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Stakeholderanalyse. Die analytische Komponente der Unternehmensethik

Referat (Ausarbeitung) 2015 7 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhalt

1.1 Ethische Grundlagen für die Legitimitätsbewertung (MM)
1.1.1 Menschenwürde als ethisches Prinzip für die Bewertung
1.1.2 Gemeinwohl als ethisches Prinzip für die Bewertung
1.1.3 Nachhaltigkeit als ethisches Prinzip für die Bewertung
1.1.4 Tierschutz als ethisches Prinzip für die Bewertung
1.1.5 Gerechtigkeit als ethisches Prinzip für die Bewertung
1.2 Kritische Würdigung

2 Quellenverzeichnis
2.1 Monographien

Die analytische Komponente der Unternehmensethik: Stakeholderanalyse

1.1 Ethische Grundlagen für die Legitimitätsbewertung (MM)

Nachdem Frau Göbel in Kapitel 2.3 eine Erläuterung des Begriffsverständnisses für „Legitimität“ vornimmt, kommt Sie zu der Erkenntnis, dass dieses Verständnis allein nicht ausreicht um eine qualitative Bewertung von legitimen Stakeholderansprüchen durchzuführen. Ausgehend von der Annahme, dass es ein System von Bewertungsmaßstäben bedarf um die Legitimität eines Stakeholderanspruchs zu präzisieren, wird im Folgenden auf verschiedene ethische Prinzipien zurückgegriffen die eine solche Basis darstellen.1

1.1.1 Menschenwürde als ethisches Prinzip für die Bewertung

Das erste von Frau Göbel benannte Bezugssystem für die Bewertung von Stakeholderansprüchen bildet das ethische Prinzip der Menschenrechte. Hieraus lässt sich schließen, dass die Menschenrechte individuelle Rechte sind, die aus der menschlichen Natur heraus gegeben sind und damit jedem Menschen in gleicher Art und Weise zukommen. Philosophisch sind diese durch Kant begründet. Nach Kant verfügt jeder Mensch über den Willen und das Vermögen sich selbst sittliche Gesetze zu geben, was Ihm gleichzeitig ein Bewusstsein für Moralität zukommen lässt. „Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen, gleichzeitig als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“ Mit diesem Zitat möchte Kant klarstellen, dass der Mensch bei seinem Handeln stets die zu einem bestimmten Zweck führenden Mittel berücksichtigen soll. Man soll also nicht auf Kosten anderer Menschen zu seinem eigenen Vorteil handeln.2

Seit diesen Anfängen gab es viele Versuche Menschenrechte zu formulieren, der wohl bekannteste ist die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, welche durch die UN-Generalversammlung am 10.12.1948 in Kraft trat. Diese beinhaltet im Wesentlichen die drei grundlegenden Aspekte Freiheit, Gerechtigkeit und das Vorhandensein von guten Lebens-bedingungen. Durch die Verabschiedung der internationalen Pakte von 1966 wurden neben diesen grundlegenden Rechten erweiterte Menschenrechte formuliert. Beispiele hierfür sind der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sozialer Ausbeutung oder der besondere Schutz für berufstätige Mütter.3

1.1.2 Gemeinwohl als ethisches Prinzip für die Bewertung

Das zweite vorgestellte ethische Prinzip zur Bewertung von Stakeholderanliegen bezieht sich auf das Gemeinwohl. Laut Frau Göbel ergibt sich die Legitimation von Eingriffen in die Grundrechte aus dem Ziel des Gemeinwohls. Hierbei ist zwischen nicht legitimen und legitimen Eingriffen zu unterscheiden. Ein nicht legitimer Eingriff ist den Menschen als Forschungsobjekt zu Nutzen um neue Medikamente zu entwickeln und dabei sein Leben zu gefährden. Ein legitimer Eingriff wiederum ist der Freiheitsentzug eines Verbrechers. Darauf aufbauend ergeben sich zwei zunächst gegensätzlich erscheinende Thesen die letztendlich aber das Gleiche meinen. Zum einen die These:„Gemeinwohl gilt als das höchste allgemeine Gut“ und zum Anderen „Gemeinwohl gilt als Dienstwert, der die Voraussetzung für die Erreichung des Einzelwohls schafft“. Bezogen auf das eben genannte Beispiel wird der Verbrecher seiner Freiheit beraubt, da er auch ein allgemeines Interesse an Sicherheit hat, aber in diesem Fall die Gefahr selbst darstellt. Hier wird also das Gemeinwohl dem Einzelwohl übergeordnet. Ein staatlich enteigneter Grundbesitzer würde lieber in seiner Wohnung verweilen, obwohl er gleichzeitig ein allgemeines Interesse an einer guten Infrastruktur hat. Hier wird das Gemeinwohl als Dienstwert für die Erreichung des Einzelwohls angesehen.4

