.1 Begriffserklärung
1.2.2 Alters-und geschlechtsspezifische Perzentile
1.2.3 Epidemiologische Daten
1.2.4 Ursachen und Risikofaktoren
1.2.5 Auswirkungen auf die Gesundheit
1.2.6 Auswirkungen auf die Volkswirtschaft
1.2.7 Handlungsnotwendigkeiten

2 Wirksamkeit körperlicher Aktivität

3 Zielgruppe

4 Ziele und Inhalte

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
6.1 Abbildungsverzeichnis
6.2 Tabellenverzeichnis

1 Bedarfsanalyse

Das Schwerpunktthema der vorliegenden Prüfungsleistung liegt auf der Entwicklung eines Konzeptes zur Reduzierung von Bewegungsmangel und Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen durch gesundheitssportliche Aktivität.

1.1 Bewegungsempfehlung und Bewegungsverhalten

1.1.1 Begriffserklärung

Körperliche Aktivität ist definiert als „jegliche durch die Skelettmuskulatur hervorgebrachte Bewegung, die zu einem substanziellen Energieverbrauch über den Ruhewert hinausführt“ (Bouchard, Blair, & Haskell, 2012, S.12; Dishman, Heath, & Lee, 2013, S. 39). Sportliche Aktivität wird hingegen als eine spezifische Form der körperlichen Aktivität beschrieben, die meist mit dem Ausüben von Sportarten oder einem strukturierten Training verbunden ist, sodass man ins Schwitzen und außer Atem kommt. Sport zielt auf morphologische, metabolische und funktionelle Anpassungserscheinungen im Sinne einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Gesundheit (Bouchard, Blair, & Haskell, 2012, S.12; Hollmann & Strüder, 2009) hin. Die nachfolgenden Empfehlungen sind unter dem Gesundheitsaspekt zu betrachten und beziehen sich auf sportliche Freizeitaktivitäten, die der Gesundheit förderlich sind und eine Gefährdung ausschließen. Ebenso schließen die Empfehlungen Alltagsaktivitäten, wie beispielsweise Fahrradfahren oder Zufußgehen, als körperliche Aktivität mit ein (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung [BZgA], 2016, S. 10).

1.1.2 Bewegungsempfehlungen

Im Folgenden werden Bewegungsempfehlungen von anerkannten Fachgesellschaften zur gesundheitswirksamen körperlichen Aktivität erläutert. Die aktuellen Bewegungsempfehlungen der WHO (World Health Organization [WHO], 2010) stützen sich auf die wissenschaftlich fundierte Empfehlungen des U.S. Department of Health and Human Services [USDHHS] (2008), die zwei Jahre zuvor Bewegungsleitlinien zur gesundheitswirksamen körperlichen Aktivität veröffentlichten. Den „Global Recommendations on Physical Activity for Health“ (WHO, 2010) zufolge sollen Kinder von 5 bis 17 Jahren und Jugendliche täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv sein, zusätzliche Bewegungszeit bringt einen gesundheitlichen Mehreffekt. Während dieser Zeit sollten die Heranwachsenden in moderater bis hoher Intensität körperlich aktiv sein. Zusätzlich sollen Aktivitäten zur Verbesserung der Kraft, Knochengesundheit und Beweglichkeit durchgeführt werden (WHO, 2010, S. 20). Eine solche Intensität beschreibt körperliche Aktivitäten, die als etwas anstrengend empfunden werden, bei denen man noch reden, aber nicht mehr singen kann. Es kommt dabei zu einem leichten bis mittleren Anstieg der Atemfrequenz (BZgA, 2016, S.21). Die nationalen Bewegungsempfehlungen der BZgA gelten für Kinder und Jugendliche von der Geburt bis 18 Jahren. Es wird unterschieden zwischen vier Altersgruppen. Alltagsaktivitäten werden mit 2,9 MET (metabolische Äquivalente) als Basisaktivität bezeichnet. Folgt auf diese Basisaktivität keine moderat intensive (3 - 5.9 MET) oder hoch intensive körperliche Aktivität (≥ 6 MET), spricht man von Bewegungsmangel.

