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Eine betriebswirtschaftliche Unternehmensanalyse des Continental-Konzerns

Facharbeit (Schule) 2018 20 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Frühe Geschichte der Continental Aktiengesellschaft bis ca. 19753
1.1 Gründungsphase
1.2 Von der Gründung zu den Weltkriegen.
1.3 Nachkriegszeit

2 Untersuchung der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen..
2.1 Vermögensaufbau
2.2 Kapitalaufbau.
2.3 Vergleich der Aktiv- mit der Passivseite
2.4 Betrachtung der Gewinn- und Verlustrechnung.
2.5 Gesamtbeurteilung des Konzerns

3 Die Innovationskultur des Konzerns

4 Literaturverzeichnis.

1 Frühe Geschichte der Continental Aktiengesellschaft bis ca. 1975

1.1 Gründungsphase

In der aufblühenden Stadt Hannover hatten Gummiwarenfabriken schon vor der Gründung der damals noch Continental-Caoutchouc- & Gutta-Percha-Companie AG lautenden Unternehmung Tradition. Durch den Beitritt des Königreichs Hannover zum deutschen Zollverein wurde das wirtschaftliche Treiben enthemmt. Ab 1861 galt dann sogar in allen Bundesstaaten das neu eingeführte Handelsgesetzbuch, welches Handel und Produktion im ganzen Deutschen Bund vereinfachte und den Flickenteppich aus einzelnen Staaten ein Stück weit beseitigte.1

Es gab also reichlich Konkurrenz zur Gründungsphase. Es existierenden bereits sechs andere Gummiwarenfabriken in der Stadt.2

- Hannoversche Gummi-Kamm Compagnie
- Neue Hannoversche Gummi-Waarenfabrik
- Firma Bindel & Wiegener („Gummi- und Guttaperchawaarenfabrik und Lager“)
- Franzelous & Klohss OHG („Anfertigung von Kautschuk, Guttapercha und Vulkanisationsapparaten“)
- Fa. Max Ottenbruch („Fabrik von übersponnenen Gummiwaren“)
- Otto Köhsel & Sohn amerikanische Patent-Packung- und Gummiwaren-Fabrik OHG

Von diesen sieben ist allerdings 1871 schon ein Unternehmen in Konkurs gegangen, nämlich die Neue hannoversche Gummi-Waarenfabrik. Man hatte allerdings trotzdem keine Zweifel in Bezug auf die Firmengründung. So kam es, dass der Hannoveraner Bankier Moritz Magnus 1871 die Konkursmasse der Gummi-Waarenfabrik aufkaufte und noch im selben Jahr mit etlichen anderen Bankies und Investoren aus der Gummibranche mit der in dieser Arbeit beleuchtete Aktiengesellschaft die Produktion startete.3

Um genau die oben beschriebene Konkurrenzsituation zu entschärfen, beschloss man noch im Gründungsjahr, aus der bisher vorherrschenden Hartgummiwarenfertigung auszusteigen und sich voll und ganz auf die neuartige Weichgummiwarenproduktion zu konzentrieren. Damit fand man eine Marktlücke, die einen langsamen, aber stetigen Aufwärtstrend einleitete.4

1.2 Von der Gründung zu den Weltkriegen

Rund zwei Jahrzehnte nach der Gründung stiegen auch die anderen noch verbleibenden Hannoveraner Unternehmen in die Weichgummiproduktion ein. Man weitete sein Produktionsspektrum über die Reifen hinaus. Gleichzeitig gelangen aber dennoch die Erfindung richtiger Verkaufsschlager, wie dem Reifenprofil oder die Trennung von Reifen und Felge.5

In den nächsten Jahren konnte man stetig weiter expandieren und fand Absatzmärkte besonders in Übersee. Durch günstige Einkaufspreise (vor allem wegen des massenweisen Einkaufs von Rohmaterialien) konnte die Kundschaft gebunden werden, da man sowohl gute Konditionen als auch hervorragende Qualität bieten konnte, wie im Geschäftsbericht 1889 gesondert hervorgehoben wurde.6