Des Weiteren gilt der Gemeinsinn als Voraussetzung für die Erreichung des Gemeinwohls. Laut Höffe gilt der Gemeinsinn als Einstellung, die sich für das Gemeinwohl einsetzt und auch zu Einschränkungen bereit ist. Inhaltlich kann der Gemeinsinn in Form von Menschenpflichten formuliert werden, welche die Menschenrechte aktiv unterstützen. Hierzu zählt z.B., dass Rechte der anderen grundsätzlich als gleichberechtigt anzuerkennen sind, dass die Beschränkung der eigenen Rechte im Sinne des Gemeinwohls akzeptiert werden müssen und schließlich die aktive Mitwirkung an Tätigkeiten und Prozessen, welche die Verwirklichung des Gemeinwohls unterstützen. Da die beiden bisher vorgestellten ethischen Prinzipien noch sehr abstrakt und allgemeingültig sind, werden diese durch praktische Prinzipien ergänzt.5

1.1.3 Nachhaltigkeit als ethisches Prinzip für die Bewertung

Nach Frau Göbel bezeichnet Nachhaltigkeit die Übernahme von Verantwortung durch den Menschen in Bezug auf die Erhaltung einer intakten Umwelt. Diese Forderung nachhaltiger Entwicklung kann auf die Menschenrechte zurückgeführt werden und ist mittlerweile sogar im Grundgesetz verankert. Der Mensch wird gleichzeitig als Voraussetzung und Schutzziel nachhaltiger Entwicklung betrachtet. Ohne den Menschen kann nachhaltige Entwicklung nicht realisiert werden und Ziel der Nachhaltigkeit ist im Wesentlichen die Erhaltung der Lebensgrundlage für spätere Generationen. Das Recht auf eine intakte Umwelt ist somit begründet durch den Zusammenhang von Wohlbefinden und Gesundheit mit einer natürlichen Lebensgrundlage. Umwelt- und Naturschutz sind demnach grundlegender Bestandteil und Voraussetzung für die freie personelle Entfaltung der jetzt lebenden und zukünftig existierenden Generationen. In Bezug auf Ressourcen wird zwischen fossilen und natürlichen Ressourcen unterschieden. Für fossile Ressourcen muss ständig nach Ersatzstoffen geforscht werden. Außerdem sollten diese grundsätzlich sparsam verbraucht werden. Für natürliche Ressourcen gilt die Faustregel: Erneuerungsrate > Verbrauchsrate.6

1.1.4 Tierschutz als ethisches Prinzip für die Bewertung

Der Tierschutz ist durch Göbel definiert als die moralische Verpflichtung zur Erhaltung der Biodiversität. Diese ist teilweise durch das Nachhaltigkeitsprinzip abgedeckt, denn ein Tier gilt als natürliche Ressource. Laut Teutsch kommt Tieren die besondere Eigenschaft der Würde der Kreatur zu, welche grundsätzlich als schützenswert zu erachten ist. Ausnahmen bestehen in der landwirtschaftlichen, pharmazeutischen und technischen Nutzung. Tiere dürfen also im Arbeitsprozess, für die Entwicklung neuer Medikamente, oder im Sinne der Bionik eingesetzt werden. Zu den Befugnissen des Menschen zählt also, Tiere ohne Qual zu töten um an deren Fleisch zu gelangen. Nach Kant widerspricht die grausame Behandlung von Tieren der Pflicht des Menschen gegen sich selbst. Durch das Quälen kommt es zu einer allgemeinen Abstumpfung des Mitgefühls, was die Gefahr birgt ähnliche Grausamkeiten auch an Menschen zu verüben.7

1.1.5 Gerechtigkeit als ethisches Prinzip für die Bewertung

Die Gerechtigkeit ist nach Göbel ein zentrales, ethisches Handlungsprinzip und zugleich eine fundamentale Tugend, also eine sittlich wertvolle Eigenschaft des Menschen. Objektiv betrachtet ist Gerechtigkeit ein grundlegendes normatives Prinzip des Zusammenlebens. Subjektiv betrachtet ist es die sittliche Haltung zum Mitmenschen. Nun werden fünf verschiedene Arten von Gerechtigkeiten aufgeführt, die alle ein legitimes Anliegen für Stakeholderansprüche darstellen.8