Tab. 1: Nationale Bewegungsempfehlung für Kinder und Jugendliche (modifiziert nach BZgA, 2016, S. 23)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Innerhalb der jeweiligen Altersgruppe sollte Rücksicht auf Faktoren wie individueller Leistungsstand, Alter, Geschlecht und soziokulturelle Faktoren genommen werden. Kinder und Jugendliche, die sich bisher sehr wenig bewegt haben, sollten schrittweise an das Ziel herangeführt werden und sich beispielsweise zunächst 30 Minuten bewegen an ein bis zwei Tagen pro Wochen. Umgehbare Sitzzeiten sollten grundsätzlich vermieden werden, sie finden meist während des motorisierten Transports oder bei der Nutzung digitaler Medien statt. Säuglinge und Kleinkinder bis 3 Jahre sollten gänzlich auf den Konsum von audiovisuellen Medien verzichten, Kindergartenkinder bis 6 Jahre sollten nach Ansicht der Experten täglich maximal 30 Minuten damit verbringen. Grundschulkindern wird eine Nutzungsdauer von maximal 60 Minuten täglich empfohlen, Jugendlichen bis 18 Jahre sollten nicht mehr als zwei Stunden am Tag mit dem Medienkonsum verbringen (BZgA, 2016, S. 23-24).

1.1.3 Bewegungsverhalten

Als anerkanntes nationales „Public-Health-Institut“ führt das Robert Koch-Institut die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) durch. Während der zweiten Folgeerhebung der Studie (Welle 2) im Zeitraum von 2014 bis 2017 wurden erneut repräsentative Daten ermittelt, unter anderem zum körperlich-sportlichen Bewegungsverhalten. Die Datenermittlung erfolgte mithilfe schriftlicher Befragungsbögen. Bei den Kindern im Alter von 3 bis 10 Jahren wurden die Eltern hinsichtlich des Bewegungsverhaltens ihrer Kinder befragt, bei den 11 bis 17 jährigen Kindern und Jugendlichen beruhen die Daten auf Selbstangaben. Die Frage lautete:„ An wie vielen Tagen einer normalen Woche bist du/ist Ihr Kind für mindestens 60 Minuten am Tag körperlich aktiv?“ Die acht Antwortmöglichkeiten reichten von „an keinem Tag“ bis zu „an 7 Tagen“. Anhand dieser Information erfolgte eine Einschätzung zur Einhaltung der WHO-Empfehlung, die eine mindestens 60-minütige moderate bis intensive körperliche Bewegungsempfehlung für Kinder und Jugendliche vorsieht. Die Auswertungen basieren auf Daten von 12.981 Heranwachsenden, davon 6.532 Mädchen und 6.449 Jungen (Finger, Varnaccia, Borrmann, Lange & Mensink, 2018). Die Darstellung erfolgt geschlechtsspezifisch, ist in jeweils vier Altersgruppen gegliedert und gibt Aufschluss über den sozioökonomischen Status (SES). Der SES gibt Rückschluss zum Bildungsstand, die berufliche Stellung und Einkommenssituation der Eltern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: „WHO-Empfehlung erfüllt“ (RKI, 2018)

Die Ergebnisse zeigen, dass nur 22,4 % der Mädchen und 29,4 % der Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren die Bewegungsempfehlung der WHO erreichen. Bei genauerer Betrachtung ist bei voranschreitendem Alter eine deutliche Abnahme der täglichen Aktivität zu erkennen. 42,5 % der 3 bis 6 jährigen Mädchen und 48,9 % der Jungen erfüllen die 60-minütige Bewegungsempfehlung. Dahingegen treiben nur noch 22,8 % der Mädchen im Alter von 7 bis 10 Jahren bzw. 30,0 % der Jungen täglich 60 Minuten Sport. 11 bis 13 jährige Mädchen kommen zu 16,5 % der WHO Empfehlung nach, bei den gleichaltrigen Jungen sind es 21,4 %. Bei den 14 bis 17 jährigen Mädchen treiben nur noch 7,5 % einmal täglich 60 Minuten Sport, bei den gleichaltrigen Jungen sind es 16,0 %. Für das Erreichen der Bewegungsempfehlung besteht bei den Jungen kein Zusammenhang mit dem SES, bei Mädchen ist das Ergebnis nicht einheitlich (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: "Geringe sportliche Aktivität"(RKI, 2018)