Der Erste Weltkrieg schnitt Continental von den Märkten in Übersee ab. Man musste sich komplett auf die Kriegsversorgung konzentrieren und hatte deswegen keinerlei Möglichkeiten für Innovationen. Eine Ausnahme war allerdings der sogenannte „Deutsche Kautschuk“, ein Recyclingverfahren für Altgummi. Dies ist nötig geworden, da in Deutschland kein natürlich gewonnener Kautschuk mehr importiert werden konnte. Somit sah man sich 1918 – nach Kriegsende – einigen Innovationen aus Amerika gegenüber. Indes wurde Goodyear zur weltweiten Nummer eins und überrollte den europäischen Markt. Im Geschäftsbericht 1918 befürchtet man also, man könne selbst am Inlandsmarkt der Auslandskonkurrenz nichts entgegensetzen.7

Nach und nach gelang es, wieder in ehemalig verfeindeten Ländern Unternehmensstandorte aufzubauen. Dies führte mit der Kooperation mit dem US-amerikanischen Reifenhersteller Goodrich zu einer Entspannung der Lage, sodass wieder langsam Gewinne erzielt wurden. Auch veränderte man sein Produktionsspektrum von einfachen Reifen unter anderem auch auf Spezialprodukte wie LKW-Reifen und Förderbänder.8

Wie alle anderen Wirtschaftsbetriebe wurde auch die Continental AG zur Zeit des Nationalsozialismus langsam in eine planwirtschaftliche Umgebung gelenkt. Das Ende der freien Wirtschaft war im Gummibereich mit der „Überwachungsstelle für Kautschuk“ erreicht. Man musste dadurch die Produktion nach der Einfuhr richten. Diese wiederrum richtete sich allerdings nach der staatlich bewilligten Devisenmenge, welche nicht überschritten werden durfte. Durch diesen Engpass wurden auch wieder die alten Recyclingmethoden aus dem Ersten Weltkrieg interessant, welch eigentlich schon in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts wiedereingestellt wurden. Natürlich war spätestens nach Kriegsbeginn die zivile Produktion weitgehend einzustellen, man musste sich auf ausschließlich auf die „kriegswichtigen“ Produktionskapazitäten konzentrieren, wodurch auch wieder einige militärische Innovationen entstanden.9

Ebenfalls wurden besonders im späteren Kriegsverlauf auch Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern in den Werken eingesetzt, wie das in allen Betrieben von kriegsbedeutender Produktion war. Einige Werke waren sogar als eigenes Konzentrationsaußenlager in der Verwaltung geführt.10

1.3 Nachkriegszeit

Wie bei fast allen Industrieunternehmen in Deutschland und seiner Verbündeten war es zum Ende des Zweiten Weltkriegs zu massiven Beschädigungen an der Betriebssubstanz gekommen, vor allem durch Luftangriffe. Deswegen beschränkte sich die Arbeit in den frühen Nachkriegsjahren hauptsächlich auf Reparaturen und Wiederaufbauten.11

Nachdem dies allerdings geschafft war, folgten alsbald auch wieder Innovationen auf Seiten des Konzerns. Mit den neuartigen Winterreifen, M+S genannt, gelang eine beträchtliche Steigerung der Fahrsicherheit auch bei Glätte. Die Buchstabenkombination steht dabei für Matsch und Schnee.12

Nach dem Aufschwung folgte in den siebziger Jahren allerdings eine Krise innerhalb des Konzerns, der fast zur Aufgabe des Reifensektors führte. Unter anderem durch schlechte Produktionsbedingungen und falsches Management erreichten die einzelnen Betriebe unterirdisch schlechte Gewinnmargen, ja sogar Konzernverluste.13

Der Ausweg aus dieser Krise konnte nur durch radikale Veränderungen der Konzernstrukturen und durch Rationalisierungen gefunden werden. Die Reifensparte blieb aber genau wie die Automobilzulieferersparte beibehalten, es wurden allerdings die Betriebsabläufe neu gestaltet, sodass die Verluste minimiert werden konnten. Es dauerte bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, bis das Tief komplett überwunden wurde. Letztendlich war es aber ohne weitere Verluste möglich, die Konzernsubstanz zu erhalten, obwohl auch schon von Übernahmen spekuliert wurde.14

2 Untersuchung der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen

Anmerkung: Die im folgenden Kapitel errechneten Kennzahlen basieren alle auf den Daten des Geschäftsberichts 2017 des Continental Konzerns.15 Nicht zitierte Zahlen – besonders in den Tabellen – lassen sich auf der Konzernbilanz16 oder in der Gewinn- und Verlustrechnung17 nachlesen.

Die Vorstellung der Kennzahlen erfolgt immer nach demselben Schema. Zunächst wird die Formel zur Berechnung sowohl in der Wort- als auch in der Formelschreibweise dargestellt. Einzelne eventuell unklare Begriffe werden im Anschluss erläutert. Zuletzt werden die errechneten Werte tabellarisch dargestellt und eine Begründung für auftretende Besonderheiten geliefert.

2.1 Vermögensaufbau

Konstitution

Die Konstitution ist die allgemeinste Kennzahl des Vermögensaufbaus. Sie beschreibt das Verhältnis des Anlagevermögens zum Umlaufvermögen und wird wie folgt berechnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Per Definition besteht das Umlaufvermögen aus „Vermögensgegenstände[n], die nicht dazu bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen und nicht Posten der Rechnungsabgrenzung sind.“18 Das Anlagevermögen dient währenddessen dem Betriebszweck und ist somit nicht zur Veräußerung bestimmt.19 Nach dem Abzug des Rechnungsabgrenzungspostens20 vom in der Konzernbilanz angegebenen Betrag erhält man für die Konstitution nach Berechnung folgende Werte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Vergleich zum Vorjahr kann man eine Veränderung um nur 0,3 Prozentpunkte beobachten. Dies ist darin begründet, dass sowohl Anlage- als auch Umlaufvermögen in einem ähnlichen Verhältnis von 3,4 Prozent zu 3,5 Prozent zum Vorjahreswert wuchsen. Die genauen Ursachen für das Wachstum sind in den zwei folgenden Kapiteln A N L A G E I N T E N S I T Ä T (S. 6) und U M L A U F I N T E N S I T Ä T (S. 7) erläutert.

Anlageintensität

Mit der Anlageintensität kann man den Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen bzw. der Bilanzsumme feststellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter dem Gesamtvermögen versteht man die Summe aus dem Anlage- und dem Umlaufvermögen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Zuwachs des Anlagevermögens um 717,4 Mio. Euro ist auf mehrere Investitionen zurückzuführen. Einerseits wurde am 1. März 2017 die K o nrad Hornschuch AG zu 100 Prozent von der Continental AG übernommen.21 Daraus hat sich ein Zuwachs der Sachanlagen von 124,5 Mio. Euro entwickelt. Außerdem wurden Investitionen in den Segmenten C h a ss i s & Safety, Powertrain, I n t e ri o r, Re i f e n und C o n tiT e ch getätigt.22 Insgesamt wuchs der Betrag der Sachanlagen um 664 Mio. Euro auf 11,2 Mrd. Euro an. Die restliche Steigerung verteilt sich auf Finanzanlagen, immaterielle Vermögenswerte wie Patente und auf Anteile andere Unternehmen im Geschäftsbereich des Konzerns.

Der Quotient der Werte ist in beiden Jahren stabil bei 59,2 Prozent, obwohl das Anlagevermögen deutlich stieg. Dies liegt daran, dass das Umlaufvermögen fast im gleichen Rahmen zum Anlagevermögen zunahm. Die Gesamtsumme aus beiden Vermögen (Divisor) wuchs deswegen ebenfalls fast gleich zum einzelnen Umlaufvermögen (Dividend). Das selbe lässt sich im nächsten Kapitel UMLAUFINTENSITÄT (S. 7) übertragen, weshalb es dort nicht nochmals erläutert wird.

Im Vergleich zu anderen Automobilzulieferern aus Deutschland liegt der Continental- Konzern im Mittelfeld der Anlageintensitäten. Die Robert Bosch GmbH als Branchenführer 23 verzeichnete im Jahr 2017 eine Quote von 58,4 Prozent24 während die ZF Friedrichshafen AG den größten Wert in Höhe von 59,9 Prozent25 hatte.

Durch die Vergleichsweise hohe Anlageintensität lässt sich darauf schließen, dass häufig neue Produktionsanlagen erworben werden, ehe ältere komplett abgeschrieben sind. Dies ist gerade in der Automobilbranche ein häufig vorkommendes Phänomen, da diese Industrien hochmoderne Maschinenparks benötigen und diese ebenfalls häufig modernisiert werden.

Umlaufintensität

Die Umlaufintensität ist ein Pendant zur Anlageintensität. Bei dieser kann man erkennen, wie hoch der Quotient aus dem schnell zur Verfügung stehenden Vermögen (welches beispielsweise zur Begleichung von Verbindlichkeiten genutzt wird) und dem Gesamtvermögen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Anstieg an Umlaufvermögen lässt sich mit dessen drei größten Posten erklären. Der Wert der Vorräte des Konzerns stieg um 372 Mio. Euro auf 4,1 Mrd. Euro. Außerdem erhöhten sich die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen um 276,6 Mio. Euro auf 7,7 Mrd. Euro. Dies kann mit den erhöhten Umsatzerlösen im Jahr 2017 erklärt werden, welche um 3,5 Mrd. Euro auf 44 Mrd. Euro anstiegen.

Die Umlaufintensität ist deswegen vergleichsweise gering, da die Anlageintensität sehr hoch ist. Gründe dafür wurden im vorherigen Kapitel ANLAGEINTENSITÄT (S. 6) erläutert.

[...]


1 SCHMIDT 1971, S. 6.

2 SCHMIDT 1971, S. 8–9.

3 ERKER 1996, S. 13.

4 ERKER 1996, S. 14–15.

5 ERKER 1996, S. 19.

6 ERKER 1996, S. 19.

7 ERKER 1996, S. 25–26.

8 ERKER 1996, S. 26–28.

9 ERKER 1996, S. 38–42.

10 O. A. 09.01.1984.

11 SCHMIDT 1971, S. 111.

12 SCHMIDT 1971, S. 112.

13 ERKER 1996, S. 65.

14 ERKER 1996, S. 75–80.

15 CONTINENTAL AG 2018, S. 120–195.

16 CONTINENTAL AG 2018, S. 122–123.

17 CONTINENTAL AG 2018, S. 120.

18 BÖCKING U. A. 2018 (Internetquelle 2).

19 DENNERLEIN U. A. 2018 (Internetquelle 3).

20 CONTINENTAL AG 2018, S. 165.

21 CONTINENTAL AG 2018, S. 148.

22 CONTINENTAL AG 2018, S. 158.

23 KARIUS 2018 (Internetquelle 4).

24 ROBERT BOSCH GMBH 2018, S. 62.

25 ZF FRIEDRICHSHAFEN AG 2018, S. 60.

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668913110
ISBN (Buch)
9783668913127
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v464724
Note
1,5
Schlagworte
betriebswirtschaft bwl unternehmensanalyse continental konzern bilanzanalyse bilanz vermögen kapital guv gewinn verlust aktiv aktiva passiv passiva

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Titel: Eine betriebswirtschaftliche Unternehmensanalyse des Continental-Konzerns