Tauschgerechtigkeit bezieht sich auf ein ausgewogenes und gerechtes Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung, welches nicht notwendigerweise durch eine bloße vertragliche Übereinkunft sichergestellt wird. Hierzu müsste sichergestellt werden, dass auch eine Verfahrensgerechtigkeit vorliegt auf die ich im Folgenden noch näher eingehen werde.

Leistungsgerechtigkeit ist durch unterschiedliche Preise und Löhne begründet. Ein zentrales Problem ist hierbei die Festlegung eines Maßstabes zur Leistungsbewertung. Diesbezüglich führt Göbel einen wenig aussagekräftigen Vergleich der Social Economics Foundation auf, die einen Social Return on Investment für verschiedene Berufe aufgestellt hat. Sie haben herausgefunden, dass bspw. Müllmänner einen im Vergleich zu ihrem Lohn wesentlich höheren Anteil zum Gemeinwohl beitragen als bspw. Bänker. Ein einfaches Beispiel welches das Ergebnis dieser Umfrage entkräftigt bezieht sich auf den höheren Steueranteil von Bänkern, welcher letztendlich vom Staat auch wieder in das Gemeinwohl investiert wird.

Bedürfnisgerechtigkeit bezieht sich auf finanzielle Mittel die zur Grundsicherung beitragen sollen. Von Bedürfnisgerechtigkeit kann also nicht die Rede sein, wenn ein Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle ausübt und dabei trotzdem in die Armut rutscht.

Der Gleichheitsgrundsatz bezieht sich auf die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Wirtschaft. Kritikpunkte sind hierbei, dass heutzutage in manchen Fällen lieber Männer für eine bestimmte Stelle eingesetzt werden obwohl sich eine Frau mit den gleichen Qualifikationen auf die gleiche Stelle beworben hat.

Die Verfahrensgerechtigkeit beschäftigt sich im Gegensatz zur Tauschgerechtigkeit nicht mit dem Ergebnis, sondern mit der Gestaltung eines Prozesses. Für die Bewertung von Marktergebnissen bspw. muss sichergestellt werden, dass ein fairer Wettbewerb herrscht. Dieser wird aber u. A. durch Monopole, Kartelle, exzessives Lobbying bis hin zum Kaufen von politischen Entscheidungen behindert.9

1.2 Kritische Würdigung

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nach Frau Göbel ein System von Bewertungsmaßstäben auf drei grundlegenden Prämissen aufbaut. Zum Einen durch das ethische Prinzip der Menschenrechte, welches durch die Würde des Menschen begründet ist. Zum Zweiten durch das ethische Prinzip des Gemeinwohls, wonach sich die Legitimation von Eingriffen in die Grundrechte aus dem Ziel des Gemeinwohls ergibt. Als letzte Prämisse erwähnt Sie die daraus einhergehende Ableitung von drei praktischen Prinzipien, welche konkretere Unternehmens-empfehlungen zur Bewertung von Stakeholderansprüchen aufzeigen sollen.

[...]


1 Vgl. Göbel, Elisabeth (2013), S. 135 ff

2 Vgl. Göbel, Elisabeth (2013), S. 138 f.

3 Vgl. Göbel, Elisabeth (2013), S. 139 f.

4 Vgl. Göbel, Elisabeth (2013), S. 141

5 Vgl. Göbel, Elisabeth (2013), S. 142 f.

6 Vgl. Göbel, Elisabeth (2013), S. 143

7 Vgl. Göbel, Elisabeth (2013), S. 143 f.

8 Vgl. Göbel, Elisabeth (2013), S. 144

9 Vgl. Göbel, Elisabeth (2013), S. 145

Details

Seiten
7
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668929586
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v465459
Institution / Hochschule
Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach
Note
1,7
Schlagworte
unternehmensethik ethik business management fhdw bergisch gladbach stakeholder stakeholderanalyse gerechtigkeit tierschutz gemeinwohl menschenwürde nachhaltigkeit ethisch prinzip ethisches prinzip bewertung kritische würdigung analytik bachelor bwl legitimitätsbewertung

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