Aus Abbildung 2 wird ersichtlich, dass die Häufigkeit geringer körperlicher Aktivität mit zunehmendem Alter signifikant ansteigt. „Geringe sportliche Aktivität“ bedeutet, dass die WHO Empfehlung an weniger als 2 Tagen erfüllt wird. Mädchen weisen mit 11,1 % häufiger ein geringeres Maß an körperlicher Aktivität auf als Jungen mit 7,0 %. 22,0 % der 14 bis 17 jährigen Mädchen weisen eine geringe sportliche Aktivität auf, nur 10,8 % der gleichaltrigen Jungen treiben so selten Sport. Darüber hinaus kommt ein Fünftel der Mädchen aus einem Elternhaus mit niedrigem sozioökonomischen Status (vgl. Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus Abbildung 3 wird ersichtlich, dass Mädchen im Alter von 3 bis 10 Jahren die Bewegungsempfehlung der WHO deutlich seltener erreichen als noch in der KiGGS Welle 1. Bei Jungen blieb die Häufigkeit nahezu unverändert. Hier ist allerdings zu erwähnen, dass sich die Befragungsmethode von Welle 1 zu Welle 2 geändert hat. Wurden bei der ersten Folgeerhebung noch telefonische Interviews geführt, so waren es bei der zweiten Folgeerhebung schriftliche Interviews. Es ist zu vermuten, dass dies in Welle 1 zu einer positiveren Selbsteinschätzung geführt hat (Finger et al., 2018).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die geltenden Bewegungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche in Deutschland bei Weitem nicht eingehalten werden. Jedes vierte Kind in Deutschland macht nicht regelmäßig Sport. Lediglich 22,4 % der Mädchen und 29,4 % der Jungen befolgen die Mindestempfehlung der WHO. Deutsche Institute schreiben eine höhere Bewegungsempfehlung von mindestens 90 Minuten vor (BZgA, 2016). Die sportliche Aktivität der Kinder und Jugendlichen reduziert sich deutlich mit zunehmenden Alter. Auffällig ist die sehr geringe sportliche Aktivität der 14 bis 17 jährigen Mädchen (7,5 %). Jungen erfüllen die Empfehlungen häufiger als Mädchen, darüber hinaus herrscht ein Zusammenhang zwischen einer sportlichen geringen Aktivität und einem niedrigen familiären Wohlstand (vgl. Tab. 2). Die verstärkte Nutzung moderner Kommunikationsmittel, der gestiegene Medienkonsum sowie die zunehmende Motorisierung des Transports werden unter anderem für den Bewegungsmangel verantwortlich gemacht (Geuter & Hollederer, 2012b, S. 12). Dabei werden im Kindes- und Jugendalter die Verhaltensmuster für das Gesundheitsverhalten im späteren Erwachsenenalter ausgebildet. Sport wirkt sich positiv auf die psychosoziale Entwicklung und das Wohlbefinden der Heranwachsenden aus (Kleine, 1994), zudem senkt eine gute aerobe Fitness und Muskelkraft im Jugendalter das Risiko, im Erwachsenenalter Herzerkrankungen zu erleiden (Crump, Sundquist, Winkleby, Sundquist, 2017). Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich bei Kindern und Jugendlichen positiv auf die Knochendichte aus (Boreham & McKay, 2011). Ein weiterer positiver Effekt sportlicher Aktivität ist die Verbesserung der kognitiven und schulischen Leistungen (Timmons, Naylor & Pfeiffer, 2013). Außerdem entwickeln sportlich aktive Kinder bessere koordinative und motorische Fähigkeiten als körperlich nicht aktive (Wagner, Worth, Schlenker, & Bös, 2010).

1.2 Datenlage zum Gesundheitsproblem

1.2.1 Begriffserklärung

Nach Lawrenz (2005, S.9) versteht man unter Adipositas einen übermäßigen Fettanteil an der Körpermasse. Dieser Fettanteil wird meistens mit dem „body mass index“ beschrieben. Der BMI beschreibt das Verhältnis zwischen Körpergewicht und Körperlänge (BMI=kg/m²). Da sich die Körperproportionen der Kinder und Jugendlichen durch das Wachstum ändern, wird der BMI in alters- und geschlechtsspezifischen Perzentilen ausgedrückt. Bei einem BMI zwischen dem 90. und 97. Perzentil liegt Übergewicht vor, ab dem 97. spricht man von Adipositas (Kromeyer-Hausschild et al., 2001).

1.2.2 Alters-und geschlechtsspezifische Perzentile

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Details

Seiten
20
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668932845
ISBN (Buch)
9783668932852
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v464696
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
0,5
Schlagworte
Gesundheitsmanagement im Sport

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Titel: Gesundheitssport bei Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen